mini|hochkant=1.1|Die denkmalgeschützte katholische Pfarrkirche St. Martin in Friesheim.

Friesheim ist ein Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis mit rund 3000 Einwohnern.

Lage und Verkehr Durch Friesheim fließt der Rotbach, der bei Dirmerzheim in die Erft mündet.

Friesheim liegt südwestlich des Autobahnkreuzes Bliesheim, an dem die A 1 auf die A 61 und die A 553 (Querspange Brühl) trifft. Wegen des vorherrschenden Süd-West-Winds ist die Autobahn trotz ihrer Nähe nur selten zu hören. Die nächsten Autobahnanschlussstellen sind Erftstadt an der A 1/A 61 im Norden und Weilerswist an der A 61 sowie Weilerswist-West an der A 1 Richtung Süden. Die Luxemburger Straße, die B 265, wird nach 3 km östlich von Erp und nach 4 km südlich von Lechenich bei Ahrem erreicht.

Werktags ist Friesheim durch die VRS-Buslinie 807 der RVK von Liblar nach Euskirchen an den überörtlichen Verkehr angeschlossen, jedoch sind Fahrten über Liblar hinaus mit Umsteigen in andere Linienbusse oder in die Bahn am Erftstädter Bahnhof verbunden. Sonntags wird Friesheim von der Buslinie 979 der REVG von Hürth-Hermülheim über Liblar nach Erp angefahren. Zusätzlich wird der Ort wird durch den On-Demand-Service „Mobie“ der REVG bedient.

Linie Betreiber Verlauf

Geschichte Vorgeschichtliche Zeit und Römische Zeit Die Geschichte Friesheims geht bis in die Eisenzeit zurück. In der Latènezeit gab es in der heutigen Gemarkung Friesheims bereits eine sesshafte Bevölkerung, die ihre Toten verbrannte. Bei Friesheim wurden zwei eisenzeitliche Urnengräber mit Leichenbrand geborgen. Die in einem der Gräber befindliche 29 cm große rötlichbraune Graburne mit glatter Oberfläche und eingeritzten Verzierungen war zerbrochen. Bei Luftaufnahmen wurden westlich und südwestlich des heutigen Ortes eisenzeitliche Kreisgräber erkannt, die sich durch den Bewuchs von ihrer Umgebung unterscheiden.Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des Erftstädter Raums. S. 134.

mini|hochkant|Matronenstein der Matronae Vanginehae 3. Jh. Replik mini|In Friesheim gefundene Figur einer thronenden Minerva (3. Jh.)

Auch in römischer Zeit gab es Ansiedlungen in der heutigen Gemarkung Friesheims. Die Bewohner einer Siedlung im Rotbachtal arbeiteten als Töpfer. In den 1960er und 1970er Jahren wurden dort mehrere Töpferöfen ausgegraben, die zu einem größeren Töpfereibezirk gehörten. Gräberfunde mit Grabbeigaben, Brandgräber, Kultobjekte sowie Keramiken und Ziegelreste römischer Trümmerstellen belegen mehrere Siedlungen. Sie lagen vor allem im Bereich der „Bleistraße“, die von Wichterich-Niederberg kommend an Friesheim vorbeiging und auf die Römerstraße, heute Agrippa-Straße Köln–Trier traf. Diese Fernstraße verlief in knapp 2 km Entfernung am Ort vorbei (heute als Feldweg genutzt).

1982 wurde am Ostrand einer Kiesgrube ein Matronenstein gefunden, den Auvala, die Tochter des Atticus, den Matronae Vanginehae auf deren Befehl (ex imperio ipsarum) gestiftet hatte. Der in das 3. Jahrhundert datierte Votivstein mit einer Offenbarungs-Inschrift besteht aus gelblichgrauem Sandstein und ist im oberen Teil und am Sockel beschädigt. Er befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Die Stadt Erftstadt besitzt eine Nachbildung des Steins.

Die Statue einer thronenden Minerva, eine 16,8 cm hohe Bronzefigur, wurde 1925 beim Pflügen entdeckt. Sie blieb zunächst bei der Familie des Finders, wurde dann vom Friesheimer Bürgermeister Cader übernommen, der sie bis zu seinem Tode behielt.Simons/Oberdörffer, Borr – Bilder aus alter und neuer Zeit nach geschichtlichen Quellen, Sonderabdruck aus dem Euskirchener Volksblatt 1931, S. 5 Das Römisch-Germanische Museum Köln erwarb sie aus seinem Nachlass.

Bei Luftaufnahmen wurden durch Bodenverfärbungen ehemalige von den Römern an der Straße Köln-Trier zwischen Erp und Friesheim errichtete Burgi entdeckt.Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des Erftstädter Raums. S. 134–136.

Mittelalter Auf die endgültige Besiedlung durch die Franken um 450 verweisen sowohl das Martinuspatrozinium der Friesheimer Kirche, die Flurbezeichnung „Am Königsacker“ sowie die Ortsbezeichnung Friesheim mit der Endung –heim.

Die Bedeutung des Namens „Friesheim“ oder „Vrisheim“ blieb bis heute ungeklärt. Eine Entwicklung des Namens aus FrigbodesheimGerhard Mürkens: Die Ortsnamen des Kreises Euskirchen. Euskirchen 1958, S. 40. ist auszuschließen, denn dieser Ort lag im Swistgau (771 in pago Zucstachgowe und 879 in Tustensi pago), einem Gebiet zwischen Bonngau und Ahrgau,Hermann Aubin: Die Entstehung der Landeshoheit nach niederrheinischen Quellen. Berlin 1920, S. 16–17. Friesheim dagegen lag im Zülpichgau.

Schenkung des Grafen Emundus mini|Emundus von Friesheim (Gedenktafel im Kölner Dom) mini|Emundus von Friesheim (Reste des Grabes in der archäologischen Grabung unter dem Kölner Dom)

Um 830 schenkte Graf Emundus, ein Angehöriger der Reichsaristokratie des Karolingerreiches und Gaugraf des Kölngaus, seinen Besitz „Friesheim“ dem heiligen Petrus, dem Patron der Kölner Domkirche.Friedrich Wilhelm Oediger: Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter. Band 1, Nachdruck Düsseldorf 1978, Nr. 142a, mit Hinweis auf die Grabinschrift im Kölner Dom.

Bei der von Erzbischof Gunthar als Verwalter der Güter des heiligen Petrus vorgenommenen „Güterumschreibung“ im Jahr 866Friedrich Wilhelm Oediger: Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter. Band 1, Nr. 213. fiel die Villikation Friesheim dem Domkapitel zu.

Villikation des Domkapitels Im 12. Jahrhundert bestand die Villikation Friesheim aus dem Hauptfronhof in Friesheim mit Ländereien und mehreren Fronhöfen an anderen Orten, die dem Haupthof Friesheim zugeordnet waren. Der Höfeverband Friesheim war verpflichtet, an fünf Terminen Naturalabgaben wie Getreide, Vieh, Leder aus auf dem Hof gegerbten Fellen und dort hergestellte Textilien sowie eine Geldabgabe von den auf dem Hof lebenden Hagestolzen an das Domstift in Köln zu liefern. Die Lieferungen dienten zum Lebensunterhalt der Domkanoniker, doch war ein Teil ausdrücklich für den Dompropst bestimmt, für den der Schultheiß des Höfeverbandes 18 Dienste und drei Bewirtungen zu leisten hatte. Der Haupthof (Salgut) des Domkapitels verfügte über ein Brauhaus mit Sudpfannen, die Malz und Bier herstellten. Die auf dem Hof erwirtschafteten Überschüsse wurden auf den Märkten verkauft.Manfred Groten: Ein Urbarfragment des Domstiftes aus dem frühen 12. Jahrhundert. In: Jahrbuch des Kölner Geschichtsvereins. 70/1999, S. 5–11.

Zum Fronhof in Friesheim gehörte eine Kirche, die 1308 im Liber valoris als Pfarrkirche im Besitz des Kölner Dompropstes genannt wurde.Friedrich Wilhelm Oediger: Der Liber Valoris. Bonn 1967, S. 48. Der Dompropst als Pfarrer von Friesheim schlug einen Priester vor, der an seiner Stelle den Pfarrdienst übernahm.Historisches Archiv des Erzbistums Köln (HAEK) Dekanat Zülpich Friesheim 2; veröffentlicht in: Karl Stommel: Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt. Band 4, Nr. 2614.

Unterherrschaft des Domkapitels Das Domkapitel, das Friesheim als Unterherrschaft im Amte Lechenich besaß, setzte Vögte ein, die für den Schutz der Menschen zu sorgen hatten und Recht sprachen. Diesen gelang es, die ihnen verliehenen Vogteirechte und den damit verbundenen Besitz und Einkünfte aus ihrer Dienstgütern an ihre Nachkommen zu vererben.

Als das Domkapitel am Ende des 14. Jahrhunderts die Vogteirechte von den Erben des verstorbenen Vogtes zurück erwarb,Historisches Archiv der Stadt Köln (HAStK): Bestand Domstift, Urkunden Nr. 2/1174, 2/1175, 2/1187, 1/1202, 1/1203; veröffentlicht in: Stommel: Quellen. Band 2, Nr. 432, 442, 453 und 454. blieb der größte Teil der vormals zur Vogtei gehörenden Güter bei den Erben der Vogtfamilie und wurde vom Dompropst an diese als Lehen vergeben.HAStK: Bestand Domstift, Akten 3C Bl. 3 ff.

Dem Domkapitel blieb ein kleinerer Teil des Besitzes, so das 1399 noch bestehende Burghaus im Niederwich, das „alte Haus“, das der letzte Vogt besessen hatte,HAStK: Bestand Domstift, Akten 3C Bl. 2; veröffentlicht in: Stommel: Quellen. Band 1, Nr. 754. und vier weitere Güter, mit denen ein Domkanoniker vom Dompropst belehnt wurde.HAStK: Bestand Domstift, Akten 3C Bl. 172 und Bl. 297; veröffentlicht in: Stommel: Quellen. Band 3, Nr. 1598 und 1844.

Nach der Niederlegung des Vogtshauses ließ das Domkapitel 1428 ein neues Herrenhaus als Wohnsitz für Aufenthalte seiner Vertreter erbauen.HAStK: Bestand Domstift, Akten 27D; veröffentlicht in: Stommel: Quellen. Band 2, Nr. 947. Die Vorburg mit den Hofländereien war der Burghof, Brügger Hof genannt,Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (heute Landesarchiv NRW): Bestand Kurköln 2 1152, Bl. 225–240. dessen Einkünfte der Domkanoniker Wolter von Brüggen in der Mitte des 15. Jahrhunderts erhalten hatte.HAStK: Bestand Domstift, Urkunde Nr. 3/1705; veröffentlicht in: Stommel: Quellen. Band 2, Nr. 1188. Der Pächter des Burghofes war verpflichtet, für die Einwohner das Zuchtvieh zu halten.HAStK: Bestand Domstift, Urkunde Nr. 3/1876; veröffentlicht in: Stommel: Quellen. Band 2, Nr. 1335. Als Verwalter „Baumeister“ des Domkapitels hatte er zudem die Aufgabe, die Einkünfte des Domkapitels einzutreiben, abzuliefern und eine Rechnung aufzustellen.HAStK: Bestand Domstift, Akten 27D. Vor dem für die Liegenschaften zuständigen Hofgericht wurden alle grundpachtpflichtigen Güter nach dem Tode des Inhabers von seinem Nachfolger neu empfangen und eine Kurmud gezahlt.HAStK: Bestand Domstift, Akten 27A Bl. 3–4; veröffentlicht in: Stommel: Quellen. Band 3, Nr. 1848. Die Rechte des Domkapitels und die Pflichten der Einwohner waren in einem Weistum aufgezeichnet, das dreimal jährlich an den Hofgerichtstagen den Bewohnern vorgetragen wurde. Auch Müller und Gastwirte wurden zu den Gerichtstagen geladen, an denen ihre Maße überprüft wurden.HAStK: Bestand Domstift, Akten 27A.

Außer dem Hofgericht bestand ein Gericht der Unterherrschaft mit niederer und hoher Gerichtsbarkeit, das im „Dinghaus“ am Platz (heute Hubert-Vilz-Platz) tagte. Es wurde über große und kleine Vergehen verhandelt und entsprechend den Gesetzen geurteilt. Bei schweren Delikten wurde die Todesstrafe verhängt. Kleinere Vergehen waren in der Regel Verstöße gegen die Verordnungen des Domkapitels.HAStK: Bestand Domstift, Akten 27D Bl. 17–37. Buschhüter achteten auf die Einhaltung der Buschordnung des Domkapitels, Verstöße wie Holzdiebstähle, Reisig sammeln an nicht erlaubten Tagen oder nicht gekennzeichnete Schweine unbeaufsichtigt von einem Hirten zur Eckernmast in den Busch zu treiben, wurden bestraft.HAStK: Bestand Domstift, Akten 27F.Peter Simons: Friesheim. Geschichte der domkapitularischen Herrschaft. S. 7–47 und 67–77.

Neuzeit Dorf und Niederwich Friesheim bestand aus zwei ehemals voneinander getrennten Siedlungen, dem befestigten Ortskern und dem von diesem abseits liegenden Niederwich. Das Dorf umgaben schützende Gräben und Hecken als „Befestigungsanlagen“, die mit vier Toren bzw. Pforten (Portzen) versehen waren.Archiv Schloss Gracht, Akte 553, Bl. 16–18; HAStK: Bestand Domstift, Akten 27C, Bl. 49–73; veröffentlicht in: Stommel: Quellen. Band 3, Nr. 1570 und 1658; Band 4: Nachtrag. Nr. 1766a.

Der „Niederwich“ umfasste den Teil Friesheims, der außerhalb der Dorfbefestigung lag. Wohl aufgrund seiner Lage ging der größte Teil der Häuser und Hofstätten im Truchsessisch-Niederländischen Krieg unter. So wurden nach den Aufzeichnungen des Kölner Ratsherrn Hermann von Weinsberg im Jahr 1591 drei Höfe und 17 Häuser in Friesheim zerstört,Hermann von Weinsberg: Das Buch Weinsberg. Band 4, S. 132–133. zu denen folgende Liegenschaften gehörten:

Haus und Hofgebäude des Heilig-Geist-Hauses (Hospital) in KölnHAStK: Bestand Armenverwaltung, Urkunde Nr. 2/495. Haus und Hof der Kölner Minoriten in der Nähe des KölntoresHAStK: Bestand Minoriten Depositum, Urkunde Nr. 1/66. Haus und Hof der JohanniterHauptstaatsarchiv Düsseldorf: Bestand Herrenstrunden, Urkunde Nr. 228. Der Steprather Hof