Die Liste von Dorfkirchen in Berlin benennt 58 Dorfkirchen, Kirchen von Dörfern, im Stadtgebiet Berlins, die in der Regel erst 1920 bei der Bildung Groß-Berlins Teil Berlins wurden.

Die ältesten Dorfkirchen stammen aus dem frühen 13. Jahrhundert. Alle haben ausnahmslos im Laufe der Zeit ihre bauliche Gestalt verändert: durch Ergänzungen (z. B. durch Sakristeien und Türme), durch Erweiterung der Kirchenschiffe für mehr Plätze, durch Um- und durch Ersatzbauten (wegen Baufälligkeit oder Kriegszerstörungen im Siebenjährigen Krieg oder im Zweiten Weltkrieg, in dem viele Dorfkirchen Schaden nahmen). Die jüngsten Ersatzbauten entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg (Friedrichsfelde 1951 und Lietzow/Charlottenburg 1961). Einige wurden auch vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut (Falkenberg, Malchow und Wartenberg).

Die heute bestehenden Dorfkirchen und ihre Vorgängerbauten sind wichtige Zeugnisse der Geschichte des heutigen Stadtgebietes. Geschichtsbilder unterliegen der Veränderung. Nicht immer entsprechen die Darstellungen in den örtlichen Gemeinden dem jeweils neuesten Forschungsstand. Das betrifft unter anderem die Frage der Datierungen: Mehrere Dorfkirchen, unter anderem die von Biesdorf, Karow und Marienfelde, beanspruchen für sich den Titel Ältestes Bauwerk Berlins. Die ausgewertete Literatur macht diesen Status für die Dorfkirche Marienfelde am wahrscheinlichsten. Bei der Inanspruchnahme von Superlativen (die „älteste“, die „kleinste“) ist zu beachten, dass sich diese Behauptungen oft nur auf die Ost- oder Westhälfte der Stadt beziehen.

Dieser Beitrag besteht aus Kurzbeschreibungen aller Berliner Dorfkirchen inklusive nicht mehr bestehender Gebäude. Hierzu gehören alle Kirchen, die wegen ihrer Stellung im Ortsbild den Charakter einer Dorfkirche haben, wie beispielsweise auch die Schlosskirche Buch und die Kirchen um den Richardplatz in Berlin-Neukölln.

Bauliche Gestalt der Dorfkirchen Aus dem Mittelalter sind auf dem heutigen Berliner Stadtgebiet 63 Siedlungen namentlich bekannt; dazu kommen mehr als 20 archäologisch aufgefundene wüstgefallene Siedlungen, darunter als bekannteste das Museumsdorf Düppel (der ursprüngliche Name ist unbekannt). Von diesen 63 Siedlungen haben während des Mittelalters nur 51 eine Stein- oder Fachwerkkirche erhalten; Pichelsdorf und Schönow bis zum heutigen Tage nicht, Altglienicke und Rahnsdorf erst am Ende des 19. Jahrhunderts.

Für diese zwölf „kirchenlosen“ Dörfer bzw. Wüstungen ist aber wenigstens von den üblichen Holzkirchen auszugehen, die sie als Neusiedlungen während der allerersten Gründungszeit erhalten haben; Steinkirchen folgten wegen der erheblichen Baukosten erst nach etwa 20 bis 30 Jahren.Matthias Friske: Die mittelalterlichen Kirchen auf dem Barnim. Geschichte, Architektur, Ausstattung, Berlin 2001, S. 389, 480. Für neun Dörfer sind Fachwerkkirchen nachgewiesen; das geringe Quellenmaterial lässt aber keine Aussage darüber zu, ob sie noch mittelalterlichen oder schon nachmittelalterlichen Ursprungs waren; keine von ihnen ist erhalten geblieben und ihr Aussehen ist nicht bekannt.

Zwei Drittel (42) der namentlich bekannten Dörfer haben Steinkirchen erhalten, die Hälfte (29) aus mehr oder weniger sorgfältig gequaderten Feldsteinfindlingen. Diese Feldsteinquaderkirchen dürften im Wesentlichen in der Zeit der askanischen Markgrafen von Brandenburg entstanden sein, die 1319 endete. Von beispielhafter Stilreinheit sind für die Saalkirchen mit Apsis die Dorfkirche Marienfelde und für die Chorquadratkirchen die Dorfkirche Mahlsdorf.

Die 13 Dorfkirchen, die aus ungequaderten Feldsteinen (z. B. Dorfkirche Reinickendorf und Dorfkirche Blankenfelde) oder aus Mischmauerwerk (z. B. Dorfkirche Dahlem und Dorfkirche Weißensee) bestehen, sind überwiegend im 15. und 16. Jahrhundert entstanden. Die geringe Bautätigkeit im 14. Jahrhundert erklärt sich wohl aus Krisenerscheinungen (Interregnum zwischen den Askaniern und Hohenzollern (ab 1415) mit wechselnder Herrschaft landfremder Fürsten, Pest 1349 und der damit zusammenhängenden Agrarkrise). mini|hochkant|Dorfkirche Heiligensee (im Kern spätmittelalterlich, barock überformt durch Putzhaut und zeittypischen Turm) 15 Dorfkirchen zeigen heute eine nachmittelalterliche Putzhaut, wie sie erst ab der Barockzeit üblich wurde, um minderwertiges Backsteinmauerwerk zu überdecken und teilweise sogar um (teuren) Haustein vorzutäuschen (z. B. die aufgeputzten Ecklisenen der Dorfkirche Hermsdorf und der Dorfkirche Heiligensee). Dennoch steckt unter ihnen in manchen Fällen noch mittelalterliches Mauerwerk (z. B. Dorfkirche Kaulsdorf und Dorfkirche Rixdorf), in anderen Fällen handelt es sich um nachmittelalterliche Ersatzbauten (z. B. Dorfkirche Schmöckwitz). Völlige Neubauten, die erst im 18. Jahrhundert für Glaubensflüchtlinge aus Böhmen oder der Pfalz errichtet wurden, finden sich in Böhmisch-Rixdorf (1944 zerstört), Friedrichshagen sowie in Müggelheim.

Industrielle Revolution und Eisenbahnbau bewirkten einen starken Bevölkerungszuwachs in Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der sich auch auf die damaligen unmittelbaren Vororte auswirkte, so dass der Kirchenraum der Dorfkirchen nicht mehr ausreichte und sie um querschiffartige Anbauten nach Osten hin erweitert werden mussten (z. B. Französisch-Buchholz, Heinersdorf, Pankow, Rosenthal und Weißensee). In anderen Fällen wurden die alten Bauten ersatzlos abgerissen und durch neue ersetzt (z. B. Altglienicke, Marzahn, Steglitz, Tegel und Wilmersdorf); bei ihnen handelte es sich in der Mehrzahl der Fälle ohnehin um Bauten minderer Qualität. Anders als noch in der Barockzeit wurde vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Einfluss der Schinkelschule nun der (unverputzte) Backsteinziegelbau bevorzugt.

Im 18. Jahrhundert kam in Abweichung von den bis dahin üblichen längsrechteckigen Grundrissen in Einzelfällen auch der Zentralbau zur Anwendung, bei den Ersatzbauten in Buch und Zehlendorf sowie beim Neubau in Müggelheim. Die imposanteste (und am wenigsten dorfkirchenmäßige) Gestalt erhielt die Schlosskirche Buch, die gleichwohl auch für den Gemeindegottesdienst zur Verfügung stand.

Die Dorfkirchen sind vor allem hinsichtlich der Tür- und Fensteröffnungen (Rund- und Spitzbögen), aber auch hinsichtlich der Anbauten (Sakristeien, Vorhallen usw.) so oft überformt worden, dass ihrem derzeitigen Aussehen kaum noch Aussagekraft über die wesentliche Gestalt der Kirche zukommt. Die wiederholten Überformungen der Tür- und Fensterbögen einschließlich der Versetzung von Eingängen sind selbst für den Fachmann oft nur schwer zu erkennen und zuverlässig nur anhand von ggf. noch vorhandenen Bauakten zu rekonstruieren. Zudem lassen die Bögen keinerlei Rückschlüsse auf die Erbauungszeit zu: „Daß die Gleichung Romanik = Rundbogen, Gotik = Spitzbogen nicht stimmt, ist lange bekannt und sollte zum gesicherten Wissen aller gehören.“Robert Suckale: Die Unbrauchbarkeit der gängigen Stilbegriffe und Entwicklungsvorstellungen. In: Friedrich Möbius, Helga Sciurie (Hrsg.): Stil und Epoche. Periodisierungsfragen, Dresden 1989, S. 232.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der baulichen Gestalt der Dorfkirche und der ökonomischen Situation ihres Dorfes (Gemarkungsgröße und Bodenqualität (Ertragsfähigkeit)): Kostenaufwendige Kirchen mit differenziertem Grundriss (Apsis, eingezogener Chor, Langhaus und schiffsbreitem Turm) und sorgfältiger Steinquaderung trifft man vor allem auf den großen Gemarkungen, die wiederum bevorzugt auf den guten Böden angelegt worden sind („askanische Plansiedlung“ auf dem Teltow und Barnim): der „ökonomische Faktor im Dorfkirchenbau“.Ulrich Waack: Kirchenbau und Ökonomie. Zur Beziehung von baulichen Merkmalen mittelalterlicher Dorfkirchen auf dem Barnim und dessen Wirtschafts- und Siedlungsgeschichte, Berlin 2009, ISBN 978-3-936872-73-6. Siedlungen auf kleinen Gemarkungen und schlechten Böden erhielten Kirchen geringerer Qualität erst im Spätmittelalter oder aber sogar überhaupt nicht (jedenfalls keinen steinernen Bau einschließlich Fachwerk im Mittelalter).

Da die reichsten Gemeinden diejenigen gewesen sein müssen, die als erste bauen konnten, müssen sich in ihren Kirchen die ältesten Grundrisstypen widerspiegeln. Insoweit lassen der Grundrisstyp einer Kirche und ihr Baumaterial bzw. dessen Bearbeitung auch Rückschlüsse auf die Erbauungszeit zu (Problem der Datierung mangels Schriftquellen, zu wenig Dendrodaten). Wenig bekannt ist der Umstand, dass die scheinbar überall vorhandenen Feldsteinfindlinge vorwiegend auf den lehmhaltigen Böden festgehalten worden sind (Geschiebemergel), während sie durch eiszeitliche Schmelzwasservorgänge aus den sandhaltigen Böden überwiegend ausgewaschen worden sind. Da die sandhaltigen Böden weniger ertragreich sind als die lehmhaltigen, sind diese Dörfer doppelt benachteiligt: Sie haben weniger Einnahmen aus Ernteerträgen und müssen sich das Baumaterial erst kostenträchtig beschaffen; diese doppelte Benachteiligung könnte auch die übergroße Verzögerung ihres Kirchenbaus erklären (geringe Bautätigkeit im 14. Jahrhundert).

Wichtig für diesen „ökonomischen Faktor im Dorfkirchenbau“ ist der Umstand, dass der Bau eines schiffsbreiten Westquerturms rund 40 % der verwendeten Quader und damit der Baukosten benötigt. Dies erklärt, warum viele Dorfkirchen ihre Türme erst später erhalten haben: auf kleinerem Grundriss („eingezogener“, nicht schiffsbreiter Turm), geringerwertiges Baumaterial, aber auch erst nachmittelalterlich. Türme verfügen über einen eigenen fundamentierten Steinunterbau und sind zu unterscheiden von den Dachtürmen mit Holzverbretterung, die am Westgiebel des Satteldaches aufsitzen; letztere sind meist nachmittelalterlich. Eine Besonderheit stellen die Turmeckkanten aus weißem Kalkstein dar, z. B. in Blankenburg und Mahlsdorf; die Kalksteine stammen aus dem Rüdersdorfer Kalksteinbruch und wurden nur im Südostdrittel des Barnim verwendet, an insgesamt 22 Dorfkirchen (aber auch z. B. an der Marienkirche in Berlin-Mitte).

Ausstattung und Friedhöfe der Dorfkirchen Die Ausstattung (Altäre, Taufen, Kanzeln, Orgeln, Glocken, Altargeräte, Glas- und Wandmalereien, Skulpturen, Bilder, Gedenktafeln) sind im Laufe der Jahrhunderte starken Wandlungen unterzogen worden: nicht nur durch den Wandel des Zeitgeschmacks und durch Zugriffe der Museen, sondern vor allem durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Keine einzige Dorfkirche verfügt mehr über ihre originale Ausstattung. Ersatz für Kriegsverluste wurde aus anderen Kirchen geleistet; so ist zum Beispiel die Ausstattung der Berliner Franziskaner-Klosterkirche über eine Vielzahl von Berliner Kirchen verteilt worden.

Schon vor dem Krieg hatte sich das Märkische Museum die beiden ältesten, noch spätromanischen Taufsteine aus Tempelhof und Stralau einverleibt; der Stralauer ist aber inzwischen zurückgekehrt. Der Lichtenrader Taufengel, mit dem Blankenburger einzigartig in Berlin, befindet sich im Heimatmuseum Tempelhof. Ein Höhepunkt des „Ausstattungs-Tourismus“ zeigt sich in Hohenschönhausen: Der Flügelaltar aus der Zeit um 1450 stand bis 1924 in der Dorfkirche Wartenberg; man bekam ihn als Entschädigung, weil das Märkische Museum die seit 1875 in ihrem Besitz befindliche Kreuzigungsgruppe nicht wieder nach Hohenschönhausen zurückgeben wollte.

Zu den kunstgeschichtlich bedeutendsten Ausstattungsstücken zählen: der Katharinen-Altar in Tempelhof, der Annen-Altar in Dahlem und der Flügelaltar von Reinickendorf (1938 aus dem Märkischen Museum zurückgeholt); die Schnitzfiguren von Wittenau; der barocke Kanzelaltar von Buch; der wuchtige spätromanische Taufstein von Stralau; das Hohenlohe-Epitaph in Buckow (aus der Franziskaner-Klosterkirche) und der Röbel-Totenschild in Hohenschönhausen; die Wandmalereien in Dahlem; die Glasmalereien in Stralau (einzigartig in Berlin);