Der Bundesverband Psychosozialer Zentren. Versorgung nach Folter, Krieg und Flucht e. V. (bis Ende 2025 BAfF - Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer) ist der Dachverband der Psychosozialen Zentren, Einrichtungen und Initiativen, die sich die psychosoziale und therapeutische Versorgung von Geflüchteten in Deutschland zur Aufgabe gemacht haben. Seit 1996 engagiert sich der Verband für vollen Schutz und gleiche Rechte für Geflüchtete und Überlebende von Folter und anderer Gewalt.

Geleitet wird der Verband durch das Recht aller Menschen auf Gesundheit. Dieses wurde in zahlreichen internationalen Übereinkommen ausdrücklich anerkannt, wie beispielsweise in der Genfer Flüchtlingskonvention, der EU-Grundrechtecharta und der UN-Antifolterkonvention.

Ziele Wahrung der Menschenrechte, insbesondere des Rechtes auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Gesundheit der in Deutschland Hilfe suchenden Menschen.

Geschichte Die BAfF ging 1996 aus einer Reihe von nationalen Treffen und Fachtagungen hervor, in welchen die Idee eines bundesweiten Bündnisses der Psychosozialen Zentren in Deutschland befürwortet wurde. Der Verein nimmt Aufgaben wahr, die allen Mitgliedsorganisationen gemeinsame Anliegen sind und die die Wirkungs- und Einflussmöglichkeiten der einzelnen Organisationen sinnvoll erweitern, so u. a.

gemeinsame Projekte und Evaluation der psychosozialen Begleitung von geflüchteten Menschen in Deutschland Erfahrungs- und Informationsaustausch zwischen den Zentren und mit externen Fachkräften Arbeitsgruppen zu Standards in der Therapie und Begutachtung psychotraumatisierter Flüchtlinge Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit europäische und internationale Vernetzung Fortbildungen und eine jährliche Bundesfachtagung.

Die Geschäftsstelle hat ihren Sitz in Berlin. Der Vorstand besteht aus einem geschäftsführenden Vorstand (Vorsitz, stellv. Vorsitz und Schatzmeister) sowie einem erweiterten Vorstand aus ehrenamtlichen Beisitzern. 27 Jahre stand Gründungsmitglied Elisabeth Bittenbinder an der Spitze des Verbandes. 2021 ging sie als Geschäftsleiterin in den Ruhestand, auf sie folgte Lukas Welz. 2023 beendete sie auch ihre Tätigkeit als ehrenamtliche Vorsitzende. Ulrike Schneck wurde auf der Mitgliederversammlung in Frankfurt am Main zu ihrer Nachfolgerin gewählt.

Finanzierung Neben den Mitgliedsbeiträgen finanziert sich der Verband hauptsächlich aus Projektmitteln und durch Spenden. Die BAfF hat sich der Initiative Transparente Zivilgesellschaft angeschlossen und veröffentlicht wichtige Daten zum Verein, der Herkunft der Hauptfinanzierungen sowie weitere Daten, um Transparenz, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu schaffen – nicht nur für die Mitglieder, sondern auch für die Öffentlichkeit, Spender, Fördernde und alle Interessierte.

Handlungsfelder Vernetzung

Vernetzung der Mitgliedzentren (Psychosoziale Zentren) untereinander und auf europäischer und internationaler Ebene Stärkung des fachlichen Austauschs mittels der Entwicklung, Sammlung und Weitergabe von bspw. professionellen Standards, neuster Forschungsergebnisse, rechtlicher Veränderungen

Fachliche Expertise

Stärkung des fachlichen Austauschs in Hinblick auf Erfahrung, Wissen und Information zwischen den Mitgliedszentren Entwicklung und Dokumentation von ethischen und professionellen Standards für eine angemessen Behandlung von traumatisierten Geflüchteten und Opfern organisierter Gewalt sowie die Bekanntmachung

Impulse für die wissenschaftliche Forschung, zur Klärung von Fragen zu Folgen von organisierter Gewalt auf den Menschen sowie zur Entwicklung von Methoden zu ihrer ganzheitlichen Behandlung Dokumentation von Forschungsergebnissen für die Fachöffentlichkeit Dokumentation, Analyse und Verbreitung von rechtlichen Veränderungen in der Asyl- und Migrationspolitik sowie in Bezug auf aufenthaltsrechtliche Fragen Expertise für Tagungen, Expertenrunden, Politik, Verwaltung, Fachleute u. a.

Weiterbildung

Entwicklung und Förderung von Qualifizierungsmaßnahmen innerhalb der Behandlungszentren (Fortbildung, Fachtagungen, Zusammenarbeit mit Ausbildungsinstituten) Angebot von Qualifizierungsmaßnahmen für Fachleute außerhalb der Behandlungszentren

Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit

Veröffentlichung und Verbreitung gemeinsamer Anliegen der Psychosozialen Zentren gegenüber der Öffentlichkeit und politischen Entscheidungsträgern auf lokaler, regionaler, bundesweiter und internationaler Ebene Förderung der Zusammenarbeit mit Wohlfahrtsverbänden, Ärzte- und Psychotherapeutenkammern, Entscheidungsträgern im Gesundheits- und Sozialwesen sowie weiteren öffentlichen Interessenvertretern und europäischen Institutionen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Fundraising.

Versorgungsbericht Einmal im Jahr veröffentlicht die BAfF den Versorgungsbericht mit Zahlen aus den Psychosozialen Zentren. Dazu wird eine Onlinebefragung bei allen Mitgliedszentren durchgeführt, um Daten zur Versorgung geflüchteter Menschen in den Psychosozialen Zentren zu erheben. Dies ist die einzige regelmäßig stattfindende und bundesweite Erhebung von Daten zur psychosozialen Versorgung geflüchteter Menschen.

Mit rund 25.000 Klienten, die 2019 ein psychosoziales und/oder therapeutisches Angebot in Anspruch genommen haben, zeigt sich ein Anstieg von knapp 10 Prozent im Vergleich zu 2018. Wie schon in den Jahren zuvor wird dadurch die Dringlichkeit psychosozialer Hilfe für geflüchtete Menschen in Deutschland deutlich. Die Daten zeigen so auch den ungedeckten Versorgungsbedarf, den es in Deutschland für die psychosoziale Begleitung von geflüchteten Menschen gibt – über 11.800 Personen konnten 2019 nicht versorgt werden. Die Gründe dafür sind vor allem Kapazitätsgrenzen und fehlende finanzielle Mittel.

Mitglieder Derzeit sind 51 Psychosoziale Zentren aus ganz Deutschland Mitglied im Verband (Stand November 2021). Neben den Psychosozialen Zentren sind dies auch Einrichtungen und zivilgesellschaftliche Initiativen, darunter alle größeren Einrichtungen zur Rehabilitation von Flüchtlingen und Folteropfern in Deutschland sowie einige Flüchtlingsberatungsstellen, die auch psychologische Angebote bereithalten.

Außerdem sind andere Menschenrechtsorganisationen (bspw. PRO ASYL und Flüchtlingsräte) sowie Einzelpersonen Fach- oder Fördermitglieder.

Die Psychosozialen Zentren Die Psychosozialen Zentren bieten ein niedrigschwelliges, multiprofessionell organisiertes Leistungsspektrum an. Menschen mit Fluchterfahrung werden durch die in den Zentren vorhandene psychotherapeutische, sozialarbeiterische, rechtliche und ärztliche Expertise individuell je nach Bedarf unterstützt.

Die meisten Zentren bieten darüber hinaus Fortbildung und Fachberatung für medizinische, psychotherapeutische und pädagogische Fachkräfte an und setzen sich auch auf politischer Ebene für die Belange von Überlebenden von Krieg, Folter und Flucht ein.

Die Psychosozialen Zentren finden sich in allen Bundesländern:

Baden-Württemberg PSZ Nordbaden (mit Standorten in Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim, Heilbronn, Pforzheim) Verein zur Unterstützung traumatisierter Migranten e. V. Karlsruhe Refugium Freiburg – Psychosoziale und medizinische Beratung und Koordinierung für Geflüchtete refugio Stuttgart e. V. – Psychosoziales Zentrum für traumatisierte Flüchtlinge PBV Stuttgart – Psychologische Beratungsstelle für politisch Verfolgte und Vertriebene BFU Ulm – Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm REFUGIO Villingen-Schwenningen – Kontaktstelle für traumatisierte Flüchtlinge Nadia Murad Zentrum Lörrach Traumanetzwerk Lörrach

Bayern REFUGIO München – Beratungs- und Behandlungszentrum für Flüchtlinge und Folteropfer PSZ Nürnberg – Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge Psychosoziales Zentrum für traumatisierte Geflüchtete Neu-Ulm e. V.

Berlin Zentrum Überleben gGmbH XENION Berlin – Psychotherapeutische Beratungsstelle für politisch Verfolgte MeG betreutes Wohnen gGmbH, Psychosoziale Unterstützung und Therapie für Migranten erster Generation Fachstelle für LSBTI_ Geflüchtete der Schwulenberatung Berlin

Brandenburg PSZ Brandenburg e. V. mit mehreren Außenstellen

Bremen REFUGIO Bremen – Psychosoziales Zentrum für ausländische Flüchtlinge e. V.

Hamburg haveno – Psychotherapie und interkulturelle Kommunikation SEGEMI – Seelische Gesundheit Migration und Flucht e. V. Lichtpunkt. Traumatherapie und Psychosoziales Zentrum PSB Flucht – Psychosoziale Beratung für Flüchtlinge

Hessen FATRA – Frankfurter Arbeitskreis Trauma und Exil e. V. Evangelisches Zentrum für Beratung und Therapie – Haus am Weißen Stein – Beratung und Therapie für Flüchtlinge Frankfurt Psychosoziale Beratungsstelle für Flüchtlinge am Zentrum für Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt

Mecklenburg-Vorpommern PSZ Greifswald - Psychosoziales Zentrum für Asylsuchende in Vorpommern Psychosoziales Zentrum Rostock für Geflüchtete & Migranten Psychosoziales Zentrum open huus, Neubrandenburg

Niedersachsen Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen e. V. mit Standorten in Hannover, Braunschweig, Göttingen, Lüneburg, Oldenburg, Cuxhaven, Osnabrück IBIS – Interkulturelle Arbeitsstelle e. V., Oldenburg

Nordrhein-Westfalen Caritas Therapiezentrum für Menschen nach Folter und Flucht, Köln Refugio Münster – Psychosoziale Flüchtlingshilfe PSZ für Flüchtlinge Diakonie Mark-Ruhr, Hagen Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete Düsseldorf e. V. Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge Dortmund PSZ Bielefeld – Psychosoziales Zentrum für Überlebende von Trauma, Flucht und Folter MFH Bochum – Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e. V. Psychosoziales Zentrum Mondial für Geflüchtete, Bonn

Rheinland-Pfalz Psychosoziales Zentrum Montabaur Psychosoziales Zentrum für Flucht und Trauma, Mainz Psychosoziales Zentrum Pfalz, Ludwigshafen Psychosoziales Zentrum Westpfalz, Kaiserslautern Ökumenische Beratungsstelle für Flüchtlinge, Trier IN TERRA – Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge, Mayen

Saarland PSZ Saarbrücken – Psychosoziales Beratungszentrum des Deutschen Roten Kreuzes

Sachsen Psychosoziales Zentrum - Beratungsstelle Chemnitz Psychosoziales Zentrum Dresden Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete Leipzig

Sachsen-Anhalt Psychosoziales Zentrum für Migrantinnen und Migranten Sachsen-Anhalt mit Standorten in Halle (Saale), Stendal und Magdeburg

Schleswig-Holstein Brücke Schleswig-Holstein, Kiel Psychosoziale Anlaufstelle für Geflüchtete (PSA), Neumünster

Thüringen REFUGIO Thüringen – Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete, mit Standorten in Jena und Erfurt

Weblinks Offizielle Website

Einzelnachweise

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