Saargemünd (, amtlich französisch Sarreguemines [], lothringisch (fränkisch) Saargemìnn, ) ist eine französische Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Département Moselle in der französischen Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (Arrondissement Sarreguemines). Die Einwohner nennen sich Sarregueminois (im örtlichen rheinfränkischen Dialekt Saagemìnner; deutsch Saargemünder).

Geographische Lage mini|Nordostufer der Saar in Saargemünd, von der Europabrücke aus gesehen Saargemünd liegt im Nordosten Frankreichs, unmittelbar an der Grenze zum deutschen Bundesland Saarland, auf 222 m ü. NHN. In Saargemünd mündet die Blies in die Saar, die über den Saarkanal mit dem Rhein-Marne-Kanal (Canal de la Marne au Rhin) verbunden ist.

Zu Saargemünd gehören die Ortsteile Neunkirch-lès-Sarreguemines (Neunkirchen), Welferding (Wölferdingen) (beide 1964 eingemeindet) sowie das 1971 eingemeindete Folpersviller (Folpersweiler).

Nachbargemeinden von Saargemünd sind Kleinblittersdorf im Norden, Blies-Guersviller (Bliesgersweiler) und Frauenberg im Nordosten, Blies-Ébersing (Bliesebersingen) im Osten, Sarreinsming (Saareinsmingen) im Südosten, Rémelfing (Remelfingen) und Neufgrange (Neuscheuern) im Süden, Hambach und Woustviller (Wustweiler) im Südwesten, Ippling (Iplingen) im Westen sowie Rouhling (Ruhlingen) und Grosbliederstroff (Großblittersdorf) im Nordwesten.

Herkunft des Namens Der Name ist abgeleitet vom deutschen Wort Gemund (in alten Dokumenten latinisiert gemundia) und bezieht sich auf den Zusammenfluss von Saar und Blies innerhalb des Stadtgebietes.

Alte Namen sind Gaimundas (706), Gamundia (777), Gumunde (1237), Gemindt/Gemündt (1380), Gemüde (1471), Sargemünt (1577), Saargemünde (1592), Sar-gemünd (1636), Gemünd an der Sar (1645), Sargueminde (1661), Zargueminde (1698).Franz Xaver Kraus: Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen. Beschreibende Statistik. Band III: Kunst und Althertum in Lothringen. Friedrich Bull, Straßburg 1886, S. 898–905, insbesondere S. 898; .Ernest de Bouteiller: Dictionnaire topographique de l’ancien département de la Moselle. (geschrieben 1868).

Geschichte Der Ort wurde erstmals 706 als Gaimundas erwähnt (Arnulfinger 004 in „Regnum Francorum“) und dann 777 als Gamundia (Tangl, Testament Fulrads, in „Regnum Francorum“). Urkunden von 870, 893 und 906 nennen nur „Blesitchowa“, „Blesingi“ und „Blesiaco“, womit viel eher die Region Bliesgau gemeint ist als der Ort, der aber sicher weiterbestanden hat. Erst 1577 bekommt das ursprüngliche Gemünd mit Sargemünt den Saar-Zusatz. Eine zu Guemunde französisierte Namensform tauchte 1594 auf. Von 1679 bis 1697 war Saargemünd schon einmal französisch besetzt, bevor es 1766Eugen Hugo Theodor Huhn: Deutsch-Lothringen. Landes- und Volkskunde. J. G. Cotta, Stuttgart 1975, S. 38; books.google.de für 105 Jahre zu Frankreich kam.

Im Jahr 1861 hatte Saargemünd 6075 Einwohner. Von 1871 bis 1919 gehörte Saargemünd als Teil des Reichslandes Elsaß-Lothringen zum Deutschen Kaiserreich. Die Stadt war Verwaltungssitz des Landkreises Saargemünd. Um 1900 hatte Saargemünd eine evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein GymnasiumProgramm des Kollegiums zu Saargemünd für das Schuljahr 1872–1873. books.google.de mit Realschulklassen, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein ehemaliges Kapuzinerkloster, eine Oberförsterei, Schifffahrt, ein Hauptsteueramt und war Sitz eines Landgerichts.

Zwischen 1919 und 1940 war es französisch, im Zweiten Weltkrieg wurde es früh von deutschen Truppen besetzt und ab 1940 von NS-Deutschland annektiert (CdZ-Gebiet Lothringen). Anfang Dezember 1944 wurde Saargemünd von amerikanischen Truppen eingenommen, seither gehört es wieder zu Frankreich.

Wappen Das Wappen wurde 1610 zum Wahrzeichen der Stadt. Nur wenig später benutzte die Stadt, die im Besitz der Herzöge von Lothringen war, das einfache lothringische Wappen. Am 31. März 1913 bestätigte Kaiser Wilhelm II. auf Bitten der Stadt Saargemünd, das Wappen von 1610 wieder anzunehmen. 1941 versuchten die deutschen Besatzer vergeblich, das Lothringerkreuz aus dem Wappen entfernen zu lassen.Wappenbeschreibung. genealogie-lorraine.fr (französisch).

mini|Das Casino am Saarufer mini|Keramikbild an der Fassade des Casinos

Demographie + Einwohnerzahlen bis 1910 Jahr Einwohner Anmerkungen 1861 6.075 1871 6.863 in 577 Gebäuden, darunter 685 Protestanten, sechs Mennoniten und 364 IsraelitenGeorg Lang: Der Regierungs-Bezirk Lothringen. Statistisch-topographisches Handbuch, Verwaltungs-Schematismus und Adressbuch, Metz 1874, S. 141; books.google.de 1872 6.871 am 1. Dezember, in 577 Häusern;C. Stockert, Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten. Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 71–72, S. 78; . nach anderen Angaben 6802 EinwohnerVollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 53; books.google.de 1880 9.573 am 1. Dezember, auf einer Fläche von 1019 ha, in 728 Wohnhäusern, davon 7400 Katholiken, 1774 Protestanten und 380 JudenStatistisches Büreau des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen: Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. C. F. Schmidts Universitäts-Buchhandlung Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 143, Ziffer 1678; . 1885 10.719 davon 8157 Katholiken, 2168 Evangelische und 366 JudenAnonymes Mitglied des Katholischen Volksvereins: Die konfessionellen Verhältnisse an den Höheren Schulen in Elsaß-Lothringen. Statistisch und historisch dargestellt. Straßburg 1894, S. 37; books.google.de 1890 13.076 1905 14.932 mit der Garnison (vier Eskadrons bayerische Chevaulegers Nr. 5, ein bayerisches Infanterieregiment Nr. 23); meist katholische Einwohner nach anderen Angaben 14.919 Einwohner 1910 15.384 davon 11.495 Katholiken, 3384 Evangelische und 436 Juden; 611 mit französischer Muttersprache und 58 mit italienischer MutterspracheSaargemünd, Lothringen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer alten Landkarte der Umgebung von Saargemünd. 1962 17.866 1968 24.846 1975 25.684 1982 24.763 1990 23.117 1999 23.202 2007 21.835 2019 20.635 Jahr Einwohner Anmerkungen

Sehenswürdigkeiten Bekannt ist die Stadt für ihre einst blühende Keramikproduktion. Die um die ehemalige „Wackenmühle“ herum an der Blies gelegene Fertigungsstätte der alten Fayencerie (Steingutmanufaktur) ist als Museum mit dem Namen Bliesmühle hergerichtet und kann besichtigt werden, zudem die Schenkung France und Wolfgang Kermer mit Werken von rund einhundert französischen Keramikern aus dem Zeitraum 1970–2000.Céramique française 1970–2000: Donation France et Wolfgang Kermer. Sarreguemines: Editions Musées de Sarreguemines, 2018, ISBN 978-2-913759-24-4 Der im ehemaligen Fabrikareal angelegte Garten wurde nach seiner Restrukturierung in das Ensemble der Gärten ohne Grenzen der Großregion SaarLorLux aufgenommen. Insbesondere aus der Epoche des Jugendstils stammen bedeutende Bauwerke. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist das Casino am Saarufer. Bei diesem Gebäude handelt es sich um ein Bauwerk, das für die Arbeiter der Fayencerie errichtet wurde. Es enthält einen Saal für kulturelle Veranstaltungen sowie ein Restaurant. Die Fassade wird von Keramikbildern geziert.

Darüber hinaus ebenfalls sehenswert ist die 1764 im neoklassizistischen Stil erbaute Kirche Saint-Nicolas mit großenteils barocker Inneneinrichtung, einer bedeutsamen Pietà von 1663 und drei monumentalen Gemälden von Januarius Zick.

Die Steingutfabrik Utzschneider mini|Steingutfabrik (ca. 1910)

Gegen 1790 gründeten drei Straßburger eine Töpferei in Saargemünd in einer alten Mühle. 1799 kaufte der junge Paul Utzschneider, der aus Bayern stammte, die Anteile von zweien der Partner und gründete mit dem Dritten Joseph Fabry die Gesellschaft Fabry Utzschneider et companie. Paul Utzschneider baute die Produktion aus, im Jahr beschäftigte er 170 Arbeiter an 7 Öfen. Durch die Kontinentalsperre unterstützt, begann er englisches Steingut zu imitieren, insbesondere Wedgwood mit seinen exotischen Dekors. Er führt auch neue Sorten ein, sehr feines Steingut, das mit Porzellan konkurrierte. 1836 übergab er die Produktion an seinen Schwiegersohn, den Baron Alexandre de Geiger. Die Fabrik beschäftigte 300 Arbeiter, die Öfen wurden mit Kohle betrieben. Um die Fabrik zu vergrößern und zu modernisieren, verbündete er sich mit den Familien Villeroy und Boch im benachbarten Saarland. Zwischen 1858 und 1869 wandelt er die Manufaktur in eine industrielle Fabrik um. Er begann auch Majolika zu produzieren, farbige Kacheln im italienisch-maurischen Stil. Nach der Annexion von Elsass-Lothringen 1871 verließ er die Stadt, zog nach Paris und übergab die Geschäfte seinem Sohn Paul, der schon ab 1859 mitarbeitete und einzelne Fabriken leitete. Da Exporte nach Frankreich mit 15 % Steuer belastet wurden, gründete er in Digoin (Frankreich) eine neue Fabrik und etwas später ein neues Lager in Vitry-le-François. 1890 begann er, Bau-Keramik zu produzieren, bunte Keramikelemenete, die repräsentative Gebäude verzieren. Man kann sie heute noch am Casino und am Musée de la Faïence in Saargemünd sehen. mini|Teller der Steingutfabrik Utzschneider, 1900–1925 1913 lief die Übergangsfrist für ehemals französische Firmen in Lothringen ab, sie mussten sich entscheiden, ob sie weiterhin französisch sein oder deutsch werden wollten. Paul de Geiger entschied sich, 2 neue Gesellschaften zu gründen: La Société Utzschneider et Compagnie in Saargemünd und Les Etablissements céramiques Digoin, Vitry-le-François et Paris in Frankreich. Er starb kurz darauf. Nach dem Kriegsende wurde Lothringen wieder französisch und die beiden Firmen fusionierten unter dem Namen Faïenceries de Sarreguemines Digoin et Vitry-le-François. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion erweitert, neue Gebäude entstanden. 1939 wurde Saargemünd evakuiert, die Produktion wurde eingestellt. Ab 1940 wurde die Fabrik von den deutschen Besatzern wieder eröffnet und 1942 von Villeroy & Boch übernommen. Saargemünd lag nach der Befreiung 1944 in Ruinen, auch die Fabriken von Utzschneider. Die Fabrikation wurde wieder aufgenommen, mit moderneren Verfahren wie Tunnelöfen. Wirtschaftliche Probleme stellten sich ein, schließlich wurde die Firma 1979 vom Konkurrenten Lunéville Saint-Clément übernommen, der Saargemünder Teil firmierte unter Sarreguemines bâtiment. Die Produktion in Saargemünd wurde eingestellt, Steingut unter der Marke Sarreguemines wird heute (2021) in Digoin und Saint-Clément hergestellt.

Arbeitersiedlung der Keramikfabrik