Die Bismarck-Klasse war eine Klasse von zwei deutschen Schlachtschiffen während des Zweiten Weltkriegs. Sie bestand aus dem Typschiff Bismarck, benannt nach dem früheren deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck, und deren Schwesterschiff Tirpitz, benannt nach dem früheren Staatssekretär im Reichsmarineamt Alfred von Tirpitz.

Geschichte Planung und Bau Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und den im Versailler Friedensvertrages auferlegten Rüstungsbeschränkungen durfte Deutschland nur über ein Heer mit einer Personalstärke von 100.000 und einer Marine von 15.000 Köpfen verfügen. Ende der Zwanziger Jahre wurde Deutschland erlaubt, dem Völkerbund beizutreten und an Abrüstungskonferenzen teilzunehmen.

Seitens Deutschlands wurde Gleichberechtigung eingefordert, das heißt: alle Teilnehmer rüsten entweder auf deutsches Niveau ab oder Deutschland wird volle Gleichberechtigung bei den Rüstungen eingeräumt. Da Frankreich auf den Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrages bestand und Deutschland nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr gewillt war, diese hinzunehmen, trat Deutschland Ende 1933 aus dem Völkerbund aus und verließ die Londoner Abrüstungskonferenz von 1930. Gleichzeitig wurde mit Planungen für die Wiederaufrüstung begonnen. Im April 1934 wurden die Rahmenbedingungen für den Wiederaufbau der Flotte festgelegtAkte Schiffbauersatzplan Schiffstypen ab 1934; BA-MA-RM-20-1901; hier Besprechungsniederschrift über Vortrag beim Chef der Marineleitung am 19. März 1934 über Schiffbauersatzplan und Typenfragen; A IV a 1196/34 Gkds.. Nach diesem Schiffbauersatzplan sollten insgesamt 8 Panzerschiffe (einschließlich der 3 gebauten Schiffe des Deutschland-Typs und der in Planung befindlichen Panzerschiffe „D“ und „E“) 3 Flugzeugträger 18 Kreuzer 48 Zerstörer 24 große U-Boote (800 t) 48 kleine U-Boote (250 t) gebaut werden.

Der gesamte Ersatzplan sollte in 15 Jahren von 1935 bis 1949 mit einem Gesamtetat von 530 Millionen Reichsmark umgesetzt werden. Die neu zu bauenden Panzerschiffe sollten in der Größenordnung dem britischen Abrüstungsvorschlag für Schlachtschiffe (25.000 t) folgen bzw. in einer Größe gebaut werden, welche eine neue Konvention bringen würde und sollten den Kampf gegen die Dunkerque mit Aussicht auf Erfolg führen können.

Als militärische Forderungen wurden an diesen Typ genannt Geschwindigkeit 30 kn Fahrstrecke 12.000 sm bei 18 kn Geschwindigkeit (Atlantikfähigkeit) schwere Artillerie 8 × 30,5 cm oder 9 × 30,5 cm mittlere Artillerie 8-12 × 15 cm sehr starke Flakarmierung hohe Standfestigkeit, mindestens wie bei „D“. 6 Flugzeuge

Für Planung der Schiffe, inklusive Konstruktion der neuen Türme und Erörterung der Verteilung der Hauptartillerie wurde ein Jahr veranschlagt. Inbaugabe des neuen Typs war dann ab 1. Oktober 1935 geplant bei einer Fertigstellung im Verlauf des Jahres 1939.

Im Verlauf der Vorplanungen stellte sich heraus, dass für internationale Kriegsschiffsneubauten weder mit einer Beschränkung auf 30,5 cm im Kaliber noch auf ca. 25.000 t in der Verdrängung zu rechnen wäre, sondern für Neubauten eher 38 cm und 35.000 t anzunehmen seien. Die eigenen Vorplanungen für ein solches Schiff ergaben bei Beibehaltung der militärischen Forderungen bereits im März 1935 ein Typdeplacement von annähernd 43.000 t. Insbesondere beim Panzerschutz waren gemäß Einschätzung der Marineführung Einsparungen nicht hinnehmbar.

Zur Verschleierung der allgemeinen Aufrüstungsabsichten schloss Deutschland mit der britischen Regierung die als Deutsch-britisches Flottenabkommen bezeichnete diplomatische Note vom 18. Juni 1935 ab, mit welcher der deutschen Seite ein Aufbau ihrer Marine über die im Versailler Vertrag hinaus festgelegten Grenzen, generell bis auf 35 % der britischen Stärke, legitimiert wurde. Hinsichtlich der Verdrängung eines Schlachtschiffes übernahm das Abkommen die Festlegungen entsprechend der Washingtoner Flottenkonferenz von 1922 mit 35.000 ts. Die Marineführung folgte offiziell den Bestimmungen des Abkommens, überschritt jedoch bewusst die größenmäßigen Festlegungen und verschleierte dies durch Falschangaben, insbesondere bei Tiefgang und Antrieb gegenüber dem Vertragspartner. Ein Verhalten, das zu dieser Zeit aber auch von anderen Seemächten praktiziert wurde.

Die Erörterung, 4 Doppeltürme oder 3 Drillingstürme zu verwenden (zwischenzeitlich wurde aus Gewichtsgründen auch eine Vierlingsturmlösung geprüft), wurde zugunsten der Doppelturmlösung entschieden, zum einen aus schießtechnischen Gründen (Batterieteilung), geringeren Platzbedarfes der Barbetten und wegen der stärkeren Unterteilung. Unterschiedliches Gewicht und Personalbedarf erschienen unerheblich. Bei der Hauptbewaffnung wurden durch Verzicht auf Höhenrichtbereich und Anfangsgeschwindigkeit eine gewisse Verminderung des Gefechtswertes zugunsten eines verringerten Gesamtgewichts hingenommen.

Am 1. Juli 1936 wurde auf der Werft von Blohm & Voss in Hamburg der Kiel der im Haushaltsplan als „Schlachtschiff F“ bezeichneten Bismarck gestreckt. Im November 1936 begannen die Arbeiten an ihrem Schwesterschiff Tirpitz („Schlachtschiff G“) auf der Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven. Beide Schiffsbauten entsprachen dem gleichen Entwurf.

Ab September 1939 erfolgte angesichts des Kriegsausbruchs mit Großbritannien der Bau der Bismarck und der Tirpitz unter hohem Zeitdruck, behindert durch den strengen Winter im Frühjahr 1940. Die Schiffe konnten daher erst im Frühjahr 1941 als einsatzbereit gelten.

Zwischen der Bismarck und der Tirpitz bestanden geringe bautechnische Unterschiede. Der auffälligste davon war der bei der Tirpitz bis an den Rand des Oberdecks vorgezogene Aufbau zwischen den beiden hinteren Türmen der Mittelartillerie. Deshalb wurden die Hauptkräne der Tirpitz anders als auf der Bismarck nicht auf dem Oberdeck, sondern auf dem so entstandenen darüber gelegenen Deck aufgestellt. Hinter diesem Vorsprung wurden dann im Herbst 1941 nach der Verlegung nach Norwegen die dort noch von den während des Unternehmens „Weserübung“ 1940 gesunkenen Zerstörern vorhandenen Torpedo-Vierlingssätze als Zusatzbewaffnung installiert; eine Bewaffnung, die auf der Bismarck nicht vorhanden war. Das zusätzliche Gewicht erhöhte die Verdrängung der Tirpitz und ihren Tiefgang, so dass sie um knapp 1.000 t schwerer war als ihr Schwesterschiff. Damit ist die Tirpitz das größte je fertiggestellte deutsche Kriegsschiff.

Nach Beginn der Bauarbeiten am Schwesterschiff Bismarck wurden noch Änderungen vorgenommen, die in die Konstruktion der später begonnenen Tirpitz einfließen konnten. Diese Verbesserungen betrafen Bunkerzellen im Schiffsrumpf, die anders aufgeteilt waren und einige Panzerungsdetails.

Bei der Tirpitz waren auch die beiden achteren SL-8-Flak-Leitstände, die sich hinter dem Großmast befanden, durch kugelförmige Hauben gegen Splitter geschützt. Auf der Bismarck sollten die fehlenden SL-8-Flak-Leitstände nach Abschluss des Unternehmens „Rheinübung“ in einem der besetzten französischen Atlantikhäfen eingebaut werden, wozu es durch den Totalverlust der Bismarck nicht mehr kam.

Im August 1939 wurde die Ausrüstung der Schiffe mit Funkmess-AnlagenAkte Oberkommando der Kriegsmarine AV Artilleriewaffenfragen; BA-MA-RM-20-1909; hier Beschaffung von Dete-Anlagen für Bordverwendung; Berlin 1. August 1939; MWa Id 1833/39 g.Kdos. festgelegt: "Die Schlachtschiffe Bismarck und Tirpitz werden mit insgesamt drei kombinierten DeTe-Anlagen ausgerüstet. Zwei Waffenanlagen an den Drehhauben Vormars und achterer Stand. Beide Drehhauben sind zu diesem Zweck erweitert. Die Drehhauben dienen zugleich als Zielgeber und zur Fernsteuerung der Seezielartillerie gegen unsichtbare Ziele. Ein taktisches Gerät auf dem vorderen Stand. Ausführung wie Waffengeräte, so dass auch dieses Gerät voll für den Waffeneinsatz verwendbar ist."

Einsätze mini|Die Bismarck vor Blankenese mini|Die Tirpitz in der Bogenbucht

Die Bismarck lief am 18. Mai 1941 zu ihrer ersten und letzten Feindfahrt, dem „Unternehmen Rheinübung“ aus. Nach der Versenkung des britischen Schlachtkreuzers Hood in der Dänemarkstraße zwischen Island und Grönland ging es unter britischer Verfolgung weiter in Richtung Brest (Frankreich). Nach einem schweren Gefecht sank die Bismarck am 27. Mai 1941 im Atlantik.

Die Tirpitz unternahm mehrere Einsätze gegen die Briten. Eines dieser Unternehmen mit dem Codenamen „Rösselsprung“ gegen den Nordmeergeleitzug PQ 17 ist das klassische Beispiel für die sogenannte „Fleet-in-being“-Rolle der Tirpitz: Ihre bloße Präsenz zwang die Briten, ihren Schiffsverkehr in diesem Seegebiet durch schwere Einheiten schützen zu lassen, und ihr Auslaufen – ohne direkt Feindberührung zu haben – nahm Einfluss auf die Aktionen des Gegners. Mittelbar war die Tirpitz durch diese Operationen hinsichtlich der Erfüllung des Primärauftrages, der Schädigung der alliierten Nachschublinien, viel erfolgreicher als ihr Schwesterschiff Bismarck.

Bewertung der Bismarck-Klasse Die beiden Schiffe der Klasse gelten in der Fachliteratur grundsätzlich als ein qualitativer Höhepunkt des deutschen und internationalen Großkampfschiffbaus. So spricht Breyer von beiden Einheiten als „ungewöhnlich standfest und […] zu den besten [gehörend], die jemals gebaut [wurden].“ Sie seien darüber hinaus jedem vergleichbaren ausländischen Typ überlegen gewesen.Siegfried Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer, Erlangen 1993, S. 320. Auf die Standfestigkeit weisen auch Breyer und Koop hin, diese sei „der berühmt gewordenen […] der Großkampfschiffe der Kaiserlichen Marine [gleichgekommen]“ und habe sie vermutlich noch übertroffen.Siegfried Breyer und Gerhard Koop: Von der Emden zur Tirpitz, Bonn 1995, S. 103. Gröner bezeichnet Bismarck und Tirpitz als „hervorragend indifferente Seeschiffe mit ruhigen, flachen Stampf- und geringen Schlingerbewegungen“ und bescheinigt ihnen „selbst in sehr schwerer See [große] Kursbeständigkeit.“ Ihre Manövrierfähigkeit sei grundsätzlich „ausgezeichnet“ gewesen, jedoch habe sie bei langsamen Fahrtstufen in kritischem Maß abgenommen.Erich Gröner: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945 (Band 1), Bonn 1998, S. 58.

Zu einer gegenteiligen Einschätzung kam dagegen der britische Marinehistoriker Antony Preston. In seinem Buch The World's Worst Warships widmete er der Bismarck-Klasse ein eigenes Kapitel und stellte dabei insbesondere die Frage, warum ein vermeintlich modernes Schlachtschiff im Gefecht innerhalb von 20 Minuten nicht mehr in der Lage war, das Feuer zu erwidern. Im Folgenden stellt Preston mehrere konstruktive Mängel fest:

Das Heck der Schiffe war zu schwach gebaut worden, und selbst wenn die Ruderanlage der Bismarck nach dem Torpedotreffer intakt geblieben wäre, wäre das Schiff mit einem beschädigten Heck eher schwierig zu manövrieren gewesen. Ungewöhnlich sei ebenfalls die Tatsache gewesen, dass sich die horizontalen Panzerdecks sehr viel niedriger befunden haben als auf zeitgenössischen Schiffen der Royal Navy und der US Navy, wodurch sich einige wichtige Systeme außerhalb des Panzerschutzes befunden hätten. Schließlich sei noch die Sekundärtartillerie problematisch gewesen: Die 15-cm-Geschütze waren nicht zur Bekämpfung von Luftzielen vorgesehen, weshalb speziell für diesen Zweck noch die 10,5-cm-Batterie nötig war. Neben dem zusätzlichen Gewicht dieser Geschütze stellte Preston hierbei noch die Qualität der Feuerleitung in Frage, wobei er die Tatsache, dass bei den Angriffen auf die Bismarck keiner der Swordfish-Torpedobomber abgeschossen werden konnte, als Indiz wertete.

Schließlich kommentiert Preston noch, dass die Qualität der Bismarck seinerzeit in Großbritannien überbetont worden sei, um den Verlust der Hood (der Preston ebenfalls ein Kapitel in seinem Buch gewidmet hat) plausibel erklären zu können.

Technik mini|Datenblatt der Tirpitz

Gewichte (Konstruktion)