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Die Biennale di Venezia (offiziell ; auf Deutsch meist: Biennale (von) Venedig oder Kunstbiennale (von) Venedig) ist eine internationale Kunstausstellung in Venedig. Sie findet seit 1895 zweijährlich statt und ist damit die älteste Biennale und die älteste internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst.
Der Hauptschauplatz sind die Giardini della Biennale (Gärten der Biennale), auch Napoleonische Gärten genannt, im östlichen Stadtteil Castello, wo sich 28 Länder in ihren nationalen Pavillons präsentieren. Mehrere Dutzend anderer Staaten, die auf diesem Areal keinen eigenen Pavillon erbaut haben, stellen während der Biennale in über das gesamte Stadtgebiet verstreuten, angemieteten Räumlichkeiten aus. Unabhängig von den Länderrepräsentationen gibt es im Palazzo dell’Esposizione und dem Arsenale eine durch Kuratoren zusammengestellte Themenausstellung.
Zur Biennale von Venedig gehören auch ein Musikfestival (seit 1930), die Filmfestspiele (seit 1932), ein Theaterfestival (seit 1934) und ein Festival für zeitgenössischen Tanz (seit 1999). Diese Veranstaltungen finden jährlich statt. Außerdem gibt es seit 1980 die Architekturbiennale, die abwechselnd mit der Kunstbiennale stattfindet, von 2002 bis 2018 regelmäßig in den geraden Jahren, seit 2021 in den ungeraden Jahren.
Geschichte Bis zum Ersten Weltkrieg Die Geschichte der Biennale von Venedig reicht in das Jahr 1893 zurück. In diesem Jahr beschloss der Stadtrat von Venedig, alle zwei Jahre eine Ausstellung der italienischen Kunst (Esposizione biennale artistica nazionale) ins Leben zu rufen. Erster Generalsekretär wurde Antonio Fradeletto.
Im Winter 1894–1895 wurde der Palazzo dell’Esposizione für die Ausstellung errichtet, die am 30. April 1895 als I Esposizione Internazionale d’Arte della Città di Venezia (1. Internationale Kunstausstellung der Stadt Venedig) in Anwesenheit des italienischen Königspaares Umberto I. und Margarethe von Savoyen eröffnet wurde. Mit 224.000 Besuchern war sie ein großer Publikumserfolg. Für die stetig wachsende Ausstellung nahm man sich das Konzept der Weltausstellung zum Vorbild.
Für die Auswahl der Werke wurden nationale Komitees berufen, je eines für Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich-Ungarn, Russland, Schweden und Norwegen sowie Spanien. Das deutsche Komitee bildeten Anton von Werner, Gustav Schönleber, Fritz von Uhde und Max Liebermann. Zu den eigenen Werken wurden auch solche von Kollegen ausgestellt, darunter von Hans Bartels, Franz von Lenbach, Adolph Menzel und Franz von Stuck, von 20 Künstlern aus Deutschland. Die Ausstellung bestand insgesamt aus 516 Werken von 285 Künstlern.
mini|Eingang zu den Giardini, der Parkanlage, wo sich die Ausstellungspavillons vieler Länder befinden
Der erste Nationalpavillon auf einer Biennale wurde 1907 in den Öffentlichen Gärten, den Giardini Pubblici, vom belgischen Architekten und Designer Léon Sneyers für sein Heimatland entworfen. Die ersten international bedeutenden Künstler waren 1910 zu sehen: Ein Raum war Gustav Klimt gewidmet, Renoir wurde ausgestellt und Courbet eine Retrospektive gewidmet. Im Jahr 1905 ließ Antonio Fradeletto, der erste Generalsekretär der Biennale, eine Arbeit von Pablo Picasso aus dem spanischen Salon entfernen (vermutlich das große Gemälde Les Saltimbanques), da er befürchtete, dass seine Neuartigkeit die Öffentlichkeit schockieren könnte. Es dauerte bis 1948, dass erstmals Werke des spanischen Künstlers zu sehen waren.
Bis zur letzten Biennale vor dem Ersten Weltkrieg waren bereits sieben Nationalpavillons errichtet worden. Dem 1907 errichteten Pavillon Belgiens folgten Ungarn, Bayern (1909, ab 1912 als Deutscher Pavillon genutzt) und Großbritannien (1909), Frankreich (1912) und Russland (1914).
Bis zum Zweiten Weltkrieg Auf die erste Nachkriegsbiennale des Jahres 1920 wurden durch den neuen Generalsekretär Vittorio Pica erstmals Künstler der Avantgarde eingeladen (Alexander Archipenko). 1922 waren in einer Retrospektive die Werke Amedeo Modiglianis und eine Ausstellung von Skulpturen afrikanischer Künstler zu sehen. An dieser Auswahl wurde teils heftige Kritik laut. Um die „Dreistigkeit“ Picas zu zügeln, wurde ein 1930 wieder aufgelöster Verwaltungsausschuss ins Leben gerufen, der die Arbeit „begleiten“ sollte.Quelle?
1928 wurde mit der Gründung des Historischen Instituts zeitgenössischer Kunst (Istituto Storico d’Arte Contemporanea) der Kern der archivalischen Sammlungen der Biennale angelegt. Das Institut wurde später in Historisches Archiv zeitgenössischer Kunst (ASAC, Archivio Storico d’Arte Contemporanea) umbenannt.
Mit königlichem Dekret wurde die Biennale 1930 in eine autonome Verwaltungseinheit überführt. Die Kontrolle ging damit von der Stadt Venedig an den faschistischen Staat über. Mit der nun umfangreicheren finanziellen Ausstattung wurde die Biennale um die Bereiche Musik, Kino und Theater zu der multidisziplinären Veranstaltung erweitert, die sie bis heute ist. Das 1930 erstmals veranstaltete Internationale Festival Zeitgenössischer Musik war Teil der Biennale, bis es ab 1937 jährlich stattfand. 1932 folgten die ersten Filmfestspiele (Esposizione internationale d’arte cinematografica), die auf den Terrassen des Hotels Excelsior ausgetragen wurden. Es wurde bereits eine Abstimmung durchgeführt, aber noch keine Preise vergeben. Ab 1935 fanden die Festspiele jährlich statt. Zu den vor dem Krieg ausgezeichneten Filmen gehörten Clarence Browns Anna Karenina, Luis Trenkers Der Kaiser von Kalifornien, Carnet du bal von Julien Duvivier und Olympia von Leni Riefenstahl. Die internationalen Theaterfestspiele wurden 1934 erstmals ausgetragen. Auch sie wurden ab 1963 zu einer jährlichen Veranstaltung.
Nachkriegszeit Nach sechsjähriger Unterbrechung fand 1948 die erste Biennale erst drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Europäische Avantgarde und weltweite Strömungen zeitgenössischer Kunst. In den 1950er-Jahren wurde der abstrakte Expressionismus eingeführt, in den 1960er-Jahren die Pop Art. Der italienische Architekt Carlo Scarpa zeichnete bis 1972 für die Umgestaltung des Ausstellungsgeländes verantwortlich.
Die Proteste der 68er-Bewegung führten die Biennale in eine Krise. Die großen Preise wurden abgeschafft und die Betonung weniger auf monografische Behandlung einzelner Künstler als auf thematische Ausstellungen gelegt. 1974 wurde die gesamte Ausstellung als Protest gegen den Militärputsch und die folgende Diktatur Augusto Pinochets dem Land Chile gewidmet. Anfang der 1980er-Jahre wurde die Biennale um die Architekturbiennale und das Tanzfestival erweitert.
Seit 1999 Seit 1999 wird auch das östliche Gelände des Arsenals (Schiffswerften) mit seinen Hallen aus dem 16. Jahrhundert als Ausstellungsfläche genutzt, welches vorher zum militärischen Sperrgebiet gehörte. Da sich auch die Zahl der teilnehmenden Nationen erhöhte, sind deren Ausstellungsorte über Kirchen, Paläste, scuole und aufgelassene Werkshallen in der ganzen Stadt verteilt. Goldene und Silberne Löwen für beachtenswerte Werke oder Lebensleistungen werden erst seit 1986 auf der Kunstbiennale verliehen, übernommen von der Kinobiennale, wo es den Goldenen Löwen schon seit 1949 gibt.
Bei der 50. Internationalen Kunstausstellung der Biennale von Venedig 2003 ließ der Künstler Santiago Sierra den Haupteingang des spanischen Pavillons zumauern. Nur gegen Vorlage eines spanischen Passes durfte das leere Gebäude durch den bewachten Hintereingang betreten werden. Dadurch sollte die globalisierte Welt und der Umgang mit Migration entlarvt werden. Der deutsche Pavillon zeigte Arbeiten von Candida Höfer und Martin Kippenberger, im österreichischen Pavillon wurde Bruno Gironcoli ausgestellt.
Im Januar 2004 wurde die Biennale in eine Stiftung umgewandelt, um das Potential der Ausstellung durch ein effektiveres Management besser auszuschöpfen. Wirtschaftlich ist der US-amerikanische Kultursektor Vorbild, in dem je 30 Prozent des Budgets von privaten Sponsoren, aus eigenen Einkünften, aus öffentlichen Zuwendungen und 10 Prozent aus Einnahmen aus der Zunahme der Aktiva stammen.
Auf der 51. Biennale zeigte der deutsche Pavillon 2005 Arbeiten der Künstler Thomas Scheibitz und Tino Sehgal. Der österreichische Pavillon wurde von Hans Schabus in einen von innen begehbaren Berg verwandelt.
Die 52. Biennale fand vom 10. Juni bis zum 21. November 2007 statt. Kurator der Veranstaltung, an der rund 100 Künstler in 77 Länderpräsentationen teilnahmen, war der Amerikaner Robert Storr. Der deutsche Pavillon wurde von Isa Genzken gestaltet. Österreich wurde durch den Maler Herbert Brandl vertreten, für die Schweiz präsentierten Christine Streuli und Yves Netzhammer ihre Arbeiten. Der österreichische Künstler Andreas Fogarasi erhielt den Goldenen Löwen für den besten Länderbeitrag für seine Ausstellung im ungarischen Pavillon. Malick Sidibé wurde der Goldene Löwe für sein Lebenswerk zuerkannt.
Kurator der 53. Biennale 2009 war Daniel Birnbaum, der schwedische Kunsthistoriker und Leiter der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste (Städelschule) in Frankfurt am Main. Die 53. Ausgabe fand vom 7. Juni bis zum 22. November 2009 und 77 Ländern mit eigenen Pavillons statt, darunter erstmals gemeinsam Israel und der Iran. Die Schau mit 90 Künstlern stand unter dem Motto „Making Worlds“ (Weltenmachen).Kunstbiennale Venedig: Mehr Künstler als je zuvor. In: Die Presse. 15. Mai 2018, abgerufen am 6. März 2024 (ursprünglich veröffentlicht am 24. März 2009).
Die schweizerische Kunsthistorikerin und Kuratorin Bice Curiger war Direktorin der 54. Biennale, die vom 4. Juni bis zum 27. November 2011 stattfand.Gerhard Mack: In: Art – Das Kunstmagazin. 14. Mai 2010.
Die 55. Internationale Kunstausstellung fand vom 1. Juni bis 24. November 2013 statt. Erstmals nahm der Heilige Stuhl teil (In Principio). Kurator war Massimiliano Gioni, der bisher jüngste in der Geschichte der Ausstellung. Der Titel lautete „Il Palazzo Enciclopedico“ (Der enzyklopädische Palast).
Die 56. Biennale fand vom 9. Mai bis 22. November 2015 statt. Künstlerischer Leiter war Okwui Enwezor unter dem Motto „All the World’s Futures“ (Alle Zukünfte der Welt). Ein Goldener Löwe ging an Armenien für seinen Landespavillon sowie an die US-Amerikanerin Adrian Piper, ferner ein Silberner Löwe für eine Nachwuchsleistung an Im Heung-soon. Besondere Erwähnung (Special Mention) fanden Joan Jonas, Harun Farocki, Massinissa Selmani und das Abounaddara Collective.
Künstlerische Leiterin der 57. Biennale 2017 war die Französin Christine Macel mit dem Titel „Viva Arte Viva“ (etwa: Es lebe die Kunst, sie lebe), in der 120 Künstler aus 51 Ländern ihre Werke zeigen und mehr als 80 nationale Pavillons teilnehmen. Franz Erhard Walther wurde mit dem Goldenen Löwen als bester Künstler ausgezeichnet.
Bei der 58. Biennale 2019, die vom 11. Mai bis zum 24. November stattfand, war Ralph Rugoff der Kurator der Hauptausstellung. Unter dem Motto „May You Live in Interesting Times“ (Mögest du in interessanten Zeiten leben) wurden Werke von 83 Künstlern gezeigt. Der amerikanische Filmemacher Arthur Jafa gewann den Goldenen Löwen als bester Künstler für sein Video „The White Album“. Der amerikanische Konzeptkünstler Jimmie Durham erhielt den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. Mit dem Hauptpreis für den besten nationalen Beitrag wurden die litauischen Künstlerinnen Rugile Barzdziukaite, Vaiva Grainyte und Lina Lapelyte ausgezeichnet.
mini|Werbung für die 59. Biennale auf einem Vaporetto in Venedig, August 2022