Der Glattschnabelani (Crotophaga ani) ist ein Vertreter der Gattung Crotophaga innerhalb der Familie der Kuckucke (Cuculidae). Der schwarze, auffallend langschwänzige Vogel kommt in weiten Teilen Südamerikas, auf fast allen Inseln der Karibik und in einigen Gebieten Floridas und Mittelamerikas vor. Sein charakteristischer Ruf wurde in einigen Sprachen für die Trivialnamen der Gattung namensgebend und bildet für diese Art das Artepitheton. Glattschnabelanis ernähren sich vorwiegend von Insekten, die sie vom Boden auflesen, aber auch in Büschen und auf Bäumen erbeuten. Wie die beiden anderen Arten der Gattung Crotophaga sind Glattschnabelanis keine Brutschmarotzer, sondern vornehmlich Gemeinschaftsbrüter. Gewöhnlich legen mehrere Weibchen ihre Eier in ein gemeinschaftlich errichtetes Nest und ziehen gemeinsam mit anderen Gruppenmitgliedern die Jungen auf. Die monotypische Art ist stellenweise häufig und gilt in ihrem Bestand als nicht gefährdet. In einigen Gebieten entlang der mittelamerikanischen und südamerikanischen Pazifikküste breitet sie sich stark aus und verdrängt dort zuweilen den Riefenschnabelani. Robert B. Payne (2005) S. 180

Aussehen Glattschnabelanis sind mit etwa 35 Zentimetern Körperlänge, wovon gut die Hälfte auf den Schwanz entfällt, etwas größer als die sehr nahe verwandten Riefenschnabelanis. Sie sind also etwa so groß wie Stadttauben, jedoch bedeutend leichter als diese. Männchen dieser Art wiegen im Durchschnitt um die 110 Gramm, die etwas leichteren Weibchen 93 Gramm. Robert B. Payne (2005) S. 180 Die Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern sind unerheblich, ein Färbungsdimorphismus besteht nicht. Bestes, allerdings nur aus der Nähe brauchbares Unterscheidungsmerkmal ist die größere Schnabelhöhe des Männchens. mini|hochkant=1|links|Glattschnabelani – Männchen Glattschnabelanis sind im Gesamteindruck einheitlich schwarze Vögel mit einem sehr langen, zur Spitze hin verbreiterten Schwanz, der vor allem am Boden oft deutlich aufwärts gerichtet ist. Das Gefieder weist am Nacken einen bronzebräunlichen Glanz auf, die Federränder am Rücken schimmern bläulich und jene der Flügeldecken violett. Die Nackenfedern stehen häufig etwas ab. Die Ränder der breiten, langen Steuerfedern weisen zuweilen wie das Rückengefieder einen bläulichen Glanz auf. Wie bei allen Anis wirkt der Schnabel seitlich zusammengedrückt. Bei älteren Männchen ist der Oberschnabel kammartig erhöht, sodass er auf der Oberseite eine Kante bildet. Sein First überragt den Kopfscheitel. Die Schnabelränder sind glatt, bei älteren Individuen auch rissig oder leicht gefurcht. Weibchen haben einen etwas weniger mächtigen Schnabel. Die Iris ist dunkelbraun oder schwarz. Auch die kräftigen Füße, Zehen und Krallen sind schwarz.

Immature Glattschnabelanis gleichen weitgehend adulten. Der Gefiederglanz fehlt ihnen jedoch weitgehend, der Schnabel ist weniger mächtig, der Schnabelkamm nicht vollständig ausgebildet.

Glattschnabelanis und Riefschnabelanis kommen in weiten Gebieten gemeinsam vor. Ihre feldornithologische Unterscheidung ist oft schwierig, wird aber durch die deutlich unterschiedlichen und fast ständig zu hörenden Rufe wesentlich erleichtert. Visuell sind immature Vögel oft kaum sicher zu identifizieren. Bei adulten ist die Schnabelform, beziehungsweise das Vorhandensein oder Fehlen der Schnabelkerben ein verlässliches Unterscheidungsmerkmal. Zusätzliche Hilfe kann der Glanz des Gefieders, insbesondere des Kopf- und Nackengefieders geben: Bei Glattschnabelanis schimmert dieses bronzebräunlich, bei Riefenschnabelanis blau-türkis.

Stimme Wie alle Anis ist auch diese Art akustisch sehr auffällig. Ihr Stimmrepertoire ist groß. Charakteristisch ist ein langgezogenes, hohes, leicht wimmernd, gepresst klingendes Aaji, das in unterschiedlichen Intervallen, oft auch in Ruffolgen oder schnellen Gruppen geäußert wird. Die zweite Silbe wird ansteigend und beschleunigt vorgetragen. Dieser Ruf wurde in sehr vielen Sprachen für die Gattung namensgebend und wird auch durch das Artepitheton umschrieben. Daneben ist in der Gruppen- und Partnerkommunikation eine Vielfalt an gluckenden, schnatternden, miauenden und krächzenden Lauten zu hören. 13 verschiedene Lautäußerungen wurden unterschiedlichen sozialen Situationen zugeordnet. Payne (2005) S. 175

Verbreitung und Lebensraum miniatur|hochkant=1|Verbreitungsgebiet der Art Das Verbreitungsgebiet des Glattschnabelanis ist sehr groß. Es erstreckt sich von der Halbinsel Florida über die Bahamas, die Großen- und Kleinen Antillen südwärts bis Nordargentinien.

In Florida ist die Art im Süden der Halbinsel weit verbreitet, nach Norden reichen die Vorkommen etwa bis Palm Beach. Einige Inselvorkommen liegen weiter nördlich und im Binnenland. Glattschnabelanis sind auf den Bahamas, auf den Großen Antillen, auf den Kaimaninseln, den Jungferninseln und Providencia häufig, ebenso auf St. Vincent, Dominica und Grenada. Verbreitet ist die Art auch auf Trinidad, selten jedoch auf Martinique und Guadeloupe. Auf vielen kleinen Inseln brüten in manchen Jahren Glattschnabelanis und fehlen dann wieder über einen längeren Zeitraum.

Im Zentralamerika brütet die Art nur vereinzelt in einigen Gebieten Yukatans, vor allem auf den der Halbinsel vorgelagerten Inseln, häufiger und in geschlosseneren Arealen an der Pazifikküste Costa Ricas und Panamas und südostwärts der Kanalregion im gesamten Panama.

In Südamerika liegen die Brutvorkommen der Art vor allem östlich der Anden und reichen von der südamerikanischen Golf- und Atlantikküste südwärts über das gesamte Kolumbien, Venezuela, Brasilien, Paraguay und Uruguay bis ins nördliche Argentinien. Östlich der Andenhauptkette ist die Art weiters in Ecuador, Peru und in Bolivien Brutvogel. Westlich der Andenkette erstreckt sich ein schmales Verbreitungsgebiet entlang der kolumbianischen Pazifikküste bis ins nördlichste Peru.

Seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts kommt die Art auf den Inseln des Galápagos Archipels vor, zuerst auf Isabela, heute auf fast allen Inseln. Die näheren Umstände ihres Auftretens sind nicht bekannt, doch wird angenommen, dass die Art eingeführt wurde, möglicherweise in der Absicht, die Zeckenplage bei den Rinderherden zu reduzieren. Quinn und Startek-Foote (2000) Conservation and management Heute steht man der Verbreitung des Glattschnabelanis auf Galapagos sehr skeptisch gegenüber und es gibt Überlegungen, den Bestand zu regulieren beziehungsweise auf einigen Inseln völlig auszulöschen.

Glattschnabelanis bewohnen eine Vielzahl mäßig feuchter bis feuchter Habitate. Sie sind in ihrer Lebensraumwahl recht anpassungsfähig und dringen auch in die unmittelbare Umgebung menschlicher Siedlungen vor, wo sie zum Beispiel in baumbestandenen Wiesen, Parks, Golfplätzen, am Rande von Plantagen oder an Straßenrändern Brutmöglichkeiten finden. Glattschnabelanis gehören häufig zu den ersten Vögeln, die frisch gerodetes Land besiedeln. Payne (2005) S. 175 Natürliche Lebensräume sind vor allem sekundäres Buschland, ausgedehnte Waldlichtungen, Sekundärwälder, insbesondere Bestände mit Ameisenbäumen, flussbegleitende Gehölze, Randgebiete an stehenden Gewässern, Mangroven, vor allem aber locker baumbestandene Savannen und ausgedehnte, extensiv genutzte Weideflächen. Glattschnabelanis kommen vor allem in Niederungen und in Höhen bis 500 Metern vor, Brutplätze in über 2000 Meter Höhe sind aus Venezuela, Kolumbien, Ecuador und Peru bekannt. Payne (2005) S. 176

Raumbedarf Glattschnabelanis sind zumindest während der Brutzeit streng territorial, die residenten Populationen während des gesamten Jahres. Ein Territorium umfasst den Nistbaum, die Schlafbäume und die Flächen zur Nahrungssuche. Es wird vor allem gegenüber Artgenossen und Riefenschnabelanis verteidigt, während Riesenanis geduldet werden. Quinn und Startek-Foote (2000) Behavior Die Territoriumsgröße ist von der Größe der Gruppe abhängig. Bei Gruppen mit drei Adulten wurden 6,2 Hektar festgestellt, 5 Adulte benötigen 8,7 Hektar und 6–9 erwachsene Gruppenmitglieder 9,6 Hektar. Quinn und Startek-Foote (2000) Behavior

Wanderungen Glattschnabelanis sind Standvögel. Die meisten Populationen verbleiben während des gesamten Jahres in ihren Territorien. Kleinräumige Wanderungen in feuchtere Gebiete während der saisonalen Trockenzeiten kommen vor. Dann können sich mehrere Gruppen vereinigen und vorübergehend recht große Gesellschaften von dreißig und mehr Individuen bilden. Payne (2005) S. 175 Die häufige Anwesenheit von Glattschnabelanis auf den Dry Tortugas legt die Vermutung nahe, dass Wanderungen zwischen Florida und Kuba stattfinden. Quinn und Startek-Foote (2000) Migration Im Gegensatz zum Riefenschnabelani werden Glattschnabelanis in den USA außerhalb ihrer Brutgebiete nur selten beobachtet.

Nahrung und Nahrungserwerb Glattschnabelanis ernähren sich und ihre Jungen vor allem mit Insekten. Heuschrecken bilden unter diesen den größten Anteil. Daneben wird jede verfügbare andere Art, wie Fangschrecken, Maulwurfsgrillen, Schaben, Käfer, darunter auch eine Reihe von Rüsselkäfern, die Schadinsekten in Zuckerrohrplantagen und Zitrushainen seinen können, Schmetterlinge und ihre Raupen und Libellen gefressen. Auch Spinnen, Asseln und Würmer gehören zum Nahrungsspektrum. Gelegentlich erbeuten diese Anis kleine Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Vögel und ihre Eier und auch Schnecken und Fische. Insgesamt beträgt der tierische Nahrungsbestandteil über 90 Prozent. Quinn und Startek-Foote (2000) Diet Vor allem in den jeweiligen Trockenzeiten spielen Früchte, Samen und Beeren eine gewisse Rolle.

Die Nahrung wird am Boden oder von niedriger Vegetation abgelesen, ebenso aber auch in Büschen, auf Ästen oder im Laub der Bäume gesucht. Auch Flugjagden nach schwärmenden Insekten sowie kurze Fangflüge nach fliehenden Arten gehören zu den Jagdstrategien. Glattschnabelanis suchen die Nähe zu Herdentieren und zu Capybaras, um die durch diese aufgescheuchten Insekten zu erbeuten, oder um blutsaugende Insekten und Zecken direkt von den Tieren zu picken. Sie folgen Gürteltieren und Zügen von Treiberameisen, um Insekten und anderes flüchtendes Kleingetier zu erbeuten. Auf der Suche nach Bodenlebewesen stochern sie oberflächlich im Boden und suchen auch im Dung nach Beutetieren.

Verhalten mini|hochkant=1|links|Glattschnabelani beim Sonnenbaden Glattschnabelanis sind tagaktiv. Ihre Aktivitätszeit entspricht in etwa der Tageslänge. Die Aktivitätsgipfel liegen in den Vormittagsstunden bis etwa 11 Uhr und reichen vom späteren Nachmittag bis Sonnenuntergang. Während der heißen Mittagsstunden ruhen sie meist im Schatten von Büschen oder Bäumen. Am Morgen verbringen sie einige Zeit mit Sonnenbaden, bei dem sie das Gefieder sträuben und die Flügel spreizen. Am Boden schreiten oder laufen sie bei der Verfolgung von Beute, beziehungsweise hüpfen beidbeinig. Noch nicht flügge Nestlinge können mit Hilfe des Schnabels und der Krallen durchs Geäst klettern. Der Flug ist geradlinig und nicht besonders schnell. Einigen schnellen Flügelschlägen folgt eine Gleitphase. In Gruppen fliegen die Vögel hintereinander in einer Linie. mini|hochkant=1|Gruppe von Glattschnabelanis. Vorne ein Männchen; der dritte Vogel ist wahrscheinlich ein Weibchen