mini|Eingang der Zentrale in Frankfurt in der Wilhelm-Leuschner-Straße mini|hochkant|Ehemalige Zentrale in Frankfurt in der Münchener Straße Die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) ist ein in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätiger Finanzvertrieb. Das Unternehmen wird von der Deutsche Vermögensberatung Holding gesteuert und gilt als einer der größten Allfinanzvertriebe in Deutschland. Das als Strukturvertrieb (Netzwerk-Marketing) in einem internen Pyramidensystem organisierte Unternehmen wurde 1975 von Reinfried Pohl (1928–2014) gegründet, sein Unternehmenssitz ist Frankfurt am Main. Die Vermittlungspraktiken des Unternehmens werden wiederholt kritisiert.
Geschichte 1975 begann Reinfried Pohl den Aufbau der „Kompass Gesellschaft für Vermögensanlagen GmbH“. Er startete am 1. Juli 1975 mit rund 35 ehemaligen Mitarbeitern der Bonnfinanz., finanzwelt, 13. Oktober 2015, abgerufen am 12. Mai 2022 Das Allfinanz-Konzept hatte Pohl bereits in den 1950er-Jahren entwickelt.Barbara Lammers: Alles aus einer Hand, Focus-Money 29/2001, 12. Juli 2001, S. 34f
1976 wurde die „Allgemeine Vermögensberatung AG“ (AVAG) gegründet. 1983 firmierte die AVAG zur „Deutsche Vermögensberatung AG“ um. 1984 traten Reinfried Pohls Söhne, Andreas und Reinfried junior, in die Geschäftsleitung des Unternehmens ein.Florian Langenscheidt, Peter May (Hrsg.): Lexikon der deutschen Familienunternehmen, 3. Auflage, Springer, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-31846-8, S. 184 1993 gründete das Unternehmen eine österreichische Tochtergesellschaft,DVAG. Bald in Österreich, Handelsblatt Nr. 139 vom 22. Juli 1993, S. 8 die heute unter dem Namen „Deutsche Vermögensberatung Bank Aktiengesellschaft“ firmiert. 2001 begann die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank.Jörg Eigendorf: Deutsche Bank kooperiert mit DVAG, Die Welt, 16. November 2001, abgerufen am 12. Mai 2022
2003 ordnete das Unternehmen seine Struktur neu mit der Schaffung der „Deutsche Vermögensberatung Holding“ mit Sitz in Marburg.Northdata: Deutsche Vermögensberatung Holding GmbH, Marburg, abgerufen am 12. Mai 2022 2005 nahm es mit der „SVAG Schweizer Vermögensberatung“ den Geschäftsbetrieb in der Schweiz auf.Northdata: SVAG Schweizer Vermögensberatung AG, Adliswil, Schweiz, abgerufen am 12. Mai 2022 2007 übernahm die DVAG den Ausschließlichkeitsvertrieb der AachenMünchener Versicherungen und führt diesen seither in einer eigenständigen Tochtergesellschaft, der „Allfinanz Deutsche Vermögensberatung“. Im gleichen Jahr wurde die FVD in das Unternehmen integriert.Northdata: Allfinanz Deutsche Vermögensberatung AG, Frankfurt a. Main, abgerufen am 12. Mai 2022 2008 übernahm die DVAG den Vertrieb der Generali-Tochter Deutsche Bausparkasse Badenia. Unternehmensgründer Pohl starb im Juni 2014. 2018 übernahm die DVAG den Exklusiv-Vertrieb der Generali (EVG).Christian Schnell, Regina Krieger: Die italienische Offensive, Handelsblatt Nr. 189/2017 vom 29. September 2017, S. 32
Unternehmensstruktur Über 18.500 Vermögensberater beraten und betreuen 8 Millionen Kunden. Die DVAG setzte im Geschäftsjahr 2023 2,50 Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Gewinn von 271,9 Millionen Euro. Das Volumen aller vermittelten Verträge (Gesamtbestand) betrug 251,7 Milliarden Euro. Die Familie Pohl hält an der DVAG über die Deutsche Vermögensberatung Holding die Mehrheit von 60 Prozent plus zehn Aktien; die restlichen 40 Prozent der Anteile hält die Generali Deutschland Holding AG.Oliver Lepold: Dynastie Pohl bei DVAG gesichert, dasinvestment, 20. November 2008, abgerufen am 12. Mai 2022
Geschäftsführung Vorstand Das Unternehmen wird von dem aus folgenden Personen bestehenden Vorstand geführt: Andreas Pohl (Vorsitzender des Vorstandes) Marcus Aßmuth (Konzernentwicklung, Marketing) Andreas Franken (Recht, Personal) Christian Glanz (Informationstechnologie, Betrieb, Verwaltung) Lars Knackstedt (Finanzen, Beteiligungen, Immobilien, Steuern) Markus Knapp (Zentrale Vertriebsentwicklung, Versicherungen, Fach- und Vertriebsausbildung) Helge Lach (Markt und Regulierung, Verbände, Zentrum für Vermögensberatung) Steffen Leipold (Banken und Investment, Ausland) Robert Peil (Koordination Vertriebsbereiche, Veranstaltungen, Führungsausbildung)
Aufsichtsrat und Beirat Vorsitzender des Aufsichtsrates ist seit dem 1. April 2021 Hans-Theo Franken.
Vorsitzender des Beirates ist seit 2020 der Staatsminister a. D. Udo Corts. Davor waren es bis 2014 der Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl und bis 2020 der Finanzminister a. D. Theo Waigel. Weitere Beiratsmitglieder sind (Stand 2022) Rainer Neske, Frank Bsirske, Markus Ferber, Petra Roth, Wolfgang Schüssel, Hermann Otto Solms, Karl Starzacher, Martin Wagner, Michael Westkamp und Brigitte Zypries.
Partnerunternehmen Deutschland Die DVAG arbeitet mit der Generali-Gruppe und deren Tochterunternehmen Badenia Bausparkasse und der Advocard Rechtsschutzversicherung. Über diese bestehen weitere Kooperationen wie z. B. mit der BKK Linde.
Im Rahmen einer Partnerschaft mit der Deutsche-Bank-Gruppe vertreibt die DVAG seit 2001 Bankprodukte der Deutschen Bank (DB) und Investmentfonds der DB-Tochter DWS.Werner Rüppel: Die DWS-Aktie ist ein Schnäppchen, Börsen-Zeitung Nr. 59/2022 vom 25. März 2022, S. 17 Weitere Partner sind Commerzbank, HypoVereinsbank, DSL Bank, Santander Bank, Allianz Global InvestorsSparpläne stabilisieren Fondsneugeschäft, Börsen-Zeitung Nr. 168/2018 vom 1. September 2018, S. 2 und die Geiger Edelmetalle AG.Horst Biallo: Goldsparpläne - Wer hohe Kosten vermeidet, gewinnt mehr, Aachener Zeitung Nr. 46/2020
Über die Plattform DVAG-Hyp vermittelt die DVAG Immobilienfinanzierungen an über 500 deutsche Banken und Sparkassen.
Die Deutsche Verrechnungsstelle (DV) mit Sitz in Frankfurt am Main ist auf Rechnungsmanagement für Handwerk und Mittelstand spezialisiert. Sie bietet Produkte und Serviceleistungen, die die Liquidität von Unternehmen sichern.Kerstin Leitel, Oliver Stock: "Wir sind nicht alle Heilige", Handelsblatt Nr. 178/2015 vom 16. September, 2015 S. 26 Gegründet wurde sie 2014 von Andreas und Reinfried Pohl.Northdata: DV Deutsche Verrechnungsstelle GmbH, Frankfurt a. Main, Germany, abgerufen am 12. Mai 2022
Österreich Zu den Partnerunternehmen in Österreich zählen: Generali Versicherungs AG, Unicredit Bank Austria, BAWAG P.S.K., Allianz Global Investors, DWS, s Bausparkasse und Infina Credit Broker GmbH.
Schweiz Zu den Partnerunternehmen in der Schweiz zählen: Generali, PAX, bank zweiplus, CSS, Innova, assura, Sanitas und Glarner Kantonalbank. Im Jahr 2021 ging die Deutsche Vermögensberatung Gruppe eine strategische Partnerschaft mit der Global Sana AG ein, einem Anbieter für Allfinanzberatung. Seit Gründung im Jahr 2014 ist der unabhängige Versicherungsvermittler für Private und Unternehmen in der Schweiz stark expandiert.
Ausbildung Die Deutsche Vermögensberatung Akademie bietet die Ausbildung zum geprüften Vermögensberater (DBBV) an. Mit dieser Ausbildung qualifiziert die DVAG Brancheninsider ebenso wie Berufsfremde.
Zusätzlich bietet die DVAG Akademie die klassische Duale Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen (IHK) mit der Fachrichtung Finanzen oder Versicherungen und die Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement (IHK) an.
Über die Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) besteht eine Zusammenarbeit im Bereich der Hochschulausbildung. Hier können parallel mehrere Abschlüsse erworben werden: Bachelor of Arts in Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Finanzvertrieb geprüfte/-r Finanzanlagenfachmann/-frau (IHK) geprüfte/-r Immobiliardarlehensvermittler/-in (IHK) zertifizierte/-r Vermögensberater/-in (DBBV) Dualer Master-Studiengang Management und Führung im Finanzvertrieb
Die Erlangung der, für den § 34d GewO, erforderlichen Sachkunde erfolgt ebenso, wie die Vorbereitung auf die Sachkundeprüfung des Finanzanlagenvermittlers gemäß § 34f GewO durch die entsprechende Ausbildung in der DAV.
Die DVAG investiert jährlich über 80 Millionen Euro in die Aus- und Weiterbildung.
Rechtliche Auseinandersetzungen Prozess gegen Wolfgang Dahm Die DVAG versuchte per Unterlassungsklage, Äußerungen aus dem Buch Beraten und verkauft des ehemaligen Mitarbeiters Wolfgang Dahm verbieten zu lassen. Das zuständige Oberlandesgericht Frankfurt am Main wies die Klage der DVAG durch Urteil vom 22. Januar 1998 ab.OLG Frankfurt am Main, 22. Januar 1998, Az. 6 U 237/96. Der Bundesgerichtshof ließ eine Revision nicht zu.BGH, Beschluss vom 15. Oktober 1998, Az. I ZR 42/98. Eine daraufhin von der DVAG eingereichte Verfassungsbeschwerde wurde nicht zur Entscheidung angenommen.BVerfG, Beschluss vom 18. Februar 2004, Az. 1 BvR 2121/98, Volltext.
Prozess gegen Stefan Schabirosky Der ehemalige AWD-Mitarbeiter Stefan Schabirosky behauptete in seinem im August 2017 erschienenen Buch Mein Auftrag: Rufmord, im Auftrag der DVAG eine Verleumdungskampagne gegen den ehemaligen AWD-Hauptanteilseigner Carsten Maschmeyer initiiert zu haben.Stefan Schabirosky: Mein Auftrag: Rufmord, Herbig-Verlag, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-7766-2810-4 Die DVAG bestritt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur „vehement“, in die „Rufmord“-Kampagne verwickelt gewesen zu sein und wies die Vorwürfe „entschieden zurück“. In einer Stellungnahme äußerte die DVAG, dass sie mit Schabirosky einen Beratungsvertrag als Controller abgeschlossen hatte. Er sollte den europäischen Markt der Finanzdienstleister für die DVAG beobachten, habe jedoch weder Weisungen noch konkrete Aufträge seitens der DVAG erhalten. Als die „Erkenntnis reifte, dass Schabirosky überwiegend und auf Kosten der DVAG einen persönlichen Rachefeldzug gegen den AWD führte“, trennte sie sich 2008 von ihm. Schabirosky gab an, dass ihm für seine Beratertätigkeit drei Millionen Euro in Aussicht gestellt worden seien, er davon aber nur rund ein Sechstel erhalten habe. 2013 stellte er deswegen Anträge auf Prozesskostenhilfe bei einem Schiedsgericht in Lübben und vor dem Landgericht Frankfurt am Main, die aber als unbegründet zurückgewiesen wurden. Das Landgericht Frankfurt am Main wies seine Ansprüche mit der Begründung zurück, dass seine Behauptungen so vage und so unkonkret gefasst seien, dass diesem Vortrag jegliche Substanz fehle. Diese Entscheidung wurde in zweiter Instanz vom Oberlandesgericht Frankfurt bestätigt. Auf die Einforderung der vereinbarten Vertragsstrafe bei Verletzung der Verschwiegenheitspflicht hat die DVAG verzichtet.
Kritik und Kontroversen Geschäftsmodell Als Strukturvertrieb aufgebaut, besteht in der DVAG ein System, in dem die jeweils in der Hierarchie höherstehenden Mitarbeiter einen Teil der Einnahmen erhalten, die die darunterstehenden Mitarbeiter erwirtschaften. Dieses Geschäftsmodell ist bei einigen Verbraucherschützern umstritten. So sollen Berater der DVAG beispielsweise nach der Wende viele Unfall- und Kapitallebensversicherungen in den neuen Bundesländern verkauft haben, was teils nicht dem Bedarf der Beratenen entsprach.Bund der Versicherten: vom 29. November 2001.
Bei der Vermittlung von fondsgebundenen Lebensversicherungen verdient die DVAG spätestens seit dem Jahr 2020 durch an Fonds erhobene Provisionen. Die als Kick-backs bekannten Provisionen sind in diesem Fall in Wirklichkeit keine, da die DVAG keinen Teil des Geldes an den Kunden zurückgibt. Die an die Fonds erhobene Provisionen, über die der Kunde nicht informiert wird, werden in erster Instanz von den Fonds bezahlt, die von der DVAG erhobenen Kosten geben die Fonds jedoch langfristig an die Kunden weiter, was sich letztlich in einer Minderung der Rendite und der Altersvorsorge offenbart.
Verflechtungen mit der Politik, Einfluss auf diese