Die Hersteld Apostolische Zendingkerk (dt.:Erneuerte Apostolische Missionskirche) ist eine christliche, chiliastisch ausgerichtete Religionsgemeinschaft in der Tradition der apostolischen Gemeinschaften. Sie wurzelte in der katholisch-apostolischen Bewegung, aus der sie sich 1863 löste. In den Jahren 1969–1971 kam es innerhalb dieser Gemeinschaft zu starken Spannungen, die zu einer Aufspaltung in drei Teile führte: die Hersteld Apostolische Zendingkerk die Hersteld Apostolische Zendingkerk II die Hersteld Apostolische Zending Kerk – stam Juda

Selbstverständnis

Jede der Kirchen sieht sich selbst ungeachtet der Spaltung von 1969 als die kontinuierliche Fortsetzung der von Apostel F. W. Schwarz 1863 begründeten Kirche. Den Auftrag der Kirche sieht man in der „Sendung der Apostel an die Christenheit“, um diese durch das Wirken der Apostel auf die nahe Wiederkunft Christi vorzubereiten. Die Kirchen sind tendenziell exklusiv ausgerichtet.

Lehre

Die Bibel ist die unwandelbare Basis der Glaubenslehre. Neben den Sakramenten der Taufe und des Abendmahls kennt die Kirche – wie alle apostolischen Gemeinschaften – das Sakrament der Versiegelung. Man erwartet die nahe Wiederkunft Christi. Die Kirche wird bedient durch das sog. „Vierfache Amt“ der Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer. Für die Eschatologie ist das Buch für unsere Zeit prägend, in welchem die Auslegung der Johannesoffenbarung durch Apostel Schwarz niedergeschrieben ist.

Leitung und Verbreitung

Hersteld Apostolische Zendingkerk

Nach Georg Schmid existieren in den Niederlanden zehn und in Deutschland drei Gemeinden.Georg Schmid: Kirchen, Sekten Religionen; 2003

Hersteld Apostolische Zendingkerk II

Nach Georg Schmid gibt es in den Niederlanden zwei Gemeinden mit insgesamt 200 Mitgliedern sowie einige kleine Kreise in Deutschland und Südafrika.Georg Schmid, Kirchen, Sekten Religionen, 2003

Nach eigener Aussage hat die Hersteld Apostolische Zendingkerk II in den Niederlanden Gemeinden in Amersfoort, Amsterdam, Arnhem, Enkhuizen, Groningen, Den Haag, Haarlem, Utrecht, Wageningen und in Zeeland. Die Kirche zählt in etwa 500 Mitglieder. Verbunden mit der niederländischen HAZK II sind die Apostolische Sendungskirche in Deutschland mit einigen hundert Mitgliedern in drei Gemeinden (in Braunschweig, Völklingen und Mülheim an der Ruhr) unter der Leitung von Apostel Klessinger, sowie die L’Eglise Missionaire Apostolique zu Congo mit rund tausend Mitgliedern.

Hersteld Apostolische Zending Kerk – stam Juda

Es bestehen Gemeinden in Amsterdam und Arnhem.

Geschichte

Entstehung und Vorgeschichte (1863/64) mini|Die Apostolischen in den Niederlanden, eine Übersicht Der Großteil der Glieder der katholisch-apostolischen Gemeinde zu Hamburg wurde nach der Anerkennung eines 1863 neugerufenen Apostels aus der Gemeinde der katholisch-apostolischen Christen ausgeschlossen (exkommuniziert). Durch diesen Ausschluss entstand die Allgemeine christliche apostolische Mission (AcaM). Wichtige Rollen spielten damals der Prophet Heinrich Geyer, der die umstrittene Rufung vornahm, und der Bischof und Engel der Gemeinde zu Hamburg Friedrich Wilhelm Schwarz. Schon im Frühjahr 1863 waren die „Sendungsevangelisten“ Franz Hübner, Meyersahm und Ahlin aus Hamburg nach Holland geschickt worden. Schwarz wurde am Pfingstmontag den 27. Mai 1863 durch eine Weissagung aus der Gemeinde zum Apostel gerufen und in die Niederlande geschickt, um dort Gemeinden zu gründen. Er erreichte im September 1863 Amsterdam, wo er recht schnell eine blühende Gemeinde gründete, die unter dem Namen „Apostolische Zending“ (dt.: Apostolische Mission) firmierte.

Schwarz wurde von der „Sendungsgemeinde zur Verbreitung der Wahrheit“, einer pietistischen Gemeinde mit Sitz in Enkhuizen, eingeladen zu predigen, nachdem in ihrer Mitte von seiner Tätigkeit in Amsterdam Kunde genommen wurde. Diese Gemeinschaft schloss sich geschlossen Schwarz' Anliegen an und bildete den Grundstock der Apostolische Zending in Enkhuizen. Kleinere Gemeinden entstanden in den Folgejahren in knapper Folge in Haarlem, IJmuiden und Hoorn.

Verbindung zur Allgemeinen christlich apostolischen Mission in Hamburg (1865–1895)

Schon bald kam es zu Spannungen zwischen der niederländischen Apostolischen Zending (AZ) und der deutschen Schwestergemeinschaft ACAM aufgrund der Entscheidung von Schwarz die alten (katholisch-apostolischen) liturgischen Dienste sowie die liturgische Kleidung abzuschaffen und durch ein schlichtes, calvinistisches Ritual zu ersetzen.

Im Jahr 1865 traf sich Schwarz mit dem Evangelisten der katholisch-apostolischen Gemeinde Max von Pochhammer in s´Gravenhage zu einem öffentlichen Disput über die Trennung 1863, der jedoch für keine der beiden Seiten zufriedenstellend endete.

Schwarz pflegte in den ersten Jahren gute Kontakte zur Freien Evangelischen Gemeinde unter ihrem Pastor Jan de Liefde, der Gründer der Vereinigung zum Heil des Volkes (Vereniging tot Heil des Volks). Etliche Würdenträger und Mitglieder dieser Gemeinschaft ließen sich in der Folge in der AZ von Schwarz versiegeln, u. a. F. W. Menkhoff. Jener wurde bald (1867) als Evangelist (sogenannter Sendungsevangelist) nach Bielefeld gesandt, denn auch Westfalen galt als Wirkungsgebiet von Apostel Schwarz. 1869 wurde Menkhoff zum Engel ordiniert und 1872 zum Apostel für Westfalen gerufen, wo er bereits etliche Gemeinden gegründet hatte. 1869 entstand Kontakt zwischen Schwarz und Groenewegen, welcher auf Basis von Notizen und Auslegungen von Schwarz das Buch für unsere Zeit (Het Het Boek voor onze tijd) schrieb.

Nachdem Preuß 1878 gestorben war, wurde in Hamburg das Gemeindemitglied Güldner vom Prophet Geyer zum Apostel gerufen. Diese Rufung wurde jedoch von einem Teil der Hamburger Gemeinde nicht anerkannt, ebenso lehnten die Apostel Schwarz und Menkhoff die Rufung von Güldner als ungültig ab. Ein Großteil der Hamburger Gemeinde trennte sich daraufhin unter Geyer und Güldner von der Bewegung und firmierte in Hamburg weiterhin als AcaM. Die verbliebene Restgemeinde blieb unter Leitung des Ältesten Krebs und unter Betreuung durch den Apostel Menkhoff in Verbindung mit der Apostolischen Zending.

Schwarz genoss bei den mittlerweile in etlichen Ländern wachsenden Gemeinden der neuapostolischen Bewegung hohes Ansehen. Trotz der starken Autonomität der einzelnen Aposteln in ihren Arbeitsgebieten, den sogenannten Stämmen, genoss Schwarz darüber hinaus das höchste Ansehen und galt weit über die Niederlande hinaus als größte apostolische Autorität der frühen neuapostolischen Bewegung. Spätestens ab 1893 wurde nicht mehr der Name Apostolische Zending, sondern Hersteld Apostolische Zendingkerk geführt.

Die Lehre vom „Neuen Licht“ und die Trennung (1895–1897)

Als Menkhoff im Mai 1895 starb, bevorzugte Krebs, dass Hermann Niehaus der Nachfolger des Apostels für Westfalen wurde. Es kam zu ersten Spannungen in den Gemeinden der Apostolischen Zending, denn wiederum (wie schon 1878 in Hamburg) wurde, vor allem unter Einfluss des nunmehrigen Apostels Krebs, durchgesetzt, dass bei der Neubesetzung einer vakanten Apostelstelle die Rolle des Prophetenamtes nahezu gen Null tendierte. Diese Auffassung, dass das prophetische Licht auch dem Apostelamt inneliege und somit nicht unbedingt des Tätigwerdens eines kirchlichen Propheten benötige wird oftmals die „Lehre vom neuen Licht“ betitelt.

Ein halbes Jahr später, am 6. Dezember 1895, starb der Apostel Schwarz auch. Bis zur Neubesetzung des Apostelamtes für die Niederlande wurde von den Gemeinden der Apostolischen Zending Krebs als „Verwalter-Apostel“ tätig, bis ein Nachfolger durch einen von kirchlichen Propheten in einem speziell gehaltenen Rufungsgottesdienst benannt werden würde. Unterdessen wurde die Trauerzeit von zwölf Wochen von Krebs auf ein Jahr und sechs Wochen verlängert und Niehaus, welcher ausreichend gut Niederländisch sprechen konnte, wurde in die Niederlande gesandt, um die holländischen Ämter für das „neue Licht zu gewinnen“, so wie Krebs Lehre spöttisch von den Gegnern (insbesondere den immer stärker opponierenden Propheten) genannt wurde.

Als in den niederländischen Gemeinden Stimmen laut wurden, dass Krebs selbst einen neuen untertänigen Apostel ernennen würde, verlangten die etliche Ämter der Amsterdamer Hauptgemeinde, dass der „Rufungsgottesdienst“ bald entsprechend den vorgeschriebenen Richtlinien gehalten werden würde. Dieser wurde am 17. Januar 1897 angesetzt und durch Krebs und Niehaus geleitet. In diesem Gottesdienst wurde der Amsterdamer Diakon Martinus van Bemmel zum Apostel für die Niederlande (bezeichnet als der Stamm 'Juda') durch eine große Anzahl von Prophetien und Visionen gerufen. Er wurde durch die Gemeinde als Apostel proklamiert und eingesetzt.

Als Van Bemmel nicht Krebs' Oberautorität anerkennen wollte (und es wohl auch zu lehrmäßigen Differenzen kam), informierte Krebs schriftlich am 28. Februar 1897 Van Bemmel, dass er vom Amt des Apostels abgesetzt worden sei. Jacob Kofman aus Hoorn – welcher aus der pietistischen „Sendungsgemeinde zur Verbreitung der Wahrheit“ stammte, die sich 1863 der Apostolischen Zending angeschlossen hatte – sammelte, gestützt durch Krebs und Niehaus, hinter sich die Mitglieder, welche sich gegen Van Bemmel stellten. Ungefähr die Hälfte der damals tausend Mitglieder zählenden Apostolischen Zending trennten sich. Diese Mitglieder sammelten sich und firmierten sich als „Hersteld Apostolische Zendinggemeente in de Eenheid der Apostelen“ (Erneuerte Apostolische Sendungsgemeinde in der Einheit der Apostel), welche erst später (1960) den internationalen Namen Neuapostolische Kirche annahm. Kofman wurde Apostel dieser Gemeinden.

Die HAZK (Gruppe um Van Bemmel) gab folgend die Broschüre „De ware oorzaak der scheuring“ (diese wurde auch auf Deutsch herausgegeben: „Die wahre Ursache der Spaltung“), worauf die HAZGEA (Gruppe um Kofman/Krebs/Niehaus) eine ebenfalls gedruckte Antwort herausgab: „Geen scheuring, doch afval“ (welche auch sowohl auf Niederländisch als auch auf Deutsch herausgegeben wurde: „Keine Spaltung, sondern Abfall“).

Diese Beschneidung des Prophetenamtes führte jedoch auch in den westfälischen Gemeinden der Apostolischen Zending zu Unruhen, in deren Folge der Prophet Hugo suspendiert wurde und sich mit etlichen Mitgliedern des Stammes trennte und sich der Alt-Apostolischen Gemeinde anschloss. Die Gemeindemitglieder unter van Bemmel bildeten von nun an die Hersteld Apostolische Zendingkerk.

Entwicklungen unter Apostel Van Bemmel (1897–1925)

Unter Van Bemmel gerieten wichtige apostolische, unter Schwarz hochgehaltene, Prinzipien unter Druck. Kurz vor seinem Tod hatte Schwarz schriftlich niedergelegt, wie die korrekte Ordnung der Diener (Amtsträger) sein sollte. Er schrieb buchstäblich, dass die Überwachung und die Berechtigung in einem Stammes-Bereich dem Apostolat oblagen, alle Aufseher/Vorsteher/Bischöfe (Engel) der Gemeinden daran gebunden seien. Und weiter: „Der Apostel des Stammes ist der Engel der Torgemeinde. Er hat einen Engel-Helfer, welcher hierzu berufen wird. Der Engel-Helfer kann einen Helfer oder einen Ältesten zu dem Zweck haben, ihn im ‚Regieren‘ zu unterstützen. Schließlich können in jeder Gemeinde so viele Propheten, Evangelisten und Hirten hinzugefügt werden, wie notwendig sind.“ Schwartz beendete sein „Konzept“ mit der dringlichen Ansprache: „Diese Anordnung bleibt als Auftrag für den Stamm von Juda bestehen, gegeben dem Stamm vom Herrn Jesus Christus durch seinen Apostel.“

Durch ständige Konflikte mit dem Amsterdamer Amtsträgerkreis stur geworden, setzte sich Apostel Van Bemmel über geistige Gesetze hinweg. Er wollte nichts über erforderliche Berufungen neuer Diener hören. Er war der Auffassung, dass das Amt des Propheten unbiblisch war – der heilige Geist sich durch jedermann mit der Gabe der Prophetie offenbaren könne.