Königsdorf ist der nördlichste Stadtteil von Frechen im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen in Deutschland. Es ist mit knapp 12.000 gemeldeten Einwohnern der zweitgrößte Stadtteil nach der Frechener Innenstadt. Die Gemarkung Königsdorf ist mit etwa 6,45 km² nach Frechen die zweitgrößte Gemarkung Frechens und bis auf Neubuschbell und angrenzende Flächen im Süden fast deckungsgleich mit dem Stadtteil.

Charakteristisch für Königsdorf ist der westlich gelegene Königsdorfer Forst und die vielfältige Anbindung an den Westen der Nachbarstadt Köln. Im Norden liegen die Glessener Höhe und die Stadt Pulheim mit dem Ortsteil Brauweiler, westlich von Königsdorf liegen die Städte Kerpen und Bergheim.

Geographie mini|hochkant=2.0|Blick auf den Königsdorfer Forst

Stadtteile/Viertel Zum Stadtteil Königsdorf gehören die Siedlungsbereiche Großkönigsdorf, Kleinkönigsdorf, Neubuschbell und Neufreimersdorf.Zu den Siedlungsbereichen Peter Schreiner: Kleinkönigsdorf-Großkönigsdorf-Neufreimersdorf-Neubuschbell. In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): Königsdorf im Rheinland. S. 13 ff. Großkönigsdorf wurde zusammen mit Kleinkönigsdorf durch das Köln-Gesetz vom 5. November 1974 zur kommunalen Neugliederung mit Wirkung zum 1. Januar 1975 aus der Gemeinde Lövenich ausgegliedert und in die Stadt Frechen eingemeindet. Neufreimersdorf wurde auf Grund desselben Gesetzes aus der Gemeinde Brauweiler herausgelöst und an die Stadt Frechen angegliedert.

Großkönigsdorf Als ehemaliges Straßendorf an der Aachener StraßeEgon Heeg: Die "Aachener Straße" in Königsdorf - Die Geschichte einer Beziehung. In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): Königsdorf im Rheinland, S. 75 ff. (L 361) und um den Bahnhof in Frechen–Königsdorf entwickelte sich Großkönigsdorf mit seinem Bahnhof ab den 1960er Jahren bis in die jüngste Zeit zu einem beliebten Wohnort unmittelbar an der westlichen Kölner Stadtgrenze mit dem Park-and-Ride-Parkplatz Weiden-West für S- und Straßenbahnanschluss. Wohnbauviertel mit großzügigen Villen, Einfamilien- und Reihenhäuser und Sportanlagen prägen heute südlich und nördlich der Aachener Straße den Ortsteil. Eine uneinheitliche Bebauung an der von Ost nach West verlaufenden Aachener Straße bildet den langgezogenen Ortskern. Unter Denkmalschutz stehende Anlagen wie das ehemalige Benediktinerinnenkloster, die St. Sebastianuskirche von 1879, das Bahnhofsgebäude, der bis auf eine fränkische Hofanlage zurückgehende Mellerhof und einzelne Wohnhäuser des 19. Jahrhunderts wechseln mit Einzelhandel, zwei Bankfilialen und neuzeitlichen Wohnhäusern ab. Südlich der Aachener Straße befindet sich das zweite Altenzentrum des Stadtteils (St. Augustinus), angeschlossen an das 1894 gegründete Herz-Jesu-Kloster der Genossenschaft der Augustinerinnen.Helmut Weingarten: Herz-Jesu-Kloster – Altenzentrum St. Augustinus. In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): Königsdorf im Rheinland, S. 523 ff.

Die den Ortsteil seit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre stark prägende SteinzeugindustrieWerner Madsack: Steinzeugherstellung in Königsdorf. In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): Königsdorf im Rheinland, S. 382 ff. von europäischer Bedeutung mit den Unternehmen Großpeter-Lindemann und Hensmann und beiderseits der Bundesbahnstrecke am Bahnhof gelegen, hatte eigene Bahnanschlüsse. Sie wurde in den 1980er und 1990er Jahren aufgegeben. Die dazugehörigen Fabrikhallen und -gebäude Großpeter-Lindemann südlich des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes wurden in den 1990er Jahren zu Loftwohnungen und Gewerberäumen umgebaut und dienen seitdem als Gewerbe- und Technologiepark (GTP). Die nördlich der Bahnanlagen gelegenen Werksanlagen wurden nach Nutzung als Lagerhallen eines finnischen Möbelherstellers in den 1970er Jahren schließlich ab 2008 zugunsten eines Supermarktes abgeräumt. Die Direktorenvilla des Firmengründers Franz HensmannPaul Stelkens: Die Hensmann-Villa in Großkönigsdorf – Ein Plädoyer für den Denkmalschutz, zugleich ein Beitrag zur Baugeschichte Königsdorfs im Umfeld seines 170-jährigen Bahnhofs. In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): Königsdorf im Rheinland, S. 402 ff. wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends renoviert, allerdings nur wenige Jahre später ebenfalls zugunsten eines Supermarktes abgebrochen.Königsdörfchen - Informationsblatt der Dorfgemeinschaft St. Magdalena 1948 Kleinkönigsdorf e. V., Ausgabe 32 Oktober 2011 An der Augustinusstraße liegt der historische Friedhof Königsdorf Süd, der 1866 als Größkönigsdorfer Friedhof der Gemeinde Lövenich angelegt wurde.

Das Areal rund um die alte St. Sebastianuskirche bietet Raum für eine große Zahl ausländischer Vogelarten, die in den 1950er Jahren von einem damals dort ansässigen Wanderzoo ausgewildert wurden.

Kleinkönigsdorf mini|Magdalenenkapelle in Kleinkönigsdorf mini|Ziegendenkmal von Olaf Höhnen in Kleinkönigsdorf

Kleinkönigsdorf befindet sich im nördlichen Bereich des Stadtteils Königsdorf. Früher waren die Dörfer Groß- und Kleinkönigsdorf getrennt. Sie wuchsen im Laufe der Zeit zusammen, sodass für Außenstehende eine Abgrenzung nur schwer möglich ist. Kleinkönigsdorf hat im Kern noch den Charakter eines kleinen Dorfes. Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnten sich Wohnbauten nach Norden und Westen aus. Anfang der 1970er Jahre wurde der alte Fronhof zugunsten einer großen Wohnanlage abgerissen.Peter Schreiner: Kleinkönigsdorf, ein Ort in der Herrlichkeit Brauweiler. In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): S. 222 ff., 231 f. Ein Gedenkkreuz aus dem Jahr 1633 für einen schwedischen Offizier im Mauerwerk eines Hauses in der Waldstraße erinnert an die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges. Eine Besonderheit stellt die Magdalenenkapelle dar. Der Ursprung der Magdalenenkapelle geht auf eine Fachwerkkapelle des Jahres 1751 zurück. Der heutige neuromanische Bau wurde 1892 von den Brüdern Carl und Fritz Pauli erbaut. Der barocke Hochaltar ist aus dem Vorgängerbau übernommen. Die einer alten Posthalterfamilie entstammenden Pauli-Brüder hatten zuvor südwestlich von Kleinkönigsdorf am Rande des Königsdorfer Forstes die schlossähnliche Pauli-Villa mit einem weitläufigen Park errichtet (seit 1919 Kloster der Schervier-Schwestern; seit 1962 auch Alten- und Pflegeheim (St. Elisabeth-Heim). Das unter Denkmalschutz stehende Westportal an der Sebastianusstraße war ursprünglich die repräsentative Einfahrt zum Park und zur Villa. Ihre Seitenpfosten markieren in ihrer Breite den Übergang der Königsdorf durchquerenden römischen Via Belgica in den Königsdorfer ForstHelmut Weingarten: Die Villa Pauli – Das St. Elisabeth-Heim, In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): Königsdorf im Rheinland. S. 516 ff.).Paul Stelkens: Das Westportal zur Pauli-Villa, in Pulheimer Beiträge zur Geschichte, Band 39, 2014, S. 81 ff.; erweiterte Fassung Das Westportal zur Pauli-Villa in Königsdorf. Ein historisches Wahrzeichen des 19. Jahrhunderts im Verfall, 2016 (Hrsg.) Stadtarchiv Frechen

Kleinkönigsdorf hat einen eigenen Friedhof, der sich im Osten des Dorfes befindet. Er übernimmt nach der 2014 erfolgten Schließung des Großkönigsdorfer Friedhofs die Aufgaben für den Stadtteil Königsdorf.

Der Ziege als ehemals wichtigem Nutztier in Kleinkönigsdorf wurde ein Denkmal gewidmet.Helmut Weingarten: Ziegenzucht in Kleinkönigsdorf. In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): Königsdorf im Rheinland. S. 760 ff.

Neubuschbell Der Siedlungsbereich Neubuschbell unmittelbar nördlich der A 4 entstand nach dem Zweiten Weltkrieg als Betriebssiedlung zwischen dem Frechener Ortsteil Buschbell und dem damals zur Gemeinde Lövenich gehörenden Ortsteil Großkönigsdorf. Er wuchs sich zu einer normalen Wohnsiedlung aus.Walter Meyer, Siegfried Offermann, Peter Schreiner In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): Königsdorf im Rheinland. S. 762 ff. Neubuschbell ist der einzige Siedlungsbereich Königsdorfs, der bereits vor der kommunalen Neugliederung auf Frechener Stadtgebiet lag. Zu diesem Zeitpunkt (1. Januar 1975) betrug seine Einwohnerzahl 269 Personen.

Neufreimersdorf Neufreimersdorf ist ein östlich gelegener Siedlungsbereich des Frechener Stadtteils Königsdorf und wird im Norden zur Pulheimer Stadtgrenze durch die seit 2005 bebaute alte Königsdorfer Flur In der Widdau, im Westen durch die von dort nach Brauweiler führende Landstraße (L91) und die sich in Ost-West-Richtung verlaufende Bundesstraße 55 begrenzt. Der ursprünglich zur Gemeinde Freimersdorf, seit 1927 zur Gemeinde Brauweiler gehörende Siedlungsbereich kam durch die kommunale Neugliederung am 1. Januar 1975 mit 669 Einwohnern zur Stadt Frechen. Er entwickelte sich um das 1895 errichtete Landhaus des Kölner Lackfabrikanten Theodor Joseph Horst. Noch um 1970 gab es in Neufreimersdorf nur vereinzelte Gehöfte und einige Wohnhäuser. Heute ist Neufreimersdorf ein vorwiegend aus Einfamilien- und Reihenhäusern bestehendes Viertel für zumeist in Köln arbeitende Menschen.

Geschichte mini|links|Großkönigsdorf 1845 mini|Königslinde in Königsdorf um 1870

Römische Siedlungsreste in Klein- und Großkönigsdorf sind seit dem Ende des 19. Jh. bekannt. 2004 wurde bei der Bebauung der Großkönigsdorfer Flur „In der Widdau“ eine der bedeutendsten römischen Gutsanlagen im Rheinland entdeckt und überbaut.Stefanie Troll: 350 Jahre römisches Leben auf einem Gutshof in Frechen-Königsdorf. In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): Königsdorf im Rheinland. S. 23 ff. Auf die Geschichte der villa rustica weist eine Informationstafel am Eingang des Baugebietes hin. Die Gutshöfe belieferten über vier Jahrhunderte das römische Köln, mit dem sie über die heute so genannte Via Belgica verbunden waren. Diese Handels- und Heerstraße verband das römische Köln mit der Nordsee. Ihre nur noch zum Teil vorhandenen Spuren im Feld vor Neufreimersdorf sind durch VIA-Zeichen und gesponserte Informationstafeln im Zusammenhang mit dem Projekt Erlebnisraum Römerstraße des Landschaftsverbandes Rheinland gekennzeichnet.Wolfgang Mrziglod: Wo „Via“ steht, ist auch ein Weg. In: Kölner Stadt-Anzeiger vom 26. März 2015. Diese Spuren sind als Trasse entlang der Dechant-Hansen-Allee in Großkönigsdorf, markiert durch die Pfeiler des Westportals der Pauli-Villa und vor allem im Königsdorfer Forst und in dem jenseits der Stadtgrenze an der Straße liegenden, als römischer Straßenposten identifizierten Bodendenkmal Heidenburg erkennbar.

Als Wahrzeichen Königsdorfs kann die sog. Königslinde gelten, die bis 1909 stand und der Legende nach an der Stelle einer Kapelle gepflanzt wurde, in der Karl der Große dem späteren Kölner Bischof Hildebold begegnet sein soll.Peter Schreiner: Königsdorf und Hildebold – Wie eine Legende entsteht, In: Pulheimer Beiträge zur Geschichte Band 37, 2012, S. 190 ff. Das Benediktinerinnenkloster Königsdorf wurde urkundlich erstmals 1136 erwähnt. Legenden über die Gründung reichen weit in die Vergangenheit zurück. 1802 wurde das Kloster von den Franzosen aufgehoben und profaniert.Heinz Wolter: Das ehemalige Benediktinerinnenkloster Königsdorf 1136–1802, In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): Königsdorf im Rheinland. S. 139 ff. Eine spätgotische Kreuzigungsgruppe an der Klostermauer ist 1981 durch eine wetterbeständige Kopie ersetzt und das Original in die Hildeboldkirche überführt worden.Helmut Weingarten: Die Wiederentdeckung der Königsdorfer Assistenzfiguren. In: Egon Heeg, Axel Kurth, Peter Schreiner (Hrsg.): Königsdorf im Rheinland. S. 710 ff. Teile der Klosteranlage (einschließlich der Immunitätsmauer) sind ab den 1980er Jahren unter Denkmalschutz gestellt und in Wohnhäuser umgebaut worden. Freiflächen wurden mit Wohnhäusern überbaut.