Die Burg Blansko (deutsch Blankenstein, in den Quellen auch Plankenstein und Blankštejn) ist die Ruine einer Höhenburg auf dem 545 m hohen Berg Blansko im Böhmischen Mittelgebirge in Tschechien. Sie liegt nordöstlich von Ústí nad Labem auf dem Gebiet des Ortsteils Mírkov der Gemeinde Povrly, unmittelbar an der Grenze zur Gemeinde Ryjice. Die Anlage entstand um 1400 und wird 1401 erstmals urkundlich genannt. Bis um 1600 war sie Sitz einer gleichnamigen Herrschaft; nach dem Verkauf von 1628 verfiel sie zur Ruine. Erhalten sind Teile der Ringmauer, eine der beiden Basteien, Reste des Torbereichs sowie der viereckige Turm an der Westseite. Die Ruine ist als Kulturdenkmal der Tschechischen Republik geschützt.
Name
Der Name Blankenstein ist so alt wie die Burg selbst und erscheint in den ältesten Urkunden in den Schreibweisen Blanckinstein, Blangkenstein, Plankenstein und Plankstein. Er wird als „Burg auf blankem Stein“ gedeutet, wobei blank auch „weiß“ bedeuten kann, so dass der Name etwa dem von Weesenstein in Sachsen entspräche. Die tschechische Form Blansko begegnet in den älteren Quellen nur selten. Die im 16. Jahrhundert häufige Form Plankenstein fällt mit der Besitzzeit Wolfhart Plankners von Königsberg zusammen, der sich 1515 „Herr auf Plankenstein“ nannte.
Lage
Der Burgberg ist eine allseits steil abfallende Basaltkuppe über dem Tal des Ryjický potok. Die Gipfelhöhe beträgt 545 m; gegenüber dem etwa 500 Meter entfernten Talgrund beträgt der Höhenunterschied rund 225 Meter. Am schwersten zugänglich ist sie auf der Seite des Dorfes Ryjice; die geringste Steigung weist die Ostseite gegen Mírkov auf, wo auch der alte Fahrweg zur Burg heraufführt. Die Burg lag abseits der bedeutenden mittelalterlichen Fernstraßen, jedoch in der Nähe lokaler Verbindungen, namentlich eines Nord-Süd-Weges durch das Tal des Neštěmický potok sowie der Straße von Děčín nach Ústí nad Labem. Vom Gipfel besteht Aussicht vor allem nach Süden und Südwesten in das Elbtal.
Baubeschreibung
Zugang und Torbereich mini|Südseite der Ruinen Der alte Fahrweg beginnt am südöstlichen Fuß des Berges, umzieht die Gipfelklippe rechtsseitig und steigt steil zum ersten, einfachen Tor an, dem außen liegende Befestigungen vorgelagert waren. An der Südostseite waren noch im frühen 20. Jahrhundert Reste von Gräben und Mauern sowie größere Steinmengen zu erkennen, die später für andere Bauten abgetragen wurden. Hinter dem ersten Tor liegt ein allseits von Mauern umschlossener Zwinger, in dem der Weg nach Norden abknickt, so dass ein Angreifer den Verteidigern seine schildfreie rechte Seite zuwandte. Vor dem zweiten Tor befindet sich ein tiefer, ausgemauerter Graben, der nur über eine Zugbrücke zu überwinden war. Vom einst turmartigen zweiten Tor haben sich der rechte vordere Pfeiler aus Werkstein mit zwei Aussparungen für den Torbalken sowie der linke rückwärtige Pfeiler erhalten.
Kernburg
Nach dem tschechischen Denkmalkataster gliedert sich die Anlage in Vorburg, Kern, Oberburg und Unterburg. Der unregelmäßige Burgplatz war von einer etwa zwei Meter starken Ringmauer umschlossen, die ursprünglich einen hölzernen oder fachwerkartigen Wehrgang trug. Die Oberburg nahm einen dreiräumigen Palas als Herrschaftssitz auf, die Unterburg Wirtschaftsbauten und die Unterkünfte der Besatzung. August Sedláček beschrieb den ummauerten Innenraum 1923 als annähernd fünfeckig mit abgerundeter Nordostecke; eingestürzte Keller ließen Wohnbauten an der Nord- und Ostseite erkennen. Zwei Ecken waren durch Türme verstärkt, von denen der südöstliche rund, der nordwestliche viereckig war. Das gesamte Mauerwerk bestand aus Basaltbruchstein. mini|Bastion in der südwestlichen Ecke Nach Tomáš Durdík war der Burgkern oval; aus der regelmäßigen Umfassung traten zwei runde, nach innen offene Basteien vor, zwischen denen der Palas lag. Erhalten ist nur die nordöstliche Bastei. An der Westseite stand ein der Mauer vorgesetzter prismatischer Zisternenturm. Die Befestigung zählt nach Durdík zu den frühen Versuchen aktiver Verteidigung, da die Anordnung der Basteien nur eine teilweise Flankierung der anschließenden Mauern erlaubte.
Franz Josef Umlauft, der die Ruine 1929 mit einem von Bruno Seifert gezeichneten Grundriss aufnahm, beschrieb die Ringmauer als nahezu zwei Meter stark und an mehreren Stellen unterhöhlt; sie war gegen Osten, von wo ein Angriff allein möglich war, höher und stärker ausgeführt als gegen Westen und Norden. Das Mauerwerk besteht aus vor Ort gebrochenem Basaltbruchstein, die Ecken und Torgewände aus Sandsteinquadern. Vom doppelten Haupttor an der Südwestseite war der vordere, mit Quadern verkleidete Pfeiler erhalten; der heutige Zugang wurde erst nachträglich durch die Quermauer gebrochen, als die Zugbrücke nicht mehr benutzbar war. Der viereckige Turm an der Westseite wies in seinem unteren Teil noch ein Gewölbe auf; ein etwa acht Meter langer und zweieinhalb Meter hoher Keller an der Ostseite war um 1900 noch weitgehend erhalten und bis 1929 nahezu eingestürzt. Einen eigenen Bergfried besaß die Burg nicht – ein Merkmal, das in der älteren Burgenforschung als Hinweis auf eine späte Entstehungszeit gewertet wurde.
Forschungsstand
Neuere Untersuchungen haben die ältere Deutung einzelner Bauteile korrigiert. Das lange als Renaissancebastion angesprochene Mauerwerk ist tatsächlich der Rest eines Brückenpfeilers, an den der hölzerne Teil einer Brücke zum viereckigen Torturm anschloss. Das Burgareal war zweiteilig; den eigentlichen Kern bildete eine um etwa fünf Meter erhöhte Fläche, auf der ältere Pläne den dreiräumigen Palas verzeichnen und auf der sich heute die Aussichtsplattform befindet. Die Wasserversorgung erfolgte über eine Zisterne, der Sandsteinrinnen das Niederschlagswasser zuführten; zu dieser Anlage gehörte ein ziegelgewölbter Überfall.
Geschichte
Gründung und erste Erwähnung
Die Burg ist keine Gründung des hohen Mittelalters, sondern entstand an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert. Das Gut, auf dem sie errichtet wurde, hielten 1393 die Brüder von Lungwitz; weder vorher noch bis zum Ende des Jahrhunderts wird Blansko genannt. In der Erbverhandlung von 1384 über den Besitz des 1383 verstorbenen Wenzel Bily von Wartenberg fehlt die Burg ebenfalls, während zwei später zur Herrschaft gehörende Orte – Nestomitz und Pömmerle – bereits genannt werden. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Burg am 18. Juli 1401, als Wenzel von Wartenberg (tschechisch Václav z Vartemberka) anlässlich eines auf der Burg Warta bei Großpriesen abgehaltenen Schiedsgerichts über den Schreckenstein als „Herr uff Blankenstein“ bezeichnet wird. Die Burg muss demnach kurz zuvor errichtet oder erworben worden sein.
Die ältere, auf Franz Focke zurückgehende Annahme, die Anlage sei bereits von den Johannitern erbaut worden, gilt als widerlegt; deren Grundbesitz war zu dieser Zeit längst an die Herren von Wartenberg übergegangen. Anton Tscherney vermutete, Johann von Wartenberg auf Tetschen habe die Burg als neuen Herrschaftssitz für seinen Mündel Wenzel errichten lassen; Umlauft hielt dies für wahrscheinlich und verwies zugleich auf die militärische Funktion der Anlage in einer Zeit wachsenden meißnischen Einflusses in Nordböhmen.
Wenzel von Wartenberg stand im Dienst Sigismunds von Ungarn, der ihm am 19. April 1402 eine Schuldverschreibung über 500 Schock Prager Groschen ausstellte, deren Zinsen jährlich zu Sankt Galli aus den Steuern der königlichen Stadt Aussig zu zahlen waren. In den Auseinandersetzungen um die Gefangennahme Wenzels IV. wurde die Burg 1402 von den Anhängern des Königs erobert. Als Sigismund im Juni desselben Jahres gegen den Markgrafen Prokop zog und diesen gefangen nahm, ließ er ihn nach Sedláčeks Darstellung vor Blansko an eine Schirmwand binden, damit die Verteidiger nicht zu schießen wagten; daraufhin wurde ihm die Burg übergeben und an Wenzel von Wartenberg zurückgestellt. Nach einem am 10. Januar 1405 geschlossenen Ausgleich nahm Markgraf Wilhelm von Meißen ihn in seinen Dienst: Wenzel sagte zu, dem Markgrafen seine Burg zu allen Kriegen außer gegen den König von Böhmen offenzuhalten und gegen Entgelt Heeresfolge zu leisten, wofür ihm der Markgraf Schutz gewährte. Wenzel starb bald darauf im Alter von kaum vierzig Jahren; am 13. Mai 1407 wird seine Frau Margarethe bereits als Witwe bezeichnet, als sie einen Pfarrer für Nollendorf präsentierte.
Pfandherrschaft und Hussitenzeit
Die Besitzverhältnisse der folgenden Jahre sind unklar. Um 1416 hielt der Markgraf von Meißen die Burg durch seinen Hauptmann Gotz von Karras besetzt. Um dieselbe Zeit erhielt Nikolaus von Lobkowitz, Oberstlandschreiber von Böhmen, vom König den Auftrag, Blankenstein mit Gewalt zu nehmen; ob die Burg tatsächlich erobert wurde, ist nicht gesichert. Die neuere tschechische Literatur nennt für 1416 stattdessen ein königliches Heer unter Mikuláš Chudý von Újezd. Anschließend verpfändete der König Blansko an den südböhmischen Wladiken Bohuš von Zvěřinec, der 1417 und 1418 die Patronatsrechte in Arnsdorf und Svádov ausübte; er dürfte die Burg als Gegenwert für die eingelöste Ordensburg Řepín erhalten haben.
1421 verschrieb Sigismund die Burg dem Albrecht Schenk von Landsberg, der sie 1424 mit königlicher Erlaubnis an die sächsischen Herzöge weiterverpfändete; diese legten sogleich eine Besatzung hinein. Nach der Niederlage der Meißner in der Schlacht bei Aussig am 16. Juni 1426 befehligte Konrad von Einsiedel die Besatzung. Wie die Burg unmittelbar darauf an Sigmund von Wartenberg auf Tetschen gelangte, der bis dahin auf sächsischer Seite gekämpft hatte und während der Schlacht zu den Hussiten übergegangen war, überliefern die Quellen unterschiedlich. Nach der von Zacharias Theobald und Sedláček wiedergegebenen Darstellung erschien Sigmund am Morgen des 17. Juni vor der Burg, gab sich als Flüchtender aus, wurde eingelassen und nahm darauf Konrad samt der Besatzung gefangen. Bartošek von Drahonice berichtet dagegen, die meißnische Besatzung habe die Burg übergeben, weil sie sich dort nicht länger zu halten wagte; Umlauft hielt diese Version für die wahrscheinlichere. Seither gehörte Blansko der Tetschener Linie der Herren von Wartenberg. Als Burggraf ist am 31. Juli 1426 Hynek von Chotěšov bezeugt, der in diesem Amt den Pfarrer für Svádov präsentierte.
Johann von Wartenberg
Um die Mitte des 15. Jahrhunderts erlebte die Burg unter Johann von Wartenberg auf Blankenstein ihre politisch bedeutendste Zeit; er ist seit etwa 1435/36 als Inhaber nachweisbar. Johann war mit Anna Berka von Dauba verheiratet und stand in enger Verbindung zu seinen Tetschener Vettern. Seit 1436 führte er zahlreiche Fehden gegen Meißen und die Oberlausitzer Sechsstädte; die sächsischen Herzöge verabredeten sich am 16. März 1436 in Freiberg mit Jakoubek von Vřesovice ausdrücklich zum gemeinsamen Vorgehen gegen ihn. Nach längeren Verhandlungen kam am 17. April 1438 ein Friede mit Dresden zustande, in dessen Gewährleistung neben dem Bischof von Meißen auch der Abt von Dobrilugk und die Stadt Calau einbezogen wurden.
Am 25. Juli 1440 wurde Johann gemeinsam mit Johann Smiřický von Habstein zum Kreishauptmann des Leitmeritzer Kreises gewählt, was auf erhebliches Ansehen unter den nordböhmischen Standesgenossen schließen lässt. Im selben Jahr geriet er in der Fehde der Berka von Dauba gegen Friedrich von der Olsnitz in Gefangenschaft und wurde auf der Burg Rathen eingekerkert; erst Anfang 1441 kam er frei und gelobte am 6. Januar 1441 in Pirna einen sechsjährigen Frieden mit den sächsischen Fürsten. Dennoch belagerten der sächsische Herzog und die Sechsstädte die Burg um den 20. April 1441, ohne sie einnehmen zu können; am 10. Juni schlossen die Parteien einen Vergleich, worauf die Lausitzer den Wartenbergern die Burgen Winterstein und Karlsfried abkauften und zerstörten.