Ruchmehl ist eine im alemannischen Sprachraum verbreitete Bezeichnung für ein dunkleres Mehl aus Weizen oder Dinkel, das noch einen Teil der äußeren Schalenschichten enthält.
Eine Definition von Ruchmehl ist Bestandteil von Gesetzesvorschriften in der Schweiz, und zwar im Zusammenhang mit dem folgenden Begriffssystem:
Weissmehl: vorwiegend aus dem inneren Teil des Getreidekornes gewonnenes Mehl (Type 400) Halbweissmehl: nahezu schalenfreies Mehl (Ausmahlungsgrad 75 %, Type 700) Ruchmehl: Mehl, das noch einen Teil der äußeren Schalenschichten enthält (Ausmahlungsgrad 85 %, Type 1100) Vollkornmehl: aus dem ganzen Getreidekorn gewonnenes Mehl, mit oder ohne äußerste Schalenteile (mindestens 98 Massenprozent des gesamten Getreidekorns)
Ruchmehl entspricht in etwa dem Ausmahlungsgrad der deutschen Type 1050 oder der österreichischen Type W 1600.
Es enthält mehr Proteine, Mineralstoffe und Vitamine aus der Randschicht des Korns und wird daher in der Vollwerternährung als wertvoller als Weiß- oder Halbweißmehl bewertet.
Verwendung Ruchmehl verfügt über einen stärker ausgeprägten Geschmack als Weißmehl und eignet sich für dunkle Backwaren, insbesondere alle Brotteige (in der Schweiz übliches sauerteigfreies dunkles Brot, Magenbrot etc.).
Ruchmehl wird auch gerne als Alternative für die Schweizer Mehlsuppe sowie zum Binden dunkler Fleischsaucen verwendet, denen es dann eine nussigere Note verleiht. Durch das Braunrösten des Mehls findet eine thermische Dextrinierung der Stärke statt. Dies verbessert die Verdaulichkeit und intensiviert den Geschmack.
Ruchmehl ist ein Mehl, das mit der Schweizer Backkultur und den lokalen Brotsorten und Ernährungsgewohnheiten verbunden ist. In der Schweiz ist der Gebrauch von Ruchmehl sehr verbreitet und Ruchbrot ist eine Standardbrotsorte, die flächendeckend angeboten wird. Im Ausland ist es im Handel nur schwer erhältlich. Da es keine einfache Mischung aus Weiß- und Vollkornmehl ist (wie etwa oft fälschlich als Mischung aus Type 1050 und Type 550 angegeben), sondern die Randschichten des Korns direkt beim Mahlvorgang im Mehl verbleiben, lassen sich die typischen Backergebnisse und die spezifische Teigstruktur mit Mehlmischungen nur schwer erreichen.
Besonderheiten der Zusammensetzung Die Backeigenschaften und der Nährwert werden durch den Ausmahlungsgrad von ca. 85 % bestimmt. Es kann auch bis zu 30 % mehr Wasser binden als Weißmehl, was es ebenfalls zu einer besonderen Mehlsorte macht. Da Ruchmehl einen höheren Ballaststoffanteil als Weißmehl hat, erfolgt die Aufnahme der Glukose langsamer, was den Blutzuckerspiegel weniger stark belastet.
Ruchmehl kann neben Weizen auch Spuren von anderen Getreidearten wie Dinkel, Roggen oder Gerste enthalten.
Siehe auch Ruchbrot
Einzelnachweise
Kategorie:Getreideprodukt