mini|Cäcilienbrücke mit dem Staatsarchiv (rechts)

Die Cäcilienbrücke war eine Hubbrücke über die Hunte bzw. den Küstenkanal in Oldenburg, die 2020 stillgelegt und in der Folge abgebrochen wurde. Die Hubbrücke wurde 1927 als Ersatz für eine Brücke aus dem Jahr 1832 erbaut. Ein geplanter Neubau an gleicher Stelle soll frühestens 2028 fertiggestellt werden, für Fußgänger wurde ein provisorischer Ersatz geschaffen. Nachdem der alte Brückenträger bereits 2020 verschrottet wurde, erfolgte erst Anfang 2025 der Abbruch der vier Brückentürme von 1927.

Die Cäcilienbrücke verband die Innenstadt mit dem Stadtteil Osternburg.

Als Maschineneinrichtung mit Bedeutung für den Schiffsverkehr wurde die Hubbrücke ebenso wie auch die Oldenburger Schleuse vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bremen betrieben.

Lage und Umgebung Die Brücke überquerte den kanalisierten Fluss in einer Entfernung von etwa 500 m zur Einmündung der Hunte in den Kanal und rund 1 km zum Oldenburger Hafen. Die Brücke war eine von fünf Straßenbrücken über die Hunte, die im Bereich der Stadt Oldenburg den teilweise kanalisierten Fluss überqueren, und (nach dem Abriss des Vorläufers der heutigen Amalienbrücke) die einzige verbliebene Hubbrücke in Oldenburg. Neben der Cäcilienbrücke sind der Niedersachsendamm, die Amalienbrücke sowie die beiden Autobahnbrücken der A 28 (Hochstraße Oldenburg) und der A 29 weitere Flussquerungen in Oldenburg. Der Niedersachsendamm und die A 28 liegen dabei südlich der Cäcilienbrücke, die A-29-Brücke und die Amalienbrücke nördlich davon. Neben diesen Brücken über die Hunte gibt es im Oldenburger Stadtgebiet noch die Hundsmühler Straßenbrücke eine weitere Brücke, welche sich am Ortseingang von Hundsmühlen befindet, jedoch nur den Küstenkanal und nicht die Hunte überquert.

Die Brücke war in Ost-West-Richtung ausgerichtet und befand sich zwischen der Innenstadt, dem Gerichtsviertel (der Stadt Oldenburg aus der Zeit vor 1922) und dem Stadtteil Osternburg (bis 1922 eine selbstständige Gemeinde), der von der Innenstadt aus gesehen auf der anderen Seite des Flusses liegt. Die Brücke verband die Straße Damm (Oldenburg) und die Bremer Straße (Osternburg) miteinander. In unmittelbarer Nähe der Brücke befinden sich das Landesmuseum für Natur und Mensch, die Abteilung Oldenburg des Niedersächsischen Landesarchivs sowie das Graf-Anton-Günther-Gymnasium.

Hubbrücke mini|Wärterhaus und Hubmechanismus Die Brücke bestand aus dem anhebbaren Brückenüberbau aus Stahl und jeweils zwei Brückentürmen an beiden Ufern. Die Fahrbahn umfasste zwei asphaltierte Fahrstreifen für Kraftfahrzeuge und Fahrräder sowie auf jeder Seite je einen, durch den oberen Teil der Vollwandträger von der Fahrbahn abgegrenzten Gehweg.

Die Brücke hatte eine Spannweite von 40,80 m. Die Fahrbahn war 5,50 m breit, wenn man den Grundriss der Türme mit einrechnete, ergab sich eine Gesamtbreite von 10,30 m. Die Hebevorrichtung zog die Fahrbahn mit einer MAN-Maschinenanlage und Stahlseilen um 3,50 m nach oben, um die Durchfahrt von Schiffen zu ermöglichen. Zu Zeiten ihrer Errichtung galt sie als eine der größten Hubbrücken ihrer Art in Deutschland.

Das Wärterhaus befand sich über dem nördlichen Fußweg mitten auf der Brücke. Ein Nebengebäude stellte das am nordwestlichen Ufer gelegene Schalthaus dar.

Wenn die Brücke hochgefahren war, konnten Fußgänger und Radfahrer trotzdem über innerhalb der Türme gelegene Treppen auf die Gehwege der Brücke gelangen und so das andere Ufer erreichen. Geschichte mini|Ein Schüttgutfrachter passiert die gehobene Cäcilienbrücke.

Entstehung und Ausbau der Brücke An der Stelle der von 1927 bis 2020 bestehenden Cäcilienbrücke befand sich bis ins 18. Jahrhundert eine Furt, die die Überquerung der Hunte ermöglichte. Der Damm, nach dem die westliche Zufahrtsstraße benannt ist, war früher ein Knüppeldamm inmitten der moorigen Marschlandschaft, die Oldenburg umgab. Die Straße war Teil einer Handelsroute, die von Westfalen über Oldenburg nach Bremen führte und die Rolle der Stadt als Handelsplatz stärkte.

Für das Jahr 1752 ist der Bau einer Holzbrücke am Damm überliefert. Großherzog Paul Friedrich August ließ die Brücke im Jahr 1832 als steinerne Gewölbebrücke erneuern und benannte diese nach seiner Frau Cäcilie von Schweden. Außer der Brücke wurde auch die Cäcilienschule nach ihr benannt.

Mit dem von 1922 und 1935 erfolgten Ausbau des Hunte-Ems-Kanals zum Küstenkanals musste die Holzklappbrücke durch einen neuen Bau ersetzt werden. Fortan sollte die Hunte auch für große Schiffe bis 600 Bruttoregistertonnen schiffbar sein, daher herrschte Bedarf nach einer höheren Brücke mit größerer Durchfahrtshöhe. Da dies unter den gegebenen baulichen Umständen nicht möglich war, entschied sich der Freistaat Oldenburg für den Bau einer Hubbrücke. Die Brückentürme wurden nach Entwurf des Architekten Adolf Rauchheld, damals im Rang eines Ministerialrats Leiter der staatlichen Hochbauverwaltung, im Stil des Backsteinexpressionismus gebaut. Die Gewerke Stahlbau und Elektromaschinenbau wurden an das MAN Werk Gustavsburg vergeben. Im Jahr 1927 wurde die Cäcilienbrücke kurz nach der ihr ähnlichen alten Amalienbrücke fertiggestellt und war zeitweilig die größte Hubbrücke Europas. Auch der Oberleitungsbus Oldenburg verkehrte über die Brücke.Cäcilienbrücke: Ohne Furt kein Oldenburg, Oldenburger Onlinezeitung.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Brückenträger gesprengt, um den alliierten Truppen den Übergang über die Hunte zu erschweren. Danach wurde die Brücke instandgesetzt und war 1948 vollständig wiederhergestellt.

Abbruch und Neubau ab den 2010er Jahren Im Februar 2013 erklärte das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt bei einer Sitzung des Verkehrsausschusses der Stadt Oldenburg, dass die unter Denkmalschutz stehende Brücke abgebrochen und durch einen komplett neuen Bau ersetzt werden solle. Das Amt begründete dieses Vorhaben damit, dass sowohl das Mauerwerk und die Gründung als auch der Hubmechanismus schwere Schäden aufwiesen, die eine Sanierung aus Kostengründen unmöglich machten. Daher müsse eine völlig neue Brücke gebaut werden, die stilistisch ihre backsteinexpressionistische Vorgängerin „zitieren“ solle.

Der Beginn der Bauarbeiten war zunächst für 2017 geplant. Im April 2018 war der Abschluss des Planfeststellungsverfahrens für das zweite Halbjahr 2018 und der Baubeginn frühestens für 2020 vorgesehen. Der hierzu vorgestellte Entwurf des Hamburger Architekten Joachim Kahl nahm in der Gestaltung Bezug auf die alte Brücke.

Im Sommer 2018 musste das Heben der Brücke für den Schiffsverkehr an 80 Tagen eingestellt werden, weil sich der Oberbau bei Hitze zu stark ausdehnte und den Hebemechanismus beeinträchtigte. Von Juli bis Ende September 2019 wurde die Brücke für den Autoverkehr gesperrt, weil wegen der Baufälligkeit bei Temperaturen über 20 Grad Celsius der Hebemechanismus nicht funktionierte. Um den Schiffsverkehr zu gewährleisten, wurde die Brücke um 1,60 m angehoben und war in diesem Zustand nur für Fahrräder und Fußgänger über eine Rampe passierbar. mini|Brückentürme der Cäcilienbrücke (August 2021) Für die Zeit des NeubausAn der Cäcilienbrücke passiert bis 2023 nichts mehr. In: Nordwest-Zeitung vom 3. August 2020. wurde 150 Meter südlich eine Behelfsbrücke ausschließlich für Fußgänger mit Rampen aufgebaut.Cäcilienbrücke: Behelfsbrücke wird gebaut. In: Oldenburger Onlinezeitung vom 29. März 2019.Cäcilienbrücke für Autos gesperrt. In: Norddeutscher Rundfunk vom 6. Juli 2019.. Website der Stadt Oldenburg. Abgerufen am 7. Oktober 2019.Thomas Husmann: Cäcilienbrücke ab diesem Montag wieder frei. In: Nordwest-Zeitung, 30. September 2019. Am 24. April 2020 wurde die Brücke gesperrt und außer Betrieb genommen. Am 9. Mai 2020 wurde der Brückenträger mit Hilfe des Schwimmkrans „Triton“ entfernt. Bei der Untersuchung der Brückentürme wurden asbesthaltige Beschichtungen gefunden, die vor dem Abbruch zusammen mit anderen gefährlichen Abfällen (geschätzt zwölf Tonnen), aufwändig entfernt werden mussten. Der Abbruch erfolgte nach mehreren Verzögerungen im Januar/Februar 2025.

Weblinks

Planfeststellung Cäcilienbrücke auf der Seite des WSA Bremen (PDF, ca. 800 kB) Historische Fotogalerie der alten Brücken Cäcilienbrücke: Ohne Furt kein Oldenburg, Oldenburger Onlinezeitung

Einzelnachweise

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