Die Luftfahrt in Österreich begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und hatte bis heute sowohl in der Forschung und Entwicklung als auch in der Wirtschaft eine kaum zu unterschätzende Bedeutung.

Geschichte Kaisertum Österreich und Österreich-Ungarn Ballone Das Prinzip des Heißluftballons entdeckte der Jesuitenpater Bartolomeu de Gusmão in Portugal und führte dies am 8. August 1709 König Johann V. von Portugal vor. Der Chemiker Henry Cavendish aus England wiederum entdeckte den Umstand, dass Wasserstoff leichter als Luft ist. Die erste Fahrt eines Heißluftballons (Montgolfière) mit menschlichen Fahrgästen fand am 21. November 1783 statt.

Ebenfalls Ende 1783 experimentierte in Wien Alois von Beckh-Widmanstätten zunächst in geschlossenen Räumen mit Heißluftballons aus Papier. Im Frühjahr 1784 unternahm er auf der Wieden den ersten Versuch im Freien.

Johann Georg Stuwer, ein in Wien ansässiger Lustfeuerwerker, bemühte sich zur gleichen Zeit bereits darum, mit einem entsprechend großen Heißluftballon und einer Gondel für vier bis sechs Personen – gesichert mit Seilen – aufzusteigen. Im Prater von Wien stieg er am 6. Juli 1784 erstmals auf. Beim dritten Aufstieg am 25. August riss das Sicherungsseil und der Ballon fuhr Richtung Norden über die Praterauen und die Donau.

1791 unternahm der Franzose Jean-Pierre Blanchard von Prag kommend mehrere kommerzielle Fahrten mit einem mit Wasserstoff gefüllten Gasballon. Den Start am 2. August beobachtete auch Kaiser Leopold II. In Prag hatte Graf Joachim Sternberg am 31. Oktober 1790 als erster Österreicher eine freiwillige Flugreise unternommen.

Animiert von diesen Vorführungen wollte der seit frühester Kindheit in Wien lebende Schweizer Jakob Degen den Ballon lenkbar zu machen. Er kombinierte ein Schwingenfluggerät mit einem Gasballon und stieg am 13. November 1808 zum ersten Probeflug von der Feuerwerkswiese im Prater auf. Am 6. September 1810 führte er seine Entwicklung Kaiser Franz I. in Laxenburg vor. Eine Stunde lang ging es vom Schloss nach Vösendorf.

In Linz an der Donau wurde am 22. September 1867 von Ingenieur C. A. Mayrhofer aus Oberösterreich der „Kriegs-Observations-Ballon“ vorgestellt. Ein ringförmiger und ein kugelförmiger Ballon trugen gemeinsam die mit einer Seilwinde ausgestattete Beobachtergondel. Die Seilwinde ermöglichte es, die Gondel wie eine Aufzugskabine zu heben oder zu Boden zu lassen.

Viktor Silberer aus Wien kaufte 1882 in Paris einen Kugelballon. Den ersten Aufstieg unternahm er am 11. August 1882, bis 1887 folgten 187 weitere. Weiter zur Popularität des Ballonfahrens trug er mit Vorträgen und Ausstellungen bei. Im Prater auf der Feuerwerkswiese ließ er eine Ballonhalle und eine Gerätehütte aufstellen. Außerdem verfügte er über eine eigene Leuchtgasleitung zum Befüllen des Luftballons. Er ging daran, die erste Wiener Aeronautische Anstalt zu gründen, um den Ballonsportbegeisterten einen Sammelpunkt zu bieten. Dies brachte ihm den Ruf eines Fachmannes ein, der zum ersten Leiter eines Ausbildungskurses zum Ballonführer beim k.u.k. Heer berufen wurde. 1901 gründete er gemeinsam mit Hauptmann Franz Hinterstoisser den Wiener Aero Club als Dachverband für Ballonfahrer, aus dem 1910 der Österreichische Aero Club wurde und von dem seit 1901 Aufzeichnungen geführt werden über alle von ihm organisierten Ballonfahrten und Veranstaltungen. mini|Richard Knoller mini|Josef Valentin Am 2. Oktober 1902 erreichten Richard Knoller und Josef Valentin, einem Sekretär in der ZAMG, mit dem 1200 Kubikmeter Leuchtgas fassenden Ballon „Jupiter“ des Wiener Aero Clubs eine Höhe von 6810 Metern. In den nächsten Jahren wurde diese noch zweimal übertroffen: 4. Juni 1903 – Josef Valentin – 7280 Meter 5. Juli 1905 – Anton Schlein – 7800 Meter

Otto Pollak und H. Jaschke, Assistent an der Wiener Universitätssternwarte, starteten am 3. Juni 1909 gegen 23 Uhr (vermutlich in Wien) eine Ballonfahrt, um die in dieser Nacht auftretende totale Mondfinsternis ungestört beobachten zu können. Die Landung erfolgte gegen fünf Uhr Früh in Lassee im Marchfeld.

In Innsbruck (Tirol) wurde 1910 der Verein für Luftschifffahrt gegründet. Eine Spendenaktion brachte das notwendige Geld für den Ankauf eines 2200 Kubikmeter fassenden Ballons auf. Aus Anlass des ersten Aufstiegs am 29. Mai 1910 des auf den Namen „Tirol“ getauften Ballons kam auch Erzherzog Josef Ferdinand mit seinem Bruder Erzherzog Heinrich Ferdinand und dem Ballon „Salzburg“. Der schlechten Flugbedingungen wegen landeten die beiden Ballons auf einem Schneefeld zwischen Gerloswand und Thorhelm. Fünf Stunden lang dauerte der Abstieg im Gerlostal und nach Zell am Ziller.

Im September 1910 überfuhr der Ballon „Tirol“ von Innsbruck aus mit drei Mann Besatzung die Zillertaler Alpen, die Hohen Tauern und den Großvenediger. Gelandet wurde in Windisch-Matrei.

Zum (wahrscheinlich) ersten Ballonverlust kam es am 29. Juni 1910 bei Jablonicz-Nyitra. Der Ballon „Hungaria II“ war in der Militär Aeronautischen Anstalt gestartet und problemlos gelandet. Nach dem Ablassen des Gases fing die Ballonhülle nach einem dumpfen Knall plötzlich Feuer und verbrannte restlos. Man vermutet, dass die mit Gasresten gefüllte Ballonhaut auf einer von den Schaulustigen weggeworfenen und noch glimmenden Zigarette zu liegen gekommen war und sich daran entzündet hatte.

Wegen unzureichender Ausrüstung kam es am 26. Dezember 1911 zum ersten Unglück mit tödlichem Ausgang. Oberleutnant Wilhelm Werner unternahm bei in größeren Höhen schlechten Wetterverhältnissen eine Alleinfahrt mit dem Ballon „Salzburg“ des Erzherzogs Josef Ferdinand. Nach einigen Tagen wurde der am Schafkar bei Gmunden gelandete Ballon gefunden. Den Abstieg ins Tal hatte der Oberleutnant wegen zu leichter Kleidung nicht überlebt.

Im Jahr 1912 machte – zunächst als Passagier, später als „Führeraspirant“ – der damalige Universitätsdozent Victor Franz Hess eine Reihe von Ballonaufstiegen in verschiedenen Freiballonen (Füllung entweder Leuchtgas oder Wasserstoff) mit, die zur Entdeckung der von ihm so genannten „Höhenstrahlung“ (heute: Kosmische Strahlung) führte, was ihm später den Nobelpreis einbrachte.

Am 17. März 1912 feierten Erzherzog Josef Ferdinand und Hauptmann Wilhelm Hoffory gemeinsam ballonfahrerische Jubiläen. Mit einer gemeinsamen Fahrt wollte der Erzherzog seine 80. und der Hauptmann seine 100. Ballonfahrt feiern. Gestartet wurde in Linz an der Donau, wegen schlechten Wetters musste die Fahrt gegen Mittag bei Herzogenburg abgebrochen werden.

Seine 100. Ballonfahrt wollte der Erzherzog Josef Ferdinand mit einer am 31. August 1913 in Linz gestarteten Ballonfahrt feiern. Doch diese endete nach einer Stunde Fahrt bei Sankt Georgen in Oberösterreich.

Durch die Ermordung von Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und seiner Gattin verlor der Österreichische Aero Club seinen Protektor und ein Mitglied. Den Statuten des Aero Clubs gemäß wurden nach Kriegsausbruch alle Ballone der Heeresverwaltung übergeben. Während des Kriegs wurden keine privaten oder sportlichen Ballonfahrten unternommen.

Höhepunkte Die 30. Ballonfahrt von Erzherzog Josef Ferdinand führte gemeinsam mit Hauptmann Wilhelm Hoffory (50. Fahrt) von Linz nach Dieppe. Dies bedeutete den österreichischen Distanzrekord von 984 Kilometern. Mit seinem Ballon „Excelsior“ unternahm Kommerzialrat Camillo Castiglione eine Nachtfahrt. Am 13. Mai 1911 wurde um 19:30 Uhr im Wiener Prater gestartet. Um 05:40 Uhr erfolgte die Landung in der Nähe von Rathenvalde nördlich von Pirna im Freistaat Sachsen. In zehn Stunden wurden 390 Kilometer zurückgelegt. Zu einer Übungsfahrt starteten Leutnant Max Macher und Fregattenleutnant Heinrich Huß gegen 21 Uhr in Fischamend. Das Stettiner Haff kam gegen 15 Uhr des nächsten Tages in Sicht. Widriger Wetterverhältnisse wegen riskierte man die Überfahrt nicht und landete nach 19 Stunden Fahrt. Österreichischen Dauerrekord im Ballonfahren stellte Oberleutnant Max Macher am 18. März 1914 auf. Nach dem Start in Fischamend um 10 Uhr wurde er zweimal über den Neusiedler See getrieben und überquerte gegen 17 Uhr Wien und gegen 23 Uhr Prag. Westlich von Trelleborg in Schweden landete er nach 31 Stunden und 12 Minuten und einer zurückgelegten Strecke von 840 Kilometern. Für Österreich bedeutete diese Fahrt die erste Alleinfahrt eines Ballons über See, der erste Meeresflug eines Ballons und neuen österreichischen Dauerrekordflug eines Freiballons.

Luftschifffahrt Während die Gebrüder Montgolfier bewiesen, dass das Ballonfahren möglich war, legte der ebenfalls aus Frankreich stammende Offizier des französischen Ingenieur-Corps Meusnier der Academiedes Sciences 1874 die Pläne für ein lenkbares Luftschiff vor. Zwar beinhalteten die Pläne bereits alles, was für den Betrieb des Luftschiffes notwendig war, nur der für den Antrieb notwendige Motor war noch nicht erfunden.

Der am 17. Oktober 1835 in Köln geborene Paul Haenlein präsentierte in der Fruchthalle von Mainz ein Modell eines mit einem Uhrwerksfedermotor betriebenen Luftschiffs. Ein weiteres flugfähiges Modell war bereits größer, dieses stellte er unter anderem ab Oktober 1871 in den Sofiensälen in Wien aus und veranstaltete damit Schauflüge.

Das von einem 24-köpfigen Konsortium finanzierte Luftschiff „Aeolus“, angetrieben von einem Lenoir-Gasmotor, absolvierte am 13. Dezember 1872 die erste Fahrt in Brünn erfolgreich. Bei der zweiten Fahrt am nächsten Tag zeigte sich, dass schon viel Gas und damit Auftrieb verloren wurde. Trotzdem sollte das Luftschiff sofort nach Wien überstellt werden. Doch schon beim ersten Flugmanöver durch einen unerfahrenen Schlosser wurde der Propeller beschädigt. Zu weiteren Flugversuchen kam es mit dem Haenlein-Lenkluftschiff nicht mehr.

Nach den Plänen des Österreichers David Schwarz wurde in Lüdenscheid bei Berlin vom Industriellen Carl Berg – der auch die Finanzierung übernahm – in dessen Aluminiumfabrik das erste Starrluftschiff mit einer 0,2 Millimeter starken Aluminiumaußenhaut gebaut. Das Telegramm, dass dem Konstrukteur David Schwarz nach über zwei Jahren Bauzeit den Beginn der Gasbefüllung mitteilte, verursachte einen Schlaganfall, an dem der 46-jährige verstarb. Daraufhin übernahm seine Frau Melanie die letzten Arbeiten bis zum ersten Aufstieg am 3. November 1897 auf dem Tempelhofer Feld.

Wegen technischer Probleme mit dem Antrieb musste das manövrierunfähige Luftschiff notlanden, wobei es schwer beschädigt wurde. Die wegen dieses Missgeschicks erbosten Zuseher übernahmen den Rest der Zerstörungsarbeiten.

Die Artistenfamilie Renner (Vater Franz und die Söhne Alexander und Anatol) hatten bei Auftritten in Kanada Luftschiffe kennengelernt und bauten in Unterpremstätten bei Graz ihr Eigenes. Lediglich den Gondelbau und die Endmontage übernahm die Johann Puch AG. Erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde es am 26. September 1909 während der Grazer Herbstmesse über dem Trabrennplatz. Max Mayr notierte in den „steirischen berichten“ 5/99, das „erste lenkbare Luftschiff“ habe folgende Aufschrift getragen: „Renners ESTARIC Lenkballon 1“. Anatol und Alexander waren damals 16 und 18 Jahre alt. Alexander reüssierte im Ersten Weltkrieg als Jagdflieger. (Mayr: „Bereits 1907 machten Alexander und Anatol Flugversuche mit einem Gleitflugzeug.“)

Am 16. Oktober wurde das Luftschiff den Wienern vorgestellt. Ebenfalls anwesend waren Kaiser Franz Joseph I. und die Erzherzoge Leopold Salvator, Eugen und Rainer, denen die drei Renners nach erfolgreicher Vorführung vorgestellt wurden. Nächste Station der Tournee war Linz.

Seitens des österreichischen Militärs, das zu diesem Zeitpunkt noch kein lenkbares Luftschiff besaß, kamen zahlreiche Sticheleien über die zivile Konkurrenz durch die Renners, die sich daraufhin veranlasst sahen, ein noch größeres und auch technisch verbessertes Luftschiff bauen zu lassen. Die Erstfahrt des Luftschiffs „Graz“ fand 1910 statt.