mini|Seenotrettungsboot der DGzRS mini|Motorrettungsboot der DRK-Wasserwacht Ein Rettungsboot (RTB) ist ein mehr oder weniger spezifisch konzipiertes Wasserfahrzeug zur Rettung von Personen im, am oder auf dem Wasser. Darüber hinaus werden damit auch Einsätze zur Hilfeleistung bei Schiffsnotlagen gefahren, um die Gefahr für die Gesundheit oder das Leben der an Bord befindlichen Personen abzuwenden. Je nach Einsatzzweck und Einsatzgebiet variieren die Boote in Ausführung, Größe, Ausstattung und Antriebskonzept. Prinzipiell können die Boote anhand des Einsatzgebiets und ihrer Betreiber unterschieden werden. Im Binnenland und an den Meeresstränden wird die Wasserrettung durch die Wasserrettungsgesellschaften (WRG) betrieben. In den Küsten- und Hochseegewässern werden die Seenotrettungsgesellschaften (SRG) mit ihren speziellen hochseegängigen Seenotrettungsbooten tätig.

Begriffe Rettungsboote müssen alle Schiffe für Notfälle zur Rettung der Besatzung verpflichtend mitführen. Dieser Typ Rettungsboot wird in einem separaten Artikel behandelt.

In Deutschland müssen Rettungsboote grundsätzlich den konstruktiven Anforderungen an zivile Wasserfahrzeuge entsprechen, die unter DIN EN 1914 „Fahrzeuge der Binnenschifffahrt“ vorgegeben sind.DIN EN 1914:2016-12 Fahrzeuge der Binnenschifffahrt – Arbeits-, Bei- und Rettungsboote auf Beuth.de, abgerufen am 23. Mai 2020. Viele WRG bedienen sich solcher Boote für ihre Rettungs- und Arbeitseinsätze. Aufgrund der Beschaffungsmodalitäten mit Zuschüssen aus den Bundesmitteln zum Katastrophenschutz werden sie auch als Katastrophenschutzboote (K-Boote) geführt. Spezielle K-Boote sind die besonders flach gehenden Hochwasserboote, die auch dort zum Einsatz kommen können, wo sich sonst kein Wasser befindet.

mini|RTB-2 Feuerwehrboot mit festem Liegeplatz Für Rettungsboote der Feuerwehr sind die Vorgaben aus der DIN 14961 „Boote für die Feuerwehr“DIN 14961:2013-04 Boote für die Feuerwehr auf Beuth.de, abgerufen am 23. Mai 2020. einzuhalten, wonach es zwei Typen von Rettungsbooten gibt. Das Rettungsboot Typ 1 (RTB 1) ist nur für stehende Gewässer geeignet und besitzt als Antrieb lediglich Paddel. Es kann für einen Motorbetrieb ausgelegt sein und muss einsatzbereit – als Schlauchboot also aufgeblasen – vorgehalten werden. Für fließende Gewässer dient das Rettungsboot Typ 2 (RTB 2), das mit einem Motor ausgestattet sein muss und somit die Gruppe der Motorrettungsboote definiert. Zur Norm gehören auch die etwas größeren Mehrzweckboote (MZB), die zusätzlich zum Transport von Personen und für technischen Hilfeleistungen geeignet sind. Teilweise besitzen RTB 2 und MZB eine Bugklappe, um Personenübernahmen am Ufer sicher durchführen zu können.Boote für die Feuerwehr Arbeitsgemeinschaft der Feuerwehr-Unfallkassen, abgerufen am 31. März 2020.

Die meisten Begriffe wurden und werden durch die SRG geprägt. In der Anfangszeit reichte der Begriff Rettungsboot aus, da es ausschließlich die von einer Mannschaft geruderten Boote gab. Mit Einführung der Motorisierung wurde eine Unterscheidung notwendig, die zum Ruderrettungsboot und dem Motorrettungsboot (MRB) führte. Viele SRG bezeichnen auch heute noch ihre Fahrzeuge als Motorrettungsboote bzw. schlicht als Rettungsboote (, , ), obwohl diese Fahrzeuge heute ganz anderes konstruiert und ausgestattet sind als die historischen MRB. Die DGzRS nennt ihre kleineren RTB Seenotrettungsboote. Im englischen Sprachgebrauch wird ein Rettungsboot als Lifeboat bezeichnet.

Die ersten Rettungsstationen entstanden meist an weitläufigen Küstenstrecken ohne Hafen oder einer Flussmündung. Das Rettungsboot war daher in Strandnähe untergebracht und lagerte auf einem Rollwagen, um leichter bewegt werden zu können. Der Transport zum und ins Wasser erforderte den mühsamen Einsatz der Retter und später mit vorgespannten Pferden. Diese Technik wird auch heute noch bei den Strandrettungsbooten angewendet unter Zuhilfenahme von speziellen Traktoren.

mini|Küstenrettungsboot RICKMER BOCK im Museumshafen Büsum Mit der Motorisierung konnte der Aktionsradius der Rettungsboote auf den Küstennahbereich ausgeweitet werden. Infolgedessen nannte die DGzRS z. B. die vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelten Boote Küstenrettungsboote (Beispiel: RICKMER BOCK). In den Niederlanden wurde für derartige Schiffe der Begriff Hafenrettungsboot () verwendet, da diese 'neuen' Schiffe wegen ihrer Größe nicht mehr vom Strand aus in See gesetzt werden konnten.

Die Spezialboote für Such- und Rettungseinsätze im Tiefwasserbereich fernab der Küsten werden von der DGzRS als Seenotrettungskreuzer bezeichnet. In Schweden benutzt die Sjöräddningssällskapet (SSRS) diesen Begriff () und auch in Norwegen bei der Redningsselskapet (NSSR) war er zeitweise in Verwendung (). Die britische SRG Royal National Lifeboat Institution (RNLI) nennt ihre hochseetauglichen Boote Allwetter-Rettungsboot (). In den Niederlanden übernahm die Koninklijke Nederlandse Redding Maatschappij (KNRM) diesen Begriff (), der auch bei der französischen Gesellschaft Société Nationale de Sauvetage en Mer (SNSM) Eingang gefunden hat (). In den USA und in Kanada wird für solche seegängigen Boote durchgängig der Begriff Motorrettungsboot () verwendet.

Allgemeines Zeitfaktor miniatur|RIB-Motorrettungsboot der DLRG im Einsatz Die Zunahme des Freizeitsports auf dem Wasser hat die Zahl der Notfälle bei der Wasserrettung mit den Jahren anwachsen lassen. Bei allen Rettungseinsätzen spielt der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle, denn je schneller Hilfe an den Unfallort gelangt, desto höher sind die Chancen auf Rettung und ggf. das Überleben. Dabei bilden starke Strömungen und Wellengang, besonders im offenen Meer, zusätzlich die große Gefahr des Abtreibens, wodurch vor einer Rettung umfangreiche Suchaktionen notwendig werden können. Auch die Rüstzeiten und die Anfahrtszeiten bis zum Einsatzort sind entscheidend. Daher ist eine hohe Einsatzbereitschaft und große Schnelligkeit ganz allgemein das A und O bei der Wasserrettung, denn bei Personen im Wasser droht sehr schnell die Unterkühlung mit all seinen Folgen.

Alarmierung Bei Beobachtung einer Notlage von Personen auf dem Wasser sollte umgehend eine Meldung über die europaweit einheitliche Notrufnummer 112 erfolgen. Damit wird die nächste Rettungsleitstelle erreicht, die umgehend die Rettungskette in Gang setzt. Für die Notlagen am und im Wasser stehen qualifizierte WRG bzw. SRG mit geeigneten Rettungsmitteln und qualifiziertem Rettungsfachpersonal rund um die Uhr (24/7) zur Verfügung, damit rasch und sachgerecht geholfen werden kann.

Bei Notlagen an und vor der Küste werden die maritimen Rettungskoordinationszentren (MRCC) eingeschaltet. Eingehende Notrufe über 112 zu derartigen Notfällen werden durch die empfangende Leitstelle an das zuständige MRCC weitergeleitet. Für Notlagen auf See außerhalb der Reichweite von Mobilfunk existieren eigene Alarmierungswege über Seefunk oder Satellitenkommunikation, die direkt die zuständigen MRCC erreichen. Durch diese erfolgt die Alarmierung der Seenotrettung und die Koordination aller erforderlichen SAR-Maßnahmen (SAR = Search and Rescue) mit Schiffen und Flugzeugen.

Wasserrettungsdienste mini|Wasserwacht auf dem Bodensee Der Wasserrettungsdienst in Deutschland wird durch die WRG wie z. B. durch die DLRG, die DRK-Wasserwacht oder den speziellen Gruppen der JUH oder des ASB wahrgenommen. Auch die Feuerwehren der Gemeinden mit größeren Gewässerteilen besitzen zu diesem Zweck Wasserrettungswagen, die ein Rettungsboot mitführen. In Österreich werden die Hilfsdienste ÖWR und ASBÖ alarmiert und in der Schweiz stellt die SLRG diesen Dienst allgemein zur Verfügung.

Am Bodensee ist die Seerettung international organisiert über die deutsche Wasserschutzpolizei, die schweizerische Seepolizei und die österreichische Seegendarmerie. Mit der Société internationale de sauvetage du Léman gibt es auf dem Genfersee eine eigene Rettungsgesellschaft.

Andere Länder haben ähnliche Strukturen für die Wasserrettung in den Nationalstaaten eingerichtet. In den Niederlanden besteht die landesweite Reddingsbrigade Nederland, die sich hauptsächlich um den Rettungsdienst an der Nordseeküste und an den vielen Binnengewässern kümmert. In Gross Britannien sorgt die Royal Life Saving Society UK für die Bewachung der Strände und die Ausbildung von Rettungsschwimmern.

Bei Unfällen und Notlagen im Bereich der Küste einschließlich der offenen See kommen die Boote der SRG zum Einsatz. Im deutschen Küstenbereich wird die Rettungsleitstelle See (MRCC Bremen) eingeschaltet und die DGzRS alarmiert. Die meisten Nationalstaaten betreiben eigene SRG, um die international festgelegten SAR-Aufgaben in ihren Seegebieten wahrzunehmen. Alle Nachbarstaaten sind verpflichtet sich dabei gegenseitig zu unterstützen. Viele der international bekannten und renommierten Gesellschaften sind schon seit dem 19. Jahrhundert tätig. Die internationalen WRG und SRG sind gelistet unter:

Rettungsboote und ihre Einsatzgebiete mini|Ruderboot an einer Kanalschleuse Im einfachsten Fall reicht ein einfaches Ruderboot – soweit greifbar – für die Wasserrettung aus und gestattet das rasche Eingreifen bei Personen in Not. Die im Segel- und Rudersport tätigen Vereine besitzen zumeist ein Motorboot zur Unterstützung im Training und können daher in solchen Fällen schnell Hilfe leisten – auch bei Unfällen Vereinsfremder oder allgemeinen Notfällen am, im oder auf dem Wasser. An den bayerischen Seen haben beispielsweise Bootsbesitzer den Freiwilligen Seenot-Dienst ins Leben gerufen, um mit ihren Booten schnelle Hilfe leisten zu können. Jedoch erfolgt bei Meldung über die 112 in jedem Fall die Alarmierung einer WRG.

Eine Differenzierung der Rettungsboote kann anhand des Einsatzgebiets vorgenommen werden.

Binnenland () mit den Seen, Flüssen und Kanälen Küstennahbereich () mit den Stränden und den großen Flussmündungen Küstenmeere () mit dem Tiefwasserbereich abseits der Küsten

Darüber hinaus sind Sonderformen erforderlich, die auch amphibische Bereiche abdecken und Wasserflächen mit Eis und Schnee befahrbar machen können.

Rettungsboote für Binnengewässer miniatur|Motorrettungsboot der Wasserwacht mit Jetantrieb mini|Jetski der RNLI auf Trailer hinter Quad Durch die relativ ähnlichen Verhältnisse an den Seen, Flüssen und Kanälen im Binnenland werden durch die WRG weltweit weitgehend die gleichen Bootstypen eingesetzt. Dies sind zumeist offene, industriell gefertigte Motorrettungsboote mit festem Rumpf aus Kunststoff oder Aluminium.

Bisweilen sind auch einfache Schlauchboote – auch Zodiac genannt – im Einsatz. Bei der Feuerwehr existiert als kleinste Einheit das Schnelleinsatzboot, das auf einem Rüstwagen oder einem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeugen mitgeführt werden kann. Zusammengepackt wiegt es 40 bis 50 kg und wird über eine Druckluftflasche in wenigen Sekunden aufgeblasen. Allerdings eignet es sich nur für Rettungseinsätze in Ufernähe, da eine Sicherungsleine am Ufer mitgeführt werden muss.

Das genormte RTB 1 kann auch als Schlauchboot ausgeführt sein. Gemäß Norm muss es einsatzbereit im aufgeblasenen Zustand vorgehalten werden. Daher werden sie zum Transport als Dachladung auf einem Wasserrettungswagen oder auf einem separaten Bootstrailer gemäß DIN 14962 „Feuerwehrwesen – Bootsanhänger“DIN 14962:2005-02 Feuerwehrwesen – Bootsanhänger auf Beuth.de, abgerufen am 23. Mai 2020. verlastet. Ein RTB 1 nach DIN 14961 muss auch zur Eisrettung geeignet sein.