Waltershausen ist eine Kleinstadt im Landkreis Gotha in Thüringen. Sie liegt im Südwesten des Landkreises, wo sie nach Gotha die zweitgrößte Stadt ist. Südlich im Übergang zum Thüringer Wald liegen die Waltershäuser Vorberge.

Geografie Naturräumliche Lage Waltershausen liegt am Übergang vom Thüringer Becken zum Thüringer Wald, deshalb wird Waltershausen gelegentlich als „Tor zum Thüringer Wald“ bezeichnet. Der Große Inselsberg liegt nur wenige Kilometer entfernt.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Hörsel, Georgenthal, Friedrichroda, Bad Tabarz, Brotterode-Trusetal, Bad Liebenstein, Ruhla, Seebach, Wutha-Farnroda und Hörselberg-Hainich.

Stadtgliederung mini|300px|Stadtgliederung

Es existieren sieben Ortsteile (Fischbach, Schmerbach, Schwarzhausen, Winterstein, Wahlwinkel, Schnepfenthal und Langenhain) sowie ein Stadtteil (Ibenhain).

Geschichte mini|Stahlstich mit Blick auf Schloss Tenneberg (1860) Der Ort entwickelte sich an der Kreuzung der alten Salzstraße von Salzungen nach Erfurt und von Eisenach nach Saalfeld. Zusätzlich bot die 1176 erstmals erwähnte Burg Tenneberg (siehe Bauwerke) Schutz für die Stadtbewohner. Eine weitere Begünstigung für den Standort war die Engstelle zwischen dem Burgberg und dem Ziegenberg, die der gesamte Verkehr passieren musste, da der Wald sehr unwegsam war.

Die Stadt selbst wurde 1209 unter dem Namen „Ulricus, villicius de Waltherißhusin“ erstmals urkundlich erwähnt. Die Stadt gehörte zur Grafschaft Mühlburg (in einer Urkunde von 1293 erwähnt) und stand unter der Lehnshoheit des Erzbistums Mainz. Damals war sie bereits im Besitz der Stadtrechte. 1392 wurden Waltershausen und die Burg Tenneberg zum Leibgedinge für die zukünftige Schwiegertochter des Thüringer Landgrafen bestimmt. In der Folgezeit gehörte Waltershausen zum wettinisch-ernestinischen Amt Tenneberg, welches ab 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha gehörte.

mini|links|Waltershausen um 1900 mini|Luftbild der Stadt mini|Stolperstein für Klara Felstyner

Waltershausen hat eine im Jahr 1815 begründete Tradition als Puppenstadt. Im 19. Jahrhundert entstand eine Vielzahl von Spielzeug- und Puppenfabriken. Die erste Puppen- und Spielwarenfabrik gründete 1816 Johann Daniel Kestner. Die Thüringerwaldbahn wurde 1929 nach Waltershausen verlängert und verbindet die Stadt seitdem mit Bad Tabarz im Südwesten und Gotha im Nordosten.

Anfang der 1930er Jahre lebten in Waltershausen neun jüdische Familien, die alle durch Emigration und Deportation ihrer Heimat beraubt wurden. Eine einzige Frau überlebte das KZ Theresienstadt und lebte ab 1945 in Eisenach. Während des Zweiten Weltkrieges mussten etwa 600 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus zahlreichen von Deutschland besetzten Ländern in technischen Betrieben, im Ade-Werk, in der Thüringer Schlauchweberei und anderen Unternehmen Zwangsarbeit leisten. Auf dem Friedhof von Waltershausen erinnern zahlreiche Gräber an Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

Am 9. Mai 2008 wurde an der Ecke Bremerstraße/Quergasse ein Stolperstein von Gunter Demnig für die deportierte Jüdin Klara Felstyner gelegt. Sie starb 1940 im Warschauer Ghetto. Diesem Stolperstein folgten noch fünf weitere.

Am 6. Februar 1945 erlebte Waltershausen – wie am selben Tag mehrere Städte in der Region – einen US-amerikanischen Bombenangriff. Zwölf B-17G „Flying Fortress“ warfen um die Mittagszeit aus 8.000 m Höhe 30 Tonnen (120 Stück) Bomben. 21 Gebäude wurden zerstört und 20 Tote gezählt.Lothar Günther: Missionen und Schicksale im Luftkrieg über Südwest-Thüringen 1944/45. Wehry-Verlag, Untermaßfeld 2014, ISBN 978-3-9815307-6-6, S. 323.

Die industrielle Fertigung von Puppen endete 1990. Die Waltershäuser Puppenmanufaktur stellte bis zum Jahr 2005 noch gelegentlich Puppen her.Waltershausen: Puppentradition In: waltershausen.de, abgerufen am 19. Februar 2020. Es handelte sich dabei um Sammlerpuppen, die hohen ästhetischen Ansprüchen Rechnung tragen. Die Puppenstadt existiert lediglich noch als Erinnerung im Museum der Stadt weiter. Im Gebäudekomplex der unter Denkmalschutz stehenden Puppenfabrik hat sich 2003 die Kommune Waltershausen angesiedelt.

Religionen Es gibt in Waltershausen und allen Ortsteilen insgesamt sieben christliche Kirchen und Kapellen. Die mit Abstand größte ist die evangelische Stadtkirche. Außerdem existieren in den Ortsteilen Schnepfenthal, Langenhain und Wahlwinkel evangelische Kirchen und im Stadtteil Ibenhain eine Kapelle. Weiterhin gibt es noch eine Schlosskapelle auf Schloss Tenneberg, die früher katholisch war, heute aber eine evangelische Kirche ist. Eine katholische Kirche wurde im 20. Jahrhundert neu eingerichtet. Von 1993 bis 2025 war Waltershausen Sitz des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises (Superintendentur) Waltershausen-Ohrdruf und damit ein kirchliches Verwaltungszentrum.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurden Langenhain, Schnepfenthal-Rödichen und Wahlwinkel eingemeindet.

Zum 31. Dezember 2013 wurde die Gemeinde Emsetal mit ihren Ortsteilen Fischbach, Schmerbach, Schwarzhausen und Winterstein nach Waltershausen eingemeindet. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten beide Bürgermeister Michael Brychcy und Klaus Reißig am 29. Januar 2013.Thüringer Allgemeine: Eingliederungsvertrag für Emsetal ist unterzeichnet

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

1834 bis 1984 1834: 2.755 1933: 8.951 1939: 9.498 1946: 11.558¹ 1950: 14.963² 1960: 13.365 1981: 13.766 1984: 14.2881994 bis 2001 1994: 12.272 1995: 12.164 1996: 12.058 1997: 11.998 1998: 11.956 1999: 11.845 2000: 11.725 2001: 11.5322002 bis 2009 2002: 11.501 2003: 11.475 2004: 11.348 2005: 11.185 2006: 11.107 2007: 11.013 2008: 10.917 2009: 10.7542010 bis 2017 2010: 10.668 2011: 10.618 2012: 10.287 2013: 13.077 2014: 13.088 2015: 13.092 2016: 13.110 2017: 13.024ab 2018 2018: 12.973 2019: 12.838 2020: 12.712 2021: 12.664 2022: 13.194 2023: 13.065 2024: 12.871 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik ¹ 29. Oktober ² 31. August

Politik

mini|Das Rathaus von Waltershausen mini|Kommune Waltershausen in der Puppenfabrik Stadtrat und Bürgermeister Dem Stadtrat gehören 24 Bürger der Stadt an, die durch die Kommunalwahl vom 26. Mai 2019 ermittelt wurden und sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien und Wählergruppen verteilen: +Sitzverteilung im Stadtrat Waltershausen Partei / Liste 2024 2019 2014 CDU 6 9 7 AfD 6 3 0 SPD 3 3 0 Die Linke 1 n.k. 2 FDP 1 1 0 Grüne – 2 0 Liste Emsetal 4 3 5 FWG BI Waltershausen 2 2 4 Wählergruppe Langenhain 1 1 0 SPD/Grüne – n.k. 6

Zusätzlich ist auch der Bürgermeister Mitglied des Stadtrats. Derzeitiger Bürgermeister ist seit dem 1. Juli 2024 Leon Graupner (Parteilos). Sein Vorgänger Michael Brychcy (CDU) war vom 9. November 1989 bis zum 1. Juli 2024 Bürgermeister der Stadt und war zum Zeitpunkt seines Amtsende, der Dienstältester Bürgermeister der neuen Bundesländer.

In den Ortsteilen unterstützen gewählte Ortsteilbürgermeister und Ortsteilräte die Arbeit der Verwaltung.

Städtepartnerschaften Bruay-sur-l’Escaut, Frankreich (Département Nord), seit 1965 Korbach, Deutschland (Hessen), seit 1990 Wolbrom, Polen (Woiwodschaft Kleinpolen), seit 2000

Freundschaftliche Beziehungen bestehen zu: Hanau, Deutschland (Hessen), seit 1990 Budapest, 16. Bezirk, Ungarn, seit 2003

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Schloss Tenneberg

1176 wurde Schloss Tenneberg erstmals als Burg der Thüringer Landgrafen erwähnt. Mehrfach umgebaut, erhielt es im frühen 18. Jahrhundert seine im Wesentlichen endgültige Gestalt. Durch verschiedene Nutzungen in der Zeit danach sind die meisten Barockräume verloren gegangen, jedoch nicht der Festsaal (1719), das barocke Treppenhaus (1718) und die Schlosskapelle (1721). hierin: Heimatmuseum (1929), Schwerpunkt: Geschichte der Puppenindustrie. (Beginn der Deutschen Spielzeugstraße) Klaustor (erste urkundliche Erwähnung 1390), Haupttor der alten Stadtmauer, durch die auf der Straße von Erfurt in Richtung Bad Salzungen der meiste Verkehr ging. Töpfersturm, im frühen 15. Jahrhundert außerhalb der Stadtmauer am Ende der alten Eisenacher Straße errichtet. Im Bereich des Turmes hatten sich im Mittelalter die Töpfer des Ortes angesiedelt. Historisches Rathaus von 1441, zweitältestes Fachwerk-Rathaus im mitteldeutschen Raum, nach 1990 grundlegend restauriert. Gewölbekeller mit beeindruckenden Kreuzgrat- und Tonnengewölben. Das erste Obergeschoss diente als Festsaal und Markthalle. Im zweiten Obergeschoss sind die Büroräume des Bürgermeisteramtes. Marktplatz mit Brunnen und der „Muschelminna“ Salzmannschule Schnepfenthal (1791–1793) Erster deutscher Turnplatz von Johann Christoph Friedrich Guts Muths (1785)

Kirchen Stadtkirche (1719–1723) Zur Gotteshilfe mit der größten Barockorgel Thüringens von Tobias Heinrich Gottfried Trost von 1730 Im Stadtteil Ibenhain befindet sich die kleine Kapelle Unser Liebe Frauen. Bis zur Reformation war die im 14. Jahrhundert erbaute Kapelle ein beliebter Wallfahrtsort. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche bei einer Renovierung im 18. Jahrhundert. Die 10 × 6 Meter messende Kapelle wurde 1802 mit einem verschieferten Dachreiter für die kleine Glocke bestückt. Im Februar 1945 wurden über Ibenhain Sprengbomben abgeworfen, die auch die Kapelle beschädigten, 20 Tote waren im Ort zu beklagen. In Langenhain gibt es eine (Ur)Kirche St. Maria-Magdalena mit Fresken aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist die älteste Kirche der Stadt. Die Barockkirche wurde 1763–1768 erbaut und wurde am 8. Oktober 2006 nach umfangreicher Restaurierung wieder eingeweiht. In Schnepfenthal steht die St.-Peter-und-Paul-Kirche, ein auf einem Werksteinsockel errichteter, schieferverkleideter Fachwerkbau mit Dachreiter, der 1824 geweiht wurde. In Wahlwinkel steht die Dorfkirche St. Gotthard. Die erste Erwähnung der Kirche in Wahlwinkel stammt aus dem Jahr 1401. Die heutige Kirche wurde 1496 geweiht, der Turm wurde 1505 vollendet. Im Inneren der Kirche befindet sich als Besonderheit eine frühgotische Krypta. Die Kirche wurde (Stand 2011) baulich saniert.

Sport In Waltershausen gibt es viele Sportvereine. Im Karate konnten Sportler von Bushido Waltershausen zahlreiche Titel auf nationaler und internationaler Ebene gewinnen. Im Tischtennis ist Waltershausen als Ausrichter von Turnieren auf Landes- und Bundesebene bekannt. Ein weiterer Verein ist die ZSG Waltershausen mit insgesamt zwölf Abteilungen. Seit April 2022 gibt es für Menschen mit und ohne körperliche Einschränkungen das Behindertensportangebot Para-Eishockey, erst- und einmalig in Thüringen. Organisiert wird das Angebot über den EHV Ice Rebells e. V. von Michel Mallon, welcher selbst auf dem Weg in die Nationalmannschaft ist.

Medien Im Jahr 2009 ging das Internetradio 0800 Radio Tenneberg – Dein Sender für Deine Region mit täglichen Sendungen an den Start.

2013 eröffnete der Radiosender TMR-Radio.de in Waltershausen neue Studios und sendet tagesaktuelle Themen und Musik.

Regelmäßige Veranstaltungen Das jährliche Stadtfest findet immer Mitte Juni unter wechselnden Mottos statt.

Jedes Jahr Anfang September über ein Wochenende verteilt gibt es beim Mittelalterschlossfest Gauklerei und Markttreiben.

Immer am 2. Adventswochenende präsentiert sich auf dem Walterhäuser Marktplatz ein Weihnachtsmarkt.

Am Sonntag vor dem Rosenmontag findet seit über 25 Jahren der traditionelle Faschingsumzug der Karnevalsturner Waltershausen (KTW) mit vielen Vereinen der Region statt.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Gleisdreieck in Waltershausen mini|Thüringerwaldbahn auf der Waltershäuser Linie 6