mini|Die evangelische St.-Paulus-Kirche

Bobengrün ist ein Gemeindeteil des Marktes Bad Steben im Landkreis Hof (Oberfranken, Bayern). Die Gemarkung Bobengrün hat eine Fläche von 5,276 km². Sie ist in 1038 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 5082,74 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Erlaburg, Gerlas und Horwagen. Überregional bekannt ist das Dorf insbesondere in christlichen Kreisen durch die jährlich stattfindende Open-Air-Pfingsttagung im Wald bei Bobengrün.

Geografie Das Kirchdorf bildet mit Horwagen im Süden eine geschlossene Siedlung. Diese liegt inmitten des Naturparks Frankenwald, eingebettet im Tal des Lohbaches und des Bobengrüner Baches am Fuße des 729 Meter hohen Spitzberges. Er hat ein föhnfreies Mittelgebirgsklima. Die Staatsstraße 2198 führt nach Thierbach (2,2 km nordöstlich) bzw. nach Gerlas (2,3 km westlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Schafhof (1 km nordwestlich), nach Christusgrün (1,6 km südöstlich) und an Ziegelhütte und Gerlaser Forsthaus vorbei nach Gerlas zur St 2198 (1,9 km westlich).

Geschichte In der Zeit zwischen 1050 und 1300 kolonisierten die Grafen von Orlamünde die Gegend um Lichtenberg. In dieser Zeit dürfte auch Bobengrün entstanden sein. Die erste Erwähnung erfolgte am 6. Juni 1410 in einer Urkunde des Grafen Oswald von Truhendingen. Zwischen 1427 und 1432 verkaufte Graf Sigismund von Weimar-Orlamünde die Herrschaft Lichtenberg und somit auch Bobengrün an die von Waldenfels. Fast 200 Jahre später verkauften diese die Herrschaft Thierbach aufgrund hoher Schulden an das Markgraftum Bayreuth, dem Bobengrün bis zum Jahre 1791 angehörte.

Zur Realgemeinde Bobengrün gehörten Erlaburg, Horwagen, Schafhof, Thierbach, Thierbacherhammer und Thierbachermühle. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Bobengrün aus 35 Anwesen (1 Mühle, 11 Halbhöfe, 2 Viertelhöfe, 3 Gütlein, 12 Tropfhäuser, 6 halbe Tropfhäuser) und einer Wehrzollstätte. Die Hochgerichtsbarkeit hatte das bayreuthische Kasten- und Richteramt Lichtenberg. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über sämtliche Anwesen hatte das bayreuthische Kastenamt Thierbach.M. Körner: Naila, S. 279.

Von 1797 bis 1810 unterstand Bobengrün dem Justiz- und Kammeramt Naila. Nachdem im Jahr 1810 das Königreich Bayern das Fürstentum Bayreuth käuflich erworben hatte, wurde der Ort bayerisch. Infolge des Ersten Gemeindeedikts wurde Bobengrün dem 1812 gebildeten Steuerdistrikt Marxgrün zugewiesen. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Bobengrün. Zu dieser gehörten Erlaburg, Gerlas, Horwagen und Ziegelhütte. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Naila zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Lichtenberg (1919 in Finanzamt Lichtenberg umbenannt, seit 1955 Finanzamt Naila). Ab 1862 gehörte Bobengrün zum Bezirksamt Naila (1939 in Landkreis Naila umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Naila (1879 in Amtsgericht Naila umgewandelt).

Im Jahre 1861 entstand das erste Schulhaus. 1882 nahm der Marmorsteinbruch Horwagen seinen Betrieb auf, der in den frühen 1990er Jahren eingestellt wurde. In den Jahren 1911/1912 wurde das neue Schul- und Rathaus errichtet.

1964 hatte die Gemeinde eine Gebietsfläche von 5,511 km². Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Bobengrün am 1. Januar 1978 nach Bad Steben eingemeindet.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Bobengrün Jahr 1819 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 401 551 592 570 583 558 552 554 609 600 526 556 550 600 619 614 651 658 666 916 901 877 744 732HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1799 werden diese als Häuser bezeichnet, von 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 76 78 80 81 115 118 143 Quelle Für die Gemeinde Bobengrün inklusive Gerlas (S. 34).

Ort Bobengrün Jahr 1799 1819 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2013Einwohner 103 297 363 341 351 329 432 635 526 544 536 492Häuser 30 47 49 75 78 97 149 Quelle J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 1, Sp. 415.

Religion Bobengrün ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und bis heute nach St. Walburga (Untersteben) gepfarrt (seit 1910 ist die Lutherkirche (Bad Steben) die Hauptkirche). Die evangelische St.-Paulus-Kirche wurde in den Jahren 1961/1962 gebaut und ist eine Filiale von Bad Steben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler Dorfstraße 22: Altes Rathaus Kirchweg 1: St. Paulus, evangelisch-lutherische Kirche

ehemalige Baudenkmäler Haus Nr. 6: Zweigeschossiges Kleinhaus, zwei zu drei Achsen, mit Satteldach; spätes 18. oder frühes 19. Jahrhundert, über älterem Kern; Erdgeschoss verputzt massiv, Obergeschoss Fachwerk mit Lehmausfachung, verschiefert.K.-L. Lippert: Landkreis Naila, S. 21. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen. Ursprüngliche Hausnummerierung. Haus Nr. 8: Zweigeschossiges Kleinhaus, zwei zu drei Achsen, mit Satteldach; zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts; Erdgeschoss verputzt massiv, Obergeschoss Fachwerk, auf der südlichen Langseite sichtbar, Nord- und Ostseite verputzt, Westseite verschiefert; Fenster erneuert. Haus Nr. 35: Eingeschossiges, verputzt massives Kleinhaus mit Satteldach (nur die vordere Hälfte erhalten); wohl noch 18. Jahrhundert; Giebeldreieck in der oberen Hälfte verbrettert. Haus Nr. 39: Eingeschossiges, verputzt massives Kleinhaus, zwei zu drei Achsen, mit Halbwalmdach; wohl drittes Viertel des 18. Jahrhunderts; Giebeltrapez verschiefertes Ständerwerk.

Bobengrüner Planetenweg Der Bobengrüner Planetenweg wurde im Jahr 2010 in Verbindung mit der 600-Jahr-Feier eingeweiht. Der rund drei Kilometer lange Wanderweg erstreckt sich vom Bobengrüner CVJM-Haus bis zum Wanderheim Gerlaser Forsthaus und erklärt an acht Stationen die Planeten unseres Sonnensystems.

Regelmäßige Veranstaltungen mini|Pfingsttagung Die größte Veranstaltung Bobengrüns ist die Pfingsttagung des CVJM im Froschbachtal. Jedes Jahr zieht es am Pfingstwochenende eine große Zahl Christen in das Frankenwalddorf, um hier zu campen, gemeinsam christliche Gemeinschaft zu erleben und sich im Verlaufe der Tagung des CVJM mitten im Wald zu versammeln, gemeinsam zu feiern, zu singen, zu beten und christliche Ansprachen zu hören. Die seit 1946 stattfindende Veranstaltung zählt jährlich rund 10.000 Besucher und hat als Open-Air-Veranstaltung den Charakter eines christlichen Festivals. Theologisch steht sie tendenziell dem Pietismus und der Erweckungsbewegung nahe.

Neben der großen Pfingstveranstaltung finden weitere kleinere Feste in Bobengrün statt. Jedes Jahr werden zahlreiche Vereinsfeste veranstaltet, z. B. das Feuerwehrfest und das Brunnenfest. Die Kirchweih wird traditionell am dritten Wochenende im Oktober gefeiert.

Literatur

Weblinks

Website der Dorfgemeinschaft Bobengrün e. V.

Fußnoten

Kategorie:Geographie (Bad Steben) Kategorie:Ort im Landkreis Hof Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Hof) Kategorie:Ersterwähnung 1410 Kategorie:Gemeindegründung 1812 Kategorie:Gemeindeauflösung 1977 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Hof