Die Allman Brothers Band war eine Rockband aus Macon, Georgia, im Süden der USA. Sie war die erste und auch eine der wichtigsten Bands des Southern Rock und hatte ihre größten Erfolge Anfang der 1970er Jahre.
Geschichte Gegründet 1969, bestand die Band ursprünglich aus Duane Allman (Gitarre), Gregg Allman (Gesang, Keyboard), Dickey Betts (Gitarre), Berry Oakley (Bass), Butch Trucks (Schlagzeug) und Jai Johanny „Jaimoe“ Johanson (Schlagzeug, Percussion). Die eigentlichen Allman-Brüder, Duane und Gregg, spielten zuvor in verschiedenen Gruppen, u. a. den Escorts, den Allman Joys und zuletzt Hour Glass.
Nach der Auflösung von Hour Glass kehrten Duane und Gregg Allman nach Florida zurück, wo sie zeitweise in der damaligen Band von Butch Trucks spielten. Duane arbeitete anschließend als Studiomusiker in Muscle Shoals. Den Anstoß zur Gründung einer eigenen Band gab dort Rick Hall, der ihm ein Soloalbum anbot. Aus der Aufnahmesession, an der neben Teilen der alten Hour-Glass-Besetzung auch Berry Oakley teilnahm, ging nach Duane Allmans Worten „nichts Vernünftiges heraus, außer dem Wunsch, wieder eine Band aufzumachen“. Jai Johanny Johanson stieß als erster dazu, in Florida folgten Dickey Betts als zweiter Leadgitarrist und Butch Trucks als zweiter Schlagzeuger, zuletzt kam Gregg Allman als Sänger von der Westküste hinzu. „Die Gruppe ist wie eine Einheit bestehend aus sechs Teilen“, beschrieb Duane Allman das Zusammenspiel.
Mit Phil Walden hatte die Gruppe einen erfahrenen Manager und einen Plattenvertrag bei Capricorn Records. Auf Vorschlag ihres Managers zog sie nach Macon, um sich dort auf ihre ersten Konzerte in den Südstaaten und auf ihr Debütalbum vorzubereiten.
1969 brachten sie ihr zunächst wenig beachtetes erstes Album heraus, The Allman Brothers Band. Das Debüt deutete das Potenzial der Gruppe bereits an, ließ in aufnahme- und mischtechnischer Hinsicht aber manchen Wunsch offen. Weil es sich nur mäßig verkaufte, wuchs der Druck auf die Band, ihr Image zu ändern, worauf sie nicht einging. Das zweite Album Idlewild South (1970) war bereits ein Achtungserfolg. Zwischen beiden Alben durchlief die Gruppe einen deutlichen Reifungsprozess, den die tägliche Arbeit auf Tournee, zumeist in kleineren Clubs, beförderte. Mit Tom Dowd stand ihr nun ein Produzent zur Seite, der ihre Musik in angemessener Qualität auf Platte brachte. Idlewild South, benannt nach einer Farm außerhalb von Macon, auf der die Musiker lebten, enthielt bis auf Hoochie Coochie Man ausschließlich eigenes Material. Bis 1973 wurden mehr als 200.000 Exemplare verkauft. Als Glanzlicht galt der Zeitschrift Sounds das Instrumentalstück In Memory of Elizabeth Reed, bei dem Dickey Betts jedes Gerede von einem ersten und einem zweiten Gitarristen ad absurdum geführt habe.
Mehr als mit ihren Studioalben erspielte sich die Band in ihren frühen Jahren jedoch eine ausgesprochene Reputation als Liveband, wobei Stücke wie Whipping Post vom Debütalbum oder In Memory of Elizabeth Reed vom Nachfolgealbum auf der Bühne mit ausufernden Soli und Jams oft zu einem Vielfachen ihrer ursprünglichen Länge ausgedehnt wurden. Unter anderem spielte die Gruppe gleich zwei Sets beim Atlanta International Pop Festival (1970).Liner Notes zu den 2020/21 digital und als DoCD veröffentlichten Aufnahmen der Band beim Atlanta International Fop Festival, siehe auch englischen Wikipedia-Artikel zur Veröffentlichung. Studioproduktionen waren für die Musik der Band, die in hohem Maß spontane Impulse verarbeitete, nicht das ideale Medium. Nach Aussage von Tom Dowd wurden auch die von ihm produzierten Studioaufnahmen zunächst live eingespielt und anschließend in der Regel nur noch Gitarren- und Gesangspassagen nachsynchronisiert. Folgerichtig entstand das nächste Album als Livemitschnitt. At Fillmore East (1971), das den endgültigen Durchbruch brachte, wurde während einer ganzen Serie von Auftritten im Fillmore East aufgenommen und bot im Wesentlichen einen Querschnitt durch das Bühnenrepertoire, darunter die traditionelle Eröffnungsnummer Statesboro Blues, Done Somebody Wrong und die Gruppenkomposition Hot ’Lanta. Für das Album erhielt die Band eine Goldene Schallplatte. Sounds hob 1973 hervor, dass die ausgedehnten Stücke des Albums keine bloßen Jam-Sessions seien, sondern Improvisationen mit exakt herausgearbeiteten Tempowechseln, und dass die Soli nicht als isolierte Einzelleistungen stünden, sondern in den Gruppenklang eingebunden blieben.
Im Sommer 1971 hatte die Band mit den Aufnahmen zu ihrem vierten Album Eat a Peach begonnen und bereits mehrere Stücke eingespielt. Nach zwei Jahren fast ununterbrochener Tourneetätigkeit, in denen die durchschnittliche Abendgage auf 7500 US-Dollar gestiegen war, fühlte sie sich ausgelaugt und wollte erstmals eine längere Pause einlegen. In diese Zeit fiel Duane Allmans Tod. „Wir hatten eigentlich geplant, eine längere Pause einzulegen. Als dann das Unglück geschah war uns aber gar nicht mehr danach zumute“, erklärte Dickey Betts bei einem der folgenden Konzerte. „Wir wußten überhaupt nicht, was wir noch tun sollten.“ Die verbliebenen Musiker erfüllten zunächst die vor Duanes Tod eingegangenen Konzertverpflichtungen und führten danach die Arbeit an dem Album zu Ende. Chuck Leavell (Piano) wurde in die Band aufgenommen. Nach der Veröffentlichung von Eat a Peach starb auch Berry Oakley durch einen Motorradunfall, nicht weit von der Stelle, an der Duane verunglückt war. Danach hieß es zunächst, die Gruppe wolle sich auflösen.
Lamar Williams ersetzte Oakley. Das nächste Album Brothers and Sisters erschien 1973. Es enthielt die heute bekanntesten Hits der Band, Ramblin' Man und das Instrumentalstück Jessica.
Aufgrund persönlicher Differenzen driftete die Band auseinander. Gregg Allman und Dickey Betts starteten Solokarrieren. Gregg heiratete Cher. Drogenmissbrauch forderte seinen Tribut. 1975 entstand das Album Win, Lose or Draw, im selben Jahr wurde außerdem noch das Kompilationsalbum The Road Goes On Forever veröffentlicht. Im Mai 1976 kam das Ende der Band, nachdem Gregg Allman in einem Drogenverfahren gegen einen Bandmitarbeiter ausgesagt hatte. Leavell, Johanson und Williams gründeten Sea Level, während Betts an seiner Solokarriere arbeitete. Es erschien mit Wipe the Windows, Check the Oil, Dollar Gas ein Livealbum, das auch bisher unveröffentlichtes Material enthielt.
1978 gab es eine Wiedervereinigung der Band ohne Chuck Leavell und Lamar Williams, aber mit Dan Toler (Gitarre) als neuem Mitglied. 1979 kam das Album Enlightened Rogues heraus. Aber bereits 1982 brach die Gruppe erneut auseinander.
Erst 1989 stellte sich der Erfolg mit der Reformierung der Band und mit Seven Turns, dem ersten Studioalbum seit neun Jahren, wieder ein. Seit dieser Zeit war Warren Haynes Gitarrist der Gruppe; er wurde von Dickey Betts eingeführt und war vorher bereits Mitglied in dessen Dickey Betts Band gewesen.
1995 wurde die Allman Brothers Band in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.
Im Jahr 2000 kam es dann zur Trennung der Gruppe von ihrem Gründungsmitglied Dickey Betts. Seit dieser Zeit sind Derek Trucks und Warren Haynes, der kurzzeitig nicht mehr Teil der Band war, die beiden Gitarristen der Gruppe. Diese Formation mit Gregg Allman, Butch Trucks, Jaimoe, Marc Quinones, Oteil Burbridge, Derek Trucks und Warren Haynes wurde eine der stabilsten und dauerhaftesten der gesamten Bandgeschichte.
Im Januar 2014 entschieden Derek Trucks und Warren Haynes, dass beide im Laufe des Jahres die Band verlassen werden, um mehr Zeit und Energie in ihre eigenen Gruppen zu investieren. Gregg Allman gab daraufhin bekannt, dass die Allman Brothers Band damit beendet sei und auch er sein Soloprojekt Gregg Allman and Friends verfolgen würde.
Butch Trucks und Gregg Allman, die als einzige allen Besetzungen der Band angehört hatten, starben 2017 im Abstand weniger Monate.
Besetzung
Diskografie
Alben
Weitere Alben 1981: Story of the Allman Brothers 1991: Live at Ludlow Garage 1970 (retrospektiv) 1992: The Fillmore Concerts (Doppel-CD) 1992: Ramblin’ Man 1993: Collection 1994: Best Of: Hell and High Water 1996: Fillmore East Feb ’70 (retrospektiv) 1998: Mycology 1998: Live at Great Woods (DVD, US: ) 2000: Peakin’ at the Beacon (live) 2000: 20th Century Masters – The Best of the Allman Brothers Band (US: ) 2001: The Road Goes On Forever 2001: Madness of the World 2003: The Allman Brothers Band: Live at the Beacon Theatre (DVD, US: ) 2016: Live from A & R Studios
zudem zahlreiche vollständige Konzertmitschnitte in der Reihe Instant Live bei dem bandeigenen Label „The Allman Brothers Band Recording Company“
Singles
Weitere Singles 1969: Black Hearted Woman 1969: Dreams 1969: Whipping Post (Song That Shaped Rock and Roll / Platz 393 der Rolling-Stone-500393. The Allman Brothers Band, ‘Whipping Post’ in 500 Greatest Songs of All Time, Rolling Stone, 2010 Edition, abgerufen am 27. Mai 2018) 1979: Can’t Take It with You 1980: Mystery Woman 1981: Two Rights 1990: Good Clean Fun 1990: Seven Turns 1990: It Ain’t Over Yet 1991: End of the Line 1994: No One to Run With 1994: Back Where It All Begins 2003: Firing Line
Auszeichnungen Grammy Award für Beste Rock Instrumental Darbietung, 1996 für Jessica Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame, 1995 Platz 53 auf der Liste der 100 größten Künstler aller Zeiten des Rolling Stone Magazins, 2011
Anmerkungen Auf der LP/CD "Brothers and Sisters" wirkte als zweiter Gitarrist neben Dickey Betts auch Les Dudek mit. Er war auch bei einigen Live-Auftritten dabei, die nach der Plattenveröffentlichung liefen. Les Dudek brachte selbst einige Platten heraus, u. a. Ghost Town Parade. Sein Gitarrenspiel kam dem von Duane Allman sehr nahe.
Das wohl bekannteste Stück der Allman Brothers, das Instrumentalstück Jessica, war in den 1970er und frühen 1980er Jahren die Titelmelodie der BR-Rockmusiksendungen im Zündfunk (Club 16, Zündfunk Club). Auch der WDR verwendete es mehrfach als Unterlegmusik und Erkennungsmelodie, z. B. für die Radiosendungen Sounds und Schüler machen Programm, beide in den 1970er Jahren auf WDR 2. Seit 2002 eröffnet es bis heute die britische TV-Sendung Top Gear des Senders BBC, jedoch handelt es sich hier nicht um die Originalversion der Allman Brothers, sondern um eine stark gekürzte Interpretation von etwa 20 Sekunden Länge. Gespielt wird das Stück jeweils zu Beginn einer Folge als Begleitung des Vorspanns. In der 11. Folge der 6. Staffel versuchte der Moderator James May den Top Gear Tune mittels Motorengeräuschen unterschiedlicher Motoren bei verschiedenen Drehzahlen wiederzugeben.
Literatur William Perkins: No Saints, No Saviours. My Years With the Allman Brothers Band. Mercer University Press, 2005, ISBN 0-86554-967-2.
Weblinks
allmanbrothersband.com (englisch)
Umfangreiche ABB-Dokumentation der Georgia Allman Brothers Band Association
Einzelnachweise
Kategorie:US-amerikanische Band Kategorie:Southern-Rock-Band Kategorie:Bluesrock-Band
Kategorie:Mitglied der Rock and Roll Hall of Fame