CaesareaAaron J. Klein: Striking Back. The 1972 Munich Olympics Massacre and Israel’s Deadly Response. Random House, New York 2005, ISBN 1-4000-6427-9. Victor Ostrovsky: By Way of Deception-The making and unmaking of a Mossad Officer. St. Martin’s Press, New York 1990, ISBN 0-9717595-0-2. war der Name einer Sondereinheit des israelischen Geheimdienstes Mossad, die mit der extralegalen Hinrichtung der Geiselnehmer und Hintermänner des Münchner Olympia-Attentat im Jahr 1972 beauftragt war. Caesarea gelang es, über 20 so genannte Zielpersonen (mutmaßliche Verantwortliche für das Attentat) zu töten, wobei umstritten ist, inwieweit diese tatsächlich verantwortlich waren. Erster Kommandeur der Spezialeinheit war der spätere Ministerpräsident und höchstdekorierte Soldat der IDF Ehud Barak. Caesarea hat mutmaßlich noch in den 1990er Jahren Exekutionen durchgeführt und stellte diese offiziell erst 1994 mit der Unterzeichnung des ersten Oslo-Abkommens ein.Ehemalige Mossad-Agenten habe anonym ausgesagt, dass es bis zur Unterzeichnung des ersten Oslo-Abkommens keinen Grund gegeben hätte, die Vergeltungsmaßnahmen einzustellen.
Bei den Aktionen kamen auch Unschuldige zu Tode. So wurde am 21. Juli 1973 Ahmed Bouchiki in Lillehammer ermordet, weil man ihn mit dem gesuchten Ali Hassan Salameh verwechselt hatte. Bei der späteren Liquidierung von Salameh durch eine Autobombe in Beirut wurden vier seiner Leibwächter und vier unbeteiligte Passanten getötet. Ob von den drei Attentätern, die die missglückte Befreiungsaktion der deutschen Polizei während des Olympia-Attentats überlebten und kurz nach ihrer Festnahme durch die Entführung des Lufthansa-Fluges 615 freigepresst wurden, einer von Caesarea liquidiert wurde, ist unklar.
Die von Caesarea durchgeführten Operationen wurden öffentlich auch unter den nicht vom Mossad vergebenen Namen Operation Wrath of God ( – Zorn Gottes) bzw. Operation Bayonet (Bajonett) diskutiert. Die Sondereinheit Caesarea wurde später als Abteilung Kidon reorganisiert.
Auftrag Offizielles Ziel der Operationen war zum einen die Satisfaktion der Hinterbliebenen, die nach Liquidationen häufig mit anonymen Telefonanrufen aufgefordert wurden, sich die Nachrichten anzuhören, in denen sie dann von der Tötung eines Attentats-Verantwortlichen erfuhren. 90-minütige Dokumentation von Sebastian Dehnhardt, Uli Weidenbach und Manfred Oldenburg; Sendung am 15. August 2006, 20:15 Uhr im ZDF. Die Darstellung stammt von Hinterbliebenen, die in dieser ZDF-Dokumentation zu Wort kommen. Darüber hinaus wird von israelischen Offiziellen immer wieder die beabsichtigte Abschreckung betont. Offensichtlich ist, dass die Vergeltungsaktionen auch zur Bewältigung der Traumatisierung der israelischen Bevölkerung und zur Wiederherstellung eines Sicherheitsgefühls dienen sollten.
Zunächst wurde eine Liste aller direkt und indirekt an dem Olympia-Attentat Beteiligten aufgestellt. Dies gelang mit von befreundeten europäischen Geheimdiensten gelieferten Informationen.Benny Morris: Righteous Victims: A History of the Zionist-Arab Conflict 1881–1999. Alfred A. Knopf, New York 1999, ISBN 0-679-42120-3, S. 381. Von der ersten Liste sind bis heute 14 Personen bekannt geworden, allerdings wird davon ausgegangen, dass die endgültige Liste der Zielpersonen 20 bis 35 Mitglieder des Schwarzen Septembers und der PLO umfasste.Reeve/Ostrovsky: Reeve behauptet, dass Geheimdienstquellen von 20 endgültigen Personenzielen sprechen (Reeve, S. 162), während Ostrovsky diese Zahl mit 35 angibt (Ostrovsky, S. 179).
Organisation Die Aufstellung und Bevollmächtigung von Caesarea erfolgte durch das Sicherheitskabinett unter Premierministerin Golda Meir im Herbst 1972. Aufbau und Leitung der Einheit übernahm Michael „Mike“ Harari.Simon Reeve: One Day in September. Arcade Publishing, New York 2000, ISBN 1-55970-547-7, S. 161. Der harte Kern umfasste vermutlich etwa 15 Agenten in fünf Teams, die mit verschiedenen Aufgaben befasst waren (die Teamnamen sind Buchstaben des hebräischen Alphabets):
„Aleph“ bestand aus zwei professionellen Killern „Bet“ waren zwei Agenten zum Decken der Alephs „Heth“ bildeten zwei Agenten, die die logistische Organisation vor Ort, wie das Buchen von Hotels, Wohnungen, Mietwagen usw., übernehmen sollten „Ayin“ umfasste zwischen sechs und acht Agenten, die das Rückgrat der Operation bildeten, indem sie Zielpersonen beschatteten, Fluchtrouten vorbereiteten usw. „Qoph“ bestand schließlich aus zwei KommunikationsspezialistenReeve, S. 162.
Laut anderen Quellen soll Harari drei Caesarea-Teams von jeweils zwölf Agenten befehligt haben, die jeweils in Logistik-, Überwachungs- und Liquidierungsgruppen unterteilt waren.Klein, S. 133.
Die einzelnen Tötungen sollen direkt von Golda Meir autorisiert worden sein. Angeblich haben im israelischen Kabinett „Gerichtsverhandlungen“ über die zu Liquidierenden stattgefunden. Möglicherweise wurden aber auch nicht alle Aktionen im direkten Auftrag der israelischen Regierung durchgeführt.George Jonas: Vengeance. The True Story of an Israeli Counter-Terrorist Team. 1984, ISBN 0-7432-9164-6 Dies behauptet der in Jonas’ Buch zu Wort kommende Yuval Aviv, der ein in Europa operierendes Team geleitet haben will, dass nicht von der Regierung kontrolliert wurde und nur mit Harari kommunizierte.
Operationen 16. Oktober 1972 – Attentat an Abdel Wael Zwaiter Bei der ersten Aktion von Caesarea wurde am 16. Oktober 1972 der Palästinenser Abdel Wael Zwaiter in Rom von zwei Mossad-Agenten in der Lobby seines Wohnhauses mit zwölf Schüssen getötet. Zwaiter war zu diesem Zeitpunkt der offizielle Repräsentant der PLO in Italien. Während Italien inoffiziell behauptete, er sei als Mitglied des Schwarzen Septembers an der misslungenen Entführung eines El-Al-Flugzeuges beteiligt gewesen, wurde dies von der PLO bestritten. Abu Iyad, der stellvertretende PLO-Chef, behauptete hingegen, Zwaiter habe Terrorismus „energisch“ verurteilt.
8. Dezember 1972 – Attentat an Mahmoud Hamshari Der zweite Anschlag von Caesarea galt am 8. Dezember 1972 dem PLO-Repräsentanten in Frankreich, Dr. Mahmoud Hamshari. Ein sich als Journalist ausgebender Agent verschaffte einem Team Zugang zu Hamsharis Wohnung, in der eine Bombe unter dem Tischtelefon installiert wurde. Der „Journalist“ versicherte sich mit einem Anruf der Anwesenheit von Hamshari, woraufhin ein Zündsignal durchs Telefon gesendet wurde. Hamshari starb nicht sofort, erlag aber innerhalb eines Monats seinen Verletzungen. Anlass für seine Liquidierung war, dass Israel ihn für den Leiter des Schwarzen Septembers in Frankreich hielt.
24. Januar 1973 – Attentat an Hussein Al Bashir Am Abend des 24. Januar 1973 wurde Hussein Al Bashir (Hussein Abad Al Chir), der Fatah-Repräsentant in Zypern, in seinem Hotelzimmer in Nikosia durch eine von Caesarea ferngezündete Bombe getötet. Israel hielt ihn für den Kopf des Schwarzen Septembers in Zypern. Grund für seine Liquidierung waren allerdings möglicherweise auch seine engen Verbindungen zum KGB.
6. April 1973 – Attentat an Basil Al-Kubaissi Dr. Basil Al-Kubaissi, Professor für Rechtswissenschaft an der Amerikanischen Universität von Beirut, wurde am 6. April 1973 von zwei Caesarea-Mitgliedern bei der Rückkehr vom Abendessen in Paris mit zwölf Schüssen getötet. Er wurde von Israel verdächtigt, den Schwarzen September bei der Waffenbeschaffung zu unterstützen und an anderen Palästinenser-Aktionen beteiligt gewesen zu sein.
9. April 1973 – Operation Frühling der Jugend (Muhammad Youssef Al-Najjar, Kamal Adwan, Kamal Nasser)
Da eine Reihe von Zielpersonen der Liquidations-Liste in gut gesicherten Häusern im Libanon wohnten und somit mit den bisherigen Anschlags-Methoden nicht zu erreichen waren, startete Caesarea die Operation Frühling der Jugend (Operation Spring of Youth). In der Nacht vom 9. auf den 10. April 1973 drangen Sajeret-Matkal-Kommandos, ein Team Fallschirmjäger und eins der Shayetet 13, der israelischen Kommando-Kampfschwimmer, nach Beirut und Sidon ein. Dort töteten sie einige hochrangige Mitglieder der PLO und des Schwarzen Septembers, u. a. Muhammad Youssef Al-Najjar (Abu Youssef), den Führungsoffizier des Schwarzer September und PLO-Offiziellen, Kamal Adwan, einen Führungs- und Geheimdienstoffizier des Schwarzer September und Leiter aller Terroroperationen auf israelischen Staatsgebiet, sowie Kamal Nasser, den PLO-Sprecher. Youssef und seine Frau wurden in ihrem Badezimmer durch Gewehrfeuer getötet, als ein Kommando ihre Beiruter Wohnung stürmte.Bell J. Bowyer: Assassin: Theory and Practice of Political Violence. Transaction Publishers, New Brunswick 2005, ISBN 1-4128-0509-0, S. 138.
11. April 1973 – Anschläge auf Zaiad Muchasi, Abdel Hamid Shibi und Abdel Hadi Nakaa Der Operation in Libanon folgten schnell drei weitere Anschläge in Athen und Rom. Zaiad Muchasi, der Nachfolger von Hussein Al Bashir in Zypern, wurde in seinem Athener Hotel mit einer Brandbombe getötet. Zwei nachrangige Mitglieder des Schwarzen Septembers, Abdel Hamid Shibi und Abdel Hadi Nakaa, wurden in ihrem Fahrzeug in Rom verletzt.
28. Juni 1973 – Attentat an Mohammed Boudia Später verfolgte Caesarea die Spur von Mohammed Boudia, dem in Algerien geborenen Einsatz-Direktor des Schwarzen Septembers in Frankreich. Er starb am 28. Juni 1973 durch eine vom Mossad unter dem Sitz seines Wagens platzierte Anti-Personen-Mine, deren Wirkung durch Schrauben und Muttern verstärkt war.
21. Juli 1973 – Die Lillehammer-Affäre
Offensichtlich durch die bisherigen Erfolge nachlässig geworden, versuchte Caesarea am 21. Juli 1973 den vermeintlich in Lillehammer aufgespürten Ali Hassan Salameh ohne ausreichende Überprüfung der Identität zu liquidieren. Dadurch wurde irrtümlich der Salameh leicht ähnlich sehende marokkanische Kellner Ahmed Bouchiki ermordet. Sechs Mitglieder des mindestens neunköpfigen Tötungs-Kommandos wurden verhaftet, der Rest, darunter die Todesschützen sowie der Einsatzleiter, konnten unentdeckt fliehen.Fatal Error.. In: Time Magazine. 6. August 1973, unmittelbar nach dem Anschlag erschienener Artikel des Magazines TIME in dem von zehn Beteiligten ausgegangen wird. Im Prozess wurden fünf Agenten wegen Mordes zu Haftstrafen zwischen zwei und fünfeinhalb Jahren verurteilt, einer wurde freigesprochen. Norwegen hatte die auf Unterlassung der Strafverfolgung gerichtete Interventionen Israels zurückgewiesen. Die Strafen blieben allerdings weit unter den in Norwegen üblichen Mindeststrafen und hatten wegen großzügiger Freigangsregelungen kaum praktische Bedeutung. Darüber hinaus wurden die Agenten 1975 entlassen und nach Israel abgeschoben. Ein Auslieferungsersuchen Norwegens für den Einsatzleiter Harari wurde von Israel erwartungsgemäß abgelehnt. Auf Grund der internationalen Entrüstung über die Affäre sah sich Golda Meir gezwungen, offiziell die Anweisung zum Aussetzen der Liquidationen zu geben.
22. Januar 1979 – Attentat auf Ali Hassan Salameh („Roter Prinz“)