mini|Denimgewebe mit schräg laufendem Köpergrat

Gewebe ist ein textiles Flächengebilde, das aus mindestens zwei Fadensystemen, Kette und Schuss, besteht, die sich in der Sicht auf die Gewebefläche unter einem Winkel von genau oder annähernd 90° mustermäßig kreuzen. Jedes der beiden Systeme kann aus mehreren Kett- bzw. Schussarten aufgebaut sein (z. B. Grund-, Pol- und Füllkette; Grund-, Binde- und Füllschuss). Die Kettfäden verlaufen in Längsrichtung des Gewebes, parallel zur Gewebekante, und die Schussfäden in Querrichtung, parallel zum Geweberand. Die Verbindung der Fäden zum Gewebe erfolgt vorwiegend durch Reibschluss. Damit ein Gewebe ausreichend schiebefest ist, müssen die Kett- und Schussfäden meistens relativ dicht gewebt werden. Deshalb weisen die Gewebe bis auf wenige Ausnahmen auch ein geschlossenes Warenbild auf.DIN 61100, Teil 1: Gewebe-Kennzeichnende Merkmale. Beuth Verlag, Berlin Januar 1976.Alois Kießling, Max Matthes: Textil-Fachwörterbuch. Verlag Schiele & Schön, Berlin 1993, ISBN 3-7949-0546-6, S. 153.Heinz Hollstein, Hanskarl Hahn, Rolf Meixner: Fertigungstechnik Weberei. Band 1: Grundlagen der Gewebebildung und Arbeitselement zur Gewebeherstellung. Fachbuchverlag Leipzig, 1987, ISBN 3-343-00338-7, S. 10. Die Herstellung der Gewebe erfolgt entweder durch Handweben auf dem Handwebstuhl oder maschinell auf der Webmaschine. Eine historische Bezeichnung für Textilgewebe aus Leinen und Baumwolle ist Zeug.Thomas Meyer zur Capellen: Lexikon der Gewebe. 3., erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-87150-893-4, S. 450.

Kennzeichnende Merkmale Je nach Bedarf oder Vereinbarung sind zur Beschreibung von Gewebe folgende Merkmale anzugeben:DIN 61100, Teil 1: Gewebe-Kennzeichnende Merkmale. Beuth Verlag, Berlin Januar 1976.DIN 61100, Teil 2: Gewebe-Technologische Angaben für die Beschreibung. Beuth Verlag, Berlin Januar 1976.

Faserstoffart, ggf. getrennt nach Kette und Schuss, wobei bei Fasermischungen die Mischungsbestandteile in Prozent auf Basis der Trockenmasse angegeben werden (z. B. 50 % Baumwolle, 50 % Polyester) Garnart, ggf. getrennt nach Kette und Schuss, z. B. Feinheit, Garndrehung (Drehungsrichtung und Drehungszahl), Spinnfaser- oder Filamentgarn Flächenmasse Gewebedicke (Abstand zwischen Ober- und Unterseite des Gewebes) Fadendichte (Anzahl Kett- und Schussfäden pro Längeneinheit) Webtechnik, z. B. Schaft- oder Jacquardtechnik Bindungsart Gewebebreite und -länge

Eigenschaften der Gewebe Der strukturelle Aufbau des Gewebes beeinflusst in entscheidendem Maße seine Eigenschaften.Heinz Hollstein, Hanskarl Hahn, Rolf Meixner: Fertigungstechnik Weberei. Band 1: Grundlagen der Gewebebildung und Arbeitselement zur Gewebeherstellung. Fachbuchverlag Leipzig, 1987, ISBN 3-343-00338-7, S. 13. Gewebe sind anisotrop von ihrer Art her. Zudem sind die meisten Gewebestrukturen asymmetrisch, was die Anisotropie verstärkt.Jinlian Hu: Structure and mechanics of woven fabric. Woodhead Publishing, Cambridge 2004, ISBN 1-85573-904-6, S. 102. Das bedeutet, die mechanischen Eigenschaften eines Gewebes hängen von der Richtung ab, in der eine Kraft einwirkt. Bei Zugbelastung in Kett- oder in Schussrichtung dehnen sich Gewebe z. B. nur wenig. Wirkt die Zugbelastung dagegen diagonal, z. B. unter 45°, so sind Gewebe sehr dehnbar, auch wenn sie aus nicht dehnbaren Fäden gewebt wurden.

Weiterhin weisen die Zugkraft-Dehnungs-Kurven von Geweben zwei unterschiedliche Bereiche auf. Der Anfangsbereich verläuft relativ flach, der AnfangsmodulRalf-Dieter Reumann (Hrsg.): Prüfverfahren in der Textil- und Bekleidungstechnik. Springer, 2000, ISBN 3-540-66147-6, S. 64. ist also niedrig, d. h. mit einer relativ geringen Kraft wird eine relativ hohe Dehnung erreicht. Ursache ist, dass anfangs nur eine Strukturdeformation erfolgt, wobei die Fäden in Richtung der angreifenden Zugkraft ausgerichtet werden, ihre Materialeigenschaften noch nicht zum Tragen kommen. Diese anfängliche Dehnung ist von der Gewebebindung abhängig. Erst nach dem Ende der Strukturdeformation, wenn die belasteten Fäden nahezu gestreckt vorliegen, werden Materialeigenschaften der Fäden wirksam. Der Zugkraft-Dehnungs-Kennlinie steigt steiler an. Um die gleiche Dehnung wie im Anfangsbereich der Zugbelastung zu erreichen, ist eine höhere Zugkraft notwendig. Das Gewebe wirkt steifer.Chokri Cherif (Hrsg.): Textile Werkstoffe für den Leichtbau – Techniken – Verfahren – Materialien – Eigenschaften. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-17991-4, S. 182.

Gewebe sind bei hohen Fadendichten besonders widerstands- und strapazierfähig. Gesteigert wird dieser Effekt noch, wenn Zwirne anstelle von einfachen Garnen eingesetzt werden. Wichtige Eigenschaften eines Gewebes sind auch die Einzelfadenauszugskraft und die Schiebefestigkeit. Erstere ist die Kraft, die man aufwenden muss, um den Faden parallel zu seiner Längsachse aus dem Gewebe herauszuziehen. Ein Maß für die Schiebefestigkeit ist die Kraft, die benötigt wird, um einen Faden senkrecht zur Längsachse in der Gewebeebene zu verschieben.Chokri Cherif (Hrsg.): Textile Werkstoffe für den Leichtbau – Techniken – Verfahren – Materialien – Eigenschaften. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-17991-4, S. 183. Dem Herausziehen eines Fadens stellt sich der Reibungswiderstand der hintereinanderliegenden Fadenkreuzungsstellen entgegen, der durch den Umschlingungswinkel an den Kreuzungsstellen und den Reibungskoeffizienten bestimmt wird.Heinz Hollstein, Hanskarl Hahn, Rolf Meixner: Fertigungstechnik Weberei. Band 1: Grundlagen der Gewebebildung und Arbeitselement zur Gewebeherstellung. Fachbuchverlag Leipzig, 1987, ISBN 3-343-00338-7, S. 14. Diese beiden Eigenschaften sind ein Maß für die Handhabbarkeit des Gewebes. Je höher beide Werte sind, desto schlechter ist die Drapierbarkeit, d. h. die Möglichkeit der Formung zu dreidimensionalen textilen Gebilden.

Einteilung der Gewebe mini|Leinengewebe in Leinwandbindung

Die Einteilungsgesichtspunkte für Gewebe sind sehr vielfältig und unterscheiden sich qualitativ wesentlich voneinander. Ein einziges Einteilungsschema ist deshalb nicht möglich. Zweckmäßig sind Einteilungsgesichtspunkte wie Gewebebindung bzw. Gewebetechnik, farbliche Musterung, figürliche Musterung, Faserstoffart, Fadenart und Fadenfeinheit, Verwendungszweck, fertigungstechnische Gesichtspunkte u. a.Heinz Hollstein, Hanskarl Hahn, Rolf Meixner: Fertigungstechnik Weberei. Band 1: Grundlagen der Gewebebildung und Arbeitselement zur Gewebeherstellung. Fachbuchverlag Leipzig, 1987, ISBN 3-343-00338-7, S. 25.

Nach der Gewebebindung Die Art der Verkreuzung von Kett- und Schussfäden in einem Gewebe wird als Bindung bezeichnet. Je nachdem, welche Kettfäden beim Weben angehoben bzw. gesenkt werden, entsteht eine unterschiedliche Verteilung von Bindungspunkten und damit unterschiedliche Gewebebindung, die das Warenbild bestimmt. Den Teil der Bindung, der die Art der Verkreuzung der Kett- und Schussfäden bis zu ihrer Wiederholung angibt, wird als Rapport bezeichnet.Alois Kießling, Max Matthes: Textil – Fachwörterbuch. Fachverlag Schiele & Schön, Berlin 1993, ISBN 3-7949-0546-6, S. 43. Entsprechend der Grundbindungen gibt es Bezeichnungen wie Leinwand-, Köper- oder Atlasgewebe. Erweiterte Grundbindungen, die durch zusetzen von Bindepunkten an Köper- und Atlasgrundbindungen entstehen Breitgratköper und Mehrgratköpergewebe sowie verstärkte Atlasgewebe. Abgeleitete Bindungen sind aus einer Grundbindung oder erweiterten Grundbindung entwickelte Bindungen, die dem Gewebe eine andere Struktur verleihen. Dazu gehören u. a. Zickzack-Köper, Wellengratköper, Ripse. Aus zusammengesetzten Bindungen von mindestens zwei verschiedenen Bindungen lassen sich Gewebe mit Streifen-, Karo- und Jacquardmusterung, wie sie für Tisch- und Bettwäsche, Geschirr- und Taschentücher verwendet werden, erzielen.Heinz Hollstein, Hanskarl Hahn, Rolf Meixner: Fertigungstechnik Weberei. Band 1: Grundlagen der Gewebebildung und Arbeitselement zur Gewebeherstellung. Fachbuchverlag Leipzig, 1987, ISBN 3-343-00338-7, S. 38f. Diese Bindungen beeinflussen die Eigenschaften eines Gewebes wie beispielsweise das Aussehen, die Schiebefestigkeit oder die Drapierbarkeit.

Nach der farblichen Musterung Wenn die Farbe des Kettmaterials gleich der des Schussmaterials ist, bezeichnet man die Gewebe als Unigewebe. Werden unterschiedlich farbige Garne verwendet, entstehen Buntgewebe. Bei unterschiedlicher Farbe der Kettfäden und der Schussfäden ergibt sich im Gewebe ein Mischfarbton oder bei entsprechender Bindung eine zweifarbige Musterung. Je nach Lichteinfall dominiert die Farbe der Kette oder des Schusses. Bei stark voneinander abweichenden Farben entsteht ein Schillern durch verschiedene Lichtbrechung. Diese Gewebe werden Changeant-Gewebe genannt.Alois Kießling, Max Matthes: Textil – Fachwörterbuch. Fachverlag Schiele & Schön, Berlin 1993, ISBN 3-7949-0546-6, S. 59. Eine andere Klasse von Buntgeweben entsteht, wenn mit einem einfarbigen Schuss und mit einer farblichen Musterung in der Kette gearbeitet wird. Die Farbfolgen der Kettfäden werden als Schärfolge bezeichnet. Dazu gehören beispielsweise Markisenstoffe. Eine weitere Art von Buntgeweben entsteht, wenn die Kette einfarbig und der Schuss zwei- oder mehrfarbig ist. Es ergeben sich Gewebe mit Querstreifen. Gewebe mit einer karoartigen Musterung bilden sich heraus, wenn Kette und Schuss eine Farbmusterung aufweisen, wobei die Anzahl der Farben je Fadensystem mindestens zwei ist (z. B. Pepita).Heinz Hollstein, Hanskarl Hahn, Rolf Meixner: Fertigungstechnik Weberei. Band 1: Grundlagen der Gewebebildung und Arbeitselement zur Gewebeherstellung. Fachbuchverlag Leipzig, 1987, ISBN 3-343-00338-7, S. 29ff.

Nach der figürlichen Musterung Gewebe mit kleinrapportigen figürlichen Musterungen, sogenannte schaftgemusterte Gewebe, entstehen durch das musterförmige Aneinanderfügen von verschiedenen Gewebebindungen. Dazu zählen Gewebe mit Rauten, Punkten, Rechtecken oder kleinen Blüten. Großrapportige figürliche Musterungen werden mit Jacquardmaschinen hergestellt. Gewebe ohne figürliche Musterungen bezeichnet man als Glattgewebe. Die Flächenteile der Gewebeoberfläche gleichen sich in ihrem Aussehen. Vertreter dieser Gewebeart sind Baumwollnessel, Hemdenpopeline und Seitentaft.Heinz Hollstein, Hanskarl Hahn, Rolf Meixner: Fertigungstechnik Weberei. Band 1: Grundlagen der Gewebebildung und Arbeitselement zur Gewebeherstellung. Fachbuchverlag Leipzig, 1987, ISBN 3-343-00338-7, S. 31.Thomas Meyer: Lexikon zur Capellen der Gewebe. 3., erweiterte Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-87150-893-4, S. 129.

Nach gewebetechnischen Gesichtspunkten und der Oberflächenbeschaffenheit Gewebe können gemäß ihrer Oberflächenbeschaffenheit in Flachgewebe und Polgewebe unterteilt werden. Bei Flachgeweben bilden Kette und Schuss eine geschlossene Oberfläche, ohne dass Polnoppen herausragen. Bei Polgeweben ist die Oberfläche durch geschlossene und/oder offene Polnoppen eines Fadensystems gekennzeichnet.

Flachgewebe Sowohl die einkettigen als auch die mehrkettigen Flachgewebe können einschüssig oder mehrschüssig sein. Bei den mehrkettigen bzw. mehrschüssigen Geweben sind die Mustermöglichkeiten um ein Vielfaches höher als bei einkettigen-einschüssigen Geweben.Heinz Hollstein, Hanskarl Hahn, Rolf Meixner: Fertigungstechnik Weberei. Band 1: Grundlagen der Gewebebildung und Arbeitselement zur Gewebeherstellung. Fachbuchverlag Leipzig, 1987, ISBN 3-343-00338-7, S. 31ff.

Verstärkte Gewebe