Die vietnamesische Provinz Lào Cai liegt in Vùng Tây Bắc, der Nordwestregion Vietnams im nördlichen Landesteil Bắc Bộ. Der Name der Provinz (vietn.: Tỉnh) Lào Cai, , , bedeutet etwa „Gebiet der alten Straßen“. Hauptstadt und Namensgeber der Provinz ist die Provinzstadt (thành phố trực thuộc tỉnh) Lào Cai.

Landschaftlich und historisch geprägt wird Lào Cai durch die Hoàng-Liên-Sơn-Gebirgskette, den Oberlauf des Roten Flusses und die Grenzlage zu China. Die geografischen Gegebenheiten stellten jahrhundertelang eine Einfallsschneise für chinesische Feldzüge und Okkupationen dar, zuletzt im sog. „Bestrafungskrieg“ (auch: Erziehungsfeldzug) Chinas im Jahr 1979. Die Situation in Lao Cai war politisch und militärisch immer bedeutungsvoll für das Land Vietnam. Das wirtschaftliche Gewicht war außerhalb der Holzwirtschaft eher gering, da die Provinz, bedingt durch ihre Geografie, wenig geeignet war für den Reisanbau.

Mittlerweile hat auch hier der Handel mit China stark zugenommen, vor allem aber schreibt der Tourismus seit den 1980er Jahren eine Erfolgsgeschichte. Neben der grandiosen Landschaft ist die Provinz durch die kulturelle Vielfalt der in der Region lebenden ethnischen Minderheiten attraktiv, die ihr Brauchtum weitgehend isoliert von der vietnamesischen Staatskultur bewahren konnten, und deren Eigenheit mittlerweile auch staatlich gefördert wird.

Namensherkunft Der Begriff Lào Kay wurde von der französischen Kolonialverwaltung verwendet und von den Vietnamesen Lào Cai ausgesprochen. In der Schreibweise Lào Cai ist der Begriff seit November 1950 offizielle Bezeichnung der Stadt.

Eine der Theorien für den Ursprung dieses Namens ist Folgende: auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Cốc Lếu bestand ein alter Marktflecken, aus dem eine Handelsstadt entstand, die Lão Nhai genannt wurde (老街, heute Phố Cũ, Altstadt). "Lão" oder "Lạo" ist der Name einer ethnischen Gruppe, und Lão Nhai wird in der Bedeutung "Stadt der Lão/Lạo" gesehen. Lao Kaù hieß ein Kanonenboot, mit dem der Abenteurer und Händler Jean Dupuis im Januar 1873 auf dem Roten Fluss eine Marine-Expedition in die chinesische Provinz Yunnan unternahm. Laut dem Historiker Đào Duy Anh war dieser Name von Lão Nhai abgeleitet. Von Lao Kaù sollen die Franzosen dann wiederum auf ihren Dokumenten und Landkarten die Schreibweise Lào Kay abgeleitet haben.

Lage und Klima mini|300px|Grenzübergang nach China, Blick von Lào Cai nach Hékǒu Die Provinz liegt 300 km nordwestlich der Hauptstadt Ha Noi beidseits der Talebene, durch die der Rote Fluss (vietnamesisch Sông Hồng oder Hồng Hà) südöstlich fließt. Folgende vietnamesische Provinzen grenzen an Lào Cai: im Westen Lai Châu, im Süden Yên Bái und Sơn La sowie im Osten Hà Giang. Die chinesischen Bezirke Honghe, Pu’er und Xishuangbanna der Provinz Yunnan schließen sich im Norden an.

Die Provinzhauptstadt Lào Cai liegt direkt an der Grenze zu Honghe gegenüber der chinesischen Stadt Hékǒu Yáozú (, vietn. Hà Khẩu) an der Mündung des Nậm Thi bzw. Nam Ti () in den Roten Fluss. Den kaum schiffbaren Abschnitt des Roten Flusses von der Grenze bis Việt Trì nennen die Vietnamesen auch Sông Thao. Der zweitgrößte Fluss der Provinz Sông Chẩy fließt nordöstlich parallel zum Roten Fluss. 107 Flüsse und Bäche mit einer Länge ab zehn km durchfließen die Provinz, die eine Vielzahl kleiner und mittlerer Wasserkraftanlagen antreiben.

Das Klima ist vielfältig. In den niedrigen Gegenden herrscht tropisches Klima bei durchschnittlichen Temperaturen von 22 bis 24 °C. In den über 700 m hohen Gegenden ist das Klima halbtropisch und mild mit einer durchschnittlichen Temperatur von 18 bis 28 °C. Vor allem in Sa Pa kann die Temperatur unter den Gefrierpunkt fallen und es kann schneien. Dort mutet das Klima fast mitteleuropäisch an.

Die Region ist immer wieder von schweren Tropenstürmen (Taifunen), Überschwemmungen und Erdrutschen betroffen. So wurden im August 2008 durch den Taifun „Kammuri“ zahlreiche Dörfer von der Umgebung abgeschnitten, Gebäude zerstört und die Ernte vernichtet.CARE: Wiederaufbau der Landwirtschaft nach Tropensturm „Kammuri“ mini|Auf dem Gipfel des Fansipan mini|Das Hoàng Liên Sơn-Gebirge mini|Soldat der Schwarzflaggen 1885 mini|Logo der Provinz Lào Cai

Landschaften Die Topographie der Provinz wurde vor 50–60 Millionen Jahren geprägt.

Die Hoàng Liên Sơn-Gebirgskette, auch „Dach Indochinas“ oder vietnamesisches Yunnan-Gebirge genannt, verläuft in nordwestlicher Richtung. Hier ist seit 1986 ein Naturreservat eingerichtet (2003 vom „World Conservation Monitoring Centre“ des UNEP bestätigt: Hoàng Liên Sa Pa-Nationalpark) und seit 2002 der Nationalpark Hoàng Liên. In der Nähe des Phan-xi-păng (auch: Fan Si Pan), mit 3143 m der höchste Berg Vietnams, liegt in 1600 m Höhe der Ort Sa Pa. Dort errichteten die Franzosen 1880 eine Bergstation und 1913 ein Militär-Sanatorium. Die Ortschaft wurde bis 1922 ausgebaut und als Erholungsort genutzt.

Weiterhin landschaftlich reizvoll sind das Steinfeld im Muồng Hoa-Tal bei Sa Pa mit fast 200 Steinblöcken in unterschiedlichen Formen (für das UNESCO-Welterbe vorgeschlagenwhc.unesco.org: The Area of Old Carved Stone in Sapa), sowie der ebenfalls bei Sa Pa gelegene Thác Bạc-Wasserfall (Silber-Wasserfall). Weiterhin lohnen das Bergresort Hàm Rồng, der Trạm Tôn-Pass („Himmelstor“), die Mường Vi-Höhle und der Bach Cốc San mit seinem Wasserfall einen Besuch. In der Höhle beim Dorf Tả Phìn gibt es zahlreiche Steinblöcke in unterschiedlichsten Formen.

Die Landschaft wird neben den Gebirgen von großen Wäldern dominiert, die noch zu 82 % Naturwald sind. Die Angaben über die Gesamtwaldfläche schwanken zwischen 278.907 Hektar, also über 43 % der Provinz-Fläche, und 307.573 Hektar,: Natürliche Ressourcen der Provinz Lào Cai 48 % der Provinz-Fläche. Es gibt über 2000 registrierte Pflanzenarten, wovon 9 Arten, wie die Laubbaum-Art Altingia poilanei, ausschließlich im Gebiet um Sa Pa zu finden sind. Von den zurzeit 442 registrierten Arten der vielfältigen Tierwelt existieren 60 nur in der Provinz Lào Cai.

Geschichte Die Region Lào Cai wurde als Folge der Vertreibung des Volkes der Việt/Kinh aus den Steppen Innerasiens nach Süden, Teil der Vorläufer des heutigen Staates Vietnam. 1463 wurde Lào Cai Hauptstadt der nördlichsten Provinz Hưng Hóa des Kaiserreichs Đại Việt unter Kaiser Lê Thánh Tông.

1868 nahmen die Schwarzflaggen-Partisanen (Pavillons noirs), Reste der nach der Niederschlagung des Taiping-Aufstandes 1864 aus Süd-China vertriebenen Rebellenarmee, unter Lưu Vĩnh Phúc () Lào Cai nach fast einjähriger Belagerung ein. Sie terrorisierten die Bevölkerung, als allerdings die Franzosen entlang des Roten Flusses nach Norden vorstießen und ihre Stellungen bedrohten, liefen die „Schwarzflaggen“ zu den Vietnamesen über und gehörten, als „Hakki“ und „Whangki“ organisiert, mit der vietnamesischen Cần-Vương-Bewegung zu den entschiedensten Gegnern der Franzosen bei der Okkupation Vietnams.

Für die Kolonialmacht Frankreich war die Region des nördlichen Tonkin wegen der militärstrategisch wichtigen Lage, aber auch für den Handelsverkehr mit China interessant.Dieter Brötel: Französischer Imperialismus in Vietnam – die koloniale Expansion und die Errichtung des Protektorates Annam-Tongking 1880–1885. Atlantis-Verlag, Zürich 1971, Franz Steiner-Verlag 1998, ISBN 3-515-03812-4. Von 1873 bis 1886 kämpfte Frankreich mit China und den „Schwarzflaggen“ um die Region, seit 1881 in einem dauerhaften Konflikt. 1883 wurde Tonkin französisches Protektorat und 1887 Teil der Indochinesischen Union. Erst 1889 nahmen die Franzosen Lào Cai ein. Die „Schwarzflaggen“ agierten noch bis Ende des 19. Jahrhunderts als Räuberbanden in den Bergen. Am 12. Juli 1907 wurde die Provinz Lào Kay offiziell vom Generalgouverneur Indochinas gegründet. Die aktuelle Schreibweise des Namens wurde 1950 in der jungen Demokratischen Republik Vietnam offiziell.

Immer wieder litt die Provinz unter bewaffneten Grenzstreitigkeiten mit der Volksrepublik China. So übertraten nach dem Einmarsch vietnamesischer Truppen nach Kambodscha am 25. Dezember 1978 und dem Sturz des Regimes der Roten Khmer im Februar 1979 chinesische Truppen die Grenze. Nach dreiwöchigen Gefechten, in deren Verlauf die Stadt Lào Cai stark zerstört wurde, erklärten sich beide Parteien zum Sieger dieses von China „Erziehungskrieg“ genannten Chinesisch-Vietnamesischen Krieges. Der Grenzübergang und der Hafen auf der Seite von Hékǒu blieben bis 1993 geschlossen.

Demographie und administrative Gliederung Gemäß der Bevölkerungsstatistik von 2009 hatte Lào Cai 614.595 Einwohner, davon lebten 129.123 (21 %) in Städten. 241.274 (39,3 %) waren jünger als 18 Jahre, 35.636 (5,8 %) 60 Jahre und älter.

212.528 Einwohner (34,6 %) waren ethnische Vietnamesen (auch Việt oder Kinh genannt). Daneben sind in Vietnam 53 ethnische Minderheitengruppen staatlich anerkannt, von denen mehr als 20 in Lào Cai vertreten sind, hauptsächlich Hmong (23,8 %), Tày (15,3 %), Yao/Dao (14,4 %), Giáy (4,7 %) und Nung (4,2 %).Martin H. Petrich: Vietnam. Dumont Reiseverlag 2009, ISBN 978-3-7701-7659-5. Daneben gibt es beispielsweise kleinere Gruppen der Phù Lá und Thái. Das Dorf Lao Chải ist die Heimat der Hà Nhì Den, der „Schwarzen Hani“, der kleinsten Volksgruppe in Vietnam. Die Vietnamesen lebten zum größeren Teil in Städten (wo sie auch die klare Mehrheit der Bevölkerung stellten), alle anderen Volksgruppen überwiegend auf dem Land.Kết quả toàn bộ Tổng điều tra Dân số và Nhà ở Việt Nam năm 2009 Phần I: Biểu Tổng hợp. Hanoi, Juni 2010.

Die Frage, ob die Provinz der Nordwestregion Vùng Tây Bắc angehört, wird nicht ganz eindeutig gehandhabt. Gelegentlich wird sie auch der Nordostregion Vùng Đông Bắc zugeordnet oder der Rote Fluss, der mitten durch die Provinz fließt, wird als Grenze zwischen den Regionen angesehen.Grafik der vietnamesischen Regionen im vietnamesischen Wikipedia Der ISO-3166-2-Code für Lào Cai ist VN-02. Die Telefon-Vorwahl ist +84 (0) 20, die Postleitzahl 19 und das Kfz-Kennzeichen 24.

Die Provinz ist in die Hauptstadt (Thành phố) Lào Cai und folgende acht Landkreise bzw. Bezirke gegliedert: Bắc Hà, Bảo Thắng, Bảo Yên, Bát Xát, Mường Khương, Sa Pa, Si Ma Cai und Văn Bàn. Die Bezirke sind in 144 Gemeinden aufgeteilt. In der Provinz gibt es mit der Hauptstadt 11 Städte.