mini|hochkant=1.5|Das Empfangsgebäude mini|hochkant=1.5|Ein Zug an einem der Regionalbahnsteige Der Jaroslawler Bahnhof (, wiss. Transliteration ) ist ein bedeutender Kopfbahnhof in der russischen Hauptstadt Moskau. Er wurde im Jahre 1862 erbaut und ist damit einer der ältesten Eisenbahnknotenpunkte der Stadt. Er ist Ausgangspunkt der Transsibirischen Eisenbahn, der längsten Eisenbahnstrecke der Welt. Von hier aus starten Züge nach Nordrussland, in den Ural, nach Sibirien und Russisch-Fernost sowie in die Mongolei und die Volksrepublik China.
Neben seiner Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt stellt der Jaroslawler Bahnhof mit seinem Empfangsgebäude, das Anfang des 20. Jahrhunderts vom berühmten Jugendstil-Architekten Fjodor Schechtel umgebaut wurde, ein wichtiges Denkmal der russischen Baukunst jener Zeit dar.
Lage Der Jaroslawler Bahnhof liegt etwas außerhalb der historischen Moskauer Innenstadt am heutigen Komsomolskaja-Platz. In seiner unmittelbaren Nähe befinden sich zwei weitere Fernbahnhöfe: links angrenzend der Leningrader Bahnhof und schräg gegenüber, auf der südlichen Seite des Platzes, der Kasaner Bahnhof. Aus diesem Grund wird der Komsomolskaja-Platz inoffiziell oft als Platz der drei Bahnhöfe bezeichnet. Zusätzlich grenzt der Regionalbahnhof Kalantschowskaja an den Platz an, von dem aus Zugverbindungen zu drei weiteren Fernbahnhöfen der Stadt bestehen.
Neben Eisenbahnverbindungen hat der Jaroslawler Bahnhof, genauso wie die beiden benachbarten Bahnhöfe, Anschluss an das Moskauer Metronetz: Direkt unter dem Komsomolskaja-Platz befinden sich die beiden Stationen Komsomolskaja der Sokolnitscheskaja- und der Kolzewaja-Linie. Außerdem wird der Platz von mehreren Straßenbahn- und Trolleybus-Linien angefahren.
Geschichte Moskau-Jaroslawl-Archangelsker Eisenbahn Die frühe Geschichte des Jaroslawler Bahnhofs ist vor allem mit dem Bau einer Reihe von Bahnstrecken im Norden des europäischen Teils Russlands verbunden. Diese Strecken, welche Städte wie Jaroslawl, Kostroma, Archangelsk oder Wologda mit Moskau und miteinander verbinden, entstanden allesamt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, während eines Eisenbahn-Baubooms im Russischen Zarenreich. Zu dieser Zeit wurden sie von einer extra für diesen Zweck gegründeten Aktiengesellschaft, der Gesellschaft der Moskau-Jaroslawl-Archangelsker Eisenbahn (), betrieben, die sich durch private Anleger finanzierte. Dies unterschied die Moskau-Jaroslawl-Archangelsker Eisenbahn von der einige Jahre zuvor erbauten Nikolaibahn, die aufgrund ihrer hohen strategischen Bedeutung von vorneherein im Staatsbesitz war.
mini|links|Baron Andrei Dellwig. Ein Porträt von Ilja Repin, 1882 Die älteste Teilstrecke der Moskau-Jaroslawl-Archangelsker Eisenbahn entstand bereits wenige Jahre nach der am 29. Mai 1859 erfolgten Gesellschaftsgründung. Dabei handelt es sich um die rund 70 Kilometer lange Bahnlinie zwischen Moskau und der Stadt Sergijew Possad, in der sich das berühmte Dreifaltigkeitskloster befand. Da letzteres in der Russisch-Orthodoxen Kirche als Heiligtum verehrt wird und daher regelmäßig Pilgerströme angezogen hatte, erkannten in den 1850er-Jahren einige Unternehmer den Nutzen einer Bahnanbindung dieses Ortes an die alte Zarenhauptstadt. Von einer Fortführung der Strecke über Sergijew Possad hinaus war dabei zunächst nicht die Rede. Als Hauptinitiator des Streckenbaus trat der Militäringenieur Baron Andrei Iwanowitsch Delwig (1813–1887) auf, später Chefinspekteur der Russischen Eisenbahnen und Gründer einer der ersten Eisenbahnfachschule Russlands. Ihm und den Mitinitiatoren gelang es, eine Reihe von Kaufleuten von der zu erwartenden hohen Rentabilität der künftigen Bahnstrecke zu überzeugen, wodurch das notwendige Startkapital für die Aktiengesellschaft ohne größere Verzögerungen gesammelt werden konnte.
Noch einige Monate vor der Gründung der Gesellschaft, welche zunächst noch den verkürzten Namen Gesellschaft der Moskau-Jaroslawler Eisenbahn trug, ersuchten die Initiatoren beim Zaren Alexander II. um eine Genehmigung für die Planung und den Bau der Bahnlinie. Diese kam im Juli 1858 mit einer Auflage, den Streckenbau bis spätestens Mitte 1862 abzuschließen sowie gleichzeitig mit den Planungsarbeiten für eine mögliche Streckenfortführung bis nach Jaroslawl zu beginnen. Da die technischen und rechtlichen Voraussetzungen für die Streckenverlegung bis Sergijew Possad gut gewesen waren, gelang es, sie ohne große Verzögerungen unter Einhaltung der Frist zu errichten. Am 22. Juli 1862, nach etwas mehr als zwei Jahren Bauzeit, konnte der erste Probezug den neu errichteten Kopfbahnhof in Moskau verlassen. Am 18. August desselben Jahres wurde die Bahnlinie feierlich dem regulären Personenverkehr, anfangs mit zwei Zugpaaren pro Tag, übergeben. Einige Monate später wurde auch der Güterverkehr zwischen Moskau und Sergijew Possad aufgenommen. Bereits 1864 wurde die Strecke auf ihrer ganzen Länge zweigleisig ausgebaut.
Ursprünglich war die Strecke als Dreifaltigkeitsbahn bekannt, da sie vor allem die Eisenbahnanbindung des Dreifaltigkeitsklosters zum Ziel hatte. Dieses sollte sich jedoch bereits acht Jahre nach der Eröffnung ändern. Mit insgesamt über 450.000 beförderten Fahrgästen in den ersten drei Jahren ihres BetriebsDer Zug Rossija, abgerufen am 31. März 2008 (russisch). erwies sich die Bahnstrecke als sehr erfolgreich, was dem Vorstand der Moskau-Jaroslawler Bahngesellschaft keine Zweifel an der Rentabilität einer Verlängerung Richtung Nordosten ließ. So wurde die 210 Kilometer lange, bereits beim Bau der Dreifaltigkeitsbahn geplante Fortsetzung der Strecke bis in die Wolgametropole Jaroslawl im Februar 1870, nach anderthalbjähriger Bauzeit, in Betrieb genommen. 1872 wurde eine Schmalspurstrecke von Jaroslawl nach Wologda errichtet (erst 1915 wurde sie auf Breitspur umgebaut), 1887 entstand die Bahnstrecke von Jaroslawl nach Kostroma und 1898 schließlich die Schmalspurbahn von Wologda bis in die alte Nordmeerhafenstadt Archangelsk.
Die Länge der Moskau-Jaroslawl-Archangelsker Eisenbahn betrug zur Jahrhundertwende bereits über 1100 Kilometer, die bis dahin errichteten über 60 Abzweige für den Personen, Güter- oder Industrieverkehr sowie einige kleinere lokale Bahnstrecken nicht mit eingeschlossen. 1900 wurde die Gesellschaft der Moskau-Jaroslawl-Archangelsker Eisenbahn vom russischen Staat aufgekauft und wenig später in die Abteilung Nordeisenbahn () der Russischen Eisenbahnen umbenannt – eine Bezeichnung, welche diese Abteilung bis heute trägt. Mit der Errichtung der gut 700 Kilometer langen Bahnstrecke von Wologda nach Wjatka im Jahre 1905 wurde die Nordeisenbahn direkt an die gleichzeitig verlegte Transsibirische Bahn angeknüpft, womit die Teilstrecken Moskau–Jaroslawl, Jaroslawl–Danilow, Danilow–Bui und Bui–Wjatka Bestandteil dieser längsten Verkehrsader Russlands geworden sind.
Planung und Bau des Bahnhofes Da die von der Gesellschaft der Moskau-Jaroslawl-Archangelsker Eisenbahn gebaute Strecke ursprünglich nur bis Sergijew Possad gehen sollte, sahen die ersten Planungen für ihren Moskauer Kopfbahnhof keine größere Anlage vor. Für den Standort des zukünftigen Knotenpunkts standen mehrere Standorte innerhalb der damaligen Stadtgrenzen zur Wahl. Die Entscheidung für den Bahnhofsbau direkt neben dem bereits bestehenden Nikolaibahnhof fiel im Oktober 1860. Gleichzeitig wurde beschlossen, auch den geplanten Kopfbahnhof der Eisenbahnlinie von Moskau über Rjasan nach Saratow, den heutigen Kasaner Bahnhof, an der Südseite des gleichen Platzes errichten zu lassen. Streng genommen stellte der heutige Platz der drei Bahnhöfe zu jener Zeit keinen innerstädtischen Platz dar, sondern eine große unbefestigte Brache nahe dem östlichen Moskauer Stadtrand. Links des Nikolaibahnhofs befanden sich einige Wohn- und Lagergebäude der Nikolaibahn sowie weiter links davon der 23 Hektar große Rote Teich (), der im Laufe der Ausbauarbeiten für den Bahnhofsplatz zugeschüttet wurde und heute vollständig überbaut ist.
mini|Das alte Bahnhofsgebäude vor dem Umbau 1902 Nach Vorbereitung des Baugrundstücks begannen 1861 die Arbeiten zur Errichtung der Bahnhofsanlagen. Diese sowie sämtliche Bahnhofsbauten konnten exakt zur Aufnahme des regulären Zugverkehrs, am 18. August 1862, feierlich eingeweiht werden. Die Bahnsteige und Gleise des neuen Bahnhofs erhielten eine ähnliche Anordnung wie beim Nikolaibahnhof: Im Hinterhof des Empfangsgebäudes, das einen annähernd Π-förmigen Grundriss hatte, entlang seiner beiden Seitenanbauten, wurden zwei Bahnsteige errichtet, von denen der rechte für die Abfahrt und der linke für die Ankunft der Züge genutzt wurde. Insgesamt umfasste der Bahnhof in seiner ursprünglichen Ausführung sechs Gleise, von denen zwei für den Personenverkehr genutzt wurden. Neben den Gleisen wurden ein Empfangsgebäude für den Personenverkehr, eine Werkstatt, ein Dampflokomotivendepot und eine Wagenhalle errichtet.
Mit der Konzeption des Empfangsgebäudes wurde der Architekt Michail Lewestam beauftragt, dessen ursprünglicher Entwurf etwas später jedoch nachträglich vom St. Petersburger Kunstakademie-Professor Roman Kusmin modifiziert wurde. Das zweistöckige, bis zu 12 Meter hohe Backsteingebäude glich vom Stil her einem schlichten klassizistischen Zweckbau: Es hatte zwei Etagen und eine von außen streng symmetrisch wirkende Form mit einem Flaggenstock im Mittelteil des Daches. Dies ließ den Bahnhof wie ein für jene Zeit gewöhnliches russisches Verwaltungsgebäude aussehen. Das Haus bestand aus drei Teilen: dem repräsentativen zentralen Teil sowie zwei seitlichen, nach hinten gestreckten Anbauten. Im Erdgeschoss des rechten Anbaus, der sich entlang dem Abfahrtsbahnsteig erstreckte, befanden sich Wartesäle der ersten, zweiten und dritten Klasse, während im linken Teil ein Raum für die Verladung und Aufbewahrung des Gepäcks sowie der Verwaltungssitz der Bahngesellschaft eingerichtet wurden. Der mittlere Gebäudeteil, welcher mit der Vorderfassade dem heutigen Komsomolskaja-Platz zugewandt war, beherbergte in seinem Erdgeschoss Schalterhallen, eine Telegrafenstelle sowie eine Eingangshalle, über die der Passagier vom Platz aus direkt zu den Bahnsteigen gelangen konnte. Im Obergeschoss des gesamten Empfangsgebäudes wurden Diensträume sowie Personalwohnungen untergebracht.
Am 1. Januar 1907 wurde der Jaroslawler Bahnhof in Nordbahnhof () umbenannt, nachdem die vom Staat aufgekaufte Moskau-Jaroslawl-Archangelsker Bahngesellschaft zur Abteilung Nordeisenbahn der sich bis heute im Staatseigentum befindlichen Russischen Eisenbahnen wurde. Erst 1936, nach einer erneuten Umstrukturierung des nationalen Schienennetzes, erhielt der Bahnhof seinen ursprünglichen und bis heute gültigen Namen zurück.
Erweiterungen und Umbauten Der erste nennenswerte Ausbau des Jaroslawler Bahnhofs erfolgte 1868 im Zuge der Verlängerung der Bahnstrecke nach Jaroslawl. Er hatte vor allem die Kapazitätssteigerung für den zu erwartenden Anstieg der Fahrgastströme zum Ziel. Dabei blieb der Mittelteil des Empfangsgebäudes unverändert, vielmehr wurden die beiden Seitenanbauten erweitert, wobei der linke Anbau eine zusätzliche Etage erhielt.