Twin Peaks – Der Film (seit der Neuauflage 2005 auch: Twin Peaks – Die letzten 7 Tage im Leben der Laura Palmer, Originaltitel: Twin Peaks: Fire Walk with Me) ist ein US-amerikanischer surrealistischer Horror-Thriller aus dem Jahre 1992. David Lynch führte Regie und verfasste das Drehbuch zusammen mit Robert Engels. Der Film bildet ein Prequel zu der Fernsehserie Twin Peaks (1990–1991) und schildert die letzte Woche im Leben der siebzehnjährigen Laura Palmer. Dabei wird, ähnlich wie zuvor bereits in Blue Velvet, ein Labyrinth aus Sex, Gewalt und Drogen aufgedeckt, das sich hinter der Fassade einer idyllischen Kleinstadt verbirgt.Lexikon des internationalen Films Q-Z. Zweitausendeins, 2002, ISBN 3-86150-455-3, S. 3267. Der Film wurde größtenteils negativ aufgenommen und war ein finanzieller Misserfolg. Trotzdem konnte er einige Kritiker in Europa begeistern, insbesondere wurde dem Soundtrack viel Beachtung geschenkt.

Handlung In der amerikanischen Kleinstadt Deer Meadow wird die Leiche der Prostituierten Teresa Banks gefunden. Die FBI-Agenten Chester Desmond und Sam Stanley werden mit dem Mordfall beauftragt. Sie geraten in Konflikt mit den örtlichen Behörden, die ihnen die Leiche nicht für die Autopsie freigeben wollen. Zudem verhalten sich die Bewohner der ansonsten idyllisch wirkenden Kleinstadt auffallend merkwürdig und scheinen etwas zu verbergen. Als Special Agent Chester Desmond bei der Untersuchung von Teresa Banks’ Wohnwagen spurlos verschwindet, beauftragt Agent Gordon Cole den Kollegen Special Agent Dale Cooper, den Fall zu übernehmen, doch auch er ist nicht in der Lage, den Mord aufzuklären.

Ein Jahr später in der Kleinstadt Twin Peaks: Niemand bekommt etwas von den Problemen der siebzehnjährigen Laura Palmer mit. Ihr Vater Leland Palmer scheint von einer bösen Macht besessen zu sein, die ihn zu „Bob“ werden lässt. Als „Bob“ vergewaltigt er seine Tochter regelmäßig nachts in ihrem Zimmer. Durch exzessiven Drogenkonsum versucht Laura aus ihrem Dasein zu fliehen, wird dadurch aber von Albträumen gequält und gerät in einen Strudel aus Drogen, Sex und Prostitution. Sie fällt immer tiefer in eine psychische Labilität, durch die sie den Sinn für die Realität verliert und sich zunehmend abschottet. Auch ihre Freunde können ihr nicht helfen.

In den letzten sieben Tagen ihres Lebens geht Laura sprichwörtlich durch die Hölle. Nach einer Drogen- und Sexorgie in einer Waldhütte spürt sie ihr Vater, immer noch besessen von dem bösen Geist „Bob“, auf und schleppt sie in einen alten, abgestellten Eisenbahnwaggon, wo er sie dem Willen Bobs gemäß tötet. Anschließend packt er die Leiche seiner Tochter in einen Plastiksack und entledigt sich ihrer im Fluss. An dieser Stelle der Handlung setzt der Pilotfilm der Fernsehserie Twin Peaks ein: Laura Palmers Leiche wird am Ufer entdeckt.

Der Film endet damit, dass der Dämon nach dem Mord Leland Palmers Körper und die reale Welt verlässt. Er kehrt in die raum- und zeitunabhängige „Black Lodge“, auch das „rote Zimmer“ oder „die schwarze Hütte“ genannt, zurück, einem Ort, wo das Böse haust. In der Schlussszene sieht der Zuschauer die unversehrte, glückliche, erwachsene Laura Palmer im Wartesaal der „Black Lodge“ neben Agent Dale Cooper sitzen, der ihr freundlich beisteht, während ein gleißender Engel herbeischwebt, um Laura in die Ruhe verheißende „weiße Hütte“ zu führen.

Entstehung Die amerikanische Fachpresse berichtete 1991 kurz vor der Ausstrahlung der letzten Folge von Twin Peaks, dass der Koproduzent Aaron Spelling zusammen mit David Lynch einen Kinofilm plane. Die Idee kam ihnen, als ABC ankündigte, die Serie nach Folge 30 abzusetzen.Fischer: David Lynch – Die dunkle Seite der Seele. S. 232 Lynch hatte zwischenzeitlich mit der Filmproduktionsgesellschaft Ciby2000 einen Vertrag über drei Filme mit einem Gesamtbudget von 58 Millionen US-Dollar unterschrieben. Die erste gemeinsame Arbeit sollte der Film Ronnie Rocket werden, der nie vollendet wurde, sodass Twin Peaks: Der Film den Vorzug bekam. mini|Kyle MacLachlan zögerte wegen seiner Rolle, Lara Flynn Boyle hatte andere Projekte (Emmy Awards – Governor’s Ball, 1990).

Lynch und sein Koautor Robert Engels, der schon einige Folgen von Twin Peaks geschrieben hatte, entschieden sich dafür, ein Prequel zur Serie zu verfassen. Der Kinofilm sollte sich mit den letzten Tagen im Leben der siebzehnjährigen Laura Palmer befassen.Fischer: David Lynch – Die dunkle Seite der Seele. S. 234 Damit stellte der Regisseur den in der Serie eingeschlagenen Weg auf den Kopf, denn „Laura Palmer war schon immer tot. Es war der Gag von Twin Peaks, […] dass die Hauptperson nicht auftrat.“ Es sei ein Wagnis gewesen, das verschleierte Bild der Stadt Twin Peaks zu enthüllen, meinte Patrick Bahners in der FAZ. Für ihn war dies ein Fehlgriff, das Antlitz der Göttin verliere an Macht. mini|North Bend (Washington) diente als Kulisse für die fiktive Stadt Twin Peaks. Zwischenzeitlich herrschte Streit zwischen Ciby2000 und Koproduzent Spelling um die Vertriebsrechte des zukünftigen Films, was dessen Realisierung blockierte. Außerdem hatte sich Lynch während der zweiten Staffel von Twin Peaks mit Koproduzent und -autor Mark Frost überworfen, der nun seinen eigenen Film Storyville drehte.

Des Weiteren konnten wichtige Schauspieler aus der Serie entweder aus Zeitgründen oder aus mangelnder Motivation nicht verpflichten werden. Für den Wiedererkennungsfaktor wollte Lynch aber auf dasselbe Casting wie in der Fernsehserie setzen. Lara Flynn Boyle (Donna Hayward), Richard Beymer (Benjamin Horne) und Sherilyn Fenn (Audrey Horne) standen nicht zur Verfügung. Letztere war enttäuscht von der zweiten Staffel und wollte daher nicht wieder dabei sein.

Fenn und Beymer wurden aus dem Drehbuch gestrichen, Boyle durch Moira Kelly ersetzt. Das größte Problem stellte Kyle MacLachlan (Special Agent Dale Cooper) dar, der kein Interesse an seiner Rolle mehr zeigte, da ihn das Drehbuch nicht überzeugte. So wurde die Figur durch die von Agent Chester Desmond ersetzt, gespielt von Chris Isaak. Als MacLachlan nach einer neuen Drehbuchfassung überraschend doch noch zusagte, behielt man den neuen Agenten bei und baute Agent Dale Cooper wieder mit ein.

Nachdem der Konflikt zwischen Ciby2000 und Spelling beigelegt wurde (man einigte sich darauf, dass Ciby2000 ausschließlich den Vertrieb in Frankreich übernimmt), stand einem Drehbeginn nichts mehr im Weg. Lynch setzte auf zahlreiche Crewmitglieder der Serie: Produktions- und Kostümdesignerin Patricia Norris, Kameramann Ron Garcia, Komponist Angelo Badalamenti. Die Filmeditorin Mary Sweeney war seine spätere Frau. Die Dreharbeiten mit einem Budget von rund 10 Millionen US-Dollar begannen am 5. September 1991 in der Nähe von Seattle im Bundesstaat Washington. Nach vier Wochen wurde der Drehort gewechselt: man zog nach Los Angeles (Kalifornien, USA). Am 1. November 1991 fiel schließlich die letzte Klappe.

Veröffentlichung mini|In Japan, wo der Film größere Resonanz erfuhr, erschien er noch im selben Jahr auf Laserdisc. Der Film feierte Premiere am 16. Mai 1992 auf den 45. Internationalen Filmfestspielen von Cannes, bevor er am 3. Juni in den französischen, am 20. August 1992 in den deutschen und am 28. August 1992 in den US-amerikanischen Kinos anlief.

1992 wurde der Film erstmals auf Laserdisc veröffentlicht, 1993 auf VHS, 2002 auf DVD und 2014 auf Blu-ray im Rahmen der Box The Entire Mystery.

Kritiken Nach der Uraufführung auf den Filmfestspielen von Cannes wurde der Film vom Publikum ausgebuht und stieß bei den anwesenden Kritikern auf eine Mauer der Ablehnung: Für die Kenner der Fernsehserie hob sich der Film zu sehr von deren Inhalt und Form ab, für die Unvorbelasteten war er eine einzige Überforderung. Zwei Jahre zuvor hatte Lynch mit seinem Roadmovie Wild at Heart noch die Goldene Palme gewinnen können.

Als der Film dann in den US-amerikanischen Kinos anlief, zeigten sich auch die amerikanischen Filmkritiker wenig begeistert (28 % der gesammelten Kritiken bei Metacritic sind positiv).

Susan Wloszczyna bezeichnete den Film in der USA Today als „tödlich langweilige Angelegenheit“ und gab dem Film eineinhalb Sterne von vier möglichen.Wloszczyna, Susan: Dark and depressing doings in Twin Peaks. In: USA Today vom 31. August 1992 Die Figur Laura Palmer sei nicht sehr interessant und fesselnd, sondern nur langweilig, meinte auch Todd McCarthy von dem Magazin Variety. In der New York Times schrieb Vincent Canby sarkastisch: „Es ist nicht der schlechteste Film aller Zeiten, es sieht nur so aus. Die 134 Filmminuten leiten einen künstlichen Hirntod ein, ein Effekt, der auch ganz einfach erzielt werden kann, wenn man leuchtende Lichter auf einem Weihnachtsbaum anstarrt.“ Und Michael Wilmington meinte in der Los Angeles Times, es sei David Lynchs rohster, vulgärster und am wenigsten umsichtiger Film.

In Deutschland fielen die Kritiken gemischt aus. Frauke Hanck von der Welt schrieb, der Film sei nicht David Lynchs stärkster, aber sein am weitesten unterschätzter. Der Regisseur schrecke den Zuschauer aus Verlogenheiten und Veränderungsmechanismen respektlos und mit seltsamem, aberwitzigem Humor auf. In dem Kinofilm gelinge ihm das sogar pointierter als in 30 Fernsehfolgen. (In der Kategorie Interviews & Reviews)

Lynch inszeniere die letzten Tage der Laura Palmer als eine fiebrige, wunderbar sentimentale Tour de force, meinte Hans Schifferle in der Süddeutschen Zeitung. Es gebe Momente, wo Lynch und seine Crew durch Musik und Kamerastrategie direkt die Nervenbahnen des Zuschauers träfen und dann dessen Herz. Des Weiteren war er der Überzeugung, dass Lynch in einigen Szenen eine hypnotische Schönheit, eine Poesie der Schmerzlichkeit erreiche, die einen zu einem besseren Menschen mache.Fischer: David Lynch – Die dunkle Seite der Seele. S. 247 Am Schluss seiner Rezension meint Schifferle, dass man den Film auch aus dem Kontext der Serie herausnehmen könne, denn wenn das junge Mädchen die Hoffnung der Kleinstadt verkörpere und die Kleinstadt das Herz Amerikas, dann sei Lynchs Laura-Palmer-Blues auch als Fall Amerikas mit dem Hoffnungsschimmer der Wiedergeburt zu verstehen. (In der Kategorie Interviews & Reviews)

Hans Messias von filmdienst schrieb, Lynch bemühe sich, mit seiner Vorgeschichte einige logische Zusammenhänge und psychologische Erklärungsversuche zu liefern. Das weitgehend abstrakte Böse, das das Städtchen Twin Peaks heimsuchte, erhält hier nicht nur Gesicht und Namen, sondern einen Kontext aus physischer und psychischer Gewalt, der im Tabu-Thema Inzest gipfelt. Er habe einen Film über psychischen Umweltschmutz geschaffen, werfe einen Blick hinter die Fassaden, der ein erschreckendes Ausmaß an Gewalt und Elend zeige.

In der Cinema urteilte Heiko Rosner weit negativer, der Film erschöpfe sich in manieristischen Neuauflagen der eigenen Stilbrüche, die nun nicht mehr originell, sondern gekünstelt wirkten. Eine positive Identifikation mit der Hauptfigur sei kaum möglich.

Auch Andreas Kilb von der Zeit zeigte sich deutlich ablehnend. Twin Peaks – Der Film sei weder ein Meisterwerk noch überhaupt ein Film, sondern das traurige Resultat eines typischen Verhandlungsgesprächs zwischen unerfahrenen (europäischen) Produzenten und einem genusssüchtigen (amerikanischen) Regisseur. Abschließend urteilte er: „Diese Blume des Bösen [der Film] ist am Busen des Blöden genährt“.