Der ( Rhein-Marne-Kanal) ist ein Schifffahrtskanal im Nordosten Frankreichs in der Region Grand Est.
Verlauf mini|Geöffnete Eisenbahn-Drehbrücke und Schleusen am Kanalende im Hafen von Straßburg mini|Kanalbrücke über den Ornain in Fains-Véel bei Bar-le-Duc mini|1969 eröffnete Kanalbrücke über die Maas bei Troussey und Relikt der alten Kanalbrücke Der Kanal verbindet den Canal latéral à la Marne (: Marne-Seitenkanal) und den Canal entre Champagne et Bourgogne (deutsch: Kanal zwischen Champagne und Burgund) mit der Mosel und dem Rhein.
Ausgangspunkt des Kanals ist die Stadt Vitry-le-François an der Marne. Der Kanal verläuft durch die Täler der Marne-Zuflüsse Saulx und Ornain bis nach Demange-aux-Eaux und quert bei Mauvages die Wasserscheide zwischen Marne und Maas. Nach der Wasserscheide folgt der Kanal dem Tal der Méholle und verläuft dann flussaufwärts im Maastal. Ab Pagny-sur-Meuse nutzt der Kanal das Tal eines früheren Oberlaufs der Maas, der durch eine Flussanzapfung im mittleren bis späten Pleistozän zum Oberlauf der Mosel wurde.Adrian Harvey: The Geomorphology of French Landscapes. Springer Nature Switzerland, Cham 2025, ISBN 978-3-031-68489-0, S. 111 f. Bei Foug quert der Kanal die Wasserscheide zwischen Maas und Mosel und steigt dann längs des Bachs Ingressin in das Moseltal hinab. Ab Toul verläuft der Kanal flussabwärts neben der Mosel und schwenkt dann bei Frouard in das Meurthetal ein. Im Meurthetal durchquert der Kanal die Stadt Nancy und biegt bei Dombasle-sur-Meurthe in das Sânontal ab. Bei Réchicourt-le-Château wird die Wasserscheide zwischen Mosel und Saar erreicht. Das Einzugsgebiet der Saar querend, wird bei Niderviller/Arzviller die Wasserscheide zum Rhein überschritten. Ab Arzviller folgt der Kanal der Zorn in ihrem Lauf durch die Vogesen und dem vorgelagerten Hügelland. Bei Brumath verlässt der Kanal das Zorntal und erreicht, Gewässer wie die Ill oder das Neubaechel kreuzend, Straßburg.
Von dem anfänglich 313 Kilometer langen Kanal wurde das Teilstück zwischen Toul und Frouard 1979 stillgelegt und durch die zur Großschifffahrtsstraße ausgebaute Mosel ersetzt. Heute noch in Betrieb sind der Westabschnitt zwischen Vitry-le-François und Toul und der Ostabschnitt zwischen Frouard und Straßburg, beide sind zusammen 293 Kilometer lang.Die Angaben zur Kanallänge beruhen auf den Informationen über den , abgerufen am 1. Dezember 2011, gerundet auf volle Kilometer.
Anschluss an andere Wasserstraßen in Vitry-le-François an den Canal latéral à la Marne und den Canal entre Champagne et Bourgogne, bei Demange-aux-Eaux zweigt ein Stichkanal nach Houdelaincourt ab, Länge 3,25 km, bei Troussey zweigt der Canal de la Meuse (früher: Canal de l’Est, branche Nord) ab, in Toul an die kanalisierte Mosel, bei Frouard ebenfalls an die kanalisierte Mosel, östlich von Nancy führt der Canal de jonction de Nancy zum Canal des Vosges (deutsch: Vogesen-Kanal, früher: Canal de l’Est, branche Sud), in der Nähe von Gondrexange zweigt der (deutsch: Saarkanal) ab, in Straßburg an den Rhein und die Ill. Von der Ill und dem Straßburger Hafen kann der Nordabschnitt des Canal du Rhône au Rhin (deutsch: Rhein-Rhone-Kanal) erreicht werden.
Koordinaten Ausgangspunkt des Kanals: Endpunkt des Kanals:
Durchquerte Départements Marne Meuse Meurthe-et-Moselle Moselle Bas-Rhin
Größere Orte am Kanal Vitry-le-François Bar-le-Duc Ligny-en-Barrois Toul Frouard Nancy Einville-au-Jard Saverne Hochfelden Straßburg
Technische Infrastruktur mini|Westlicher Tunnelmund bei Arzviller, rechts das Gleis der Treidelbahn, links der Tunnel der Bahnstrecke Paris–Strasbourg (1997) mini|Unterirdischer Kanal von Arzviller (dt. Arzweiler) und Hommarting, Schnitte (1871) Schleusen und Tunnel Der Kanal ist vom Typus her ein doppelter Wasserscheidenkanal. Die Schleusen sind für Schiffe der Normgröße Freycinet ausgebaut. Er besteht in der Gegenwart aus folgenden Teilabschnitten: dem Westabschnitt von Vitry-le-François bis Toul mit 97 Schleusen, bestehend aus: der Marne-Treppe von Vitry-le-François ()Wasserspiegelhöhen nach dem Digitalen Höhenmodell beim bis Demange-aux-Eaux mit 70 SchleusenAnzahl der Schleusen und Entfernungen siehe Canal de la Marne au Rhin bei French Waterways (abgerufen am 12. März 2025). und einem Höhenunterschied von 180 Metern. der 9,2 Kilometer langen Scheitelhaltung von Mauvages () mit dem 4.880 Meter langen Mauvages-Tunnel. Ab 1887 wurden die Schiffe von zwei dampfbetriebenen Kettenschleppschiffen,Oskar Teubert: Die Binnenschiffahrt – Ein Handbuch für alle Beteiligten. Band 2, Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig 1918, 4. Teil, Abschnitt III., Schiffszug. 4. Das Schleppen an der Kette oder am Seil, S. 268–287. seit 1912 von einem elektrischen Kettenschlepper durch den Tunnel gezogen. bei nordest.vnf.fr, abgerufen am 7. März 2019 Im Jahr 2011 wurde der Schlepper stillgelegt, seitdem fahren Boote nach Voranmeldung im Konvoi mit eigener Motorkraft durch den Tunnel. Ein Bediensteter der VNF fährt dabei mit dem Fahrrad auf dem Treidelpfad nebenher. der Moseltreppe von der Scheitelhaltung bis Toul mit folgenden Teilabschnitten: obere Schleusentreppe im Tal der Méholle zwischen Mauvages und Vacon mit 12 Schleusen und einem Höhenunterschied von 35 Metern. Maashaltung () mit einer Länge von 19,4 Kilometern mit der Kanalbrücke über die Maas bei Troussey. Am östlichen Ende liegt der Tunnel von Foug mit einer Länge von 866 Metern. untere Schleusentreppe zwischen Foug und Toul () mit 15 Schleusen und einem Höhenunterschied von 43 Metern. Ostabschnitt von Frouard bis Straßburg mit 58 Schleusen; bestehend aus: der Meurthe-Treppe von Frouard (Kanal ) bis Réchicourt-le-Château mit 21 Schleusen, darunter die Schachtschleuse Réchicourt-le-Château, und einem Höhenunterschied von 69 Metern. Zwei weitere Schleusen liegen in der Verbindung Mosel–Hafen Frouard–Canal de la Marne au Rhin. der 32,6 Kilometer langen Vogesen-Scheitelhaltung () mit zwei Tunnel von 480 und 2.310 Metern Länge bei Niderviller und Arzviller. Diese können die Schiffe heute mit eigener Kraft durchfahren (Einbahnregelung). Von 1930 bis 1977 waren zum Treideln dort zunächst elektrische Zugmaschinen und später eine Treidelbahn mit Elektrolokomotiven im Einsatz. der Rheintreppe von Arzviller bis Straßburg () mit dem Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller, 33 Schleusen und einem Höhenunterschied von 131 Metern. Eine weitere Schleuse im Straßburger Hafen führt zum Rhein.
Im stillgelegten Mittelteil des Kanals zwischen Toul und Frouard lagen drei Schleusen. Besonders schwierig war die Trassierung im engen Moseltal bei Liverdun. Der Kanal unterquerte einen Bergsporn in einem 388 MeterBoucle villagoiese Liverdun, Informationstafel 2/9 L'entrée du tunnel (Stand 29. April 2018). langen Tunnel, überquerte auf einer Kanalbrücke die Mosel und erreichte dann die unterste Schleuse. An die Schleuse schloss sich die niedrigste, ursprünglich 17,6 Kilometer lange Haltung an, die zum Teil am Hang in beträchtlicher Höhe über dem Talgrund verlief und bis Jarville-la-Malgrange oberhalb von Nancy reichte. Das Teilstück ab Frouard gehört heute zum Ostabschnitt.A. Hess: Der Rhein-Marne-Kanal. In: Allgemeine Bauzeitung. XXXVI(1871), S. 80–104, hier S. 88–91.
Wasserversorgung
Wie bei vielen Wasserscheidenkanälen ist die Wasserversorgung der Scheitelhaltungen des Canal de la Marne au Rhin schwierig, weil dort das Wasserangebot gering, der Verbrauch aber hoch ist.
Die westliche Scheitelhaltung bei Mauvages wurde anfänglich ausschließlich durch Zuleitung aus natürlichen Gewässern versorgt. Die weitaus wichtigste Entnahme erfolgte aus dem Ornain über den Zweigkanal nach Houdelaincourt. Auch in der Gegenwart wird das Wasser vorrangig aus dem Ornain entnommen. Nach Untersuchungen der Universität Metz wurden in den 1990er Jahren bei Niedrigwasser knapp 90 Prozent des Abflusses für die Speisung des Kanals genutzt, was die Ökologie des Flusses schädige und Nutzungskonflikte auslöse.Alain Devos, Denis François: L'alimentation des canaux de navigation en Lorraine et son influence sur l'écoulement des rivières en période de basses eaux. In: Hommes et Terres du Nord. 1996/1. S. 39–46, hier S. 43–45 doi:10.3406/htn.1996.2530.
Um 1880 wurde ein System aus Pumpwerken und Speisegräben gebaut, mit dem die westliche Scheitelhaltung mit Wasser aus der Mosel versorgt werden kann. An der Mosel entstanden bei Pierre-la-Treiche und bei Valcourt zwei Pumpwerke, die mit der Wasserkraft des Flusses angetrieben wurden. Sie hoben Wasser in einen Speisegraben, der bei Foug in die Maashaltung mündete. Ein drittes, von Dampfmaschinen angetriebenes Pumpwerk wurde bei Vacon gebaut. Das Wasser wird der Méholle und der Maashaltung entnommen und in einen Speisegraben gefördert, der am Hang des Méholletals bis zur Scheitelhaltung läuft.Ludwig Franzius, H. Garbe: Der Wasserbau. Schleusen, Schiffahrskanäle. Handbuch der Ingenieurwissenschaften, Band 2.2. 3. Auflage, Leipzig 1895, S. 418 ().
Da die beiden Pumpwerke an der Mosel nicht mehr ausreichten, wurde 1897 ein zweites, mit Dampfmaschinen betriebenes Pumpwerk in Valcourt gebaut. Dieses mehrfach erweiterte und auf Elektromotoren umgebaute Pumpwerk ist heute das einzige, das Wasser von der Mosel zur Maashaltung hebt.Station de pompage de Valcourt 2 bei POP: la plateforme ouverte du patrimoine. (Abgerufen am 14. März 2025). An der Kanalbrücke über die Maas bei Troussey wurde vor 1932 ein elektrisch betriebenes Pumpwerk gebaut, das Wasser aus der Maas in den Kanal fördert.H. Créton: Les voies navigables de l'est de la France. In: Annales de Géographie. 41(1932), Nr. 234, S. 583–599, hier S. 585 doi:10.3406/geo.1932.10680.
Die Vogesen-Scheitelhaltung, an die die Scheitelhaltung des Saarkanals angeschlossen ist, wird vorrangig mit dem Wasser der Saar versorgt. Hierfür wurde ein 7,6 Kilometer langer Speisekanal gebaut, der von der Weißen zur Roten Saar und dann zur Scheitelhaltung bei Hesse führt. Da der Abfluss aus dem rund 175 km² großen Einzugsgebiet der Saar bei Trockenheit nicht ausreichte, wurde zusätzlich der Étang de Gondrexange mit einem rund 47 km² großen Einzugsgebiet genutzt. Das Stauziel des Sees wurde erhöht, so dass es 1,5 Meter über dem Wasserspiegel des Kanals lag. Dadurch stand ein Volumen von 6,3 Millionen m³ für Trockenzeiten zur Verfügung. Falls der Zufluss aus der Saar größer war als der Verbrauch, wurde Wasser in den Étang de Réchicourt abgelassen, um es auf der Meurthe-Treppe zu nutzen. Der ebenfalls erweiterte See hatte ein Nutzvolumen von 4,1 Millionen m³, sein Stauziel lag 2 Meter über der sechsten Haltung der Meurthe-Treppe.A. Hess: Der Rhein-Marne-Kanal. In: Allgemeine Bauzeitung. XXXVI(1871), S. 80–104, hier S. 90, 101.
Nach 1894 wurde der östliche Teil des Kanals für größere Schiffe ausgebaut. Um den dadurch größeren Wasserverbrauch zu decken, wurde das Stauziel des Étang de Gondrexange nochmals um 1,2 Meter erhöht. Zudem wurde am See ein Pumpwerk gebaut, das bei hohem Abfluss der Saar Wasser vom Kanal in den See und bei Trockenheit Wasser aus dem See in den Kanal pumpt. Damit stand bislang nicht nutzbares Volumen des Sees unterhalb des Kanal-Wasserspiegels zur Verfügung; das Nutzvolumen stieg auf rund 16 Millionen m³. Die zum Antrieb der Pumpen nötige Energie wurde durch ein Wasserkraftwerk erzeugt, das das Gefälle zwischen der Scheitelhaltung und dem Étang de Réchicourt nutzte.J. Hermanuz: Pumpwerk zur Speisung des Rhein-Marne-Kanales, ausgeführt von der Maschinenfabrik Esslingen. In: Zeitschrift des Vereines Deutscher Ingenieure. 45(1901), Nr. 5, S. 145–150, hier S. 145 f. (online bei Google-Books). mini|Niedriger Wasserstand im Sommer 2026 in Pagny-sur-Meuse nahe Toul