mini|hochkant|Karte des Friedhofs aus dem Jahre 1945 mini|Typische Gräber in der hügeligen Parklandschaft mini|Blick auf den Friedhof und das Pentagon im Hintergrund Der Nationalfriedhof Arlington () ist einer der 147 Nationalfriedhöfe in den Vereinigten Staaten. Er liegt in Arlington im Bundesstaat Virginia unmittelbar südwestlich der Bundeshauptstadt Washington, D.C., von der er durch den Potomac River getrennt wird. Im Südosten grenzt er an das Gelände des Pentagons.

Der Friedhof wurde 1864 während des Sezessionskrieges errichtet. Jährlich finden hier knapp 5400 Beerdigungen statt. Mit über 260.000 Gräbern seit seinem Bestehen ist der Nationalfriedhof in Arlington – nach dem Calverton-Nationalfriedhof in New York – der zweitgrößte Friedhof der USA. Das ca. 252 ha große Areal wird wie der United States Soldiers’ and Airmen’s Home National Cemetery in Washington D.C. vom Heeresministerium verwaltet, während die meisten anderen Nationalfriedhöfe vom Kriegsveteranenministerium und vom National Park Service betreut werden.

Auf diesem Friedhof wurden bisher drei Staatsbegräbnisse abgehalten, für die Präsidenten William Howard Taft (1930) und John F. Kennedy (1963) sowie für General John J. Pershing (1948).

Geschichte mini|Typisch gleichförmiges Gräberfeld auf dem Nationalfriedhof in Arlington Traditionell wurden Soldatenfriedhöfe von den jeweiligen Feldherren errichtet, um ihre gefallenen Soldaten zu ehren. In den Jahren des Sezessionskrieges spielten sich viele militärische Operationen zwischen den jeweiligen Hauptstädten Washington D.C. und Richmond, Virginia ab, die nur zirka 172 km voneinander entfernt liegen. Da die Krankenhäuser und provisorischen Friedhöfe aufgrund der hohen Opferzahlen überfüllt waren, schlug Generalquartiermeister Montgomery Meigs vor, das knapp 80 Hektar große, unweit von Washington gelegene Anwesen von General Robert E. Lees Familie in einen Friedhof umzuwandeln. Lee war vor dem Krieg Offizier (West-Point-Abschlussjahrgang 1829) in der Unionsarmee gewesen. Als der Sezessionskrieg ausbrach, erhielt er vom Präsidenten Abraham Lincoln das Angebot, das Kommando der Potomac-Armee zu übernehmen. Da er jedoch seinem Heimatbundesstaat Virginia verbunden war, wurde er Kommandeur der konföderierten Nord-Virginia-Armee und kämpfte von da an erfolgreich gegen die Union, bis er am 9. April 1865 bei Appomattox Court House kapitulieren musste. Aufgrund seiner Entscheidung gegen die Vereinigten Staaten galt Lee seither im Offizierskorps der Armee als unloyal, obwohl er hohe Achtung genoss. Nach der Enteignung Lees erklärte Kriegsminister Edwin M. Stanton das Gelände am 15. Juni 1864 offiziell zum Friedhof. Noch bevor er seine vertragliche Absicherung fand, wurden schon die ersten Bestattungen vorgenommen, bis Kriegsende annähernd 16.000.

1882 wurde nach langen Prozessen die Frage der Eigentümerschaft vor den Supreme Court gebracht. Der Gerichtshof entschied zu Gunsten der Familie Lee; der Kongress beschloss daher eine Entschädigung von 150.000 Dollar.

Am 27. Juli 2010 kam es zu einer Kongressanhörung, nachdem bekannt wurde, dass die Gräberverwaltung noch immer auf Karteikarten beruht und in sehr schlechtem Zustand sein soll. Teilweise wurden sie auch falsch transkribiert. Möglicherweise sind Tausende Gräber falsch bezeichnet. Bei 211 Gräbern wurde dies bereits festgestellt. Darüber hinaus wurden namenlose Urnen auf einer Müllhalde gefunden. Ende 2010 fanden Forensiker zudem acht Urnen in einem einzelnen Grab, weswegen ein Ermittlungsverfahren eröffnet wurde. Das total veraltete Karteikartensystem wurde 2012 durch ein digitales Zuordnungssystem, beruhend auf Geosatelliten-Daten, für die aktuell (2019) 420.000 Gräber ersetzt.Aussage Pressesprecherin Carie Mika in der ORF1-Radiosendung Arlington: Der verklärteste Totenpark der USA (Journal Panorama vom 9. Oktober 2019)

Beisetzungskriterien Die Auswahl der Personen, die auf dem Nationalfriedhof Arlington zur letzten Ruhe gebettet werden dürfen, unterliegt den im Folgenden angeführten Kriterien:

Jedes aktive Mitglied der Streitkräfte der Vereinigten Staaten, ausgenommen die in Ausbildung befindlichen. Jeder Veteran, der ehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde, der nach einer aktiven Dienstperiode in den Reservestand versetzt wurde, sofern er das 60. Lebensjahr erreicht hat und Bezieher eines Ruhegeldes war, der bis zum 1. Oktober 1949 wegen Krankheitsgründen (Einstufung auf 30 % oder mehr Dienstunfähigkeit) ehrenhaft aus den Streitkräften entlassen wurde, der während seiner Militärlaufbahn mit mindestens einem der folgenden Orden ausgezeichnet wurde: Medal of Honor Distinguished Service Cross, Navy Cross oder Air Force Cross Defense Distinguished Service Medal, Army Distinguished Service Medal, Navy Distinguished Service Medal, Air Force Distinguished Service Medal, Coast Guard Distinguished Service Medal Silver Star Purple Heart Jeder Präsident der Vereinigten Staaten, unabhängig davon, ob während oder nach seiner Amtszeit verstorben. Mitglieder, die aktiv in den Streitkräften dienten und später folgende politische Ämter innehatten: einen durch Wahlen erreichbaren Posten in der Regierung der Vereinigten Staaten, Präsident und sonstige hochrangige Mitarbeiter des Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, nach dem 30. November 1993 verstorbene ehemalige Kriegsgefangene der Armee-, Marine- und Luftstreitkräfte, die nach ihrer Befreiung ihre reguläre Dienstzeit vollendeten, Witwen/Witwer von Angehörigen der Streitkräfte, die auf See bestattet wurden oder offiziell als vermisst gelten, auf einem Friedhof der American Battle Monuments Commission ihre letzte Ruhe fanden, in einem Gruppengrab auf dem Nationalfriedhof Arlington begraben wurden, Kinder von in Arlington bestatteten Personen.

Bekannte Grabmäler und Denkmäler Grabmal der Unbekannten mini|Der Unbekannte Soldat des Ersten Weltkriegs ruht unterhalb des weißen Sarkophags, der des Zweiten Weltkriegs im Vordergrund unterhalb der linken Marmorplatte, der des Koreakriegs rechts. Der als Michael Blassie identifizierte Unbekannte des Vietnamkriegs ruhte bis 1998 unter der mittleren Platte.

Das Grabmal der Unbekannten am Nationalfriedhof Arlington wird auch als Grabmal des unbekannten Soldaten bezeichnet und liegt auf einem Hügel oberhalb von Washington, D.C. Diese Anlage besteht aus sieben Marmorblöcken mit einer Gesamtmasse von ca. 72 t. Der dabei verwendete sogenannte „Yule-Marmor“ aus dem Bundesstaat Colorado diente u. a. auch als Baumaterial für das Lincoln Memorial in Washington D.C. und das Equitable Building in New York City. Das Bauwerk wurde am 9. April 1932 fertiggestellt und kostete 48.000 Dollar. Ursprünglich als Grab des Unbekannten Soldaten bezeichnet, wurde es später in „Grabmal der Unbekannten“ umbenannt, da in der Folgezeit weitere Soldaten der letzten Kriege dort beigesetzt wurden:

Unbekannter Soldat des Ersten Weltkrieges wurde am 11. November 1921 beigesetzt. Als nächster Verwandter, dem die auf dem Sarg ausgebreitete Nationalflagge zusammengefaltet überreicht wird, fungierte symbolisch der damalige Präsident Warren G. Harding. Unbekannter Soldat des Zweiten Weltkrieges, beigesetzt am 30. Mai 1958. Symbolischer „nächster Verwandter“ war Präsident Dwight D. Eisenhower. Die Beisetzung des Unbekannten Soldaten des Koreakrieges erfolgte am selben Tag nach der des Zweiten Weltkriegs. Hier war der damalige Vizepräsident Richard M. Nixon der symbolische „nächste Verwandte“. Unbekannter Soldat des Vietnamkrieges, beigesetzt am 28. Mai 1984. Symbolischer „nächster Verwandter“ war Präsident Ronald Reagan.

Auf Anordnung von Präsident Clinton wurden am 14. Mai 1998 die sterblichen Überreste des Unbekannten des Vietnamkriegs exhumiert. Der Leichnam wurde mittels DNA-Analyse als First Lieutenant Michael Joseph Blassie der US Air Force identifiziert, der am 11. Mai 1972 über Südvietnam abgeschossen worden war. Auf Veranlassung seiner Familie wurden seine sterblichen Überreste auf den Jefferson Barracks National Cemetery nahe St. Louis, Missouri, überführt, wo sie am 10. Juli desselben Jahres beigesetzt wurden. Das Grab des Unbekannten Soldaten des Vietnamkriegs steht seitdem leer und wird voraussichtlich nicht mehr belegt werden.

Seit April 1948 wird das Grabmal der Unbekannten von Soldaten des 3. US-Infanterieregiments bewacht. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Wachablösung trägt dieses Regiment den Beinamen „The Old Guard“ (dt. „Die alte Garde“).

John F. Kennedy Eternal Flame mini|links|Stets zahlreiche Besucher mini|Die Ewige Flamme und Grabstein von John F. Kennedy mini|hochkant|Umfeld des Kennedygrabes Das Grab des am 22. November 1963 ermordeten 35. Präsidenten der USA, John F. Kennedy, befindet sich in einer Linie mit der über den Potomac River führenden Arlington Memorial Bridge und dem Lincoln Memorial. Die Idee für die Errichtung einer ewigen Flamme hatte die Witwe Jacqueline Kennedy nach der Aufbahrungszeremonie im Kapitol am 24. November, inspiriert vom Grabmal des Unbekannten Soldaten beim Pariser Triumphbogen. Die Planer des am nächsten Tag stattfindenden Begräbnisses kamen dieser Bitte nach und beauftragten das U.S. Army Corps of Engineers mit der Umsetzung. Über Nacht wurde eine provisorische Gasleitung von einem entfernten Propantank zum werdenden Grabmal gelegt, sodass die Flamme wenige Stunden später nach der Begräbniszeremonie von Jacqueline Kennedy entzündet werden konnte.

Soldaten des 3. US-Infanterieregiments „The Old Guard“ standen bis 1965 Wache bei der Grabstätte, die bis heute von Menschenscharen aufgesucht wird. Aus diesem Grund wurde 1967 eine ca. 1,3 ha große permanente Grabstätte mit gepflastertem Zugang eröffnet. Die Propangasleitung zur Befeuerung der ewigen Flamme wurde durch eine fixe Erdgasleitung ersetzt. Die Flamme selbst ruht auf einer runden Granitplatte mit einem Durchmesser von 1,5 m, die von mehreren unregelmäßigen Granitplatten aus einem Granitsteinbruch nahe Kennedys langjährigem Wohnort am Cape Cod umgeben ist. Auszüge seiner Amtsantrittsrede sind auf weißen Marmortafeln eingraviert. Um das Erlöschen der Flamme durch Witterungseinflüsse zu verhindern, ist ein Gerät angebracht, das einen permanenten Zündfunken erzeugt und durch Zuführung von Sauerstoff das Rußen der Flamme verhindert. Am 23. Mai 1994 wurde Jacqueline Bouvier Kennedy Onassis neben ihrem Ehemann bestattet. Deren frühzeitig verstorbene Kinder Arabella Kennedy (*/† 23. August 1956) und Patrick Bouvier Kennedy (* 7. August 1963; † 9. August 1963) wurden bereits wenige Wochen nach Kennedys Tod exhumiert und bei ihrem Vater beigesetzt. Die letzte Ruhestätte von JFKs 1968 erschossenem Bruder Robert „Bobby“ Kennedy liegt nahe der seines Bruders, ebenso wie das Grab des 2009 verstorbenen jüngsten Bruders Edward „Ted“ Kennedy.

USS Maine Mast Memorial mini|hochkant|„Remembering the Maine“

Dieses Mahnmal gedenkt 264 von 266 Seeleuten, die bei einer Explosion an Bord des im Hafen von Havanna, Spanisch-Kuba, ankernden Schlachtschiffs Maine am 15. Februar 1898 ums Leben kamen. Aufgrund der damaligen angespannten politischen Verhältnisse zwischen den Vereinigten Staaten und dem Königreich Spanien bezüglich der Kuba-Frage wurde dieses Ereignis durch die amerikanische Presse als spanischer Angriff aufgeputscht („Remember the Maine“), sodass der Spanisch-Amerikanische Krieg ausbrach.