Abtnaundorf ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Nordost von Leipzig. Der größte Teil der Abtnaundorfer Flur bildet verwaltungsmäßig zusammen mit einem Teil von Schönefeld und weiteren Anteilen den Ortsteil Schönefeld-Abtnaundorf.

Lage Abtnaundorf liegt etwa 4,5 Kilometer vom Stadtzentrum Leipzigs entfernt in der Flussaue der Parthe. Es wird umgrenzt von Schönefeld, Mockau und Thekla.

Geschichte mini|Abtnaundorf (um 1800). mini|Abtnauendorf auf einer Karte von 1863. mini|hochkant|Schloss Abtnaundorf (2009). Mittelalter und Frühe Neuzeit Naundorf entstand um ein Gut, das im 13. Jahrhundert an das Peterskloster Merseburg kam und so – allerdings erst später – das „Abt“ im Namen erhielt. Das Kloster verpachtete das Gut mehrfach, das dann mitunter den Namen des Pächters annahm. Um 1540 wurde das zum Gut gehörige Vorwerk Heiterblick errichtet. Nach der Reformation wechselte das Gut häufig den Besitzer, ab 1696 gehörte es längere Zeit Johann Ernst Kregel von Sternbach. 1789 wurde es schließlich von Christian Gottlob Frege II (1747–1816) erworben, dem Sohn des Bankiers Christian Gottlob Frege (1715–1782), und blieb bis 1916 im Besitz der Familie. Bereits ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Teile des ausgedehnten Landschaftsparks zwischen Dorf und Parthe angelegt. Der Ort gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich sächsischen Kreisamt Leipzig.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Verlag Klaus Gumnior, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 60–61.

19. Jahrhundert In der Völkerschlacht bei Leipzig wurde Abtnaundorf bei den Kämpfen am 18. Oktober 1813 stark in Mitleidenschaft gezogen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann die Landhaus- und Villenbebauung, und nach Inkrafttreten der Sächsischen Landgemeindeordnung von 1838 erfolgte 1839 die Wahl des ersten Gemeinderats. Im 19. Jahrhundert war Abtnaundorf mit seinem öffentlich zugänglichen Gutspark ein beliebtes, über die Parthewiesen zu erreichendes Ausflugsziel der Leipziger. Der inzwischen zum Landschaftsschutzgebiet erklärte Abtnaundorfer Park zieht besonders an den Wochenenden mit neu angelegten Rad- und Wanderwegen viele Besucher an. Zwischen 1889 und 1891 wurde am nordöstlichen Ende der Kastanienallee (heute Reiterallee) ein Mausoleum für die Familie Frege errichtet, das nach 1945 zerstört wurde. 1892/1893 wurde unter Arnold Woldemar von Frege-Weltzien (1841–1916) das alte Herrenhaus des Ritterguts abgerissen und durch einen repräsentativen Neubau nach Entwurf des Leipziger Architekten Peter Dybwad ersetzt, das sogenannte Schloss.

20. und 21. Jahrhundert 1930 wurde Abtnaundorf nach Leipzig eingemeindet.

Im Nationalsozialismus Ein Hinweisschild in Höhe des Grundstücks Heiterblickstraße 26 (Flurstück 50, damals zu Abtnaundorf gehörend) erinnert an das Massaker von Abtnaundorf. Dort befand sich der Zugang zu Werk III des Erla-Werks Leipzig.PRO LEIPZIG (Hrsg.): Abtnaundorf. Eine historische und städtebaulische Studie. Ausgabe 2013 / Jelena Rother: Zur Vorgeschichte des Gewerbegebietes, S. 50 f. Jährlich erinnert die Stadt Leipzig gemeinsam mit dem Bund der Antifaschisten e. V. Leipzig am Ort des Geschehens an das in die Geschichte eingegangene Massaker von 1945.

Nach 1945 1947 wurde das Rittergut zum Stadtgut, und das Schloss wurde zur Lehrerausbildung und als Krankenhaus genutzt. Von 1966 bis 1996 war hier die Kinderabteilung des Krankenhauses St. Georg untergebracht. Ab 1998 wurde das Anwesen von einem privaten Investor zu einer komfortablen Wohnanlage entwickelt. Zwischenzeitlich wurde das Schloss von einem neuen Eigentümer erneut aufwändig saniert und ist – einschließlich Schlosspark – für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.

Der von 1992 bis 1995 erschlossene Gewerbepark Nordost (unter anderem VNG – Verbundnetz Gas, Ernst Klett Schulbuchverlag) liegt zum größten Teil auf der Flur des ehemaligen Ritterguts Abtnaundorf.

2021 erwarb die GRK-Gruppe Leipzig das unter Denkmalschutz stehende Rittergut mit den dazugehörigen Reithallen und -wiesen.

Bevölkerung Angaben sind nur für den gesamten Ortsteil Schönefeld-Abtnaundorf verfügbar.

Jahr Einwohner 2000 9.370 2005 9.097 2010 10.106 2015 12.108 2020 13.292 2025 13.940

Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres

Politik Bei den Wahlen zum Sächsischen Landtag gehört der Ortsteil Schönefeld-Abtnaundorf zum neuen Wahlkreis Leipzig 8, bei Bundestagswahlen zum Bundestagswahlkreis Leipzig I (Wahlkreis 152).

Die Bundestagswahl 2025 führte bei einer Wahlbeteiligung von 78,3 % zu folgendem Zweitstimmenergebnis:

Partei Schönefeld-Abtnaundorf2021 Schönefeld-Abtnaundorf2025 Stadt Leipzig2025 Die Linke 15,9 % 28,5 % 22,5 % AfD 15,9 % 25,7 % 21,9 % CDU 11,2 % 12,3 % 16,6 % Bündnis 90/Die Grünen 16,6 % 10,0 % 13,6 % SPD 18,0 % 8,4 % 10,7 % BSW – 7,0 % 7,4 % FDP 9,1 % 2,7 % 3,2 % Sonstige 13,3 % 5,3 % 4,1 %

Sehenswürdigkeiten mini|Ehemaliger Gasthof. mini|Pavillon im Park. Ehemaliger Gasthof, Heiterblickstraße 8, ältestes existierende Gebäude im Ort, vermutetes Baujahr 1772, unter Denkmalschutz, seit 1996 unbewohntPRO LEIPZIG (Hrsg.): Abtnaundorf. eine historische und städtebauliche Studie. Ausgabe 2013, S. 31. Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts, genannt Schloss Abtnaundorf Abtnaundorfer Park Installation „Doppelt hell an dunklen Ufern“ im Rahmen des Projekts „KunstParcours und ParkNetzwerk Parthe“ erinnert an Clara Schumann.

Sport Der Reit- und Fahrverein „Herodot“ Leipzig e. V., Heiterblickstraße 17, führt jährlich Reit- und Springturniere durch. Sportschule Egidius Braun des Sächsischen Fußballverbands, Abtnaundorfer Straße 47, mit Steffi-Graf-Nachwuchszentrum des sächsischen Tennisverbandes

Literatur G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen nach der Natur neu aufgenommen von F. Heise, Architect. I. Section: Leipziger Kreis. Expedition/Selbstverlag, Leipzig (um) 1860.

Harald Otto: Welt erfahren Schönefeld-Abtnaundorf-Mockau und zurück. Pro Leipzig, Leipzig 2010, ISBN 978-3-936508-56-7. Karl-Heinz Rother, Jelena Rother: Die Erla-Werke GmbH und das Massaker von Abtnaundorf. (Hrsg. Bund der Antifaschisten e. V. (BdA), Sitz Leipzig / Stadtverband Leipzig der Verfolgten des Naziregimes (VVN)) Leipzig 2013. Michael Liebmann: Schönefeld mit Abtnaundorf, Neustadt und Neuschönefeld. Ein Leipziger Stadtteillexikon. (Hrsg./Auftrag von Pro Leipzig e. V.) Leipzig 2019, ISBN 978-3-945027-33-2. Greta Paulsen: Das Rittergut Abtnaundorf 1789–1916. „Dem Auge zum Genuß, wie dem Geiste zur Beschäftigung“. In: Nadja Horsch, Simone Tübbecke (Hrsg.): Bürger, Gärten, Promenaden. Leipziger Gartenkultur im 18. und 19. Jahrhundert. Passage Verlag, Leipzig 2019, ISBN 978-3-95415-085-4, S. 219–224. André Loh-Kliesch: Straßennamen in Abtnaundorf. Leipzig 2021. (online als PDF, 218 kB)

Weblinks

Informationsseite Mein Stadtteil der Stadt Leipzig für Schönefeld

Schönefeld-Abtnaundorf im Leipzig-Lexikon

Rittergut Abtnaundorf (Patrimonialgericht) im Sächsischen Staatsarchiv

Einzelnachweise

Kategorie:Stadtteil von Leipzig Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Leipzig) Kategorie:Gemeindeauflösung 1930 Kategorie:Schönefeld (Leipzig)