Welzow, , ist eine Kleinstadt im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße in der Niederlausitz. Sie gehört zum amtlichen Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden.

Geographie mini|links|Welzow mit Tagebau, Luftaufnahme (2019) Die Stadt liegt in der Niederlausitz im Südosten des Landes Brandenburg westlich der Spree, zwischen Cottbus und Senftenberg und an der Grenze zu Sachsen.

Die Region ist durch die Seen, Flüsse, Flachmoore, ausgedehnte Kiefernwälder, aber auch Laub- und Mischwälder der Lausitzer Heidelandschaft geprägt. Trugen ursprünglich Urstromtäler und Endmoränen der vergangenen Eiszeit zur Gestaltung der Landschaftsform wesentlich bei, so stellen sich heute große Teile der Region infolge des seit Jahrzehnten intensiv betriebenen Braunkohleabbaus als zerstörte Landschaften dar, die im Zuge der Neugestaltung wieder aufgewertet werden sollen.

Durch die zahlreichen Tagebaurestseen entstand in der Umgebung das Lausitzer Seenland, Deutschlands größte Rekultivierungsbaustelle. Direkt in der Nachbarschaft der Stadt Welzow findet man den Tagebau Welzow-Süd mit der Förderbrücke F60, der größten beweglichen Arbeitsmaschine der Welt.

Stadtgliederung Zu Welzow gehören der Ortsteil Proschim (Prožym) und die Wohnplätze Karlsfeld (Karlowe pólo), Sibirien (Sibirska) und Zollhaus (Cłonica).Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Stadt Welzow

Geschichte Im Braunkohlentagebau Welzow-Süd wurde ein Zentrum germanischer Eisenproduktion nachgewiesen – neben dem nahen Wolkenberg. Die 36 Fundplätze mit rund 1300 Rennöfen, Ambosssteinen, Grubenmeilern und Erzaufbereitungsplätzen lagen an den Hängen des Endmoränenrückens und entlang des Petershainer Fließes. Zahlreiche Scherben von Töpfen und Kümpfen in der Verfüllung zweier Grubenmeiler, die zu drei Ofenbatterien bei Klein Görigk gehörten, waren eine Besonderheit, da zeitgleiche Keramik nur selten an Verhüttungsplätzen auftritt. Die grobe Siedlungsware datiert die Eisenproduktion in die spätrömische Kaiserzeit (3./4. Jahrhundert). Auf allen drei Fundplätzen fanden sich neben Schlackengruben maximal 20 cm tiefe Packungen von gebranntem Lehm mit etwa 40 cm Durchmesser. An manchen Öfen gab es eine, an anderen zwei Gruben, die auf die Anzahl und Anordnung der Düsenlöcher schließen lassen, die sich nachweislich 10 cm über Bodenniveau befanden. Im verziegelten Bruchstück der Ofenwand war der Rest eines Düsenloches von 1,5 cm Durchmesser zu erkennen. Bei einem der Verhüttungsplätze spricht das Arrangement der Öfen in Gruppen für mehrmaliges Aufsuchen des Platzes und eine saisonale Eisenerzeugung. Vermutlich betätigte sich hier eine Gemeinschaft aus der Umgebung. Im direkten Umfeld fehlen ebenso wie bei den anderen Verhüttungsplätzen des Reviers die Siedlungsspuren.

Frühe Neuzeit Der Name Welzow (Welcze) wird erstmals am 12. Dezember 1547 in den Spremberger Stadtbüchern erwähnt. Oft ist noch fälschlicherweise die Jahreszahl 1280 zu finden, die sich nach wiederholten Überprüfungen als unzutreffend erwies.Autor: Joachim Schneider, Hans Gorgk von der Wolfsgegend, 2005, Dresden, Broschüre Bis zum 6. April 1584 war Welzow ein Amtsdorf der Herrschaft Spremberg. Am 21. Juli des gleichen Jahres bildeten die Dörfer Welzow, Proschim und Gosda das Dominium Gosda, womit Welzow ein Vorwerk des Rittergutes wurde.

mini|links|Evangelische Kirche auf dem Anger im historischen Teil Welzows Im Jahr 1708 sind für Welzow acht Bauern, ein Halbbauer und vier Gärtner als Bewohner verzeichnet, zehn Jahre später waren es acht Hufner und zwei Kossäten, die Abgaben von insgesamt 653 Gulden und zwei Groschen zu entrichten hatten. Am 25. Juli 1770 brannten große Teile Welzows als Folge eines Blitzschlages ab. Am 16. Oktober 1790 erwarb der Premierleutnant Johann Sebastian von Wirsing das Rittergut Gosda, nach dessen Tod im Jahr 1817 wurde das Rittergut Gosda in den 1820er-Jahren aufgrund von Erbstreitigkeiten aufgelöst, sodass Welzow, Proschim und Gosda eigenständige Gemeinden wurden.Uwe Kulke: Beiträge zur Welzower Geschichte. Amtsblatt für die Stadt Welzow mit dem Ortsteil Proschim, 29. Juni 2019, S. 18–22.

19. und 20. Jahrhundert Ab 1816 gehörte Welzow zum Landkreis Spremberg in der preußischen Provinz Brandenburg. Während des Zweiten Weltkrieges mussten Kriegsgefangene aus der Sowjetunion und Frankreich sowie Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: in der Zentralwerkstatt, in der Germaniahütte und in der alten Brikettfabrik, dem späteren Alfred-Scholz-Werk. Viele von ihnen gingen an der unmenschlichen Behandlung zugrunde.

mini|Tagebau Welzow-Süd (1982) Auf dem Flugplatz Welzow lagen in den Jahren 1944 und 1945 zahlreiche Jagd-Einheiten der Luftwaffe, die bei der Reichsluftverteidigung eingesetzt wurden. Nach Kriegsende kam der Ort zur Sowjetischen Besatzungszone und 1949 zur DDR. Bei der DDR-Kreisreform im Juli 1952 wurde Welzow dem Kreis Spremberg im Bezirk Cottbus zugeordnet. Ab den späten 1950er-Jahren war der Ort vom Lausitzer Braunkohlerevier geprägt. Im Jahr 1969 wurde Welzow das Stadtrecht verliehen. Bis zum Ende der DDR existierten weitere größere Industriebetriebe wie die VEB Baumaschinen Welzow und Braunkohlenbohrungen und Schachtbau.

Nach der Wiedervereinigung kam Welzow zum Land Brandenburg. Seit der Kreisreform 1993 gehört die Stadt zum Landkreis Spree-Neiße. Heute finden sich in Welzow hauptsächlich Dienstleistungs-, Bau- und Handwerksgewerbe.

Eingemeindungen Proschim wurde am 26. Oktober 2003 eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003 Am 1. Januar 2006 wurde die Ortsflur der devastierten Gemeinde Haidemühl nach Welzow eingegliedert.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 235 1890 263 1910 4.702 1925 6.230 1933 6.764 1939 7.072 Jahr Einwohner 1946 7.304 1950 7.448 1964 7.016 1971 6.821 1981 5.735 1985 5.812 Jahr Einwohner 1990 5.304 1995 4.752 2000 4.498 2005 4.183 2010 3.806 2015 3.645 Jahr Einwohner 2020 3.317 2021 3.274 2022 3.257 2023 3.187 2024 3.102 2025 3.126 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1990)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Spree-Neiße. S. 30–33Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Welzow besteht aus 16 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Ergebnis2024 Sitze2024 Ergebnis2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Ergebnis2014Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 im Land Brandenburg. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Potsdam 2014, S. 127. Abgerufen am 10. August 2025. Sitze2014 Bürgerinitiative Zukunft Welzow 30,4 % 5 11,5 % 2 11,6 % 2 FDP 22,2 % 4 – – – – SPD 17,1 % 3 32,4 % 5 34,5 % 6 CDU 14,5 % 2 9,2 % 2 16,4 % 3 Bürgerforum Stadtumbau Welzow – Freie Wähler Brandenburg 14,2 % 2 13,1 % 2 8,5 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 1,5 % – 2,6 % – – – Bürgerinitiative Zukunft Proschim/Welzow – – 18,5 % 3 14,1 % 2 Die Linke – – 6,4 % 1 7,9 % 1 Grüne Zukunft Welzow – – 6,2 % 1 7,1 % 1 Insgesamt 100 % 16 100 % 16 100 % 16 Wahlbeteiligung 61,7 % 52,3 % 51,4 %

Bürgermeister 1954–1957: Lucie Reichert 1957–1961: Erich Neuber 1961–1970: Johannes Jentsch 1970–1981: Erich Rinas 1981–1989: Lothar Merz 1989–1990: Karin Haase 1990–1991: Ulrich Wallner 1991–1995: Hartmut Hömberg 1996–2003: Helfried Skoddow (parteilos) 2003–2009: Reiner Jestel (CDU)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Potsdam 2004, S. 33. Abgerufen am 12. Mai 2025. 2009–2025: Birgit Zuchold (SPD) seit 2025: Hilmar Mißbach (BVB/Freie Wähler)

Zuchold wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 21. Juni 2009 mit 57,6 % der gültigen Stimmen zur neuen Bürgermeisterin gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 21. Juni 2009. In: Amtsblatt für die Stadt Welzow, 2009, Nr. 11, S. 2 Am 7. Mai 2017 wurde sie mit einem Stimmenanteil von 59,9 % in ihrem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 7. Mai 2017

Hilmar Mißbach ist seit dem 25. Juni 2025 Bürgermeister von Welzow. Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 11. Mai 2025 als Kandidat von BVB/Freie Wähler, dem Bürgerforum Stadtumbau Welzow und der Wählergruppe Zukunft Welzow mit 67,7 % der gültigen Stimmen (Wahlbeteiligung: 56,6 %) gewählt. Seine Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74

Wappen, Flagge, Dienstsiegel 1934 erhielt die damalige Gemeinde Welzow, seit 1969 Stadt Welzow, die Erlaubnis, das nachstehend beschriebene Wappen zu führen.Stadt Welzow: Geschichte Der Minister des Innern des Landes Brandenburg bestätigte der Stadt Welzow das Wappen am 14. Juli 2005.

Wappenbeschreibung „In Rot zwei schräggekreuzte silberne Berghämmer, oben bewinkelt von einer silbernen Glasschale, unten von drei gestürzten silbernen Fruchtähren.“Brandenburgisches Landeshauptarchiv: Wappen Stadt Welzow

Stadtfarben „rot-weiß“Deutsches Städtebuch, Band 2: Brandenburg und Berlin, Abschnitt 12c (Stadtfarben), Stuttgart 2000 (2. Auflage), zitiert nach kommunalflaggen.de: Stadt Welzow

Dienstsiegel Das Dienstsiegel der Stadt Welzow hat einen Durchmesser von 35 mm und trägt in der äußeren Umrahmung den Namen der Gemeinde, „STADT WELZOW“, und den Namen des Landkreises, „LANDKREIS SPREE-NEIßE“. Im Inneren erscheint das Wappen der Stadt Welzow Für kleine Urkunden wird das Dienstsiegel mit einem Durchmesser von 20 mm verwendet.§ 2 der führt Wappen und Dienstsiegel, macht aber keine Angaben aber keine Flagge.

Partnergemeinden Partnerschaftliche Beziehungen pflegt Welzow mit den Gemeinden Schiffweiler im Saarland und Maszewo in Polen.

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Städtisches Feuerwehrhaus mini|Rathaus mini|Ehemalige Puschkinschule Welzow mit seiner bergbaulich beeinflussten Umgebung ist mit dem Projekt Nr. 4 – „Landschaft im Wandel“ Bestandteil der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land: Während der Rekultivierung des Tagebaus Welzow wird in der wandernden Wüste des fortschreitenden Tagebaus eine innenliegende Fläche als Oase kultiviert.

Bauwerke In der Liste der Baudenkmale in Welzow stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Beispielhaft sind die beiden Kirchen zu nennen. Die Evangelische Kirche wurde 1740 errichtet. Das Kirchenschiff wurde aus Stein gesetzt, der Glockenturm erhielt eine Holzkonstruktion. 1908 wurde der hölzerne durch einen Zwei-Glocken-Turm aus Stein ersetzt. Die kleinere Glocke wurde wahrscheinlich um 1430 gegossen. Die katholische Filialkirche St. Josef in Welzow ist mit etwa 150 Sitzplätzen eine eher kleine Diasporakirche des Bistums Görlitz.

Seit Ende der 1920er Jahre errichtete der Gemeindebaumeister Otto Grahe öffentliche Bauten, so etwa die Friedhofskapelle, das städtische Feuerwehrhaus, die Gemeindebadeanstalt, die ehemalige Puschkinschule sowie weitere Bauten für private Auftraggeber. Stadtbildprägend ist dabei die Verwendung des ortstypischen Baumaterials Backstein an allen von Grahe errichteten Gebäuden, in Verbindung mit dem orthogonalen Straßenraster und den weißlackierten Zäunen.

Geschichtsdenkmale Sowjetischer Ehrenfriedhof innerhalb des Friedhofs der Stadt für Soldaten sowie 44 (nach anderen Angaben 68) umgekommene Kriegsgefangene aus der Sowjetunion Ehrengrabanlage für fünf Welzower Bürger, die dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, mit einem Gedenkstein vor einer Gedenkwand