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Das Opernhaus an der Prachtstraße Unter den Linden im Berliner Ortsteil Mitte ist die Spielstätte der Staatsoper Unter den Linden. Es wurde 1741 bis 1743 im Auftrag König Friedrichs des Großen nach Plänen Georg Wenzeslaus von Knobelsdorffs im Stil des Rokoko errichtet. Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, wurde das Opernhaus 1951 bis 1955 nach Plänen Richard Paulicks als Teil des Forum Fridericianum wiederaufgebaut.
Geschichte Namen Das Opernhaus war die Spielstätte folgender Ensembles: Königliche Oper (1742–1918), Preußische Staatsoper (1918–1945), Deutsche Staatsoper (1955–1990).Landesarchiv Berlin, A Rep. 167 Königliche Schauspiele/Preußische Staatstheater Seit 1990 ist es die Spielstätte der Staatsoper Unter den Linden. Umgangssprachlich wurden und werden sowohl die Spielstätte als auch das Ensemble Lindenoper genannt.
Königliche Oper mini|Prospect des Königlichen Opern-Hauses, Stich nach Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, 1743 mini|Ansicht der Königlichen Oper und Unter den Linden, Gemälde von Eduard Gaertner, 1845
Gleich zu Beginn seiner Regierungszeit beauftragte der preußische König Friedrich II., bekannt als Friedrich der Große, im Mai 1740 seinen Hofarchitekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff mit der Planung eines Königlichen Opernhauses, dessen Grundsteinlegung im September 1741 erfolgte. Als Bauplatz wählte der König ein Festungsgelände in der Nähe des von ihm bewohnten Kronprinzenpalais. Durch den für die damalige Zeit ungewöhnlichen Bau außerhalb des Königlichen Schlosses an der Prachtstraße Unter den Linden – zuvor waren Theater immer innerhalb fürstlicher Residenzen erbaut worden – entstand das erste eigenständige und damals größte Theatergebäude Europas als kultureller Ausdruck der Ideen der Aufklärung. Der britische Architekturhistoriker Michael Forsyth bezeichnete das Berliner Opernhaus folglich als das „erste bedeutende Theater überhaupt, das als monumentales, frei stehendes Bauwerk in einer Stadt errichtet wurde“. Architektonische Vorbilder waren unter anderem Andrea Palladios Villa La Rotonda bei Vicenza in Italien und Colen Campbells Stourhead House in England, gut ablesbar an der Schauseite. Das als Langhaus konzipierte Gebäude verfügt über den Apollosaal (Bankettsaal, Foyer), den Theatersaal (Zuschauerraum, Ballsaal) und den Korinthischen Saal (Bühne und Konzertsaal). Am Portikus verkündete die lateinische Widmungsinschrift FRIDERICVS REX APOLLINI ET MVSIS („König Friedrich Apoll und den Musen“). Ursprünglich sollte das Opernhaus den östlichen Abschluss eines monumentalen Residenzplatzes beiderseits der Prachtstraße Unter den Linden bilden; diese Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt.vgl. Forum Fridericianum Nach dem Kronprinzen-, dem Prinzessinnenpalais und dem Zeughaus war das Königliche Opernhaus der vierte Prachtbau Unter den Linden; es gehört zu den Hauptwerken des Friderizianischen Rokoko.
Noch vor der endgültigen Fertigstellung wurde das neue Opernhaus am 7. Dezember 1742 eröffnet. Ab 1755 wurde die Konzerttätigkeit der Hofkapelle in der Stadt zunehmend bedeutsam. Im Jahr 1786 beauftragte Friedrich Wilhelm II. den späteren Architekten des Brandenburger Tores, Carl Gotthard Langhans, mit einem Umbau des Bühnenraums und der Seitenbühne, um mehr Platz hinter der Bühne zu schaffen. Zusätzlich wurden die Sichtverhältnisse aller Sitze durch Neuausrichtung der Seitenlogen und die Verbreiterung der Bühnenöffnung verbessert. Außerdem wurde das veraltete Konzept der aufeinander folgenden Säle durch das Gegenüber von Zuschauerraum und Bühne abgelöst. Anlässlich eines Benefizkonzertes zugunsten der Witwe von Wolfgang Amadeus Mozart erklangen erstmals Ausschnitte seiner Opern in – für das Bürgertum verständlicher – deutscher Sprache. Unter der Leitung von Generaldirektor August Wilhelm Iffland vereinigten sich am 18. Juni 1811 die Königliche Oper und das Königliche Nationaltheater zu den Königlichen Schauspielen. Wenig später, unter dem ersten preußischen Generalmusikdirektor Gaspare Spontini, hatte die preußische Hofkapelle 94 Musiker unter Vertrag. Spontini sorgte für eine erhebliche Verbesserung der Qualität des Orchesters und richtete darüber hinaus einen Fonds für in Not geratene Kapellmitglieder ein. Am 18. Juni 1821 wurde Carl Maria von Webers Freischütz in dem von Karl Friedrich Schinkel erbauten Schauspielhaus am Gendarmenmarkt uraufgeführt. Wegen der zunehmenden Größe von Chören in den Opernkompositionen wurden im selben Jahr die ersten Chorsänger fest engagiert. 1842 begründete Gottfried Wilhelm Taubert die Reihe der Sinfoniekonzerte, deren Leitung im ersten Jahr Felix Mendelssohn Bartholdy übernahm. Im selben Jahr wurde Giacomo Meyerbeer Nachfolger von Gaspare Spontini als Generalmusikdirektor.
In der Nacht vom 18. zum 19. August 1843 brannte das Opernhaus bis auf die Grundmauern ab. König Friedrich Wilhelm IV. beschloss den sofortigen Wiederaufbau nach den alten Plänen Knobelsdorffs. Unter der Leitung des Architekten Carl Ferdinand Langhans wurde das Opernhaus bereits nach etwas mehr als einem Jahr mit Giacomo Meyerbeers Ein Feldlager in Schlesien neu eröffnet. Als bedeutendste Neuerung entstand der großzügige Zuschauerraum mit vier Rängen und annähernd 1800 Plätzen. Weitere Verbesserungen waren die Verbreiterung des Bühnenhauses, ein neues Giebelrelief sowie technische Erneuerungen. Das Giebelrelief wurde 1844 von Ernst Rietschel in Zinkguss geschaffen und stellt die Musik im Kreise der Künste dar.Denkmaldatenbank LDA Berlin 1847 wurde Otto Nicolai Dom- und Hofoper-Kapellmeister. Zwei Jahre später dirigierte er seine Uraufführung der Oper Die lustigen Weiber von Windsor. Zum Ende des Jahrhunderts wurde sowohl das Opernhaus als auch die Hofkapelle zunehmend interessant für bedeutende Künstler. Durch die Verpflichtung von Richard Strauss als Hofkapellmeister und solchen Dirigenten wie Joseph Sucher, Karl Muck und Felix von Weingartner wuchs dem Orchester internationales Renommee zu. Darüber hinaus fanden im Opernhaus regelmäßig Bälle statt.Anonymus: Aus der Gesellschaft. Berlin I. In: Franz Hirsch (Hrsg.): Der Salon für Literatur, Kunst und Gesellschaft. 1/1875, Leipzig 1875, S. 739–746 (online)
Noch während der Architekturwettbewerbe für ein größeres Neues Königliches Opernhaus gegenüber dem Reichstagsgebäude, erhielt die Knobelsdorffsche Oper 1912 zur Erweiterung der Inszenierungsmöglichkeiten einen provisorischen Bühnenturm. Diese Maßnahme wurde seinerzeit als unsensibler baulicher Eingriff erachtet, so würde der Turm insbesondere die benachbarte Hedwigskirche durch seine Baumasse erdrücken.
Preußische Staatsoper mini|Preußische Staatsoper, 1936 mini|Nach der Zerstörung, 1951
Mit der Gründung des parlamentarisch-demokratischen Freistaates Preußen im Jahr 1918 bildeten die Staatsoper Berlin im Opernhaus Unter den Linden und das Staatsschauspiel Berlin im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt zusammen die Preußischen Staatstheater, die von einem Generalintendanten geleitet wurden und dem Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung unterstellt waren.Landesarchiv Berlin: A Rep. 167 Königliche Schauspiele/Preußische Staatstheater
Von 1919 bis 1939 war die Staatsoper die Wirkungsstätte des Bühnenbildners Panos Aravantinos. 1925 wurde Alban Bergs Wozzeck unter Erich Kleiber in Anwesenheit des Komponisten uraufgeführt. Als Assistent von Kleiber fungierte von 1921 bis 1925 der Komponist Dimitri Mitropoulos. In den Jahren 1926 und 1927 wurde das Gebäude unter Leitung des Architekten Otto Hodler umgebaut,Friedrich Lindau: Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung. Die Stadt im Umgang mit ihrer bauhistorischen Identität, 2., überarbeitete Auflage, Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2001, ISBN 3-87706-607-0, passim; Vorschau über Google-Bücher. unter anderem weil es neue Seitenbühnen erhalten sollte. Dazu wurde der Bühnenturm unterfangen, wodurch ein rascherer Kulissenwechsel nach modernen Regieanforderungen ermöglicht wurde. Das bauzeitliche architektonische Gefüge der Oper wurde durch die neuen Seitenbühnen aufgebrochen und die städtebaulichen Beziehung zu den umliegenden Bauwerken maßgeblich verändert. Die Hauptbühne wurde technisch neu strukturiert, unter anderem durch den Einbau von Doppelstockpodien, einer hydraulischen Obermaschinerie und fahrbaren Seitenbühnenwagen.Max Osborn: Was wird aus dem Berliner Opernhaus? Eingreifende Umbaupläne. In: Vossische Zeitung, 5. Juli 1925, S. 5. Gleichzeitig wurde die Kroll-Oper mitbespielt und zeitweise als Ausweichspielstätte genutzt. Die Wiedereröffnung des umgebauten Opernhauses fand im Jahr 1928 mit einer Neuinszenierung der Zauberflöte statt. Einhergehend mit dem Umbau erfolgte eine Neugestaltung des Kaiser-Franz-Joseph-Platzes, bei der die Westrampe des 1916 eröffneten Lindentunnels verfüllt wurde.
Während der Zeit des Nationalsozialismus unterstand das Opernhaus als Preußisches Staatstheater dem Ministerpräsidenten Hermann Göring. Jüdische Sänger, Musiker, Dirigenten und andere Mitarbeiter wurden aus dem Hause gedrängt. Der Dirigent Wilhelm Furtwängler setzte sich nachweislich für jüdische Musiker ein und versteckte unter hohem persönlichen Risiko einige von ihnen in seiner Wohnung. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude am 10. April 1941 durch einen alliierten Luftangriff der Royal Air Force schwere Schäden. Der Wiederaufbau begann auf Befehl Adolf Hitlers sofort zwecks Demonstration ungebrochener Kampfmoral. Am 12. Dezember 1942 konnte das im Innern verändert wiederaufgebaute Haus seine 200-Jahr-Feier mit der Aufführung von Wagners Meistersinger von Nürnberg unter Wilhelm Furtwängler begehen.Frank Schmitz: Kleine Baugeschichte der Staatsoper unter den Linden. (PDF) Information der Staatsoper. Zu den Veränderungen von 1942 siehe Wie wurde die Staatsoper in der DDR rekonstruiert? Schlossdebatte.de Bild des Apollosaals als Foyer (1942). Architekturmuseum, Technische Universität Berlin. Der zweite Luftangriff vom 3. Februar 1945 zerstörte das Bühnenhaus und Teile des Zuschauersaals. Der Portikus und der zum Foyer umgestaltete Apollosaal blieben dabei weitgehend unversehrt.
Deutsche Staatsoper mini|hochkant|Richard Paulick am Modell der Deutschen Staatsoper, 1955 mini|Nach dem Wiederaufbau, 1979 mini|Verwaltungs- und Magazingebäude der Staatsoper, errichtet 1952–55
Nach dem Zweiten Weltkrieg diskutierte der Ost-Berliner Magistrat über eine Umnutzung des Opernhauses zur Musikhochschule oder über einen Abriss. Im Jahr 1951 wurde entschieden, es wieder aufzubauen. Während der Re- und Neukonstruktion diente der Admiralspalast weitestgehend als Ausweichspielstätte. Da das Intendanzgebäude im Zuge der Renovierungsarbeiten vergrößert werden sollte und somit in die Bauflucht des Ostastes des Lindentunnels ragte, wurde dieser 1951 stillgelegt. Am 11. April 1953 wurde Unter den Linden Richtfest gefeiert. Inzwischen war Kleiber wegen seiner Zusage, die musikalische Leitung im wiedererrichteten Opernhaus zu übernehmen, in der westlichen Öffentlichkeit unter politischen Druck geraten. Dass auf dem Portikus die Inschrift „DEUTSCHE STAATSOPER“ statt wie bisher die Widmung „FRIDERICVS REX APOLLINI ET MVSIS“ („König Friedrich Apoll und den Musen“) prangen sollte, bot ihm den willkommenen Anlass, dem vom Ost-West-Konflikt geprägten Berliner Kulturleben den Rücken zu kehren.Michael Lemke: Vor der Mauer. Berlin in der Ost-West-Konkurrenz 1948 bis 1961. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2011, ISBN 978-3-412-20672-7, S. 467. Das Haus wurde am 4. September 1955 mit einer festlichen Aufführung der Meistersinger von Nürnberg unter der Leitung von Franz Konwitschny wiedereröffnet.