Henry James „Harry“ Redknapp (* 2. März 1947 in London) ist ein ehemaliger englischer Fußballspieler und -trainer. Er betreute verschiedene Premier-League-Klubs, unter anderem West Ham United, Tottenham Hotspur, den FC Southampton sowie den FC Portsmouth. Sein einziger bedeutender Titel war der Gewinn des FA Cups 2008 mit Portsmouth. Neben seinen sportlichen Leistungen wurde Redknapp vor allem für seine charismatische, volksnahe Art und den souveränen Umgang mit den Medien geschätzt und entwickelte sich zu einer beliebten Persönlichkeit des englischen Fußballs.Harry Redknapp's colourful career in football management

Spielerkarriere Harry Redknapp stammt aus Poplar, einem Arbeiterviertel im Londoner East End. Schon als Jugendlicher war er ein begeisterter Fußballer und verließ die Schule bereits kurz vor seinem 15. Geburtstag, um sich auf seine Sportlerkarriere zu konzentrieren. Seit 1958 spielte er für die Jugendmannschaften der Tottenham Hotspurs, wechselte jedoch 1962 zu West Ham United. Der Klub aus dem East End gilt als klassischer Arbeiterklub. Am 23. August 1965 absolvierte Redknapp sein erstes Profispiel für die Hammers in der englischen First Division. In den folgenden Jahren wurde er überwiegend im Mittelfeld oder als Flügelspieler eingesetzt und spielte an der Seite der 66er-Weltmeister Bobby Moore, Geoff Hurst und Martin Peters. Nach insgesamt 175 Pflichtspielen (acht Tore) wechselte Redknapp im August 1972 von West Ham zum Drittligisten AFC Bournemouth. Beim Klub von der englischen Südküste suchte er neben mehr Einsatzzeiten auch eine neue sportliche Perspektive, allerdings stieg die Mannschaft nach der Saison 1974/75 in die Fourth Division ab. Nach einem kurzzeitigen Engagement beim FC Brentford und einer Arbeit als Taxifahrer, schloss sich Redknapp 1976 den Seattle Sounders aus der nordamerikanischen Profiliga NASL an. Dort agierte er überwiegend als spielender Co-Trainer von Jimmy Gabriel und stand mit den Sounders im Endspiel um die US-Meisterschaft 1977, das mit 1:2 gegen New York Cosmos verloren wurde. Nachdem sich ein Engagement bei der kurzlebigen Franchise Phoenix Fire zerschlagen hatte, beendete Redknapp seine aktive Karriere im Jahr 1979.Das unglaubliche Leben des Harry Houdini

Trainerlaufbahn AFC Bournemouth Zur Saison 1982/83 kehrte Redknapp zum AFC Bournemouth zurück und wurde zunächst Co-Trainer von David Webb und später Don Megson. Nach dessen Entlassung machte die Klubführung ihn am 19. Oktober 1983 zum neuen Cheftrainer und sein erstes Spiel war ein 0:0 gegen Southend United. Unter Redknapp stabilisierten sich die Cherries und sicherten sich durch einen komfortablen Punkteabstand zu den Abstiegsrängen den Klassenerhalt. Darüber hinaus gelang dem Drittligisten im FA Cup durch einen Sieg über den Titelverteidiger Manchester United ein Überraschungserfolg.FA Cup: When Bournemouth shocked Manchester United Gleich am Ende seiner Premierensaison gewann er mit dem Klub die erste Austragung des Associate Members’ Cup 1984 (2:1 gegen Hull City).Associate Member's Cup 1983-84

In den folgenden Jahren setzte Redknapp verstärkt auf Spieler der eigenen Nachwuchsabteilung und förderte gezielt junge Talente. Auch sein Sohn Jamie schaffte den Sprung in die erste Mannschaft und wurde 1991 an den FC Liverpool verkauft. Der AFC Bournemouth entwickelte sich zu einer offensivstarken Mannschaft, die durch teilweise attraktiven Fußball überzeugte. Taktisch bevorzugte Redknapp eine klassische 4-4-2-Formation und legte großen Wert auf mannschaftliche Geschlossenheit. Er selbst galt als harter Arbeiter und überzeugte durch seine Menschenführung.Deconstructing Harry Redknapp: a football talent beyond just his personality Nach einigen Spielzeiten der Konsolidierung im Mittelfeld der Tabelle, gipfelte die sportliche Entwicklung in der Saison 1986/87: Mit einem Vereinsrekord von 97 Punkten führte Redknapp den AFC Bournemouth zur Drittligameisterschaft und erstmalig zum Aufstieg in die Second Division. Zu den Schlüsselspielern der Aufstiegsmannschaft gehörten unter anderem Gerry Peyton, Sean O’Driscoll und Tony Pulis.

Nach dem Aufstieg gelang es Redknapp zunächst, Bournemouth während der folgenden beiden Spielzeiten in Englands zweiter Liga zu etablieren. Doch während der Saison 1989/90 spielte die Mannschaft eine schwache Rückrunde und musste nach einer 0:1-Niederlage gegen Leeds United im heimischen Dean Court wieder absteigen. Das Saisonfinale am 5. Mai 1990 wurde von Hooligan-Ausschreitungen überschattet, die als Bournemouth-Riots traurige Bekanntheit erlangten.Bank holiday mayhem – when Leeds were promoted and Bournemouth was trashed Redknapp ging mit in die Third Division und blieb noch bis zum Ende der Saison 1991/92 beim AFC Bournemouth, bevor er aufgrund der dauerhaft begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten als Trainer zurücktrat.

West Ham United 1992 wurde Redknapp neuer Assistenztrainer seines früheren Mitspielers Billy Bonds bei West Ham United. Den Hammers gelang 1992/93 der Aufstieg in die neu gegründete Premier League. Als Bonds die neu geschaffene Position des Sportdirektors ablehnte, trat er schließlich vollständig zurück und der Verein übertrug Redknapp die sportliche Verantwortung, indem man ihn am 10. August 1994 zum neuen Cheftrainer ernannte.[cite web |title=Billy Bonds |publisher=West Ham United |access-date=28. September 2026]

In drei Jahren schloss er mit seiner neuen Mannschaft jeweils am Saisonende auf einem Mittelfeldplatz ab und die Handschrift Redknapps wurde zunehmend erkennbar. Dennoch wurde der Druck für ihn größer, da die eigenen Anhänger vielmehr sein Scheitern, den Verein in die obere Tabellenhälfte zu führen, erkannten. Das Präsidium hielt jedoch in diesen turbulenten Zeiten an Redknapp als Trainer von West Ham fest.

Wie in Bournemouth setzte Redknapp den Schwerpunkt in der Jugendarbeit die Spielern wie Rio Ferdinand, Joe Cole, Michael Carrick und Redknapps Neffen Frank Lampard zum Durchbruch verhalf. Im Jahr 1998 schlossen die „Hammers“ die Spielzeit auf dem achten Platz ab, was im Jahr darauf durch den fünften Platz – eine der besten Positionierungen in der Vereinsgeschichte – und die damit verbundene Qualifikation für den UI-Cup noch gesteigert wurde.

In der folgenden Saison konnten die Leistungen in der Liga nicht bestätigt werden. West Ham gewann den UI-Cup, und auch die zusätzlichen Spiele im UEFA-Pokal führten im Lauf der Saison zu Müdigkeitserscheinungen. In den letzten vier Partien holte der Verein von zwölf möglichen Punkten nur noch einen. Ebenfalls in dieser Saison verlor West Ham mit Ferdinand seinen vermutlich besten Abwehrspieler, als dieser für 18 Millionen britische Pfund zu Leeds United wechselte.

Obwohl ein Teil des Geldes in die erneute Verstärkung der Mannschaft reinvestiert wurde, überwarf sich Redknapp zunehmend mit der Vereinsführung und hielt dieser vor, zu wenig Ehrgeiz zu zeigen. Am 9. Mai 2001 verließ er dann den Verein. Die genauen Umstände wurden offiziell nicht genannt.

FC Portsmouth 2001 übernahm Redknapp den Posten des Sportdirektors beim Zweitligisten FC Portsmouth, fand jedoch nur schwer in das für ihn ungewohnte Tätigkeitsfeld. Zum Ende der Saison 2001/02 kämpfte die Mannschaft gegen den drohenden Abstieg. Nachdem Trainer Graham Rix entlassen worden war, übernahm Redknapp am 25. März 2002 den Trainerposten und betreute die Mannschaft in den verbleibenden fünf Saisonspielen. Obwohl ihm dabei kein Sieg gelang, belegte Portsmouth am Saisonende den 17. Tabellenplatz und sicherte sich damit den Klassenerhalt.Deconstructing Harry Redknapp: a football talent beyond just his personality

Vor der Saison 2002/03 nahm Redknapp umfangreiche Veränderungen am Kader vor. Ein Großteil der Neuzugänge kam ablösefrei, auf Leihbasis oder für vergleichsweise geringe Ablösesummen. Die Sportpresse bezeichnete Redknapps Transferpolitik als „wheeling and dealing“, was sinngemäß mit „Feilschen und geschicktes Einfädeln von Transfers“ übersetzt werden kann.Why does everybody hate Harry Redknapp? How the People's Champion lost his crown Redknapp empfand die Bezeichnung als abwertend. Nach dem Verkauf des Toptorjägers Peter Crouch und dem Abgang des erfahrenen Robert Prosinečki räumte man Portsmouth für den Aufstieg lediglich Außenseiterchancen ein. Redknapp bewies eine gute Teamführung und wurde seinem Ruf als „Transfer-Magier“ gerecht. Er stellte eine sehr erfahrene, teils unkonventionelle Mischung aus bewährten Veteranen und hungrigen Talenten zusammen. Insbesondere die Neuzugänge Paul Merson, Arjan de Zeeuw, Steve Stone und Shaka Hislop sowie der Torschützenkönig Swetoslaw Todorow und Jungstar Yakubu Aiyegbeni – allesamt von Redknapp verpflichtet – erwiesen sich als Schlüsselspieler. Nach einem starken Saisonstart setzte sich der FC Portsmouth überraschend an die Tabellenspitze der First Division. Der offensivstarken Einheit gelang mit 98 Punkten der souveräne Aufstieg in die Premier League. Damit kehrte der Verein nach 15 Jahren in die höchste englische Spielklasse zurück. Redknapp erhielt die Auszeichnung als bester Zweitligatrainer („LMA Manager of the Year“).Portsmouth’s promotion season under Harry Redknapp – 15 long years later

In der Saison 2003/04 führte Redknapp das personell erneuerte Portsmouth auf den 13. Tabellenplatz der Premier League. Trotz wiederholter Meinungsverschiedenheiten mit Eigentümer Milan Mandarić über die Transferpolitik und den Trainingsbetrieb konnte Redknapp den Kader im Sommer 2004 weiter verstärken. Zugleich erklärte er öffentlich, Portsmouth zu einem etablierten Verein entwickeln zu wollen. Die Unstimmigkeiten nahmen jedoch weiter zu und führten am 23. November 2004 zu Redknapps Rücktritt. Der Hauptgrund für seinen Abschied war eine Auseinandersetzung mit Mandarić, nachdem dieser ohne Redknapps Zustimmung Velimir Zajec als neuen Fußballdirektor vorgesetzt hatte.

FC Southampton Obwohl Redknapp eine Auszeit vom Profifußball angekündigt hatte, nahm er am 8. Dezember 2004 und damit nur etwa zwei Wochen nach seinem Abschied vom FC Portsmouth, das Traineramt des Ligakonkurrenten FC Southampton an.On this day in 2004: Harry Redknapp appointed Southampton manager Damit wechselte er ausgerechnet zum großen südenglischen Lokalrivalen und löste massive Fan-Proteste seines früheren Klubs aus, die ihn als „Judas“ oder „Betrüger“ beschimpften. Redknapp übernahm Southampton am 17. Spieltag (2004/05) und die Mannschaft steckte als Tabellenvorletzter mitten im Abstiegskampf der Premier League. Nach Öffnung des Transferfensters nahm er zwar einige Veränderungen am Kader vor und verpflichtete u. a. seinen Sohn Jamie, doch er konnte den Abstieg am Saisonende nach 27-jähriger Erstklassigkeit nicht verhindern. Redknapp, der zuvor noch nie aus der Premier League abgestiegen war, entschied sich für die Fortführung seiner Arbeit in der zweitklassigen Championship.

Durch den Abgang zahlreicher Leistungsträger blieben die Saints in der Championship 2005/06 deutlich hinter den Erwartungen zurück und nachdem der Vorstandsvorsitzende Rupert Lowe den ehemaligen Rugby-Nationaltrainer Clive Woodward als Technischen Direktor in den Klub geholt hatte, galt das Verhältnis zu Redknapp als zerrüttet.Woodward says 'I'm here to learn' In den Medien verdichteten sich indes Hinweise, dass er zu seinem alten Verein nach Portsmouth zurückkehren wolle und am 3. Dezember 2005 trat Redknapp als Southampton-Trainer zurück. Lowe kündigte offizielle Ermittlungen an, die die Rolle des FC Portsmouth in dieser Angelegenheit untersuchen sollten.

FC Portsmouth mini|Siegesparade des FC Portsmouth nach dem Gewinn des FA Cups 2008