mini|Corneliu Zelea Codreanu rechts|rahmenlos|Unterschrift Corneliu Zelea Codreanu (; * als Corneliu Zelinschi in Iași;Oliver Jens Schmitt: Căpitan Codreanu. Aufstieg und Fall des rumänischen Faschistenführers. Paul Zsolnay Verlag. Wien 2016, ISBN 978-3-552-05803-3, S. 36. † 30. November 1938 bei Tâncăbești) war ein faschistischer rumänischer Politiker. Von 1927 bis 1938 war er als Căpitanul („Hauptmann, Kapitän“) Führer der faschistischen Bewegung „Legion Erzengel Michael“, deren politischer Arm ab 1930 die Eiserne Garde wurde.Nach Florin Turcanu, Universität Bukarest, verweist Legion zunächst auf die „römischen“ Ursprünge Rumäniens sowie auf die Legionen rumänischer Bauern, die 1848–1849 unter der Führung sogenannter Tribune gegen die Unterdrückung durch die Ungarn gekämpft hatten. Weiter verweist Legion auf Gabriele D’Annunzios Legionäre in Fiume. Der Erzengel Michael, der Drachenbezwinger, war Codreanus Lieblingsheiliger, als Symbol des Sieges über den Teufel. Birgit Schmidt, Dschungel, S. 20.
Herkunft Corneliu war das älteste Kind von Ion Zelinschi (1878–1941) und dessen Ehefrau Elisa (geborene Brauner).I. C. Butnaru: The Silent Holocaust. Greenwood Publishing Group. New York/Westport/London, 1992, ISBN 0-313-27985-3, S. 36/37. Der Großvater der Mutter war aus Bayern in die damals zu Österreich gehörende Bukowina gezogen und hatte in Suceava als Zollbeamter gearbeitet.Gerhard Köpernik: Faschisten im KZ: Rumäniens Eiserne Garde und das Dritte Reich. Verlag Frank & Timme, Berlin 2014, ISBN 978-3-7329-0089-3, S. 45.
Der Vater Corneliu Codreanus war in der Bukowina aufgewachsen, als junger Mann nach Rumänien ausgewandertOliver Jens Schmitt: Căpitan Codreanu. Aufstieg und Fall des rumänischen Faschistenführers. Paul Zsolnay Verlag. Wien 2016, ISBN 978-3-552-05803-3, S. 22. und als Deutschlehrer tätig. Er legte großen Wert auf seine „rumänischen Wurzeln“ und änderte deshalb 1902 den (ursprünglich offenbar polnischen) Familiennamen in „Zelea Codreanu“.
Codreanus Vater behauptete immer wieder – um seine Wurzeln möglichst „reinrassig“ darzustellen –, dass sein Großvater ein ethnischer Rumäne mit dem Namen Zelea oder Zale gewesen und aus dem Komitat Máramaros in die Bukowina eingewandert sei. Dort habe die österreichische Verwaltung im weiteren Verlauf den Namen polonisiert (Zieliński).
Die schriftlichen Unterlagen geben hierüber keinen Aufschluss. Im Jahr 1938 erstellten Polizeibehörden in Czernowitz, das damals rumänisch war und Cernăuți hieß, einen Stammbaum des damals inhaftierten Corneliu Zelea Codreanu. Dieser Stammbaum reichte in männlicher Linie bis zu dem erwähnten Urgroßvater mit dem Namen Simion Dielinschi (1822–1887) zurück. Dessen Nationalität wurde mit „wahrscheinlich russisch“ angegeben. Des Weiteren wurden väterlicherseits ukrainische, mütterlicherseits neben den deutschen polnische, tschechische und ukrainische Vorfahren aufgeführt.
Der Vater habe als Schüler den Atheismus propagiert und sei im anschließenden Studium durch „Arroganz“ und „Größenwahn“ aufgefallen. Auch war die Familie des Vaters extrem gewalttätig: der Großvater soll seine erste Frau erschlagen haben und der Vater bereits in der Schule durch Gewalt gegen Mitschüler aufgefallen sein.O. J. Schmitt: Căpitan Codreanu , Rezension von Markus Bauer, H-Soz-Kult, 4. Dezember 2018. Sein Vater habe davon gesprochen, später „Präsident Rumäniens“ zu werden.Editura Mica Valahie: Procesele Lui Corneliu Zelea Codreanu (1938), Vol. II. Bukarest, 2013, ISBN 978-606-8304-50-2, S. 135f.
Zu diesem Stammbaum und den sonstigen z. T. falschen Angaben ist einschränkend zu sagen, dass sie zu einem Zeitpunkt erstellt wurden, zu dem die staatlichen Behörden alles daran setzten, Codreanu bei seinen Anhängern zu diskreditieren.Oliver Jens Schmitt: Căpitan Codreanu. Aufstieg und Fall des rumänischen Faschistenführers. Paul Zsolnay Verlag. Wien 2016, ISBN 978-3-552-05803-3, S. 34. Die Angaben über die extreme Gewalttätigkeit in Codreanus Familie und seine nicht rumänischen, sondern deutschen und polnischen Vorfahren sind jedoch vielfach und eindeutig belegt., Norbert Mappes-Niediek, Falter, 16. September 2016.
Das Leben Ion Zelea Codreanus und das seiner Familie (Corneliu Codreanu wuchs mit vier Brüdern und zwei Schwestern auf) war von einem „wilden und gnadenlosen Antisemitismus“ geprägt.Oliver Jens Schmitt: Căpitan Codreanu. Aufstieg und Fall des rumänischen Faschistenführers. Paul Zsolnay Verlag. Wien 2016, ISBN 978-3-552-05803-3, S. 13.
Als 1910 Alexandru C. Cuza und Nicolae Iorga die antisemitische „National-Demokratische Partei“ gründeten, wurde Ion Zelea Codreanu deren eifriger und ergebener Anhänger.
Kindheit und Jugend Corneliu Zelea Codreanu besuchte die Grundschule in Iași und Huși.Mihaela Gligor: Mircea Eliade. Anii tulburi: 1932–1938. Aura Christi & Andrei Potlog, Bukarest 2012, ISBN 978-973-1727-17-2, S. 135. 1912 wechselte er auf eine Militärschule in Mănăstirea Dealu bei Târgoviște. Hier habe Codreanu nach eigener Aussage „eine strenge militärische Erziehung erfahren und einen gesunden Glauben an die eigene Kraft mitbekommen“.Corneliu Zelea Codreanu: Pentru Legionari. Englischsprachige Ausgabe in Black House Publishing. London, 2015, ISBN 978-1-910881-00-2, S. 44.
Während des Eintritts Rumäniens in den Ersten Weltkrieg Ende August 1916 befand sich Codreanu zu Hause bei seiner Mutter in Huși. Sein Vater war schon zwei Jahre zuvor zur Armee einberufen worden. Codreanu, der zu diesem Zeitpunkt erst 17 Jahre alt war, suchte die Einheit seines Vaters im Tal des Flusses Oituz auf, um als Freiwilliger zu dienen. Dies wurde vom Regimentskommandeur aufgrund Codreanus Alter abgelehnt. Trotzdem begleitete er mehrere Wochen lang seinen Vater, bevor er von ihm nach Hause geschickt wurde, um sich um seine Familie in Huși zu kümmern.
Die Militärschule im Kloster von Dealu war inzwischen von den Mittelmächten besetzt worden. Von September 1917 bis Juli 1918 setzte Codreanu seine militärische Ausbildung an der Infanterieschule in Botoșani fort; anschließend kehrte er nach Huși zurück und legte dort im Herbst 1919 das Abitur ab.
Zuvor – im Frühjahr 1919 – gründete er in einem Wald nahe seiner Heimatstadt gemeinsam mit etwa 20 Mitschülern erstmals eine Organisation, deren Ziel es war, im Falle eines Einmarsches revolutionärer russischer Truppen gegen Kommunisten und Juden zu kämpfen. Zu diesem Zweck bewaffnete sich die Gruppe und führte im Wald militärische Übungen durch.
Studium Anschließend begann Codreanu in Iași ein Jura-Studium. Dort kam er in engeren Kontakt mit Alexandru C. Cuza, dem Freund seines Vaters. Cuza war in Iași als Professor für Wirtschaftswissenschaften tätig. Codreanu unterstützte dort die „Garda Conștiinței Naționale“ (Garde des Nationalbewusstseins), deren Vorsitzender der Klempner und Elektriker Constantin Pancu war.
Unter Nicolae Iorgas Losung „Rumänien den Rumänen, und nur den Rumänen“ wurden dabei nationalistische, antisemitische und proletarische Forderungen vereint. In bestreikten Unternehmen organisierte Codreanu den Einsatz von Streikbrechern und hisste rumänische Nationalflaggen anstelle der dortigen roten Fahnen.Gerhard Köpernik: Faschisten im KZ: Rumäniens Eiserne Garde und das Dritte Reich. Verlag Frank & Timme, Berlin 2014, ISBN 978-3-7329-0089-3, S. 11.
Cuza beauftragte Codreanu, entsprechende studentische Aktivitäten in Iași zu organisieren. Auf dem ersten gesamtrumänischen Studentenkongress im September 1920 in Cluj setzte Codreanu gegen den anfänglichen Widerstand einer Mehrheit durch, dass jüdische Studenten auch weiterhin aus den Studentenverbänden ausgeschlossen blieben.Corneliu Zelea Codreanu: Pentru Legionari. Englischsprachige Ausgabe in Black House Publishing. London, 2015, ISBN 978-1-910881-00-2, S. 69.
Auch in Iași war Codreanu in seinem studentischen Umfeld aktiv. So protestierte er 1920 dagegen, dass – anders als früher – das Semester nicht mehr mit einer rumänisch-orthodoxen Messe eröffnet werden sollte. Dafür wurde er zwar von gegnerischen Studenten verprügelt, konnte sein Ziel jedoch durchsetzen. Mit Gleichgesinnten sprengte er Versammlungen linker Studenten, drang in Redaktionsräume und Druckereien liberaler – von ihm als „jüdisch-kommunistisch“ angesehener – Zeitungen ein, griff die dortigen Mitarbeiter an und zerstörte Druckereieinrichtungen.
Diese Vorkommnisse veranlassten die Universitätsleitung Codreanu vom Studium auszuschließen. Die Führung der Juristischen Fakultät jedoch schlug sich auf Codreanus Seite, erklärte die Fakultät für unabhängig und erlaubte Codreanu, sein Studium fortzusetzen. Das Rektorat wiederum weigerte sich später, Codreanu trotz bestandener Prüfungen das Diplom zu verleihen.
1922 gründete Codreanu an der Universität eine „Vereinigung christlicher Studenten“. Mitglieder dieser Gruppe stürmten z. B. Säle, in denen eine Theatergruppe ein Stück in jiddischer Sprache aufführen wollte, und vertrieben die Schauspieler von der Bühne.Gerhard Köpernik: Faschisten im KZ: Rumäniens Eiserne Garde und das Dritte Reich. Verlag Frank & Timme, Berlin 2014, ISBN 978-3-7329-0089-3, S. 12. Durch die maßgeblich von ihm initiierten Studentendemonstrationen 1922 sollte die Regierung veranlasst werden, einen Numerus clausus einzuführen, der Juden von der Hochschulbildung weitgehend ausgeschlossen hätte.I. C. Butnaru: The Silent Holocaust. Greenwood Publishing Group. New York/Westport/London, 1992, ISBN 0-313-27985-3, S. 38.
Nach Abschluss seines Jurastudiums in Iași wechselte Codreanu im Herbst 1922 an die Berliner Universität, um dort ein Studium der Volkswirtschaftslehre zu beginnen, aber wohl in erster Linie, um internationale Kontakte im Kampf gegen die Juden zu knüpfen.Corneliu Zelea Codreanu: Pentru Legionari. Englischsprachige Ausgabe in Black House Publishing. London, 2015, ISBN 978-1-910881-00-2, S. 94.Roland Clark: Holy Legionary Youth. Cornell University Press, Ithaca/London, 2015, ISBN 978-0-8014-5368-7, S. 35.
Mangels finanzieller Mittel zog er im Dezember 1922 nach Jena um, da dort die Lebenshaltungskosten niedriger waren.Gerhard Köpernik: Faschisten im KZ: Rumäniens Eiserne Garde und das Dritte Reich. Verlag Frank & Timme, Berlin 2014, ISBN 978-3-7329-0089-3, S. 13. Hier blieb er jedoch nur kurze Zeit. Ob Codreanu an den deutschen Universitäten Lehrveranstaltungen besuchte, ist unklar; sein Studium in Jena ist in den Unterlagen nicht nachweisbar.Oliver Jens Schmitt: Căpitan Codreanu. Aufstieg und Fall des rumänischen Faschistenführers. Paul Zsolnay Verlag. Wien 2016, ISBN 978-3-552-05803-3, S. 65f. Insgesamt war er von der seiner Meinung nach mangelnden antisemitischen Einstellung der meisten deutschen Studenten enttäuscht.Corneliu Zelea Codreanu: Pentru Legionari. Englischsprachige Ausgabe in Black House Publishing. London, 2015, ISBN 978-1-910881-00-2, S. 95. Als er von Studentenunruhen in Rumänien hörte, die vor allem gegen die „Judenpresse“ gerichtet waren, kehrte er nach Iași zurück.
Zunehmende Radikalisierung und eskalierende Gewalt Nachdem sich kurz zuvor Cuza und Iorga zerstritten hatten und ihre National-Demokratische Partei zerfallen war,Corneliu Zelea Codreanu: Pentru Legionari. Englischsprachige Ausgabe in Black House Publishing. London, 2015, ISBN 978-1-910881-00-2, S. 129. gründete Cuza Anfang März 1923 die „Liga Apărării Național Creștine“ (LANC, Liga zur Christlich-Nationalen Verteidigung) und benutzte das Hakenkreuz als deren Symbol. Codreanu stellte sich in seinen Memoiren als die treibende Kraft bei der Parteigründung dar.Corneliu Zelea Codreanu: Pentru Legionari. Englischsprachige Ausgabe in Black House Publishing. London, 2015, ISBN 978-1-910881-00-2, S. 124. Er begann im Auftrag Cuzas, in ganz Rumänien die neue Partei zu organisieren.Gerhard Köpernik: Faschisten im KZ: Rumäniens Eiserne Garde und das Dritte Reich. Verlag Frank & Timme, Berlin 2014, ISBN 978-3-7329-0089-3, S. 14.