mini|Bus am Hauptbahnhof Wiesbaden

Der öffentliche Personennahverkehr in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden besteht aus Buslinien, S-Bahnen und Regionalbahnen. Wiesbaden gehört tariflich primär zum Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), weist jedoch als Besonderheit auf, dass hier auch Fahrscheine des Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbundes (RNN) anerkannt und auch verkauft werden (siehe Tarife). Teil des öffentlichen Personennahverkehrs ist auch die Nerobergbahn, die allerdings tariflich nicht integriert ist.

Geschichte und Zukunft Straßenbahn und Oberleitungsbusse mini|Fahrschein der Stadtwerke mit Liniennetzplan aus den 1960er-Jahren

Im Jahr 1875 wurde eine Pferdebahnstrecke zwischen Rheinstraße und Nerotal in Betrieb genommen. 13 Jahre später wurde sie durch eine meterspurige Dampfbahn ersetzt. Ab 1896 wurden die ersten Wiesbadener Straßenbahnen elektrisch betrieben, das Angebot bis 1914 auf ein Netz mit neun Linien ausgedehnt. Wegen Unstimmigkeiten und kriegsbedingten Problemen wurde der Straßenbahnbetrieb ab 1929 immer weiter zurückgefahren und 1955 eingestellt, während die Stadtteile Kastel und Kostheim noch bis 1958 an das bis heute existierende Mainzer Straßenbahnnetz angebunden waren. Von 1948 bis 1961 verkehrten zudem Oberleitungsbusse (2 Linien) in Wiesbaden.Drehscheibe Online: Der Obus, nicht das liebste Kind der Wiesbadener, abgerufen am 7. Juli 2011

Eisenbahn Im Jahr 1840 wurde die Stadt Wiesbaden durch die Taunus-Eisenbahn an Frankfurt angebunden. Mit dem Bau der Nassauischen Rheinbahn 1856 war Biebrich und ein Jahr später auch der zentrale Rheinbahnhof rechtsrheinisch mit Rüdesheim am Rhein und Niederlahnstein, später auch mit Koblenz verbunden. Im Jahr 1879 folgte die Errichtung des Ludwigsbahnhofs und der angeschlossenen Ländchesbahn nach Niedernhausen. Von 1889 bis 1983 war Wiesbaden über die Aartalbahn für den Personenverkehr mit Diez und Limburg verbunden. Ein Teil dieser Strecke wird heute noch von der Nassauischen Touristik-Bahn (NTB) genutzt. Im Jahr 1906 wurden die drei Bahnhöfe in der Innenstadt durch den Wiesbadener Hauptbahnhof ersetzt.

Planungen für die Stadtbahn Wiesbaden

mini|Stadtbahn in Nordhausen auf eigenem Gleiskörper mit Rasengleis, wie es für die Citybahn von 2016 bis 2020 geplant war

Ab 1998 gab es Überlegungen, eine Stadtbahn durch die Innenstadt zu bauen, die mit der Aartalbahn verknüpft nach Bad Schwalbach geführt werden sollte. Die Pläne, die einen späteren Netzausbau vorsahen, wurden 2001 eingestellt. Im Juni 2011 wurde die Diskussion um eine Schienenverbindung zwischen der Innenstadt und dem Hauptbahnhof unter dem Namen „WIBahn“ wieder aufgenommen; auch dieses Projekt wurde 2013 eingestellt.

Von 2016 bis 2020 wurde ein erneuter Versuch unternommen, den innerstädtischen ÖPNV auf der Schiene zu ergänzen und dabei Anbindungen an Mainz und Taunusstein sowie Bad Schwalbach zu schaffen. Das „CityBahn“ genannte Projekt wurde im Unterschied zu vorigen Planungen in Meterspur-Bauweise geplant, um mit der Mainzelbahn kompatibel zu sein. Die gemeinsame Nutzung der denkmalgeschützten Trasse der Aartalbahn, welche in Normalspur-Bauart ausgeführt ist, sollte durch die Umspurung mittels Dreischienengleis erfolgen. Höchstens 62,1 Prozent der Gesamtkosten wären mit öffentlichen Fördermitteln getilgt worden, die restliche Finanzierung war jedoch nicht klar. Die Bürger Wiesbadens stimmten in einem Bürgerentscheid im November 2020 mehrheitlich gegen den Bau der Bahn. Die Projektplanung wurde überwiegend im Status der Vorplanung eingestellt. Nach Scheitern des Bürgerentscheides über eine Stadtbahn gab es erneut Vorschläge zur Reaktivierung der Aartalbahn.

Im April 2023 wurden erste Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie veröffentlicht, welche den Streckenabschnitt zwischen Wiesbaden und Bad Schwalbach untersuchte. Das Projekt wird von der Stadt Wiesbaden, dem Rheingau-Taunus-Kreis und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund getragen sowie vorangebracht.

Neuauflage des Nahverkehrplans Im November 2022 wurde damit begonnen, einen neuen Nahverkehrsplan zu entwickeln. In diesem werden die Anforderungen an den ÖPNV formuliert, um diesen den Bedürfnissen der Einwohner gerecht zu werden. Konkret wurde das gesamte Busnetz von Grund auf neu strukturiert und in Metrobuslinien, Stadbuslinien und Expressbuslinien hierarchisiert. Damit soll das Liniennetz stabiler und attraktiver werden sowie das Scheitern der Citybahn kompensiert werden, indem auf neu festgelegten Hauptachsen in Zukunft Metrobuslinien in besonders dichtem Takt fahren sollen, wobei nach ursprünglichen Planungen auf diesen Linien Doppelgelenkbusse eingesetzt werden sollten. Dieses Vorhaben wird jedoch mit dem aktuellen Fuhrpark vorerst nicht weiter verfolgt und ohne einen neuen Betriebshof können bei ESWE Verkehr keine überlangen Busse geparkt werden.

Die Umsetzung erster Maßnahmen aus dem Plan erfolgte nach dem Durchlaufen verschiedener politischen Gremien, wobei zunächst mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 einzelne Haltestellen umbenannt wurden. Start der Liniennetzreform ist der 3. Oktober 2027, wobei bereits im Sommer 2026 vorläufige Fahrplantabellen erstellt wurden und konkrete Schritte unternommen wurden, um 900 Haltestellen mit neuen Informationen auszustatten, 80 neue Bussteige einzurichten und etwa 50 Buslinien beim Regierungspräsidium Darmstadt neu konzessionieren zu lassen.

Stand Mitte September 2026 sieht das neue Liniennetz ab dem 3. Oktober 2027 wie folgt aus: