HMS Faulknor (H62) war der für die Zerstörer der F-Klasse der britischen Royal Navy gebaute Flottillenführer. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schiff mit den Battle Honours „Atlantic 1939–43“, „Norway 1940“, „Spartivento 1940“, „Malta Convoys 1941“, „Arctic 1942–43“, „Sicily 1943“, „Salerno 1943“, „Aegean 1943“, „Mediterranean 1943–44“, „Anzio 1944“ und „Normandy 1944“ ausgezeichnet.Service History HMS Faulknor
Er wurde nach dem Kriegsende als „the hardest worked destroyer of the fleet“ (dt.: „der am meisten eingesetzte Zerstörer der Flotte“) bezeichnet. Das Schiff wurde am 25. Juli 1945 in Dartmouth außer Dienst gestellt. Im Januar 1946 wurde die Faulknor zum Abbruch verkauft, der ab April in Milford Haven erfolgte.
Geschichte des Schiffes Das Schiff wurde 1933 als Flottillenführer der im Marinehaushalt 1932 bewilligten F-Klasse bestellt. Nach der Kiellegung mit der Baunummer 1640 bei Yarrow in Glasgow am 31. Juli 1933 lief das Schiff am 12. Juni 1934 vom Stapel. In Dienst gestellt wurde es am 24. Mai 1935 als siebtes Schiff der F-Klasse. Die Faulknor war ein Nachbau des Flottillenführer Exmouth. Mit diesen Schiffen kehrte die Royal Navy zur ursprünglichen Ausführung der größeren Führerboote mit fünf Geschützen der Hauptartillerie zurück. Die neuen Schiffe hatten allerdings nicht mehr die bei der Codrington der A-Klasse bemängelte geringere Manövrierfähigkeit. Die Länge beider Schiffe betrug 343 ft und die größte Breite 33,75 ft. Die Standardverdrängung der Faulknor wurde mit 1475 ts angegeben und bei voller Ausrüstung verdrängte sie 2010 long tons. Der Treibstoffvorrat war auf 471 t erhöht und gab den Schiffen eine größere Reichweite. Die Antriebsanlage mit der leicht erhöhten Leistung der Flottillenführer von 38.000 PS sollte den Schiffen eine Höchstgeschwindigkeit wie bei den Flottillenbooten von 36 kn geben. Die Faulknor erreichte bei ihren Abnahmetests 36,53 kn und gehörte zu den Einheiten, welche die Vertragsgeschwindigkeit überboten.
Die Faulknor war das dritte Schiff der Navy, das den Namen der britischen Seeoffiziersfamilie trug. Zuerst hatte 1914 der für die chilenische Marine bei White im Bau befindliche Zerstörer Almirante Simpson der Almirante-Lynch-Klasse diesen Namen bei der Übernahme durch die Royal Navy erhalten. 1920 wurde dieses Schiff mit seinen noch vorhandenen Schwesterschiffen nach Chile verkauft. Als Almirante Riveros blieb dieses Schiff bis 1933 im Dienst der chilenischen Flotte.
1925 bis 1928 führte ein in China angekaufter, als Flusskanonenboot genutzter Dampfer erneut den Namen Faulknor.
Einsatzgeschichte Zusammen mit den zugehörigen Zerstörern bildete Faulknor zunächst die „6th Destroyer Flotilla“ bei der Home Fleet. Die ersten öffentlichen Auftritte des Zerstörerführers waren die Anwesenheit bei der Flottenschau aus Anlass des silbernen Thronjubiläums George V. am 16. Juli 1935 auf dem Spithead und ein anschließender offizieller Besuch der Kanalinseln durch den britischen Thronfolger Edward. Die 6. Flottille verlegte von September 1935 bis April 1936 wegen der Abessinien-Krise zwischen Großbritannien und Italien nach Gibraltar. Die Faulknor folgte wegen bei den ersten Tests erkannter Mängel und deren Beseitigung auf der Marinewerft in Portsmouth erst im Oktober und lief erst bis nach Alexandria. Der spanische Bürgerkrieg führte dann schon ab Januar 1936 zur Beteiligung der Flottille an den sogenannten Neutralitätspatrouillen vor der südspanischen Küste und ab April mit einem Teil der Flottille vor den spanischen Häfen an der Biskaya. Nach einer Routineüberholung diente das Schiff dann wieder zur Unterstützung der schweren Einheiten der Home Fleet. Im ersten Quartal 1937 folgte ein erneuter Einsatz in der Biskaya, wobei die in Faulknor in Bilbao erstmals einen deutschen Luftangriff erlebte. Die Kollision beim erneuten Ausmarsch nach Gibraltar mit einem britischen Frachter am 4. August 1937 nahe Ushant führte zum Ausfall des Schiffes für den Rest des Jahres. Die Besatzung der Faulknor wurde darauf zur Bemannung des Flottillenführers Keith bis Ende November 1937 eingesetzt.
Im ersten Quartal 1938 befand sich das instandgesetzte Schiff wieder im Mittelmeer zum Training mit französischen Einheiten, um dann wieder bei der Home Fleet eingesetzt zu werden. Dabei war sie an Besuchen in Ostende und Kristiansund beteiligt. Im Mai 1939 wurde die Flottille in die „8th Destroyer Flotilla“ umbenannt, als die bis dahin separat nummerierten Flottillen der Tribal-Zerstörer in das Nummernsystem eingeordnet wurden.Royal Navy Organisation 1919–1939.
Kriegseinsätze Nach dem Kriegsbeginn verblieb das Schiff mit der Flottille bei der Home Fleet, wurde allerdings zusammen mit den Zerstörern wiederholt zur U-Jagd eingesetzt. Bei einer dieser Suchfahrten gelang es ihm zusammen mit Firedrake und Foxhound, am 14. September 1939 als erstes deutsches U-Boot im Zweiten Weltkrieg U 39 nordwestlich von Irland nach einem gescheiterten Angriff auf Ark Royal zu versenken. Die Besatzung des U-Bootes konnte gerettet werden. Einige Tage später konnte zusammen mit Fortune, Fearless und Forester das deutsche U-Boot U 27 bei den Hebriden versenkt werden, von dessen Besatzung die Faulknor 20 Mann rettete.
Nachdem er in der Zwischenzeit Truppenkonvois über den Atlantik geleitet hatte, wurde der Flottillenführer dann im Jahr 1940 bei der versuchten Abwehr der deutschen Landung in Norwegen (Unternehmen Weserübung) zur Deckung von Schiffen der Home Fleet eingesetzt. Das Schiff sollte Anfang April bei der geplanten Landung der Alliierten in Norwegen eingesetzt werden, der die Deutschen mit ihrem Angriff auf Norwegen zuvorkamen. Der Flottillenchef der 8. Flottille leitete nach den beiden Angriffe der Royal Navy auf die deutschen Zerstörer in Narvik die Zerstörer in dessen Umgebung, um eine deutsche Unterstützung der dort gelandeten Einheiten über See zu verhindern. Sie griff mit ihrer Artillerie auch deutsche Positionen zusammen mit anderen Zerstörern an. Neben den Schiffen der 8. Flottille kamen auch andere Einheiten zum Einsatz, darunter polnische Zerstörer. Auch transportierte sie alliierte Truppen in Positionen, um die in Narvik abgeschnittenen deutschen Einheiten vom Meer und möglichen Landeplätzen abzudrängen. Bei ihren Einsätzen wurden die Zerstörer zum Teil von der Luftwaffe angegriffen. Am 4. Mai versenkte ein He-111-Bomber des KG 100 im Rombakken-Fjord die polnische Grom. Die zur Hilfe kommende Faulknor konnte 52 Überlebende retten, barg aber auch 60 Tote. Am folgenden Tag lief das Schiff kurzzeitig auf und beschädigte seine ASDIC-Anlage. Zur Abwehr von U-Booten kaum einsetzbar, ging das Schiff zusammen mit Amazon, Imogen und Whirlwind als Geleitschutz leerer Truppentransporter zurück nach Großbritannien, wo sie von Mitte Mai bis Mitte Juni repariert wurde. Dabei wurde ihr hinterer Torpedorohrsatz durch ein 76-mm-Fla-Geschütz ersetzt.
Einsätze bei der Force H Nach dem Ende der Operationen in Norwegen wies die Admiralität die 8. Flottille mit Faulknor und den Zerstörern Fearless, Foxhound, Foresight und Forester sowie Escapade und Escort der neu gebildeten Force H zu, die in Gibraltar stationiert wurde.Rohwer: Seekrieg. 17. – 28.6.1940 Nordatlantik / Gibraltar Erste Aufgabe des neuen Verbandes war die Neutralisierung der französischen Marine in Mers-el-Kébir (Operation Catapult am 3. Juli). Es folgte wenige Tage später die Seeschlacht bei Punta Stilo, an der die Faulknor mit Forester, Foresight, Foxhound, Fearless und Escort beteiligt war.Rohwer: Seekrieg. 6. – 11.7.1940 Mittelmeer Im September 1940 nahm die Faulknor mit den Zerstörern Foresight, Forester, Fortune, Fury und Greyhound an dem gescheiterten Versuch teil, Dakar zu besetzen (Operation Menace).Rohwer: Seekrieg. 1. – 13.9.1940 Nord- und Mittelatlantik, 23. – 25.9.1940 Mittelatlantik Anschließend erfolgte Anfang Oktober die Besetzung von Französisch-Kamerun durch frei-französische und britische Truppen. Eine britische Brigade wurde auf der Westernland von Freetown nach Duala transportiert, die von dem Schweren Kreuzer Devonshire und den Zerstörern Faulknor, Foresight, Fury und Escapade gesichert wurde. Zum Flottenverband gehörten noch die frei-französischen Avisos Savorgnan de Brazza (1969 t), Commandant Dominé und Commandant Duboc (Minensucher, 630 t). Am 9. Oktober 1940 ging General de Gaulle vom Minensuchboot Commandant Duboc in Duala an Land und hisste erstmals die frei-französische Flagge auf dem französischen Gebiet.Rohwer: Seekrieg. 2. – 9.10.1940 Mittelatlantik / Kamerun
In den folgenden Monaten war der Flottillenführer immer wieder mit der Force H im Mittelmeer im Einsatz und nahm am 27. November 1940 an der Seeschlacht bei Kap Spartivento teil. Sie sicherte mit acht weiteren Zerstörern – darunter Firedrake, Forester und Fury – die schweren britischen Einheiten Ramillies und Renown. Die britischen Zerstörer hatten an dem kurzen, überwiegend auf großer Distanz geführten Gefecht keinen aktiven Anteil. Faulknor diente dann als Eskorte für Flugzeugträger, von denen Jagdflugzeuge nach Malta geflogen wurden, und für Konvois, die meist Kriegsmaterial für die britischen Truppen in Nordafrika und Versorgungsgüter für Malta transportierten. Dabei wurde das Schiff auch als schneller Minensucher genutzt. Von Mitte Januar bis Mitte März 1941 wurde das Schiff zur Geleitsicherung im mittleren Atlantik mit Basis in Freetown abgeordnet, wo auch andere Einheiten der F-Klasse zeitweise zum Einsatz kamen. Die Verstärkung der Sicherung von Geleitzügen in diesem Seegebiet war eine Folge erheuter Aktivitäten der deutschen Überwasserschiffe und einer Verlegung der Jagdgebiete der U-Boote.
Mit der Force H war die Faulknor mit Forester, Foresight, Foxhound und Fury Ende Mai 1941 auch im Atlantik, als der Bismarck mit der Prinz Eugen der Durchbruch durch die Dänemarkstraße gelang. Als Renown, Ark Royal und Sheffield nach Norden vorstießen, um sich an der Suche nach der Bismark zu beteiligen, blieben die Zerstörer zurück, da sie nicht über hinreichend Treibstoff verfügten. Bei einem anschließenden Vorstoß in den Atlantischen Ozean im Zuge der Suche nach deutschen Versorgern gelang es Faulknor zusammen mit Foxhound, Forester, Foresight und Fearless am 18. Juni 1941, das deutsche U-Boot U 138 westlich von Kap Trafalgar zu versenken. Eine Woche später versenkte sich der deutsche Blockadebrecher Alstertor selbst bei der Annäherung der Zerstörergruppe mit der Fury (für Foresight).Rohwer: Seekrieg. 3. – 25.6.1941 Atlantik In den folgenden Monaten schlossen sich wiederum Einsätze der beschriebenen Art im Mittelmeer und Geleite Richtung Großbritannien an.
Ab dem 20. August wurde die Faulknor dann in Southampton grundüberholt. Schäden an den Turbinen des Schiffes wurden auf Sabotage zurückgeführt. Die Ursache wurde in fehlender Einsatzbereitschaft der überstrapazierten Besatzung gesehen. Während der Reparatur wurden auf dem Zerstörerführer zwei weitere FlaMG-Vierlinge installiert und die U-Bootabwehrbewaffnung verstärkt.
Erneute Einsätze bei der Home Fleet