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Die Uniklinik RWTH Aachen (Universitätsklinikum Aachen (AöR)) ist das Universitätsklinikum der RWTH Aachen. Es befindet sich in einem der größten Krankenhausgebäude Europas im Westen Aachens im Stadtteil Laurensberg, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Vaals in den Niederlanden. Rund 9.000 Mitarbeiter in 35 Fachkliniken und 33 Instituten (davon sechs mit Aufgaben in der Krankenversorgung) versorgten im Jahre 2017 insgesamt rund 50.000 Patienten stationär und 200.000 Patienten ambulant. Die Personalausgaben betrugen 2008 rund 239,6 Millionen Euro und die Materialaufwendungen 93,6 Millionen Euro.
Geschichte Maria-Hilf-Hospital mini|Ehemaliges Maria-Hilf-Hospital
Die Anfänge des heutigen Universitätsklinikums gehen bis in das 14. Jahrhundert zurück. Zu jener Zeit existierte auf dem damaligen Radermarkt, dem heutigen Münsterplatz in Aachen, das 1336 gegründete Elisabeth-Hospital für erkrankte Frauen, seiner Zeit bekannt als Städtisches Armenspital Gasthaus, das 1622 von Apollonia Radermecher und ihren neu gegründeten Elisabethinnenorden übernommen wurde.Geschichte der Elisabethinen, auf der Homepage des Ordens Für die männlichen Patienten wurde 1769 wenige 100 m entfernt in der Jakobstraße mit Hilfe einer Stiftung von Anna Maria von Wespien, der Gattin des ehemaligen Aachener Reichsbürgermeisters Johann von Wespien, das Marianische Spital erbaut. Zunächst als Ergänzung und als Nachfolgeeinrichtung dieser beiden Krankenanstalten wurde Anfang der 1850er-Jahre das Maria-Hilf-Hospital mit 260 Betten und großem Krankenhausgarten, dem späteren Kurpark Aachen, als konfessionelles allgemeines Krankenhaus an der Monheimsallee in Aachen nach Plänen von Friedrich Joseph Ark errichtet. Da die Stadtverwaltung Anfang des 20. Jahrhunderts diesen Platz für den Bau des Neuen Kurhauses freimachen wollte, wurde zwischen 1902 und 1905 ein städtischer Krankenhausneubau nach Plänen von Stadtbaumeister Joseph Laurent mit zunächst einer internistischen und einer chirurgischen Abteilung an der Goethestraße erstellt, wo zuvor die Aachener Alexianerbrüder die nunmehr aufgelösten Irrenanstalten Mariabrunn für Männer und Mariaberg für Frauen betrieben haben.Thomas Kreft: Das alte Klinikum, in: 75 Jahre Heilig Geist – 1930–2005 Geschichte und Gegenwart der Katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist zu Aachen mit ihrem Seelsorgebezirk Maria im Tann. Herausgegeben von Thomas Kreft unter Mitwirkung von Franz-Joseph Nix. Im Auftrag der Kath. Kirchengemeinde Heilig Geist zu Aachen, Aachen 2005, S. 176. (PDF) Daraufhin wurde 1914 das alte Maria-Hilf-Hospital an der Monheimsallee abgerissen und der seit den Anfangsjahren betreuende Orden der Elisabethinen für die neue Einrichtung übernommen.
Städtische Krankenanstalten Aachen mini|Ehemaliges Städtisches Elisabeth-Krankenhaus Aachen, Goethestraße, heute Sitz der Missio
In den zwanziger Jahren wurden auf dem neuen Areal die Abteilungen Gynäkologie, Dermatologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Prosektur eingerichtet sowie die Aachener Augenheilanstalt eingegliedert. 1923 erhielt das Krankenhaus in Erinnerung an die Keimzelle am Aachener Münsterplatz und den betreuenden Orden den Namen Städtisches Elisabeth-Krankenhaus Aachen. Da der Platz für weitere Abteilungen nicht mehr ausreichte, wurde sowohl zwischen 1932 und 1934 ein Neubau für die neu eingerichtete orthopädische Abteilung unter Friedrich Pauwels errichtet, der den Namen Albert-Servais-Haus erhielt, als auch 1941 für die Kinderklinik, die aus der Medizinischen Klinik für Innere Medizin von Ludwig Beltz hervorgegangen war.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Krankenanstalten als städtische Einrichtung von den politisch Verantwortlichen und den zuständigen Amtsärzten zu medizinischen Manipulationen gedrängt. Nach Verabschiedung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses im Jahr 1934 waren es vor allem der Chefarzt der Chirurgie Max Krabbel und der Radiologe Theodor Möhlmann, die ermächtigt wurden, Zwangssterilisationen und andere Eingriffe vorzunehmen. Vor allem Krabbel, ein vehementer Verfechter der Eugenik, protokollierte seine beachtliche „Jahresbilanz“ und publizierte anschließend über die sinnvollsten Techniken, die Verfahrensweisen und die Begleiterscheinungen dieser Operationen, die ihm vom Erbgesundheitsgericht zugewiesen wurden. Nur wenige Chefärzte wie beispielsweise Ludwig Beltz konnten diese Auflagen umgehen, wobei sie dafür erhebliche Nachteile in Kauf nehmen mussten. Weitere Ärzte, denen eine opportunistische Nähe zu dem politischen Regime nachgesagt wurde, waren der Dermatologe Friedrich Boosfeld und der Augenarzt Peter Geller.Richard Kühl: Leitende Aachener Klinikärzte und ihre Rolle im Dritten Reich. Studie des Aachener Kompetenzzentrums für Wissenschaftsgeschichte, Band 11, Hrsg.: Dominik Groß, Diss. RWTH Aachen 2010, ISBN 978-3-86219-014-0 pdf
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude der Städtischen Krankenanstalten schwer beschädigt und bis 1950 zum größten Teil – zumeist in Pavillonbauweise – wiederaufgebaut. Als eine der ersten neu eingerichteten Abteilungen entstand 1947 unter Leitung von Karl Heusch die urologische Abteilung. Zuletzt erhielt zwischen 1959 und 1961 die Kinderklinik einen großzügigen Neubau.
Infolge des Ärztemangels nach dem Krieg waren auch die Städtischen Krankenanstalten gezwungen, Mediziner neu oder wieder einzustellen, die zwar ein Entnazifizierungsverfahren durchlaufen haben, aber deren Biografien eine bedenkliche Nähe zum Nationalsozialismus aufwiesen. Dies betraf vor allem die in leitender Stellung eingesetzten Mediziner wie beispielsweise der Urologe Karl Heusch, der Chirurg Wilhelm Klostermeyer, der Augenarzt Alfred Jäger, der Gynäkologe Georg Effkemann, der Pathologe Martin Staemmler und die Internisten Ferdinand Hoff und Arthur Slauck.Carola Döbber: Politische Chefärzte? Neue Studien zur Aachener Ärzteschaft im 20. Jahrhundert (= Studien des Aachener Kompetenzzentrums für Wissenschaftsgeschichte. Band 14). Dissertation. Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen 2012. Kassel University Press, Kassel 2012, ISBN 978-3-86219-338-7 (online)
Universitätsklinikum Aachen mini|Ehemaliges Logo
Nachdem am 20. Mai 1961 der Senat der RWTH Aachen beschlossen hatte, die Eingliederung der städtischen Krankenanstalten in die RWTH Aachen beim zuständigen Kultusministerium NRW zu beantragen, wurde diesem Antrag am 28. April 1964 stattgegeben. Schließlich gingen die Städtischen Krankenanstalten ab dem 1. Januar 1966 vollends über in die Klinische Anstalten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule und somit in den Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen.
Das Gelände des alten Klinikums an der Aachener Goethestraße war zwar weitläufig, aber die meisten Abteilungen waren weiterhin in Pavillons untergebracht. Der knappe Raum und die rasch steigenden Patientenzahlen erforderten einen Neubau im Stadtteil Melaten, der von den Aachener Architekten Weber, Brand & Partner in Zusammenarbeit mit dem als Spezialisten für Krankenhausbau geltenden Benno Schachner entworfen und 1971 begonnen wurde.
An Stelle der staatlichen Hochbauverwaltung vertrat die Nordrhein-Westfälische Hochschulbau- und Finanzierungsgesellschaft (HFG) die Bauherrschaft. Im März 1970 beauftragte die HFG die Neue Heimat Städtebau GmbH mit dem Bau der Uniklinik. Synchronplanung, mangelnde Koordination und Kooperation führten zu einer Kostenexplosion und 1977 zur Ab- und Auflösung der HFG. Eine Sonderbauleitung wurde eingesetzt.Bauskandal, in: Der Spiegel vom 16. April 1979.
Dem schrittweisen Bezug ab 1982 folgte am 21. März 1985 die feierliche Einweihung des Gebäudes im Beisein des damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau und die Umbenennung der am Universitätsklinikum vorbeiführenden Straße nach dem Orthopäden Friedrich Pauwels.
Seitdem sind in einem Gebäude Lehre, Forschung und Krankenversorgung untergebracht. Die Gesamtbaukosten der Uniklinik mit 1600 Betten und 52 Operationssälen betrugen 2,06 Milliarden DM (heute ca. Milliarden Euro), im Jahr 1971 waren 571 Millionen DM (heute ca. Milliarden Euro) angenommen worden.RWTH-Alumni 2006, S. 30. Im Gegenzug wurden die Pavillons des alten Klinikums und die Kellerräume zugeschüttet und ein Park errichtet. Allein der Nordflügel des alten Klinikums hat ebenso wie die angeschlossene Kapelle St. Elisabeth die Zeiten überdauert und wurde 1989 von der gemeinnützigen Organisation missio Aachen bezogen. Die Elisabethinen selbst haben das alte Krankenhaus bis zu seiner Auflösung betreut. Anfang 1984 warf der Bundesrechnungshof der Landesregierung Versäumnisse bei Leitung und Kontrolle des Bauvorhabens am neuen Klinikum vor. So forderte dieser einen Stopp der Bundesbeteiligung über die vereinbarten 1,7 Milliarden DM und die Prüfung möglicher Regressansprüche an das Land. Das Land Nordrhein-Westfalen wiederum erhob Vorwürfe gegen den Bauträger wegen unzulänglicher Planungen und setzte eine Untersuchungskommission des Landtages ein.
Seit dem 1. Januar 2001 firmiert die Uniklinik RWTH Aachen – wie alle Universitätskliniken in NRW – als Anstalt des öffentlichen Rechts.Gesetz- und Verordnungsblatt Ausgabe 2000 Nr. 54 Damit sollte der Wirtschaftsbetrieb Krankenhaus von der Forschung und Lehre, die der Fakultät angehören, getrennt werden.
Im Jahr 2013 waren in der Uniklinik RWTH Aachen 35 Fachkliniken, 5 fachübergreifende Einheiten und 28 Institute beheimatet.Ein Phänomen in Deutschland, In: Aachener Nachrichten. 17. Juni 2013. Nach Stand Juni 2016 gehören der Medizinischen Fakultät 101 Lehrstuhlinhaber sowie Leiter von Forschungs- bzw. Lehrgebieten an; sie hat rund 2500 Studenten.
Im März 2015 feierte die Uniklinik RWTH Aachen mit einem Festakt ihr 30-jähriges Jubiläum. Die im Jahr 1966 gegründete Medizinische Fakultät der RWTH Aachen hat im Juni 2016 ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert.
Mit Wirkung zum 1. Januar 2020 übernahm das Universitätsklinikum zudem das Franziskushospital Aachen, das fortan unter „Uniklinik RWTH Aachen – Franziskus“ firmiert. Infolgedessen wurde dieses grundlegend umstrukturiert und aus dem Notfallplan der Krankenhäuser herausgenommen.Ehemaliges Franziskushospital gehört jetzt zur Uniklinik, Pressemitteilung auf den Seiten des UK Aachens vom 1. Januar 2020.
Mit Wirkung zum 1. August 2020 schloss die Kinderwunsch-Klinik und die Aufgaben werden zukünftig durch die Gynäkologische Klinik übernommen.
Im August 2021 wurde die Klinik für Orthopädie mit der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie zusammengelegt und offiziell in „Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie“ umbenannt.
Seit dem 1. Januar 2025 ist Joachim Windolf Ärztlicher Direktor der Uniklinik RWTH Aachen. Das Amt des Kaufmännischen Direktors hat Eibo Krahmer inne, Pflegedirektorin ist Jasmin Shmalia.
Gebäude mini|Rundblick über die Front des Gebäudes, der Parkfläche, hin zum Verwaltungsgebäude, Wohnheim und Parkhaus mini|Teil der Vorderansicht mini|Rückansicht mini|hochkant|Foyer