mini|Die Meistermannschaft von 1971: Monika Thiere, Rita Gerschner, Joachim Schimpke, Klaus Katzor, Roland Riese, Gottfried Seemann, Klaus-Peter Färber, Erich Wilde (v. l. n. r.) mini|Gottfried Seemann mini|Annemarie Seemann mini|Gerolf Seemann mini|Klaus Katzor mini|Erich Wilde mini|Rita Gerschner mini|Joachim Schimpke mini|1. Mannschaft 1973: Klaus-Peter Färber, Harald Richter, Monika Thiere, Annemarie Richter, Roland Riese, Joachim Schimpke (v. l. n. r.) mini|Roland Riese mini|Monika Cassens mini|Frank-Thomas Seyfarth mini|Ludmila Bášová mini|Petr Báša

Der Badminton-Verein Tröbitz, kurz BV Tröbitz, wurde im Spätsommer 1957 als Badminton-Sektion der Betriebssportgemeinschaft Aktivist Tröbitz gegründet.

Der Verein errang zahlreiche DDR-Meistertitel, unter anderem den ersten Mannschaftsmeistertitel 1960, von 1962 bis 1971 weitere zehn Teamtitel in Folge sowie weit über 100 Einzeltitel.

Erfolgreiche Medaillengewinner bei den DDR-Meisterschaften waren Monika Cassens (geborene Thiere), Gottfried Seemann, Annemarie Seemann (geborene Fritzsche), Rita Gerschner, Gerolf Seemann, Erich Wilde, Roland Riese, Klaus Skobowsky, Klaus Katzor, Joachim Schimpke, Frank-Thomas Seyfarth, Jens Scheithauer und Annemarie Richter (geborene Bendig, jetzt Färber).

Nach der Wende bestimmten insbesondere Peggy Richter und Thomas Riese das Tröbitzer Leistungsniveau in den Einzeldisziplinen, während in der Mannschaft die tschechischen Nationalspieler und Weltmeisterschaftsteilnehmer Ludmila Bášová und Petr Báša für Aufsehen sorgten.

Geschichte Die Anfänge bis 1960 Ende der 1950er Jahre wurden in der DDR zahlreiche Badmintonvereine gegründet. Der damalige Werkleiter des Braunkohlenwerks Tröbitz, Heinz Fritzsche, sah in dieser Zeit erstmals einen Badmintonwettkampf bei den Doberluger Vorreitern der Sportart im Osten Deutschlands. Wochen später wurde eine leer stehende Maschinenhalle des Braunkohlenwerks mit Sprossenwänden, Matten und Ringen in eine Sporthalle verwandelt. Heinz Fritzsche ließ ebenfalls ein Badmintonfeld auf den Boden zeichnen. In der ersten Begegnung gegen Traktor Doberlug-Kirchhain II im März 1958 zahlten die Tröbitzer noch reichlich Lehrgeld und unterlagen der Doberluger Reserve mit 4:7. Einen Monat später verlor man gegen die erste Mannschaft des Lokalrivalen mit 3:8. Andere Teams aus dem Bezirk Cottbus wurden jedoch klar bezwungen. So besiegte man im Mai 1958 Turbine Lübbenau mit 9:2 und Einheit Cottbus mit 11:0. In den Einzeldisziplinen machte zuerst Annemarie Fritzsche auf sich aufmerksam. Beim DDR-offenen Turnier in Doberlug-Kirchhain unterlag sie am 8. Juni 1958 erst im Finale gegen Sigrid Jaschke aus Doberlug. Bei den Cottbuser Bezirksmeisterschaften des Deutschen Federballverbandes gelang der 1. Tröbitzer Mannschaft am 5. Oktober 1958 in der Besetzung Friedel Seemann, Gerolf Seemann, Hans Bräuer, Klaus Löschke, Annemarie Fritzsche und Marlies Zosel der erste größere Erfolg. Die favorisierte Mannschaft von Traktor Doberlug-Kirchhain wurde im Endspiel klar mit 8:3 Punkten bezwungen. Eine Woche später unterlag man den Doberlugern in einem Freundschaftsspiel allerdings wieder mit 2:9. Bei den ersten Bezirks-Einzelmeisterschaften im Dezember 1958 wurde Friedel Seemann erster Titelträger bei den Herren, während Annemarie Fritzsche erneut gegen Jaschke unterlag. Dritter bei den Herren wurde Gerolf Seemann. Mit der Einweihung der Tröbitzer Sporthalle am 14. Februar 1959 wurde eine weitere Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten geschaffen. Den bis dato größten Erfolg in der Sportgeschichte des Dorfes Tröbitz erreichten die Aktivist-Sportler beim III. Deutschen Turn- und Sportfest im Oktober 1959 in Leipzig. Friedel Seemann siegte dort gegen Hans Abraham aus Berlin im Endspiel des Herreneinzels mit 17:14 und 15:0. Mit Sigrid Jaschke gewann er seine zweite Goldmedaille im Mixed-Endspiel gegen Abraham/Gründer aus Berlin mit 15:12 und 15:2. Im Herrendoppel-Endspiel mussten Friedel Seemann und Gerolf Seemann der Berliner Paarung Abraham/Adam den Sieg überlassen.

Meisterjahre 1960–1971 1960 errang Tröbitz den Titel „Erster Deutscher Mannschaftsmeister“, der allerdings nur auf das Gebiet der DDR bezogen war. Gottfried „Friedel“ Seemann wurde erster Einzelmeister bei den Herren. Von 1962 bis 1970 gewannen die Tröbitzer zehnmal hintereinander die Mannschaftsmeisterschaft. 1964 holte Aktivist Tröbitz alle zwölf Titel im Jugend- und Erwachsenenbereich in die Niederlausitz. Neue Gegner fand man im Ausland, wobei man sich sofort an der internationalen Spitze orientierte. Dänemarks Asse, unter ihnen Weltmeister Erland Kops, wurden nach Tröbitz eingeladen, Rita Gerschner und Friedel Seemann starteten als nationale Vertreter bei der asiatischen Elite in Indonesien bei den GANEFO vor 10.000 Zuschauern. Bei der bezirklichen Sportlerumfrage kamen die Tröbitzer auf Platz zwei hinter den Weißwasseraner Eishockeyspielern – vor den Fußballern aus Cottbus. Den größten Erfolg für den ostdeutschen Badmintonsport errang 1971 die Tröbitzerin Monika Thiere. Sie wurde Dritte bei den Junioreneuropameisterschaften. 1972 gehörte sie zu den besten acht Frauen Europas. In ihrer weiteren sportlichen Laufbahn gewann sie insgesamt über einhundert internationale Titel.

Fortschritt Tröbitz (1972–1990) Badminton wurde als nichtolympische Disziplin aus sportpolitischem Kalkül der DDR-Oberen nicht mehr gefördert. Die Möglichkeiten zum Lernen von den starken Dänen, Engländern und Niederländern schwanden immer mehr. Schließlich kam es zum totalen Wettkampfverbot im westlichen Ausland – man solle doch seine sportlichen Gegner in den damals so genannten sozialistischen Bruderländern suchen. Die befanden sich aber hinsichtlich des Badmintons, bis auf Ausnahme der ČSSR, auf dem Niveau von Entwicklungsländern. Für den Verein, der inzwischen Fortschritt Tröbitz hieß, begannen schwere Jahre – auch bedingt durch den neuen, weniger finanzkräftigen Trägerbetrieb Fortschritt Landmaschinenbau. Abonnementsmeister Tröbitz schaffte es nicht mehr, die Konkurrenz aus Greifswald zu besiegen. Viermal Vizemeister in Folge, stand man 1976 kurz vor dem sportlichen Aus: In der Mini-Oberliga aus vier Mannschaften wurde man nur Letzter und musste in die Relegation. Nach verlorenem Hinspiel in Niederwürschnitz (5:6) wurde gar der drei Jahre zuvor zurückgetretene Altmeister Friedel Seemann wieder reaktiviert. Dabei zeigte er, dass er nichts von seinem Können eingebüßt hatte, und trug mit seinem Sieg zum 9:2-Erfolg und damit zum Klassenerhalt bei. 1978 schaffte es Joachim „Nickel“ Schimpke nach zehnjähriger Pause, wieder einen Einzeltitel zu erringen, zugleich auch sein letzter. Damit erhöhte er seine Gesamttitelbilanz auf je zwei Siege in allen drei Disziplinen. Sein langjähriger Doppelpartner in der Mannschaft, Roland Riese, war in den Doppeldisziplinen ebenfalls zweimal erfolgreich. Ein Einzeltitel blieb ihm bei den Erwachsenen allerdings versagt. Für die Niederlausitz war „Nickels“ 1978er Titel der vorletzte überhaupt bei den Erwachsenen. Im Nachwuchsbereich gab es durch die Zwillinge Carmen und Christine Ober sowie durch Klaus Skobowsky ebenfalls nur noch wenige Erfolge zu verzeichnen.

1981 belegte die Fortschritt-Mannschaft aus Tröbitz erstmals nur den Bronzerang in der Oberligaendabrechnung hinter Einheit Greifswald und HSG Lok HfV Dresden. Erst 1986 konnte man wieder Vizemeister werden. Mit der schweren Knieverletzung von Roland Riese und dem Spielverbot zur mutmaßlichen Wahrung seines Amateurstatus für Spielertrainer Jens Scheithauer, der gerade von der DHfK Leipzig nach Tröbitz gekommen war, folgten zwei Verluste, die die Niederlausitzer nicht mehr kompensieren konnten. 1987 entging man dem Abstieg nur knapp als Fünfter auf dem vorletzten Tabellenrang. Altmeister Schimpke warf nach 23 Jahren in der höchsten Spielklasse das Handtuch. Frank-Thomas Seyfarth, Nummer drei der DDR-Rangliste, und Routinier Harald Richter gingen zurück in ihre Heimatvereine nach Gera und Karl-Marx-Stadt. Das Aus für die erste Mannschaft in der Oberliga war besiegelt. Erstmals fehlte eine Tröbitzer Mannschaft in der obersten Spielklasse des Landes.

Auf der anderen Seite trug die Arbeit des mittlerweile zum Nationaltrainer berufenen Jens Scheithauer erste Früchte. Die Schülermannschaft wurde Meister in ihrer Altersklasse, die Jugendlichen erkämpften sich Bronze. Einige von ihnen hatten sogar maßgeblichen Anteil am Aufstieg der zweiten Tröbitzer Mannschaft in die DDR-Liga. Als Liga-Neuling zahlte die nun zum A-Team gewandelte Truppe jedoch erst einmal viel Lehrgeld. Erst im Saisonfinish gelang der Mannschaft der Klassenerhalt. Eine Ausnahmestellung erkämpfte sich in dieser Zeit Peggy Richter. Neun Titel errang sie zwischen 1985 und 1990 allein in der Vorwendezeit bei Nachwuchsmeisterschaften in den Einzeldisziplinen. Bis in die Juniorenzeit schaffte sie es, die spätere gesamtdeutsche Meisterin Katja Michalowsky zu besiegen. Richter war auch in der Mannschaft bei den Damen der Punktgarant Nummer eins, während bei den Herren Jens Scheithauer für zahlreiche Punkte verantwortlich zeichnete. Beide Spieler führten das Team 1989 zum Staffelsieg in der Liga, zu zwei Siegen in der anschließenden Relegation und zum Aufstieg in die zweithöchste DDR-Spielklasse.

Nach der Wende Nach der Wende gelang es dem Tröbitzer Verein, nunmehr als BV Tröbitz agierend, das tschechische Badmintonehepaar Petr Báša und Ludmila Bášová, beide mehrmalige Weltmeisterschaftsteilnehmer für ihr Land, zu engagieren. Ebenfalls trug die Nachwuchsförderung zunehmende Früchte. So erkämpfte sich die Mannschaft der U15 im März 2000 bei den norddeutschen Mannschaftsmeisterschaften in Elsterwerda die Silbermedaillen. Selten konnten die Nachwuchstalente jedoch aufgrund fehlender beruflicher Perspektiven in Tröbitz gehalten werden und eine Integration des Nachwuchses in die Erwachsenenteams gelang nur in wenigen Fällen. Fehlende Sponsoren in der strukturschwachen Niederlausitzer Region erschwerten auf der anderen Seite die Verpflichtung von Legionären, so dass überregionale sportliche Erfolge des Vereins immer seltener wurden.

Mannschaften, Platzierungen, Besetzungen