mini|Stelzenhaus mit Bambuswänden nördlich von Luang Prabang in Laos. mini|Der kolumbianische Architekt Simón Vélez (* 1949) hat sich auf moderne Bambusarchitektur spezialisiert. Dreischiffige Halle in Pereira, Kolumbien, als temporäre Kirche während der Restaurierung der beim Erdbeben 1999 beschädigten Kathedrale.
Weltweit bedeckt Bambus eine Fläche von ca. 37 Millionen Hektar, davon etwa sechs Millionen in China und neun Millionen in Indien. Je Hektar können 10 bis 15 Tonnen Biomasse pro Jahr nachhaltig gewonnen werden.
Belastbares Zahlenmaterial zu Flächen und ökonomischer Bedeutung liegt jedoch nicht vor, unter anderem da die Bambusnutzung häufig lokal erfolgt. Zudem wird Bambus von forstwirtschaftlichen Produktionsstatistiken in der Regel nicht erfasst. Bambus ist ein bedeutender, schnell nachwachsender Rohstoff. Vor allem in Asien hat er große ökologische, ökonomische und kulturelle Bedeutung; für etwa 1,5 Milliarden Menschen bilden Bambus und seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten eine Lebensgrundlage. Das verholzende Riesengras ist seit Jahrhunderten regionaler Lieferant von Baustoffen und Brennmaterialien. Das Spektrum der Anwendungen reicht dabei von der Verwendung als Nahrungsmittel über die Nutzung als Baumaterial für den Möbel- und Hausbau, die Produktion von Textilien und Biowerkstoffen bis hin zur Nutzung von Pflanzenauszügen (Bambusmilch) bei der Herstellung von Kosmetik- und Pflegeprodukten. Auch energetisch wird Bambus genutzt, beispielsweise in Form von Bambuspellets oder Bambus-Holzkohle.
Lebensmittel mini|Frische Bambussprossen im Supermarkt mini|Frischer Bambus und Mayonnaise in einem kleinen Straßenrestaurant in Taipeh
Die Nutzung als Lebensmittel betrifft vor allem die jungen Schösslinge des Bambusrohrs, die als Gemüse genossen oder in Essig eingelegt werden. Besonders die Gattungen Bambusa, Dendrocalamus und Phyllostachys sind für den Verzehr geeignet. Frisch geerntete Bambussprossen haben ein sehr festes, hellgelbes Fleisch mit schmalen Luftkammern in der Mitte der Sprosse. Sie werden gewonnen, indem sie aus dem Boden gegraben werden, und sind mit mehreren sehr festen, haarigen und dunkelbraunen Blättern umgeben, die vor dem Kochen entfernt werden. Bambussprossen werden vorwiegend aus Asien und Lateinamerika importiert. In Europa werden sie nur in Italien angebaut. Sie werden auch vorgekocht und abgepackt zum Verkauf angeboten.
Die Schösslinge enthalten ein Toxin (Blausäureglykosid), das durch Kochen hydrolysiert werden muss, wobei die entstehende Blausäure verdampft. Auch die in vielen Bambusarten enthaltenen Bitterstoffe werden durch Kochen zerstört. In Japan werden Bambussprossen z. B. zusammen mit dem Mehl gekocht, das beim Polieren von Reis entsteht („nuka“) und vor allem die äußeren Schichten des Reiskorns enthält. Eingelegte Bambussprossen werden „Achia“ oder „Atchia“ genannt.
Wirtschaftlich erfolgreich ist der Einsatz von feinem Bambuspulver (oder -fasern) als Zuschlagstoffe für Lebensmittel. Sie sind geschmacksneutral bei einem Ballaststoffgehalt von über 98 %. Diese Bambusprodukte bieten sowohl die ernährungsphysiologischen (z. B. Ballaststoffanreicherung, Kalorienreduktion) als auch die technologischen (z. B. Texturverbesserung, Wasserbindung) Vorzüge von Ballaststoffkonzentraten und lassen sich daher vielseitig in der Produktentwicklung einsetzen. Zwar sind sie in der EU als Novel Food klassifiziert und ihr Einsatz daher in der EU (noch) nicht zugelassen,Fragen & Antworten: Bambusfasern in veganem Fleischsalat auf lebensmittelklarheit.de, abgerufen am 3. Januar 2023. insbesondere in den USA und Kanada sowie im asiatischen Raum werden sie aber für verschiedene Nahrungsmittel und -ergänzungsmittel genutzt, beispielsweise in Fruchtsäften sowie in Gewürzen, Tabletten, Backwaren und Soßen.
In Osttimor wird Fleisch in dicken Bambusrohren gegart. Diese Zubereitungsmethode nennt man Tukir.
In Südkorea wird Extrakt von Bambusblättern zur Herstellung des medizinischen Weins Daetongju verwendet. Außerdem wird Bambussalz hergestellt, indem Salz in Bambus geröstet wird. Dieses wird in Zahnpasta, als Desinfektionsmittel und zur Verdauungshilfe eingesetzt.
Gartenbau mini|Schutz der Baumrinde vor Tierfraß mit Matten aus Bambusstäben (Japan)
In der chinesischen Gartenkunst ist der Bambus ein wesentliches Gestaltungselement. Auch in europäischen Gärten wurde der Bambus in den letzten Jahren immer beliebter. Dabei kann Bambus u. a. als Hain, Hecke, Bodendecker, Terrassen- und Innenhofbegrünung, Sicht- und Windschutz, für Dachgärten, als Kübelpflanze oder Wintergartenbegrünung eingesetzt werden und ist gestalterisch vielseitig einsetzbar.
Bambus ist eine immergrüne Pflanze. 80 Prozent aller in Deutschland angebotenen Bambussorten (insbesondere Fargesia, Phyllostachys) sind robust und verkraften kurzzeitig Temperaturen bis −20 °C.
Durch die Rhizome kann es zu unerwünschter Ausbreitung im Garten sowie zu Schäden an umliegenden Gebäuden kommen.
mini|Verwendung von Bambus: Ein Baugerüst in Mumbai, Indien mini|Bambusgerüst in Shanghai, Volksrepublik China mini|Aus Bambus hergestelltes Furnier, unbehandelt mini|Bambusfahrrad – USA, 1896, im Technischen Museum in Prag mini|Kochen in Bambusstangen in Osttimor
Gebrauchsgegenstände mini|Insektenhotel mit Bambusrohren
Bambus wird traditionell auf vielfältige Weisen genutzt, um Möbel und allerlei Hausgeräte herzustellen, unter anderem kunstvoll geflochtene Körbchen, Vorhänge, Dosen, auch als Trägermaterial für Lackkunst, u. Ä. Aber auch andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Hüte, Körbe und Reusen werden aus Bambus hergestellt. Darüber kann das lange, krause Geschabsel zum Füllen von Polstern verwendet werden. In China wurden zu Rollen zusammengebundene Bambusstreifen als Schreibmaterial verwendet. Zerklopfter Bambussplint kann als Pinsel genutzt werden. Eine kletternde Art wird zu allerlei Flechtwerk, Säcken, ja selbst zu Jacken verarbeitet. Auch in Europa wurde Bambus zur Produktion von Stöcken (Pfefferrohr) und Regenschirmstielen genutzt, außerdem können Fahrräder aus Bambus hergestellt werden. In: rsv-wendlingen.de
Haushaltswaren Allgemein Matten, Körbe und Gefäße werden aus schmalen, furnierähnlichen Streifen verschiedener Bambusarten geflochten. Mit Hilfe von Garnen können diese Streifen auch zu Bodenbelägen oder Jalousien verbunden werden; sie sind hart wie Holz und lassen sich wie ein Gewebe zusammenrollen. Daher eignen sie sich auch für die Herstellung von Möbeln und Zäunen.Bambus – das nachhaltige Material der Zukunft? vom 18. September 2020, Interessengemeinschaft des Fachgroßhandels, abgerufen am 7. März 2024
Als Bedarfsgegenstände werden Zahnbürsten aus Bambus angeboten. Diese sind mit Ausnahme der Borsten, die aus Nylon oder Bio-Kunststoff bestehen, biologisch abbaubar. Da der Bambus jedoch überwiegend aus China kommt, ist die Ökobilanz durch die weiten Transportwege suboptimal.Wie umweltfreundlich ist welche Zahnbürste? vom 25. Januar 2022 Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, abgerufen am 7. März 2024
Ein Bambusspan von keilförmigem Querschnitt, dessen scharfe Kante die kieselsäurereiche, harte äußere Schicht bildet, kann als Messerklinge oder Wetzstein für eiserne Messer verwendet werden.
Lebensmittelbereich Asiatische Küche In einer Bambusröhre, die dabei zwar verkohlte, aber nicht verbrannte, kochten die Javaner an einem Bambusfeuer junge Bambustriebe. In Osttimor werden Speisen in Bambusstangen im Feuer gekocht. Spezielle Bambusmatten, sogenannte Makisu werden in der japanischen Küche traditionell für die Herstellung von gerolltem Sushi, wie Maki-Sushi und „California Rolls“, verwendet wird. Sushi-Matten bestehen aus zusammengebundenen Bambusstäbchen und sind mittlerweile fast überall erhältlich, wo eine große Auswahl an Sushizutaten angeboten wird.Theresa Gursch: Sushi selber machen Essen & Trinken, abgerufen am 7. März 2024
Lebensmittelkontakt-Materialien und -Gegenstände In der Gastronomie wie privat wird Bambus für Einwegprodukte wie Spieße, Rührstäbchen oder sonstiges Kochgeschirr, als Besteck und als Essgeschirr auch für Kinder verwendet, was bislang oft im Einweggeschirr eingesetzte Kunststoffe ersetzen soll.Jörg Döbereiner: Öko-Test 10. September 2020: Kindergeschirr im Test: Eltern sollten besser auf Melamingeschirr verzichten. Öko-Test Materialprüfungen ergaben, dass es manchmal mit Melaminharz als Bindemittel versetzt und dadurch weniger ökologisch ist als behauptet. Die Verbraucherzentrale Bundesverband veröffentlichte am 29. Juli 2021 eine Warnung vor Kunststoffgeschirr mit Bambus-, Reis- oder Weizenfasern, da dieses Geschirr häufig Kunststoffe enthalte, die potentiell krebserregendes Formaldehyd abgeben könnten.Verbraucherzentrale warnt vor Kunststoffgeschirr mit Bambus Rheinische Post, 29. Juli 2021, abgerufen am 8. August 2021 Die Konsumentenredaktion des ORF kritisiert im Juli 2020, die bloße Angabe „Bambus“ als irreführend, für Geschirr und Besteck aus mit Bambusmehl oder -fasern gefülltem Melamin-Werkstoff. Daher wurde das untersuchte Kindergeschirr als ungenügend (Note 5) bewertet, insbesondere weil zu viel der Schadstoffe Melamin und Formaldehyd abgegeben werden und oft der Hinweis fehlte, dass Melaminharz-Geschirr grundsätzlich nur bis 70 Grad Celsius erhitzt werden darf. Somit verstießen solche Lebensmittelkontakt-Materialien und -Gegenstände gegen Lauterkeits- und Gesundheitsschutznormen der EUVO (EG) 1935/2004 i.V.m. den nationalen Straf- und Bußgeldbestimmungen, dh. in Deutschland als Bedarfsgegenstand nach LFGB .
Musikinstrumente In vielen Regionen weltweit werden Musikinstrumente aus Bambus hergestellt. Am einfachsten und entwicklungsgeschichtlich am ältesten ist das Bambusstampfrohr. In Indonesien gibt es das Schüttelidiophon angklung, und zahlreiche asiatische Schlitztrommeln bestehen aus Bambus. Bambusrasseln und gegeneinander geschlagene Bambusstücke sind in der Musik Neuguineas verbreitet. Die toka im Nordosten Indiens ist eine Klapper aus einem geschlitzten Bambusrohr.
Bekannte japanische Bambusflöten sind die shakuhachi und shinobue, in China sind es dizi und xiao, in Indonesien die suling und in Indien wird die Querflöte bansuri in der Volksmusik und klassischen Musik gespielt. Die chivoti an der Küste Kenias wurde vermutlich aus Indien übernommen. Zur südamerikanischen Andenmusik gehören die Kerbflöte quena und die Panflöte zampoña. Eine Neuentwicklung der 1970er Jahre ist das klarinettenähnliche xaphoon.
Die malakat in Äthiopien ist eine Naturtrompete aus einer Bambusröhre und einem Schallbecher aus Metall oder einer Kalebasse. Die pengkul in Nordostindien besteht aus mehreren ineinandergesteckten Bambusabschnitten mit unterschiedlichen Durchmessern, sodass sich eine stufenweise größer werdende Spielröhre ergibt, die unten in ein Rinderhorn als Schallbecher übergeht. Die Naturtrompete trutruka der chilenischen und argentinischen Mapuche wird aus dem Colihue-Bambus hergestellt. Ein ungewöhnliches, aus zwei unterschiedlich dicken Röhren bestehendes Blasinstrument in Indonesien heißt bumbung nach dem indonesischen Wort für „Bambusröhre“.
Die einfachsten Saiteninstrumente aus Bambus sind idioglotte Bambusröhrenzithern, bei denen mehrere Saiten aus einem Internodium herausgeschnitten werden und an den Enden mit der Röhre verbunden bleiben. Diese sind in Südostasien weit verbreitet, etwa auf den indonesischen Inseln Java (celempung bambu), Bali (guntang) und Roti (sasando) sowie auf den Philippinen (kolitong). Die mit einer einzigen Stahlsaite bespannte, vietnamesische đàn bầu wurde früher ebenfalls aus einer Bambusröhre hergestellt. Zu den idioglotten Bambusröhrenzithern im Nordosten Indiens mit zwei Saiten gehören die mit einem Bambusstab geschlagene gintang und die chigring sowie die gezupfte yalambar in Nepal. Die madagassische valiha mit ungefähr 20 Saiten ist ein gezupftes Melodieinstrument. Bei hauptsächlich in Afrika vorkommenden Floßzithern sind mehrere Bambusröhren parallel verbunden.