mini|Karte Angolas Der Bürgerkrieg in Angola dauerte mit Unterbrechungen von 1975 bis 2002 und schloss sich an die Aufeinanderfolge von Unabhängigkeitskrieg (1961–1974) und Entkolonisierungskonflikt (1974/75) an.Siehe Er begann 1975 unmittelbar vor Angolas Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal und nahm zeitweise den Charakter eines Stellvertreterkrieges zwischen dem Ostblock (einschließlich Kubas) und den Westmächten (einschließlich des Apartheidregimes in Südafrika) an. Nach Ende des Kalten Krieges dauerte er über ein weiteres Jahrzehnt als innerangolanischer Konflikt um die politische Macht und um den Zugriff zu den wirtschaftlichen Ressourcen des Landes an.

Zur Vorgeschichte Am 25. April 1974 beendete die Nelkenrevolution in Portugal das System Estado Novo aus der autoritären Regierungszeit von António de Oliveira Salazar. Die neue Regierung beschloss, sämtlichen Kolonien unverzüglich die Unabhängigkeit zu gewähren. Guinea-Bissau hatte bereits im Jahr davor seine Unabhängigkeit erklärt, obwohl wichtige Teile seines Territoriums noch besetzt waren; dort zog sich Portugal nach dem Sturz des Salazarregimes rasch zurück. Mosambik wurde verhältnismäßig problemlos am 25. Juni 1975 in die Unabhängigkeit entlassen. Bei den beiden Inselkolonien Kap Verde und São Tomé und Príncipe verlief die Entkolonisierung ebenfalls ohne ernsthafte Schwierigkeiten. Angola dagegen wurde zum Zankapfel zwischen den rivalisierenden Befreiungsbewegungen Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA) unter Agostinho Neto, Frente Nacional de Libertação de Angola (FNLA) unter Holden Roberto und União Nacional para a Independência Total de Angola (UNITA) unter Jonas Savimbi. FNLA und MPLA entstanden aus unterschiedlichen Vorläufern während der 1950er und 1960er Jahre.Das unbestrittene Standardwerk hierzu ist weiterhin John Marcum, The Angolan Revolution, Band I, The Anatomy of an Explosion (1950–1962), Cambridge/Mass. & London: MIT Press, 1969. Alle drei Bewegungen waren in durchaus unterschiedlicher Weise in der Gesellschaft verwurzelt.Christine Messiant, L'Angola colonial, histoire et société: Les prémisses du mouvement nationaliste, Basel: Schlettwein, 2006

Die MPLA, in den 1950er Jahren aus dem Zusammenschluss verschiedener Gruppen in Luanda entstanden,Dazu gehörte auch die – zahlenmäßig unbedeutende – Zelle der portugiesischen Kommunistischen Partei in Luanda, die fast nur aus Weißen bestand. hatte ihre hauptsächliche Basis in der Volksgruppe der Ambundu (Sprache Kimbundu), deren Siedlungsgebiet die Hauptstadt Luanda einschließt. Daneben gehörte die Mehrheit der Mischlinge zu ihren Anhängern, ebenso wie ein Teil der gebildeten Angolaportugiesen. Im Laufe der 1960er Jahre fasste die Bewegung auch Fuß bei kleineren Volksgruppen im Osten Angolas.John Marcum: The Angolan Revolution, Band 2: Exile Politics and Guerrilla Warfare (1962–1976). MIT Press, Cambridge/Mass. & London 1978. Die MPLA war politisch – wenn auch oft mehr verbal als real – sozialistisch ausgerichtet und nahm in den 1960er Jahren Verbindungen zum damaligen Ostblock auf. Wie zuvor Patrice Lumumba und Amílcar Cabral erhielt sie Unterstützung von der Sowjetunion, Kuba und anderen sozialistischen Ländern, einschließlich der DDR.Klaus Storkmann: Geheime Solidarität. Militärbeziehungen und Militärhilfen der DDR in die "Dritte Welt". Ch. Links Verlag, Berlin 2012. ISBN 9783861536765 Nach einem missglückten Aufstandsversuch in Luanda im Jahre 1961 konzentrierte die MPLA ihre militärischen Operationen gegen das Kolonialregime auf Cabinda, auf ein kleines Gebiet nördlich von Luanda und auf ein begrenztes Gebiet im Osten.Basil Davidson, In the Eye of the Storm: Angola's People, Garden City/NY: Doubleday, 1971. Anmerkung: möglicherweise überzeichnete Davidson die Bedeutung der Operationen in Ostangola.

Die FNLA entstand als Zusammenschluss verschiedener Widerstandsgruppen, die sich unter den Bakongo Nordwestangolas gebildet hatten. Nach einem blutigen, aber schlecht organisierten, auf ihr Ursprungsgebiet begrenzten und unverzüglich niedergeschlagenem Aufstand im Jahre 1961 verlegte sie ihr Hauptquartier und ihre Militärbasis in die angrenzenden Gebiete Zaires. Von dort aus operierte sie im Norden Angolas, ganz begrenzt von Katanga (dem heutigen Shaba) aus auch im Osten. Sie erhielt Unterstützung aus den USA unter Vermittlung von Zaires damaligem Präsidenten Mobutu Sese Seko.

Die von Jonas Savimbi als Abspaltung von der FNLA gegründete UNITA rekrutierte sich vorrangig aus der Ethnie der im zentralen Hochland und dem westlich davon gelegenen Küstenstreifen ansässigen Ovimbundu und wurde im Laufe ihres Bestehens von den verschiedensten Ländern unterstützt, darunter nicht zuletzt von der Volksrepublik China; im Verlauf des Bürgerkrieges erhielt sie Hilfe hauptsächlich von den USA und dem Apartheidregime in Südafrika. Ihre antikolonialen Guerillaoperationen beschränkten sich auf wechselnde Gebiete Ostangolas und erreichten nur selten den Ostrand des Zentralhochlandes. Auf diesem leistete sie jedoch im Untergrund eine Politisierungsarbeit, die bis heute ihre Früchte trägt. mini|300px|Im Bürgerkrieg zerstörte Straßenbrücke

Militärisch waren die Operationen der drei Bewegungen wenig erfolgreich. Es stellte kaum eine Übertreibung dar, wenn portugiesische Militärs Anfang der 1970er Jahre behaupteten, im Gegensatz zu Guinea-Bissau und Mosambik sei der Krieg in Angola praktisch gewonnen. Die Situation schlug völlig um infolge des „linken“ Militärputschs in Portugal, der am 25. April 1974 das dortige Salazar-Regime beendete und unter anderem eine rasche Entkolonisierung der Besitzungen in Afrika in die Wege leitete.

Die Uneinigkeit und die Weigerung der drei Bewegungen zu gemeinsamem Handeln verhinderten in Angola eine zügige und reibungslose Machtübergabe seitens der Portugiesen. Nach langen Vermittlungsbemühungen fanden in Portugal im Januar 1975 erstmals Delegationen der drei Bewegungen zusammen, um über die Rahmenbedingungen der Unabhängigkeit zu verhandeln. Diese Verhandlungen waren von großem Misstrauen der Delegationen untereinander wie seitens FNLA und UNITA auch gegenüber den Portugiesen begleitet. Während der einwöchigen Gespräche wurde der Übergang zur Unabhängigkeit Angolas vorbereitet, aber der ausgehandelte Vertrag schuf dafür keine solide Basis. Vor allem kam keine Einigung darüber zustande, wer bis zu den vorgesehenen Wahlen am 11. November 1975 die Präsidentschaft übernehmen sollte.

Jede der drei Bewegungen wollte sich schon vor diesen Wahlen das Präsidentenamt mit Waffengewalt sichern und stellte jeweils ihre eigene Armee auf: die FNLA das ELNA (Exército de Libertação Nacional de Angola, Nationales Befreiungsheer Angolas), die MPLA die FAPLA (Forças Armadas Populares de Libertação de Angola, Volksstreitkräfte zur Befreiung Angolas) und die UNITA die FALA (Forças Armadas de Libertação de Angola, Streitkräfte zur Befreiung Angolas). Jede Gruppe versuchte sich der Hauptstadt zu bemächtigen, denn wer am Unabhängigkeitstag Luanda kontrollierte, hatte die besten Chancen, von der übrigen Welt als legitime Regierung anerkannt zu werden. Als die Kämpfe zunahmen, wurden diese von den Supermächten durch Eingreifen auf entgegengesetzten Seiten noch geschürt. Angola wurde dadurch zum Austragungsort einer gewaltsamen Konfrontation zwischen den beiden Blöcken.

Die Kämpfe in Angola brachen nur kurz nach dem Ende des Vietnamkrieges aus. Die USA versuchten daher, weitere Rückschläge in anderen Regionen unter allen Umständen zu verhindern. Der Erfolg einer linksgerichteten Befreiungsarmee mit Unterstützung der Sowjetunion und Kubas wurde von den USA als Einmischung des Ostblocks in die inneren Angelegenheiten eines afrikanischen Landes gesehen und als strategische Bedrohung angesehen. Daher unterstützten sie die FNLA mit Geld, Waffen und Ausbildern, wobei das Nachbarland Zaire unter Mobutu als Vermittler fungierte und darüber hinaus eigene Einheiten beisteuerte. Es wuchs die Sorge, dass die Sowjetunion die Macht über das Land erlangen könne.Daniel S. Papp: Angola, National Liberation and the Soviet Union. In: Parameters, Journal of the US Army War College, Vol. 8 (1978), Nr. 1, S. 26–39, online auf www.ssi.armywarcollege.edu, PDF-Dokument S. 8.

Auch Südafrika war darauf bedacht, die Etablierung eines sozialistischen Systems durch die MPLA in seiner Nachbarschaft zu verhindern und seine Investitionen im Nachbarland zu sichern. Es konnte davon ausgehen, selbst unter verstärkten Druck der eigenen Befreiungsbewegungen zu kommen, deren Verbindung zur MPLA bekannt war. Die südafrikanische Armee marschierte am 23. Oktober 1975 mit Billigung der USA in Angola ein, mit dem Ziel, die Anlagen des Cunene-Projekts zu schützen, die FNLA zu unterstützen und gleichzeitig die namibische SWAPO, die von Angola aus operierte, zu bekämpfen. Die Südafrikaner trafen in Südangola allerdings auf die ihr unbekannte UNITA, die von der MPLA aus Luanda vertrieben worden war und auf die sie ihre Unterstützung konzentrierte.

Vom Norden rückte die FNLA, verstärkt durch zairischen Einheiten und logistisch unterstützt von den USA, nach Luanda vor, von Süden die von Südafrika unterstützten Truppen der UNITA. Trotz sowjetischer Waffenlieferungen zeichnete sich eine Niederlage für die MPLA ab.Zu dieser Phase: Colin Legum & Tony Hodges: Krieg um Angola. Köln, Verlag Internationale Solidarität, 1978. Einen etwas weiteren Rahmen zieht Franz-Wilhelm Heimer, Der Entkolonisierungskonflikt in Angola. München, Weltforum Verlag, 1980 Bei diesem befand sich der Großteil der militärischen Führung zu diesem Zeitpunkt noch im Kongo-Brazzaville oder in Sambia, während sich auf dem Gebiet Angolas fern der Hauptstadt relativ wenige Guerillaeinheiten befanden. Die MPLA stellte deswegen in Luanda und Städten wie Benguela und Lobito in aller Hast improvisierte „Milizen“, die sie mit Hilfe von Komplizen aus Beständen der portugiesischen Armee bewaffnete und teilweise dann als FAPLA deklarierte. Wichtig war dabei, dass einige Offiziere und Unteroffiziere aus der portugiesischen Armee zu ihm überliefen und örtlich militärische Führungsfunktionen übernahmen.

Kubanische Intervention

Kuba, das schon seit Jahren im Kongo-Brazzaville präsent war und dort Verbindung zum MPLA bekommen hatte, beobachtete die Entwicklung aufmerksam. Neto hatte die Sowjetunion um Hilfe ersucht, doch diese war nicht gewillt, noch vor den Wahlen zu intervenieren. Kuba dagegen war dazu bereit, was Fidel Castro in einer Rede wie folgt begründete: „Als am 23. Oktober die Invasion Angolas durch reguläre Truppen Südafrikas begann, konnten wir nicht die Hände in den Schoß legen. Und als die MPLA uns um Hilfe bat, boten wir die nötige Hilfe an, um zu verhindern, dass die Apartheid sich in Angola breit macht.“ Anders als die kubanischen Engagements in den 1960ern war dies keine geheime Operation. Castro beschloss, sich offen in Angola zu engagieren. Im April 1976 waren rund 36.000 kubanische Soldaten in Angola. Mit der „Operation Carlota“ wurde Kuba zu einem Hauptakteur im Angolakonflikt.