mini|hochkant|József Rippl-Rónai: Frigyes Karinthy, mit beider Signatur (ohne Jahr) mini|hochkant|Tafel am Geburtshaus mini|hochkant|Grabstelle Vater und Sohn auf dem Kerepesi temető Frigyes Karinthy (* 25. Juni 1887 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 29. August 1938 in Siófok) war ein ungarischer Schriftsteller.
Leben Karinthy wurde 1887 in Budapest geboren. Sein Vater (József Karinthi) war Beamter und Gründungsmitglied der Ungarischen Philosophischen Gesellschaft. Seine Mutter Karolina Engel starb 1895, woraufhin sich der Vater allein um die Erziehung der sechs noch lebenden Kinder kümmerte. Frigyes Karinthy begann zwischen 1898 und 1900 zu schreiben: Er verfasste Bühnenstücke, Abenteuergeschichten und Märchen in Versform. Im Alter von 15 Jahren veröffentlichte er seinen Roman Nászutazás a Föld középpontján keresztül (etwa: Hochzeitsreise durch den Mittelpunkt der Erde) in der Magyar Képes Világ als Fortsetzungsgeschichte.
Nach dem Abitur hörte er Universitätsvorlesungen über Mathematik, Physik, Philosophie und Chirurgie. Er machte zwar nie einen Abschluss, stand der Wissenschaft aber sein ganzes Leben lang mit regem Interesse und großem Respekt gegenüber. Nach Andor Bajor "glaubte er mit jeder Faser seines Verstandes – man könnte sagen: blind – daran, dass die Blindheit ein vorübergehendes Phänomen sei."
1906 wurde er Mitarbeiter der Tageszeitung Az Újság. Damals begann seine legendäre Freundschaft mit Dezső Kosztolányi. In den folgenden Jahren erschienen seine Erzählungen, Parodien und humoristischen Schriften in verschiedenen Budapester Blättern, Bekanntheit erlangte er jedoch vor allem durch den Parodienband Így írtok ti ("So schreibt ihr") aus dem Jahr 1912.
1913 heiratete er die Schauspielerin Judik Etel, die 1918 an der Spanischen Grippe starb. Mit ihr hatte er einen Sohn, den späteren Dichter Gábor Karinthy. 1920 heiratete er Aranka Böhm; aus dieser – sehr dramatisch und unglücklich verlaufenden – Ehe ging der Schriftsteller Ferenc Karinthy hervor.
Als sein großes Vorbild bezeichnete Karinthy Jonathan Swift; seine Romane Utazás Faremidóba (Reise nach Faremido) und Capillária tragen den Untertitel Gullivers fünfte und sechste Reise.
Die ungarischen Übersetzungen vieler bekannter Werke werden Karinthy zugeschrieben, allen voran Micimackó, die Übertragung von A. A. Milnes Kinderbuch Winnie-the-Pooh. Diese stammt jedoch wahrscheinlich zum Teil von seiner Schwester Mici (Emília Karinthy), die zumindest eine Rohübersetzung für ihren Bruder angefertigt hat.
Im Jahr 1929 legte er in der Erzählung Láncszemek (Kettenglieder) die Grundlagen zur Theorie der Six Degrees of SeparationJust Explain It: Six Degrees of Separation bei yahoo.com, abgerufen am 26. September 2013 (PDF; 95 kB) bei barabasilab.com, abgerufen am 26. September 2013, die Stanley Milgram 1967 in einem Experiment überprüfte und unter dem Begriff Kleine-Welt-Phänomen (small world experiment) bekannt machte.
1936 wurde er in Stockholm von Herbert Olivecrona bei Bewusstsein (!) an einem Hirntumor operiert; er schrieb darüber den Roman Utazás a koponyám körül (Reise um meinen Schädel). 1938 starb Karinthy an einem Gehirnschlag.
Nachleben Manche seiner Wortschöpfungen (z. B. halandzsa, dt. etwa: "Kauderwelsch") und Wendungen bereichern noch heute die ungarische Umgangssprache. Das mehrsprachige Karinthy-Frigyes-GymnasiumKarinthy Frigyes Gymnasium website im XVIII. Budapester Bezirk Pestszentlőrinc-Pestszentimre wurde 1986 nach ihm benannt. 2008 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: (84919) Karinthy.
Werke (Auswahl) Utazás a Merkurba, Roman, 1898–1900 Nászutazás a Föld középpontján keresztül, Roman, 1902 Így írtok ti, Parodien, 1912 Esik a hó, Erzählungen, 1912 Ballada a néma férfiakról, Erzählungen, 1912 Együgyű lexikon, 1912 Görbe tükör, Humoresken, 1912 Találkozás egy fiatalemberrel, Erzählungen, 1913 Grimasz, Erzählungen, 1914 Két hajó, Erzählungen Legenda az ezerarcú lélekről, Erzählungen Beszéljünk másról, Skizzen Ó, nyájas olvasó, Skizzen Aki utoljára nevet, Skizzen Így láttátok ti, Parodien Tanár úr kérem, 1916 (dt.: Bitte, Herr Professor. Satiren und Erzählungen, Manesse-Verlag, Zürich 1983, übersetzt und mit einem Nachwort von Andreas Oplatka) Holnap reggel, Drama Utazás Faremidóba, Roman (dt.: Die Reise nach Faremido; zuerst in: Der Weltraumfriseur, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main 1979, Phantastische Bibliothek, Band 39; nochmals in: Die neuen Reisen des Lemuel Gulliver. Zwei phantastische Kurzromane im Stile von Jonathan Swift nebst einer freimütigen Korrespondenz an Herbert George Wells, Verlag Das Neue Berlin, Berlin [Ost] 1983; nochmals in: Die Reise nach Faremido. Capillaria. Zwei Kurzromane, Noran, Budapest 1999, ISBN 963-9048-38-0) Krisztus vagy Barabbás, Erzählungen, 1918 Bűvös szék, Drama, 1918 Ne bántsuk egymást, Humoresken, 1921 Hököm-színház, Szenen, 1921 Jelbeszéd, Erzählungen, 1921 Gyilkosok, Erzählungen, 1921 Capillária, Roman, 1921 (dt.: Capillaris, zuerst in: Die neuen Reisen des Lemuel Gulliver. Zwei phantastische Kurzromane im Stile von Jonathan Swift nebst einer freimütigen Korrespondenz an Herbert George Wells, Verlag Das Neue Berlin, Berlin [Ost] 1983; in: Die Reise nach Faremido. Capillaria. Zwei Kurzromane, Noran, Budapest 1999, ISBN 963-9048-38-0) Kötéltánc, Roman Nevető dekameron, Essays Ki kérdezett?, Essays Minden máskép van, Skizzen Nem mondhatom el senkinek, Gedichte Hasműtét, Erzählungen 100 új humoreszk Még mindig így írtok ti, literarische Karikaturen Barabás, Erzählungen Nevető betegek Mennyei riport, Roman, 1937 Utazás a koponyám körül, 1937 (dt.: Reise um meinen Schädel, Union-Verlag, Berlin 1985, übersetzt und mit einer Nachbemerkung von Hans Skirecki) Üzenet a palackban, Gedichte, 1938
Ich weiß nicht, aber meine Frau ist mir verdächtig. Skurrile Skizzen und Sketches (dt. Originalzusammenstellung, übersetzt von Ita Szent-Iványi, Nachwort von Jörg Buschmann, Illustrationen von Hans Ticha) Rütten und Loening, Berlin 1972
Verfilmungen Mágia, 1917, Regie Sándor Korda Barátságos arcot kérek, 1935, Regie László Kardos Tanár úr, kérem, 1956, Regie Frigyes Mamcserov Utazás a koponyám körül, 1970, Regie György Révész Holnap reggel, 1970 (Fernsehfilm), Regie Jenő Horváth A Nagy Ékszerész, 1978 (Fernsehfilm), Regie Márton Karinthy 1 és a semmi, 2004 (Kurzfilm), Regie Péter Molnár Lux úr szabadalma, 2006 (Kurzfilm), Regie Marcell Gerő
Literatur Károly Mohácsy: Irodalom a középiskolák III. osztálya számára, S. 342–345, Budapest 1992. László Halász: Karinthy Frigyes alkotásai és vallomásai tükrében, Budapest 1972 (Arcok és vallomások sorozat)
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Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Ungarisch) Kategorie:Science-Fiction-Literatur Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Kurzgeschichte Kategorie:Erzählung Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Schriftsteller (Budapest) Kategorie:Person (Transleithanien) Kategorie:Ungar Kategorie:Geboren 1887 Kategorie:Gestorben 1938 Kategorie:Mann