Oberndorf () ist ein Stadtteil und eine namensgleiche Gemarkung der kreisfreien Stadt Schweinfurt. Oberndorf wurde 1919 nach Schweinfurt eingemeindet, gehörte aber bereits von 1436 bis zur Auflösung der Reichsstadt Schweinfurt im Jahre 1802 zu ihrem Territorium und ist die einzige Gemeinde, die seitdem in die Stadt eingemeindet wurde.

Die Gemarkung Oberndorf ist nicht deckungsgleich mit dem gleichnamigen, heutigen Stadtteil, sondern besitzt mehr als die doppelte Fläche. Auf ihr liegen mehrere Stadtteile im Westen und Süden Schweinfurts, darunter nahezu das gesamte Stadtgebiet südlich des Mains. Die Gemarkung Oberndorf, auf der sich u. a. der Stadtteil Bergl befindet, hat etwa 13.000 Einwohner; um 1970 hatte sie mit etwa 18.000 Einwohnern ihren Höchststand. Dieser Artikel behandelt nicht die gesamte Gemarkung, sondern nur den Stadtteil Oberndorf, der für amtlich-statistische Zwecke als Bezirk 61, 62 und 63 geführt wird.

Der Stadtteil hat trotz der in ihm liegenden Großindustrie in seinem historischen Ortskern seinen dörflichen Charakter weithin bewahrt. In Oberndorf wurde 1812 der Erfinder des Tretkurbel-Fahrrads Philipp Moritz Fischer geboren.Im Ggs. zu Pierre Michaux (1861) brachte Fischer seine im Schweinfurter Museum für Stadtgeschichte ausgestellte Erfindung nicht an die Öffentlichkeit, weshalb er in vielen Quellen zur Fahrradgeschichte nicht erwähnt wird. Die angeblichen vorhergehenden Erfindungen von Baader (1825) und Heinrich Mylius (1845) sind strittig und unbelegt. In Oberndorf wurde auch Weinbau betrieben.

Etymologie

Der Name Roumfeld wandelte sich über die Jahrhunderte schließlich zu Rheinfeld. Die jeweiligen Namen waren gemeinsame Bezeichnungen für die vier Orte Bergrheinfeld, Grafenrheinfeld, Rothrheinfeld (Röthlein) und Obernrenfelt bzw. Obernrheinfeld, wie Oberndorf vor 1436 ursprünglich hieß (noch ältere Schreibweise u. a. Obernroumfelt).

Geographie Lage und Grenze der Gemarkung Die Gemarkung Oberndorf liegt in der Südwestecke des Stadtgebietes. Nördlich des Mains verläuft die Grenze zwischen den Gemarkungen Oberndorf und Schweinfurt entlang des Oberen Geldersheimer Weges, der Fritz-Drescher-Straße und der Landwehrstraße. Südlich des Mains befinden sich die Stadtteile Hafen-Ost, Hafen-West und Maintal auf Oberndorfer Gemarkung.

Im Südwesten verläuft die Grenze zwischen der Gemarkung Oberndorf und der Gemeinde Bergrheinfeld entlang das Grenzgrabens. Im Nordwesten verläuft die Grenze zwischen der Gemarkung Oberndorf und der Gemeinde Geldersheim entlang des Wiesengrunds der Wern.

Der Hauptbahnhof und die gesamte heutige Schweinfurter Großindustrie, mit Ausnahme der Hauptverwaltung der SKF Deutschland GmbH, liegen auf Oberndorfer Gemarkung.

Grenze des Stadtteils Zum heutigen Stadtteil Oberndorf wird nur der Bereich der Gemarkung Oberndorf gezählt, der sich westlich der Bahnstrecke nach Erfurt, südlich des Hauptbahnhofs und nördlich des Mains befindet. Der Hauptbahnhof selbst wird jedoch dem statistischen Bezirk 62 und damit dem Stadtteil Oberndorf zugeordnet.

Statistische Bezirke Der Stadtteil Oberndorf wurde von der Stadt Schweinfurt für amtlich-statistische Zwecke in drei Bezirke unterteilt: 61 Oberndorf Süd 62 Oberndorf Mitte 63 Oberndorf Nordwest (Münzberg, nahezu unbesiedelt)

Einwohnerentwicklung und Sozialstruktur Status31. Dez. 2022 Melderegisterbasierte Bevölkerung OberndorfStatistische Bezirke 61 und 62 GesamtgebietSchweinfurt Deutsche 81,6 % 77,4 % Ausländer 18,4 % 22,6 % Anteil Doppelstaatleran der deutschen Bevölkerung 13,5 % 17,1 %

Letztmals wurde Oberndorf separat mit 4943 Einwohnern in 343 Wohngebäuden im Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern, nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928 nachgewiesen. Im Amtlichen Ortsverzeichnis für Bayern, bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950 ist Oberndorf nur noch mit dem Hinweis „mit der Stadt baulich verwachsen“ erwähnt. Im Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern nach der Volkszählung von 1904 ist Oberndorf letztmals als eigene Gemeinde mit einer Fläche von 818,429 Hektar aufgeführt, wobei berücksichtigt werden muss, dass sich das einstige Gemeindegebiet Oberndorfs bis zur Landwehrstraße, an der Grenze zum heutigen Stadtteil Innenstadt, erstreckte. Bis heute grenzt die Gemarkung Oberndorf hier an die Innenstadt.

Von den 1950er bis zu den frühen 1970er Jahren entstand auf dem Gebiet der Gemarkung bzw. der früheren Gemeinde Oberndorf der neue Stadtteil Bergl (9170 Einwohner 2022).

Die Sozialstruktur Oberndorfs unterscheidet sich von allen anderen Stadtteilen. Es fällt auf, dass der Anteil der Deutschen über dem des Gesamtgebiets Schweinfurts liegt, trotz der Nähe zu Hauptbahnhof und Großindustrie. Das ist auf alteingesessene Oberndorfer Familien zurückzuführen, die über eigene Anwesen im Ortskern verfügen, was sich auch in Wahlergebnissen widerspiegelte. Bei der Bundestagswahl 2017 erreichte die CSU mit 34,3 % das beste Ergebnis aller Schweinfurter Stadtteile.focus.de/Wahl Facts Schweinfurt, 25. September 2017

Geschichte Mittelalter mini|Hof eines reichen Bauern, erbaut 1800 in der Hauptstraße, mit Hofgesinde. Ende 19. Jahrhundert

Aufgrund positiver wirtschaftlicher Entwicklungen konnte die Reichsstadt Schweinfurt von den Brüdern Karl und Heinz von Thüngen am 22. Februar 1436 das Dorf Obernrenfelt, genannt Oberndorf, für 5900 Gulden erwerben.

Die Kreuzkirche steht anstelle einer mittelalterlichen Wasserburg. Turm und Chor der Kirche stammen aus dem 13. Jahrhundert und waren Teile der Burgkapelle (siehe: Kirchen und ehemalige Wasserburg).

Die Oberndorfer Fluren sind fruchtbar. Im Dorf gab es zu allen Zeiten reiche Bauern, die ihre Produkte im nahen Schweinfurt gut vermarkten konnten.

Reichsdeputationshauptschluss Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam Schweinfurt 1802 zu Bayern (siehe: Schweinfurt, Königreich Bayern). Oberndorf und alle anderen zum reichsstädtischen Territorium gehörenden Dörfer wurden ausgegliedert. Oberndorf wurde dadurch eine eigenständige Gemeinde mit Gemeinderat und Bürgermeister.

Siehe auch: Rheinfeld (Wüstung)

Ab 1870 mini|Bahnhof Oberndorf-Schweinfurt, erbaut 1874; seit 1903/04 Schweinfurt Hauptbahnhof. Um 1903 mini|Hauptstraße mit Rathaus. Um 1912 mini|Bismarckstraße (heute Engelbert-Fries-Straße), Ecke Kornstraße. 1925 mini|Notkirche St. Josef mit Pfarrhaus, Bismarckstraße. Zwischenkriegszeit

1874 wurde der Bahnhof Oberndorf-Schweinfurt als Hauptpersonen-, Güter- und Rangierbahnhof eröffnet. Von 1893 bis 1903/1904 hieß er Centralbahnhof Schweinfurt und seitdem Schweinfurt Hauptbahnhof.

Am 1. Dezember 1919 wurde Oberndorf nach Schweinfurt eingemeindet. Den Ausschlag zur Eingemeindung gab die Großindustrie, die sich nur zu einem kleineren Teil auf Schweinfurter Gebiet und zum größten Teil auf den weitläufigen Arealen rund um den Hauptbahnhof auf Oberndorfer Gemeindegebiet angesiedelt hatte. Die Eingemeindung nach Schweinfurt versuchte Oberndorf vergeblich abzuwenden (siehe: Schweinfurt, Eingemeindung von Oberndorf).

Durch die zwischen den Altorten Oberndorf und Schweinfurt Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Großindustrie auf Oberndorfer Gemarkung wurde die große Bebauungslücke zwischen beiden Altorten geschlossen. Der Verlauf der Gemarkungsgrenze ist baulich nicht mehr erkennbar und selbst bei Einheimischen kaum bekannt. Die Gemarkungsgrenze durchschneidet den westlichen Teil des Stadtteils Innenstadt entlang der Landwehrstraße und somit auch die Luitpoldstraße. Das heutige mittlere und südwestliche Schweinfurter Stadtgebiet entwickelte sich somit aus zwei Orten, die bereits in reichsstädtischer Zeit vereint waren.

Gegenwart Ende der 2010er Jahre begannen die Sanierungsmaßnahmen für Alt-Oberndorf (13,2 ha).

Industriegeschichte Überblick mini|Gemarkung Oberndorf im Stadtplan von Schweinfurt um 1954. In der Mitte der Hauptbahnhof mini|Ernst-Sachs-Straße mit der Hauptverwaltung der Fichtel & Sachs AG (heute ZF Friedrichshafen). 1959

Die Oberndorfer Industriegeschichte wird im Artikel Schweinfurter Industriegeschichte behandelt.

Im heutigen Stadtteil Oberndorf siedelten sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere Großfirmen an. Die Fichtel & Sachs AG (Werk Nord, heute: ZF Friedrichshafen AG Werk Nord und ZF-Logistikzentrum) und Fries & Höpflinger (Werk Oberndorf, später: VKF Werk 2, heute: SKF Werke 2 und 4). FAG Kugelfischer (heute: Schaeffler-Gruppe) liegt in der Gemarkung Oberndorf, wird aber zum heutigen Stadtteil Bergl gezählt.

Ernst-Sachs-Straße Die Hauptstraße des Industriegebietes im heutigen Stadtteil Oberndorf ist die Ernst-Sachs-Straße. Als Oberndorf noch eine selbständige Gemeinde war, hieß sie Schweinfurter Straße. Hier siedelten sich 1875 die Vereinigten Ultramarinfabriken an, ferner die UFRA Malzfabrik.Paul Ultsch: Damals in Schweinfurt. Entwicklung zur Industriestadt. Buch- und Idee-Verlags-GmbH. Schweinfurt 1983, S. 82 ff. Ab 1915 wurde hier das Werk 2 (später: Werk Nord) von Fichtel & Sachs aufgebaut und ab 1925 die Deutsche Star Kugelhalter GmbH (heute: Bosch Rexroth, mit einem großen Werk im Hafen-West; das Werksgelände in Oberndorf gehört heute zu ZF Friedrichshafen).

Vereinigte Ultramarinfabriken Die Vereinigten Ultramarinfabriken sind nicht mit der älteren Ultramarinfabrik Gademann im heutigen Nordöstlichen Stadtteil zu verwechseln.

Die 1859 in Heidelberg gegründete Ultramarinfabrik wurde, auch auf Anregung eines früheren Mitinhabers der Firma Gademann & Co. Alfred von Berg, 1875 nach Oberndorf verlegt. Ein neues, modernes Werk mit Gleisanschluss wurde südlich des damaligen Bahnhofs Oberndorf-Schweinfurt (heute: Schweinfurt Hauptbahnhof) errichtet und ein Jahr später die Herstellung aufgenommen. 1838 errichtete Johannes Zeltner in Nürnberg die erste Ultramarinfabrik Bayerns. 1880 wurde die Vereinigte Ultramarinfabriken-AG. Nürnberg gegründet, in die die Schweinfurter Firma integriert wurde. Das Werk in Schweinfurt wurde 1936/37 stillgelegt. Das Werksgelände wurde in das südwestlich angrenzende VKF Werk 2 integriert (heute SKF Werk 2).

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bürger- und Kulturverein Oberndorf Der erst 1997 gegründete Bürger- und Kulturverein Oberndorf (BKVO) unterscheidet sich von den anderen Stadtteil-Bürgervereinen Schweinfurts, u. a. dadurch, dass der Erste Vorsitzende umgangssprachlich nicht als „Stadtteilbürgermeister“ bezeichnet wird. Hintergrund ist auch die Tatsache, dass Oberndorf (im Gegensatz zu allen anderen Stadtteilen) in früheren Zeiten selbstständig war und einen „echten“ Bürgermeister hatte.

Veranstaltungen Alljährlich an Fronleichnam (10 Tage nach Pfingsten) findet im Friedrich-Pfister-Park das „Oberndorfer Walpurgisgericht“ statt, eine historische spätmittelalterliche Gerichtsveranstaltung nach dem Ende des vorangegangenen Gerichtsjahres am 1. Mai (dem damaligen Gedenktag der Hl. Walburga). Das teilhistorische Schauspiel wird von einem Fest und einem Markt sowie Lagergruppen umrahmt und vom BKVO organisiert.

Die Stadtteil-Kirchweih am ersten Septemberwochenende wird, im Gegensatz zu allen anderen Bürgervereinen, nicht vom BKVO, sondern traditionell vom Oberndorfer Sportverein TVO ausgerichtet.

Der BKVO richtet Lesungen (auch im Schweinfurter Dialekt), musikalische und gesellige Veranstaltungen (Schafkopfrennen, Schweinfurter Schlachtschüssel) aus.

Museen mini|Deutsches Bunkermuseum

Deutsches Bunkermuseum ZF-Sachs-Museum, in einer umgebauten Industriehalle innerhalb des ZF-Werks-Nord. Der Umbau wurde mit dem Architekturpreis German Design Award 2016 ausgezeichnet. Künstlerhof Oberndorf

Kirchen und ehemalige Wasserburg