Die Hainsimsen (Luzula), auch als Hainbinsen oder regional als Marbel bezeichnet, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Binsengewächse (Juncaceae). Sie umfasst weltweit etwa 115 Arten.
Beschreibung mini|Bestandteile der Blüte einer Hainsimse mini|Illustration aus Joseph Dalton Hooker: Flora Antarctica, Tafel XLVIII von Luzula crinita
Vegetative Merkmale Hainsimsen-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Häufig bilden sie aufsteigende bis aufrechte Rhizome oder seltener Ausläufer. Die meisten Arten bilden Horste oder Rasen. Der Stängel ist zylindrisch.
Die meisten Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet. Falls Stängelblätter vorhanden sind, dann sind sie oft reduziert. Die Blattanordnung ist dreizeilig. Die Laubblätter sind in Blattscheide und -spreite gegliedert. Die Blattscheiden sind immer geschlossen. Die Blattränder und Scheidenmündungen sind mit wenigen Ausnahmen spärlich bis dicht lang und weich bewimpert. Die Blattscheidenmündung ist nicht geöhrt. Die einfachen Blattspreiten sind grasähnlich, linealisch und flach oder seltener rinnig.
Generative Merkmale Der Blütenstand ist eine Spirre, eine abgewandelte Form der Rispe. Die randlichen beziehungsweise unteren Blüten sind am längsten gestielt. Die zentralen oder oberen stehen dagegen gestauchter. Auf diese Weise entsteht ein fast becherförmiges Gebilde. Die Tragblätter sind laubblattartig oder an ihrer Basis krautig und am oberen Ende häutig. Es sind ein bis drei Deckblätter vorhanden, die am Rand meist bewimpert sind.
Die zwittrigen Blüten sind dreizählig. Es sind zwei Kreise mit je drei gleichen Blütenhüllblättern vorhanden, die braun bis mehr oder weniger schwarz-braun sind. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden. Die drei Fruchtblätter sind zu einem immer oberständigen Fruchtknoten verwachsen mit basaler Plazentation. Die Stempel enden in drei relativ langen, papillösen, oft eingedrehten Narbenästen.
Die einfächrigen Kapselfrüchte öffnen sich mit drei Fruchtklappen und enthalten drei Samen. Die Samen sind elliptisch bis eiförmig und an einer Seite ist eine Furche vorhanden. Die Samen sind an ihrer Basis behaart und an ihrem oberen Ende sind bei vielen Arten lange mehr oder weniger weiße Anhängsel (Elaiosomen) ausgebildet.
Ökologie Bei den Hainsimsen-Arten ist neben der Windausbreitung (Anemochorie) die Ameisenausbreitung (Myrmekochorie) vorherrschend.
Die fettreichen Anhängsel der Samen, die als Elaiosome bezeichnet werden, dienen den Ameisen als Nahrung. Die Samen werden in die Ameisenbauten getragen und so an andere Orte verschleppt.
Vorkommen Hainsimsen-Arten sind in den gemäßigten und arktischen Regionen beider Hemisphären verbreitet (kosmopolitisch). Der Schwerpunkt ihrer Diversität liegt in Europa und Asien. In den Tropen ist ihr Vorkommen auf die höheren Lagen der Gebirge beschränkt. Im Gegensatz zu den Binsen (Juncus) gedeihen die Arten der Gattung Luzula meist auf trockeneren Böden und schattige Standorte wie Wälder und Gebüsche.
Systematik Taxonomie Die Gattung Luzula wurde 1805 durch Augustin Pyramus de Candolle in Jean-Baptiste de Lamarck und Augustin Pyramus de Candolle: Flore Française, ou Descriptions Succinctes de Toutes les Plantes qui Croissent Naturellement en France ..., 3. Auflage, 3, Seite 158 aufgestellt. Synonyme für Luzula nom. cons. sind: Cyperella , Ebingeria , Gymnodes , Juncoides nom. rej., Luciola nom. superfl., Nemorinia , Pterodes nom. illeg.
Arten und ihre Verbreitung Es gibt etwa 115 Arten in der Gattung Luzulamini|Luzula arcuata mini|Habitus und Laubblätter von Luzula banksiana var banksiana mini|Luzula capitata mini|Luzula confusa mini|Luzula echinata mini|Luzula elegans mini|Luzula hawaiiensis mini|Luzula hitchcockii mini|Luzula parviflora mini|Luzula plumosa Luzula abchasica : Sie kommt nur in Nordkaukasien sowie in Transkaukasien vor. Luzula abyssinica : Sie kommt von Äthiopien bis zum tropischen Ostafrika und östlichen Zentralafrika vor. Luzula acuminata : Die zwei Unterarten sind im zentralen bis östlichen Kanada und in den zentralen bis östlichen Vereinigten Staaten verbreitet. Luzula acutifolia : Die zwei Unterarten kommen nur im südöstlichen Australien vor. Luzula africana : Sie kommt in Lesotho sowie Südafrika vor. Luzula alopecurus : Sie kommt nur vom südlichen Chile über das südliche Argentinien bis zu den Falkland-Inseln vor. Luzula alpestris : Sie kommt in den australischen Bundesstaaten östliches-zentrales New South Wales sowie Victoria vor. Alpen-Hainsimse (Luzula alpina , Syn.: Luzula multiflora var. alpina ): Sie gedeiht in europäischen Gebirgen von den östlichen Pyrenäen bis zu den Alpen. Braune Hainsimse (Luzula alpinopilosa ): Die drei Unterarten gedeihen in europäischen Gebirgen von Mittel- bis Südeuropa. Luzula antarctica : Dieser Endemit kommt nur in Feuerland vor. Luzula arcuata : Die zwei Unterarten sind vom subarktischen Eurasien bis Japan, den Aleuten und im westlichen Nordamerika von Alaska bis Washington verbreitet. Luzula atlantica : Die zwei Unterarten kommen in Marokko und nördlicher Tschad vor. Luzula atrata : Sie kommt nur im südöstlichen Australien vor. Luzula australasica : Die zwei Unterarten kommen nur im südöstlichen Australien vor. Luzula banksiana : Die etwa fünf Varietäten kommen nur Neuseeland vor. Luzula bomiensis : Sie kommt von Tibet bis südlich-zentrales China. Luzula brachyphylla : Sie kommt nur im südlichen Chile und südlichen Argentinien vor. Luzula brevispicata : Sie kommt in Iran bis Mongolei vor. Luzula bulbosa : Sie kommt von den zentralen bis östlichen Vereinigte Staaten vor. Luzula caespitosa : Sie kommt in Portugal und Spanien vor. Luzula calabra : Dieser Endemit kommt nur im südlichen Italien vor. Feld-Hainsimse (Luzula campestris ): Die zwei Unterarten kommen in Europa und nordwestlichen Afrika vor. Luzula canariensis : Sie kommt auf den Kanarischen Inseln vor. Luzula capitata : Sie kommt von Russlands Fernem Osten bis Korea und zu den Nansei-Inseln vor. Luzula caricina : Mexiko und Guatemala. Luzula cascadensis : Westliche Vereinigte Staaten. Luzula celata : Dieser Endemit kommt nur auf der Südinsel Neuseelands vor. Luzula chilensis (Syn.: Luzula chilensis var. pallida , Luzula chilensis var. psilophylla , Luzula psilophylla , Luzula rigida ): Sie kommt vom zentralen bis südlichen Chile und vom nordwestlichen bis südlichen Argentinien vor. Luzula colensoi : Neuseeland. Luzula comosa : Die zwei Varietäten sind im westlichen Nordamerika von Alaska über das westliche Kanada und westliche bis westliche-zentrale Vereinigte Staaten bis ins nördliche Mexiko verbreitet. Luzula confusa : Subarktis südlich bis zu den nordöstlichen Vereinigten Staaten. Kopfige Hainsimse (Luzula congesta ): Nördliches und westliches Europa. Luzula crenulata : Neuseeland. Luzula crinita : Sie kommt in Neuseeland und auf den Macquarieinsel vor. Luzula decipiens : Neuseeland. Luzula densiflora : Südliches und südöstliches Australien. Luzula denticulata : Mexiko bis Panama. Desvaux-Hainsimse oder Pyrenäen-Hainsimse (Luzula desvauxii ): Nordspanien bis Südwestdeutschland. Luzula divaricata : Sie kommt in den westlichen USA vom zentralen Kalifornien über das westliche Nevada bis Oregon vor. Schlanke Hainsimse (Luzula divulgata ): Europa Luzula divulgatiformis : Dieser Endemit kommt nur in Slowenien vor. Luzula echinata : Zentrale und östliche Vereinigte Staaten. Luzula ecuadoriensis : Ecuador und westliches Bolivien. Luzula effusa : Östliches Nepal bis Neuguinea. Mit zwei Varietäten. Luzula elegans : Madeira, Kanarische Inseln. Luzula excelsa : Südliches Peru bis Argentinien. Breitsamige Hainsimse (Luzula exspectata ): Sie wurde 2007 erstbeschrieben und kommt in Deutschland in den Allgäuer Alpen, in Österreich sowie in Slowenien vor. Luzula fallax : Südosteuropa. Luzula flaccida : Sie kommt vom östlichen bis südöstlichen Australien vor. Luzula formosana : Sie kommt nur in Taiwan vor. Forster-Hainsimse (Luzula forsteri ): Europa bis Iran, Kanarische Inseln und Nordwestafrika. Mit drei Unterarten. Luzula gigantea : Nordwestliches Venezuela bis nordwestliches Argentinien. Kahle Hainsimse (Luzula glabrata ): Berchtesgadener Alpen, Österreich und nördliches Italien. Luzula groenlandica : Alaska bis British Columbia und Grönland. Luzula hawaiiensis : Die etwa drei Varietäten kommen nur in Hawaii vor. Luzula hitchcockii : Südwestliches Kanada bis nordwestliche Vereinigte Staaten. Luzula ignivoma : Costa Rica. Luzula inaequalis : Chinesische Provinz Jiangxi. Luzula indica : Südwestliches Indien. Luzula jimboi : die zwei Unterarten kommen von Kamtschatka bis Japan vor. Luzula johnstonii : Äthiopien bis östliches und östlich-zentrales tropischen Afrika. Luzula kjellmaniana : Sibirien bis Russlands fernem Osten Alaska bis nordwestliches Kanada. Luzula kobayasii : Nördliche Kamtschatka bis zu den nördlichen Kurilen und bis Alaska. Luzula lactea : Portugal und Spanien. Mit zwei Varietäten. Luzula leiboldii : Chila und Argentinien. Luzula leptophylla : Neuseeland. Luzula longiflora : Dieser Endemit kommt nur auf der Lord-Howe-Insel vor. Gelbe Hainsimse (Luzula lutea ): Östliche Pyrenäen und Südwestalpen bis zu den norditalienischen Gebirgen. Luzula lutescens : Sie kommt nur vom zentralen bis südlichen Japan vor. Gelbliche Hainsimse (Luzula luzulina ): Europäische Gebirge. Weißliche Hainsimse (Luzula luzuloides ): Europa. Mit zwei Unterarten. Luzula macrantha : Südwestliches Kanada bis Kalifornien. Luzula mannii : Westlich-zentrales und östliches tropischen Afrika. Mit zwei Unterarten. Luzula masafuerana : Dieser Endemit kommt nur auf den Juan-Fernández-Inseln vor. Luzula mendocina : Zentrales Argentinien. Luzula meridionalis : Südliches und südöstliches Australien. Luzula modesta : Südöstliches Australien. Vielblütige Hainsimse (Luzula multiflora ): Die etwa sechs Unterarten gedeihen in subarktischen bis gemäßigte Gebieten der nördlichen Halbkugel, in Costa Rica und Argentinien bis zu den Falklandinseln. Luzula nipponica : Korea und Japan. Luzula nivalis : Subpolare Zone der Nordhalbkugel. Schneeweiße Hainsimse (Luzula nivea ): Pyrenäen und Alpen. Luzula nodulosa : Marokko, Algerien und von Griechenland bis zur westlichen Türkei. Luzula novae-cambriae : Südliches New South Wales bis Tasmanien. Luzula oligantha : Arunachal Pradesh, Russlands Ferner Osten bis nördliches Korea und nördliches und zentrales Japan. Luzula orestera : Sie kommt in Kalifornien in der Sierra Nevada vor. Luzula ostenii : Uruguay. Luzula ovata : Südöstliches Australien. Bleiche Hainsimse (Luzula pallescens , Syn.: Luzula pallidula ): Subarktisches und subalpines Eurasien. In Mitteleuropa kommt sie in Deutschland, Österreich, Tschechien, Polen und Dänemark vor. Luzula papuana : Neuguinea. Luzula parviflora : Die drei Unterarten kommen von der Subarktis bis nördliche China und bis zu den Rocky Mountains vor. Luzula pedemontana : Südöstliches Frankreich bis nördliches Italien und Korsika. Luzula pediformis : Spanien, Frankreich und Italien. Luzula peruviana (Syn.: Luzula boliviensis , Luzula peruviana var. longispica ): Sie kommt im zentralen Mexiko und vom westlichen Südamerika bis ins nordwestliche Argentinien vor. Luzula philippinensis : Dieser Endemit kommt nur auf Luzon vor. Luzula picta : Die etwa drei Varietäten kommen nur in Neuseeland vor. Behaarte Hainsimse (Luzula pilosa ): Europa bis Sibirien. Luzula pindica : Südosteuropa. Luzula piperi : Sie ist von Alaska bis in die westlichen Vereinigten Staaten und von Russlands Fernem Osten bis ins nördliche Japan verbreitet. Luzula plumosa : Die etwa drei Unterarten kommen vom Himalaja bis Japan vor. Luzula poimena : Dieser Endemit kommt nur in Tasmanien vor. Luzula pumila : Diese Endemit kommt nur auf der Südinsel Neuseelands vor. Luzula purpureosplendens : Dieser Endemit kommt nur auf den Azoren vor.