Eichenau ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck.
Geographie Lage Der Hauptort liegt im Osten des Fürstenfeldbrucker Landkreises, etwa sechs Kilometer östlich von Fürstenfeldbruck und 20 Kilometer westlich des Münchner Zentrums. Die Gemeinde hat außer dem Pfarrdorf Eichenau keine weiteren Gemeindeteile.
Nachbargemeinden Die Entfernungsangaben beschreiben die Luftlinie zum Ortsmittelpunkt des Nachbarorts und sind auf ganze Kilometer kaufmännisch gerundet.
Klima Die Gemeinde liegt im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen kontinentalen Klima. Weitere wesentliche wetterbestimmende Faktoren sind die Alpen als mitteleuropäische und die Donau als regionale Wetterscheide. Aufgrund der durchziehenden Tiefdruckgebiete ist das Wetter in der Westwindzone relativ wechselhaft. Der Föhn bringt hin und wieder aus südlicher Richtung warme und trockene Luftströmungen. Damit verbunden ist meist eine sehr gute Fernsicht bis zu den bayrischen Alpen.
Geschichte 1863 begann die Besiedlung des Starzeltales westlich von München mit einem Blockhaus in der Nähe der heutigen S-Bahn-Haltestelle. Die Lage an der Bahn war ausschlaggebend für die Entwicklung der Siedlung und von Anfang an war die Mehrzahl der Bewohner Pendler mit Arbeitsplätzen in München. Mit der Eröffnung des Haltepunktes Roggenstein (am heutigen Lehr- und Versuchsgut Roggenstein) an der Bahnstrecke München–Buchloe 1896 waren die Voraussetzungen für eine stärkere Besiedlung gegeben. Der Münchner Buchdrucker und Immobilienhändler Hieronymus Russ begann ab 1910 die feuchten Wiesen im Allinger Moos im großen Stil aufzukaufen. Er ließ sich 1912 einen Baulinienplan für eine Kolonie von Heimgartensiedlern genehmigen und begann Grundstücke zu verkaufen. Der erste Versuch einer „Baugenossenschaft Eichenau“ durch 24 Münchner Bürger ist durch den Auflösungsbeschluss von 1913 nachgewiesen. Am 7. Januar 1907 gab Prinzregent Luitpold der Siedlung offiziell ihren Namen. Damals lebten 48 Einwohner in Eichenau.
Nach der Begradigung des Starzelbaches ließen ab 1915 Regierungsrat Josef Nibler und sein Bezirksbaumeister Georg Popp den ersten Baulinienplan aufstellen (rechtskräftig 1918). Noch in den letzten Kriegswochen gründete er zusammen mit dem jüdischen Direktor Julius Einhorn von der Hausmüllverwertung München in Puchheim, dem Fürstenfeldbrucker Sparkassendirektor und dem Fürstenfeldbrucker Notar die Baugenossenschaft Eichenau und Umgebung e.G., die heute noch aktiv ist. Sie wurde mit über 62 ha der größte Grundstücksbesitzer in der späteren Gemeinde und bestimmte entscheidend die ganze Ortsentwicklung. Laut Satzung war bis nach dem Zweiten Weltkrieg der Bezirksamtmann im Bezirksamt Fürstenfeldbruck Vorstand der Baugenossenschaft. Nach dem Tod von Josef Nibler 1921 rückte der Architekt und Bezirksbaumeister Georg Popp auch in den Vorstand der Baugenossenschaft auf und beeinflusste sie bis 1933.
Die Spannungen mit der Muttergemeinde Alling erreichten ihren Höhepunkt 1925, als die mehrheitlich Eichenauer Gemeinderäte die Verlegung der Gemeindeverwaltung nach Eichenau beschlossen.
Nach Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr im Jahre 1921 wurde 1925 das erste Feuerwehrhaus gebaut. 1926 wurde die neubarocke Schutzengelkirche durch Kardinal Michael von Faulhaber eingeweiht. Im Oktober 1937 wurde die heutige Friesen-Halle als Turnhalle in Betrieb genommen, diese wurde nach Friedrich Friesen benannt.
Nach 1945 erhöhte sich die Bevölkerung durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen. Am 1. April 1957 wurde Eichenau durch Ausgliederung aus Alling eine selbständige Gemeinde. 1967 zog die Gemeindeverwaltung in das neu gebaute Rathaus ein. 1969 wurde das dritte Schulgebäude eingeweiht. Die Evangelische Friedenskirche entstand 1970, der zweite Schulkomplex an der Parkstraße 1972. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre entstand das Sport- und Freizeitzentrum mit der Budrio-Halle. Es wurde 2007 um zwei weitere Fußballplätze erweitert. Die „Gartenstadt“ Eichenau ist wegen des großzügigen Grüncharakters und der guten Infrastruktur ein Ort von hoher Wohnqualität und entspricht heute weitgehend den ab 1915 entworfenen Vorstellungen.
Einwohnerentwicklung Zum Zeitpunkt der Gemeindegründung im Jahre 1957 lebten ca. 3.500 Einwohner in Eichenau. Zwischen 1965 und 1975 erlebte Eichenau eine Hochphase in der Bautätigkeit verbunden mit einer entsprechend rasch steigenden Zunahme der Bevölkerung auf ca. 8.500. In den Folgejahren verlangsamte sich das Wachstum, die Bevölkerungszahl stieg aber weiter und erreichte 2015 12.269 Einwohner. Seitdem stagniert die Einwohnerzahl und betrug zum 1. Juni 2023 12.226.
Politik mini|Rathaus
Gemeinderat Der Gemeinderat in Eichenau besteht aus 24 gewählten Gemeinderatsmitgliedern und qua Amt dem Ersten Bürgermeister als Vorsitzenden. Die aktuelle Wahlperiode läuft von 2020 bis 2026.
+ Sitzeverteilung im Gemeinderat Jahr CSU SPD Grüne FW FDP EBV Parteilos Gesamt Wahl-beteiligung 2026 8 4 5 3 1 3 0 24 65,3 % 2020 7 4 7 4 2 0 0 24 60,2 % 2014Gemeinderatswahl 2014 in Eichenau – Ergebnis der Wahl des Eichenauer Gemeinderats am 16.03.2014, abgerufen am 27. Januar 2016. 8 5 4 5 1 0 1Nicht mehr seine Partei – Verärgert über Seehofer Artikel in der Süddeutschen Zeitung über den Austritt von Claus Guttenthaler aus der CSU vom 27. Januar 2016. Abgerufen am 27. Januar 2016 24 52,7 % 2008 10 5 3 4 1 0 1 24 59,0 % 2002 12 8 n. a. 3 1 0 0 24 60,1 % 1996 9 6 2 4 1 0 2Gruppe „Lebendiges Eichenau“ 24 62,6 % 1990 8 7 1Frauen und Grüne „Fuge“ 3 1 0 n. a. 20 69,3 % mini|Friedenskirche Eichenau Sommerfest 2008, 1. Bürgermeister Hubert Jung (links) und 2. Bürgermeisterin Gabi Riehl (rechts)
Beiräte: Jugendbeirat, Umweltbeirat Bürgermeister
Berufsmäßiger Erster Bürgermeister ist seit 1. September 2016 der 1966 geborene Peter Münster, der über den Wahlvorschlag der FDP bei der Bürgermeisterwahl vom 7. Oktober 2022 mit einem Stimmenanteil von 63,8 % erneut gewählt wurde.
Liste der Bürgermeister seit der Unabhängigkeit 1957
Hans Kraus (1898–1965), 9. Oktober 1955 bis 13. Februar 1965 Alois Handelshauser (1913–1968), 14. Mai 1965 bis 22. Mai 1968 Alfred Rehm (1922–2006), 1. September 1968 bis 31. August 1980 Sebastian Niedermeier (SPD-Mitglied bis 1997; ab 1998 bei den FW) (* 1944), 1. September 1980 bis 22. Juni 1998 Hubert Jung (CSU) (* 1953), 1. September 1998 bis 31. August 2016 Peter Münster (parteilos, bis 2023 FDP) (* 1966), seit 1. September 2016
Kreistag Eichenau war von 2014 bis 2020 mit sechs Personen im Kreistag des Landkreises Fürstenfeldbruck vertreten (Stand 2019): Ulrich Bode (FDP), Gabi Riehl (SPD), Herbert Kränzlein (SPD), Hubert Jung (CSU) und Rike Schiele (Bündnis 90/Die Grünen), Bernd Heilmeier (Freie Wähler). Ab 2020: Rike Schiele (Bündnis 90/Die Grünen), Ulrich Bode (FDP).
Wappen
Gemeindepartnerschaften : Wyschhorod (WishgorodWischgorod), seit 1992 : Budrio, seit 1991 : Drebach in Sachsen : Les Pavillons-sous-Bois (freundschaftliche Beziehung)
Wirtschaft Von 1918 bis 1958 hatte der Anbau von Pfefferminze große wirtschaftliche Bedeutung. Davon zeugt heute noch das einzige Pfefferminzmuseum Deutschlands. Von 1972 bis 2017 war Eichenau Standort des ersten großen Verteilungslagers und Sitz der Stiftungen von ALDI Süd (Siepmann Familienstiftung, Oertl-Stiftung, vormals Maria-Albrecht-Stiftung und Elisen-Stiftung). Das Lager wurde anschließend von der Firma Transgourmet Deutschland belegt. In den drei Ausbaustufen des 14 ha großen Gewerbegebietes im Süden der Gemeinde sind über 100 Unternehmen unterschiedlichster Branchen vertreten. Es dominieren kleinere Handwerksbetriebe der Automobilbranche sowie Dienstleister.
Ansässige Unternehmen (Auswahl) Orgelbau Kaps Transgourmet Deutschland CADEA Entwicklung und Konstruktion Eder Solartechnik FRAMA International Logistics Experts4Events Killinger Drechselmaschinen esz AG calibration & metrology Quelle:
Pendlergemeinde Eichenau ist eine Pendlergemeinde mit relativ wenig sozialversicherungspflichtig beschäftigten Personen. Zwischen 1999 und 2009 nahm ihre Zahl von 1114 auf 1535, bis 2017 auf 4333 langsam aber stetig zu. Nur 350 Beschäftigte arbeiteten in 2009 am Wohnort, in 2017 waren es 1587. Im Jahr 2009 standen den 1185 Einpendlern 3391 Auspendler gegenüber, davon 1891 nach München. Ebenfalls im Jahr 2009 waren von den 11.893 Einwohnern nur 3741 sozialversicherungspflichtig beschäftigt, d. h. ein großer Teil der Einwohner sind Selbständige und Beamte.Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München, Gemeindedaten Eichenau 2010
Infrastruktur Energieversorgung Netzbetreiber ist seit dem 1. April 2008 die KommEnergie GmbH. Sie hat rund 28.200 Kunden und übernimmt die Planung, den Ausbau und den Betrieb der Versorgungsanlagen einschließlich der Straßenbeleuchtung der drei beteiligten Kommunen Eichenau, Puchheim und Gröbenzell. Neben der Bayernwerk AG (früher E.ON Bayern AG) besitzen die Kommunen zusammen 33 % des Stammkapitals.
Wasser und Abwasser 1960 wurde der Amperverband gegründet. Ihm gehören die Große Kreisstadt Germering, die Städte Olching und Puchheim sowie die Gemeinden Alling, Eichenau, Gauting, Gilching, Gröbenzell, Maisach und Weßling an. Das Abwasser von mehr als 150.000 Einwohnern sowie weiteren 30.000 Einwohnerwerten aus Gewerbe und Industrie der Verbandsmitglieder werden heute nach modernstem Stand der Technik gesammelt, abgeleitet und in der zentralen Kläranlage in Olching / Geiselbullach gereinigt. Der Sitz des Verbandes war lange in Eichenau, wurde aber nach Olching/Geiselbullach in einen Neubau am Klärwerk verlegt. Er war einer der großen Arbeitgeber am Ort.
Wohngebäude und Wohnungen Der Ort wird durch Einzelhäuser (2799), Doppelhäuser (680) und Reihenhäuser dominiert. Die Anzahl der Wohngebäude nahm von 1999 bis 2009 von 3060 auf 3382 zu. Darin befanden sich (2009) 5316 Haushalte. Die Wohnungsbelegung beträgt 2,3 E/W mit leicht fallender Tendenz.
Verkehr mini|Empfangsgebäude des Haltepunkts Eichenau
Am Ortsrand befindet sich an der Bahnstrecke München–Buchloe der Haltepunkt Eichenau (Oberbay), welcher von der Linie S4 der S-Bahn München bedient wird. Im Ort verkehrt überdies auch die Regionalbuslinie 861. Die Anbindung nach Olching, Puchheim-Ort und Germering bis hin nach München-Freiham ist mit der Linie 860 gesichert, nach Emmering, Fürstenfeldbruck sowie Puchheim-Bahnhof verkehrt die Linie 862. Der S-Bahn- und Busverkehr ist in den Münchner Verkehrs- und Tarifverbund integriert. Die Staatsstraße 2069 durchzieht den Ort im großen Bogen von der Gemeindegrenze mit Olching im Norden bis zur Bundesstraße 2 im Süden. Durch den Pendlerverkehr und den Lieferverkehr zwischen den vielen Gewerbegebieten in der Umgebung ist sie stark belastet. Über den Anschluss Germering besteht der schnellste Weg zur A 99. Der beschrankte Bahnübergang an der Kreuzung zwischen St 2069 und der Bahnstrecke wurde 2001 durch eine Unterführung ersetzt.
Linie Linienverlauf
Busverkehr