mini|Demonstrationen bei der Beerdigung von Pierre Gemayel junior Zedernrevolution (, ) ist die Bezeichnung für die Kette von Demonstrationen der bürgerlichen Gruppen im Libanon (hauptsächlich in Beirut), die durch ein tödliches Attentat auf den Fahrzeugkonvoi des ehemaligen libanesischen Premierministers Rafiq al-Hariri am 14. Februar 2005 ausgelöst wurde.
Die Primärziele der ursprünglichen Aktivisten waren der Rückzug der syrischen Truppen aus dem Libanon, die Einrichtung einer internationalen Kommission zur Untersuchung der Ermordung des Premierministers Hariri, der Rücktritt von Sicherheitsbeamten und die Organisation der freien parlamentarischen Wahlen. Die Demonstranten verlangten das Ende der syrischen Einflussnahme auf die libanesische Politik. Während der Periode der ersten Welle von Demonstrationen hatte Syrien eine Streitkraft von ungefähr 14.000 Soldaten und Geheimagenten im Libanon unterhalten.BBC: Syria sidesteps Lebanon demands, 6. März 2005 Nach den Demonstrationen zogen sich die syrischen Truppen vollständig am 27. April 2005 aus dem Libanon zurück. Die pro-syrische Regierung unter Omar Karami wurde aufgelöst, damit war das Hauptziel der Revolution erreicht. Die Attentatsserie riss im Verlauf des Jahres allerdings nicht ab, ihr fielen noch weitere anti-syrische Politiker und Journalisten zum Opfer.
Die Opposition hatte als ihr Symbol einen weißen und roten Schal sowie das blaue Band der Pro-Hariri-Bewegung gewählt. Populäre Mottos der Bewegung waren Horriyeh, Siyadeh, Istiqlal („Freiheit, Souveränität, Unabhängigkeit“) und Haqiqa, Horriyeh, Wahdeh wataniyeh („Wahrheit, Freiheit, nationale Einheit“).
Ziel Das Hauptziel der Zedernrevolution war das Ende der syrischen militärischen Besetzung des Libanon, die seit 1975 angedauert hatte. Zusätzlich verlangten viele Libanesen die Rückkehr des ehemaligen Premierministers Michel Aoun, der seit 1989 im Exil war, und die Freigabe des inhaftierten Vorsitzenden der Forces Libanaises, Samir Geagea, als Ziel der Revolution.
Andere Ziele, deren Erfüllung manchmal angegeben wird, sind: Vereinigung aller Libanesen in ihrem Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit Beseitigung des pro-syrischen Regimes Karamis Entlassung der sechs libanesischen Kommandanten der Sicherheitsdienstes einschließlich des Generalstaatsanwalts Durchführung des kompletten Rückzugs der syrischen Truppen und ihrer Sicherheitsdienste aus dem Libanon Aufdeckung der Mörder von Ministerpräsident Rafik Hariri Durchführung freier und demokratischer Parlamentswahlen im Frühjahr 2005 unabhängig von syrischer Einflussnahme
Ursprung des Namens Der Name „Zedernrevolution“ ist eine Bezeichnung, die durch die US-Unterstaatssekretärin für globale Angelegenheiten Paula J. Dobriansky in einer Pressekonferenz geprägtUS-Außenministerium: Remarks on Release of Country Reports on Human Rights Practices for 2004, 28. Februar 2005Washington Post: The Branding of Lebanon’s ‘Revolution’, 3. März 2005 und verwendet wurde, um einen Vergleich mit der Rosenrevolution in Georgien, der Orangen Revolution in der Ukraine und der „Purpurroten Revolution“ (wie sie von George W. Bush beschrieben wurde) im Irak zu ziehen. Sie wird auch als Intifada-Al-Istiqlal des Libanons oder als Zedernfrühling (Rabi’ el Arz) bezeichnet,Daily Times (Pakistan): , 28. März 2005 (Registrierung erforderlich) Bezug nehmend auf die Jahreszeit, die herrschte, als die Proteste zuerst ausbrachen und auch als Anspielung zu berühmten Freiheits- und Unabhängigkeitsbewegungen wie dem Prager Frühling.Media Monitors Network: , 17. März 2005 Daran schließen die Namen an, die durch die örtlichen Medien, wie die LBC und Future TV verwendet werden, um die Ereignisse zu benennen: Unabhängigkeit des Libanon (Istiqlal Lubnan) oder Libanon-Frühling (Rabi' Lubnan) oder einfach nur Unabhängigkeit 05. Manchmal wird auch Arabischer Frühling verwendet. Die Zeder bezieht sich auf das nationale Wahrzeichen, die Libanonzeder, den Baum, der auf der Flagge Libanons abgebildet ist. Vor Jahrhunderte langen Abholzungsperioden, vor allem im Taurusgebirge, war der Libanon ein stark und vor allem mit Libanon-Zedern bewaldetes Land.
Ermordung von Rafik Hariri Am 14. Februar 2005 wurde der populäre ehemalige libanesische Ministerpräsident Rafiq al-Hariri durch einen Autobombenanschlag ermordet, wobei 21 Menschen getötet und fast 100 weitere verwundet wurden. Der ehemalige Minister der Wirtschaft und des Handels Bassel Fleihan starb später an den Verletzungen, die er bei der Explosion erlitt. Das Attentat löste Massendemonstrationen aus, die offensichtlich große Teile der normalerweise zersplitterten libanesischen Bevölkerung vereinigten. Es war das zweite Ereignis innerhalb von vier Monaten; der ehemalige Minister und Parlamentsabgeordnete Marwan Hamadéh hatte einen Autobombenanschlag am 1. Oktober 2004 überlebt.
Trotz des Mangels jeglicher grundlegender überzeugender Beweise, der irgendeine Partei oder Einzelpersonen beschuldigte, richtete sich die libanesische und internationale Empörung über den Mord hauptsächlich gegen die syrische Regierung. Die Gründe hierfür waren ihr umfangreicher Militär- und Geheimdiensteinfluss im Libanon sowie der allgemeine Riss zwischen Hariri und Damaskus kurz vor seinem letzten Rücktritt am 20. Oktober 2004. Am Tag nach dem Rücktritt Hariris wurde der ehemalige pro-syrische Ministerpräsident Omar Karami auf den Posten ernannt.BBC: Lebanon appoints prime minister, 21. Oktober 2004
Der libanesische Drusenführer Walid Dschumblat, ein neuer Anhänger der anti-syrischen Opposition, ermutigt durch den öffentlichen Zorn und die bürgerlichen Aktivitäten, behauptete unmittelbar nach Hariris Ermordung, dass im August 2004 der syrische Präsident Baschar al-Assad Hariri bedrohte, indem er sagte Dschumblat wird zitiert, Die Vereinigten Staaten, die EU und die UNO sind nicht so weit gegangen, Syrien offen zu beschuldigen, aber verlangten stattdessen den syrischen Rückzug aus dem Libanon und eine öffentliche und internationale Untersuchung der Ermordung. Die Bemerkungen Dschumblats sind nicht unumstritten; die BBC beschreibt ihn als – die ständig wechselnde Bündnistreue zu der jeweiligen tagesaktuellen Gewinnerseite, durch den Tumult des Bürgerkrieges von 1975 bis 1990 und der problematischen Nachkriegssituation.BBC: Who’s who in Lebanon, 14. März 2005 Er war nach dem Krieg ein Anhänger Syriens, wechselte aber die Seiten nach dem Tod des ehemaligen syrischen Präsident Hafiz al-Assad im Jahre 2000. Seine Aussage wird zitiert, aber nicht bestätigt, im FitzGerald-Bericht der UN. Der Report hält kurz davor an, Damaskus oder irgendeine andere Seite direkt zu beschuldigen, sagt aber, dass nur eine weitere vollständige internationale Untersuchung den Schuldigen benennen kann.The New York Times: U.N. Cites Syria as Factor in Lebanese Assassination, 25. März 2005 (Registrierung erforderlich) Die libanesische Regierung stimmte dieser Untersuchung zwar zu, verlangte aber die volle Teilnahme seiner eigenen Organe und die Respektierung der libanesischen Souveränität.BBC: Lebanon agrees to Hariri inquiry, 25. März 2005 (siehe auch unten, Internationale Reaktion)
Am 21. Februar 2005 hielten Zehntausende von libanesischen Demonstranten eine Versammlung am Ort der Ermordung Hariris ab und verlangten ein Ende der syrischen Besetzung. Sie beschuldigten Syrien und den pro-syrischen Präsidenten Émile Lahoud, für den Mord verantwortlich zu sein. In den folgenden Wochen fand an fast jedem Montag eine Demonstration am Märtyrer-Platz (durch die Demonstranten auch Freiheitsplatz genannt) statt, zusätzlich zu der ständigen täglichen Versammlung dort.BBC: Beirut protesters nounce Syria, 21. Februar 2005
Ähnliche Demonstrationen wurden durch libanesische Einwanderer auch in einigen Städten auf der ganzen Welt abgehalten, einschließlich Sydney (wo über 10.000 Menschen demonstrierten), San Francisco, Paris, Düsseldorf, Montreal und London. Es wird angenommen, dass der Bruch Syriens mit Hariri durch dessen Opposition zur umstrittenen syrisch-unterstützten Verfassungsänderung entstanden ist, die die Amtszeit Lahouds als Präsident verlängerte.
Zeitreihe mini|Demonstranten versammeln sich am Place des Martyrs Zahlreiche Attentate und Explosionen markieren den Verlauf der Unruhen im Frühjahr 2005. Am 19. März 2005, gegen Mitternacht, erschütterte eine Explosion ein als Wohnort und Gewerbeansiedlung genutztes Gebiet in dem nördlich von Beirut gelegenen Vorort Jdeidéh und verletzte dabei elf Personen. Bereits 4 Tage später, am frühen Morgen des 23. März 2005 zerriss eine Bombe in einem Einkaufszentrum in Kaslik, nahe dem Hafen von Jounieh, ungefähr 15 km nördlich von Beirut, eine nicht identifizierte Person und zwei indische Arbeiter und tötete sie. Ein Libanese wurde dabei schwer verletzt. Die Bombe brachte das Dach des Einkaufszentrums zum Einsturz und ließ Fenster der Geschäfte zerbersten. Das Gebiet galt als das Herzland der christlichen, anti-syrischen Opposition. Präsident Émile Lahoud ordnete eine Untersuchung an. Seinerseits wurde ausgeführt, dass der Angriff versucht wurde, um den Libanon zu treiben, und erneuerte den Aufruf zu Diskussionen zwischen Opposition und loyalen Regierungspolitikern Die Opposition machte dagegen Anhänger Syriens für die neue Gewalttätigkeit verantwortlich. Sie hätten es nach Ansicht der oppositionellen Kräfte darauf abgesehen, Unruhe zu schüren und damit die Anwesenheit der syrischen Truppen im Libanon zu rechtfertigen. , erklärte der oppositionelle Abgeordnete Faris Bouez Reportern vor Ort. In der Nacht zum Sonntag, dem 27. März 2005 explodierte eine große Bombe in einem überwiegend christlichen Vorort von Beirut, verursachte umfangreiche Beschädigung, tötete zwei indische Staatsangehörige, die dort arbeiteten, und verletzte acht andere Menschen. Die Vereinigten Staaten und der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon verurteilten den Angriff, forderten ein Ende der GewalttätigkeitenStatement des UN-Generalsekretärs zu den Bombenanschlägen zu Ostern im Libanon, aufgerufen am 14. September 2012 und verlangten verbesserte Sicherheitsmaßnahmen. Die Explosion verursachte in Beirut Panik und eine wachsende Besorgnis über die verschlechterte Stabilität. Pro-syrische Terrorgruppen wurden als Täter vermutet, die durch ein Untergraben der Stabilität des Landes dem Rückzug der syrischen Truppen entgegenzuwirken versuchten, obgleich keine konkreten Personen oder Gruppen als Verdächtige genannt wurden. Am Donnerstag, dem 31. März 2005, traf eine Gruppe von 70 oppositionellen Parlamentsmitgliedern zusammen. Sie verlangten eine neutrale Überwachung der Durchführung der für den 31. Mai 2005 geplanten Wahlen. In einer Entschließung wurde von ihnen ausgeführt, dass Die Opposition kritisierte das Staatsoberhaupt Émile Lahoud, Parlamentssprecher Nabih Berri und das Parlament als die Verantwortlichen für diese Situation und verlangte, dass diese Dieses war in Erwiderung auf den Aufschub des offiziellen Rücktrittes von Ministerpräsident Omar Karami, der am 5. April stattfinden hätte sollen, aber dann bis mindestens zum 8. April hinausgeschoben wurde. Karami wurde gezwungen, erneut zurückzutreten, nachdem er wiederernannt worden war, weil er es nicht schaffte, Mitglieder der Opposition zu überzeugen, an einer Regierung der nationalen Einheit teilzunehmen.BBC: Pro-Syrians ‘seek poll sabotage’, 31. März 2005 Am 18. April 2005 starb der ehemalige Minister für Wirtschaft und Handel, Bassel Fleihan in Paris an den Verletzungen, die er sich bei der Bombenexplosion am 14. Februar zugezogen hatte. Fleihan saß während der Explosion neben Hariri. Dabei erlitt er Verbrennungen von über 95 % seiner Körperoberfläche. Am 6. Mai 2005 wurden 22 Menschen bei einem Anschlag in Jouniéh verwundet. Entgegen ersten Berichten war bei der Explosion niemand getötet worden.