mini|Roderich Benedix (Kupferstich von R. Maurer, 1868) Julius Roderich Benedix (* 21. Januar 1811 in Leipzig; † 26. September 1873 ebenda) war ein deutscher Komödiendichter, Schauspieler und Theaterdirektor.

Leben mini|Tafel in Specks Hof in Leipzig (2018) miniatur|Grabtafel für Roderich Benedix, Alter Johannisfriedhof Leipzig (2011) Roderich Benedix wurde in Leipzig in einem Vorgängerbau von Specks Hof an der Reichsstraße geboren. Er besuchte die Thomasschule zu Leipzig, folgte aber seiner Neigung zum Theater und wurde 1831 Schauspieler. Während zweier Jahre spielte er bei Heinrich Eduard Bethmann in Dessau, Bernburg, Köthen, Meiningen und Rudolstadt. Er fand ein Engagement in Westfalen und im Rheinland und trat in Minden, Paderborn, Kleve, Krefeld, Mainz und Wiesbaden auf, bis er 1838 nach Wesel am Niederrhein kam.

Das erste von ihm verfasste Schauspiel Das bemooste Haupt gelangte am 23. November 1840 am Theater der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Königsberg zur Aufführung; es wurde mit großem Beifall auf fast allen Bühnen Deutschlands gespielt. Nicht weniger Erfolg hatte sein zweites Stück Doctor Wespe.

Benedix übernahm darauf in Wesel die Redaktion der Volkszeitschrift Der Sprecher, siedelte aber 1842 nach Köln über, wo er sich durch vielbesuchte Vorlesungen über Faust. Eine Tragödie. einführte. 1844 übernahm er für ein Jahr die technische Direktion des Elberfelder Theaters. Seit 1847 wirkte er in gleicher Eigenschaft am Schauspiel Köln unter Gerlachs Direktion. Zugleich hielt er vor einem ausgewählten Publikum Vorlesungen über die jüngsten Lyriker und Dramatiker Deutschlands.

Als in Köln die Rheinische Musikschule organisiert wurde, erhielt auch Benedix dort eine Lehrerstelle. Im Jahr 1855 wurde er Intendant des Stadttheaters Frankfurt am Main, legte jedoch 1859 dieses Amt nieder und kehrte nach Köln zurück. Später lebte er, geistig immer tätig, aber in den letzten Jahren körperlich leidend, in Leipzig, wo er am 26. September 1873 starb.

Verheiratet war er mit Leontine Paulmann, seine Schwiegereltern damit Julius Paulmann und Hulda Emilie Klotz. Seine Schwägerin war Therese Paulmann.Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag von Paul List, Leipzig 1903, S. 755, (). Aus einer früheren Ehe stammen sein Sohn Hugo Benedix (1836–1917), Theaterschauspieler, und Ottilie Benedix, die mit dem Schauspieler Heinrich Behr verheiratet war.Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag von Paul List, Leipzig 1903, S. 79, ()

Werk Als dramatischer Dichter hatte Benedix Erfolge, wie seit August von Kotzebue kaum ein Lustspieldichter. Die meisten seiner Lustspiele wurden Lieblingsstücke des deutschen Volkstheaters.

Selbst über Deutschlands Grenzen hinaus fanden Benedix’ Stücke Anerkennung. Seine Hauptstärke als Autor lag allerdings weder in der Charakteristik, die sich selten über die photographische Wiedergabe behaglicher und etwas zuversichtlicher Durchschnittsmenschen erhob, noch in einer poetischen Grundanschauung der Welt, sondern in der Fülle der Situationen, einer im bunten, unterhaltenden Wechsel belebten Szenerie, in heiteren Kombinationen des Zufalls, in Verwickelungen und Verwechslungen, in der genauen Kenntnis des Theatermilieus und seiner althergebrachten, aber trotzdem wirksamen Effekte. Dazu gesellten sich – aus damaliger Sicht – ein frischer und beweglicher Dialog, dessen Hausbackenheit sich allerdings auch mit der gleichen Eigenschaft der Figuren deckte, ein zwar nicht glänzender oder reicher, aber dennoch kerniger Witz und eine gewisse moralisierende Richtung.

Sein 1851 uraufgeführtes Stück Das Gefängnis kam auf Umwegen nach Paris in die Hände der Librettisten Meilhac und Halévy, die daraus das Stück La Réveillon schufen – was schließlich über einen weiteren Umweg die Grundlage für das Libretto von Die Fledermaus von Johann Strauss wurde.

Auch als Volksschriftsteller und Erzähler hat sich Benedix versucht. In der postum veröffentlichten polemischen Schrift Die Shakespearomanie verurteilt er eine unkritische Shakespeare-Begeisterung.

Wie beliebt seine Stücke bei den Königsberger Studentenverbindungen waren, zeigt die Erinnerung eines Masuren:Otto Vigouroux: Aus meiner goldnen Zeit 1857–60. In: Festschrift zum 75. Stiftungsfest des Corps Masovia. Königsberg 1905. – Vigouroux (1837–1907) war Lehrer und Vorsteher der Reformiertengemeinde in Hamburg.

Werke Dramen mini|hochkant|Das Lügen (Druck von 1864) Johanna Sebus. Drama in 1 Akt, 1835 Der Weiberfeind. Lustspiel in 1 Akt, 1846 (UA 1843) Das bemooste Haupt (UA 1839) Doctor Wespe (UA 1842) Der Steckbrief Der alte Magister Der Vetter Eigensinn. Lustspiel in 1 Aufzug (UA 1847) Der Prozeß Die Hochzeitsreise Die Eifersüchtigen Das Gefängnis Die zärtlichen Verwandten Der Liebesbrief Die Schuldbewußten Aschenbrödel Das Lügen Die Lügnerin. Lustspiel in 1 Aufzug Ein Lustspiel Die Sonntagsjäger. Lustspiel in 1 Aufzug Eine Stunde auf der Karlsschule. Historisches Genrebild in 1 Akt Das Stiftungsfest Mathilde Die Pasquillanten, 1860 Die Verlobung, 1862Die Verlobung : Schauspiel in drei Aufzügen / von Roderich Benedix – Digitalisat bei der uni-muenster.de Die Dienstboten, UA am 18. Januar 1864Digitalisat (DjVu) Die meisten seiner Bühnenstücke sind in seinen Gesammelten dramatischen Werken (Leipzig 1846–74, 27 Bände) enthalten; außerdem erschien eine Auswahl der größeren Lustspiele in 20 Bänden (Volkstheater, das. 1882) und eine Sammlung der kleineren Stücke unter dem Titel: Haustheater (8. Aufl., Leipzig 1880).

Sonstige Deutsche Volkssagen, 6 Bände, Wesel 1839–41, Neuausgabe 1851 Niederrheinischer Volkskalender, 1836–42 Gedenkbuch für das Leben, Wesel 1841 Bilder aus dem Schauspielerleben, 2. Aufl. Wesel 1851 Die Landstreicher, Roman 1867 Der mündliche Vortrag, 3 Bände, 3. Auflage Leipzig 1871 Das Wesen des deutschen Rhythmus, Leipzig 1862 Katechismus der deutschen Verskunst, 2. Auflage Leipzig 1879 Katechismus der Redekunst, 3. Auflage Leipzig 1881 Die Shakespearomanie. Zur Abwehr, postum, Stuttgart 1873

Ehrungen Im Leipziger Stadtteil Gohlis ist seit 1889 eine Anliegerstraße nach Benedix benannt.Benedixstraße, Online-Straßennamenverzeichnis der Stadt Leipzig, abgerufen am 13. Mai 2023

Literatur Valerian Tornius: Roderich Benedix. Zu seinem hundertsten Geburtstag am 21. Januar 1911. Reclams Universum. Moderne illustrierte Wochenschrift 27.1 (1911), S. 397–398.

Weblinks

Benedix, Roderich (leipzig-lexikon.de) Sekundärliteratur zu Benedix

Theaterzettel aus der Sammlung der Universität Würzburg

Einzelnachweise

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