mini|Eucharistische Gaben und Kelch auf der Kredenz Die Gabenbereitung – auch Opferbereitung oder früher Opferung – ist im Christentum der Teil der heiligen Messe im römischen Ritus, der nach dem Wortgottesdienst die Eucharistiefeier einleitet und zum eucharistischen Hochgebet hinführt. Die Gabenbereitung ist auch in der Agende der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche als Möglichkeit vorgesehen und wird in vielen Kirchengemeinden praktiziert.

Bei der Gabenbereitung werden Brot (Hostien) und Wein als Opfergaben dargebracht, der Ort des liturgischen Geschehens wechselt von Priestersitz und Ambo (Wortgottesdienst) zum Altar (Eucharistiefeier).

Elemente der Gabenbereitung Bei der Bereitung des Altars werden das Korporale, der Kelch mit Palla und Purifikatorium und das Messbuch zum Altar gebracht. mini|Gabenbereitung im Römischen Ritus (Polen) mini|Erzbischof Rainer Maria Woelki und Domdiakon Reimund Witte beim Gabengebet im Requiem für Joachim Meisner (Kölner Dom, 15. Juli 2017) Die Hostien sowie die Kännchen mit Wein und Wasser werden in einer Gabenprozession feierlich zum Altar gebracht. Die Gläubigen bekunden ihre Teilnahme durch eine Gabe; dies kann entweder durch Vertreter der Gemeinde geschehen, die Brot und Wein für die Eucharistie herbeibringen, oder indem andere Gaben, die für die Bedürfnisse der Armen und der Kirche bestimmt sind, in den Altarraum gebracht werden (etwa als Kollekte). Das Herbeibringen der Gaben wird meist durch einen Gesang (Offertorium) oder instrumental begleitet.

In der Bereitung der Gaben nimmt der Priester zunächst das Brot entgegen und spricht darüber folgendes Gebet:

Die Gemeinde kann antworten:

Anschließend nimmt der Priester den Wein entgegen, mischt ihn mit ein wenig Wasser, stellt den bereiteten Kelch auf den Altar nieder und spricht:

Die Gemeinde antwortet:

In feierlichen Gottesdiensten können die Gaben mit Weihrauch inzensiert werden, anschließend die Zelebranten und die Gemeinde. Danach wäscht der Priester sich die Hände und betet: ()

Die Einladung zum Gabengebet lautet in einer der vorgesehenen Formen:

Antwort:

Auf das abschließende Gabengebet, das der Priester spricht, antwortet die Gemeinde mit

Deutungen der Symbolik Das Herbeibringen der Gaben und die Gebete werden als Dank und Lobpreis an den Schöpfer verstandenKKK Nr. 1333. und mit der „Handlung Christi selbst, der beim Letzten Abendmahl ,Brot und den Kelch nahm‘“KKK Nr. 1350. identifiziert.

Geschichtlich gesehen hat sich früh aus einer das Hochgebet vorbereitenden Handlung ein darauf inhaltlich hinführendes Element der Messe entwickelt.Hans Bernhard Meyer: Eucharistie: Geschichte, Theologie, Pastoral. Regensburg: Pustet 1989, ISBN 3-7917-1200-4, S. 342. Neben dem Herantragen der Gaben von Brot und Wein zum Altar wurde bis in die Neuzeit an Sonn- und bestimmten Festtagen der Opfergang der ganzen Gemeinde praktiziert; dabei hat ein Geldopfer das in der Alten Kirche übliche Spenden von Naturalien zur Unterstützung der Armen abgelöst. Dieser Opfergang wird heute durch das Einsammeln der Kollekte repräsentiert.

Mit der Liturgiereform infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde das Augenmerk von der „Opferung“ wieder stärker auf die „Bereitung der Gaben“ (Praeparatio donorum) gelenkt und „die Begleitgebete zur Darbringung von Brot und Wein preisen jetzt (ein Thema des Hochgebetes verdoppelnd!) in Anlehnung an jüdische Vorbilder (berakot) Gott für die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit“. Daneben wurden die kurzen Texte nach dem Niederlegen der Gaben und zur Händewaschung und die mittelalterliche Apologie (Suscipe, sancte Pater) weggelassen.

Die Vermischung von Wein und Wasser bei der Bereitung der Gaben wird gedeutet als Zeichen für die zwei Naturen in Jesus Christus, der göttlichen und der menschlichen Natur, und der Teilhabe der Menschen an der Gottheit Christi. Der Priester oder der Diakon spricht still, während er bei der Gabenbereitung etwas Wasser in den Wein gießt:

Cyprian sah die Mischung als Symbol für die Verbindung zwischen Christus und der Kirche:

Die Gabenbereitung in der alt-katholischen Liturgie Die „Bereitung der Gaben“ ist eines der durch die Liturgiereform am deutlichsten sprachlich-theologisch veränderten Teile der Eucharistiefeier in der Alt-Katholischen Kirche in Deutschland. Bis dahin hieß der Eröffnungsteil der „Messe der Gläubigen“ – im Gegensatz zur „Katechumenenmesse“ (Wortgottesdienst) – Opferbereitung.

In den entsprechenden Begleitgebeten findet sich insbesondere der Gedanke der Selbstaufopferung – im Gegensatz zum römisch-katholischen Messopferverständnis als einer unblutigen Erneuerung des Kreuzesopfers Christi – ausgedrückt.

Die Opferbereitung (Offertorium) nach dem Altarbuch von 1959 In der Ersten Ordnung der heiligen Messe:

In der Zweiten Ordnung der heiligen Messe stehen zwei Varianten zur Auswahl:

Die Bereitung der Gaben nach dem Eucharistiebuch von 2006 Neben der Vermeidung sowohl jeglicher Opfertermini als auch antizipierender Darbringungsaussagen, fallen insbesondere die zahlreichen kann-Vorschriften auf.

Fakultativ sind demnach: die Mischung des Weines mit Wasser die Händewaschung der Begleitgesang die Begleitgebete die Versikel das Gebet über die Gaben

Literatur Allgemeine Einführung ins Messbuch Nr. 48–53; 100–107. Online-Ressource Hans Bernhard Meyer: Eucharistie: Geschichte, Theologie, Pastoral. Regensburg: Pustet 1989, ISBN 3-7917-1200-4 (Gottesdienst der Kirche, Bd. 4), S. 331 (Literatur); 341–344; (historische Aspekte: 178; 197; 218). Anne-Marie Petitjean: De L’offertoire à la préparation des dons. La genese et l’histoire d’une reforme. Aschendorff, Münster 2015, ISBN 978-3-402-11269-4 (französisch).

Weblinks eucharistie-online: detaillierte Erläuterung zu liturgiegeschichtlichen Entwicklungen und theologischer Bedeutung der rituellen Elemente der Gabenbereitung

Einzelnachweise

Kategorie:Liturgische Handlung (Heilige Messe) Kategorie:Eucharistie Kategorie:Essen und Trinken (Christentum)