mini|Mint Julep im Silberbecher. Durch Rühren mit zerstoßenem Eis wird eine Vereisung des Trinkgefäßes von außen erreicht.
Der Mint Julep ist ein alkoholischer Cocktail aus Minze, Bourbon Whiskey, Zucker oder Zuckersirup und zerstoßenen Eiswürfeln (crushed ice). Von der International Bartenders Association wird der Drink zusammen mit anderen namhaften Cocktails in der Kategorie Contemporary Classics (etwa: Zeitgenössische Klassiker) geführt.
Geschichte Der Mint Julep gilt als einer der ältesten Vorfahren des Cocktails. Er wurde bereits gemixt, bevor die Bezeichnung „Cocktail“ überhaupt aufkam (siehe Cocktail#Wortherkunft). Aufzeichnungen aus dem 18. Jahrhundert belegen, dass das Getränk aus den amerikanischen Südstaaten stammt, wo es – allerdings noch mit Rum anstatt Whiskey – bevorzugt am Morgen getrunken wurde. Das Trinken von Cocktails als am Morgen zu sich genommenes Getränk zur Belebung war in früheren Jahrhunderten nichts Ungewöhnliches und weist eine lange Tradition auf. So definierte beispielsweise William Terrington 1869 in London Cocktails als „Mischungen, die bevorzugt von Frühaufstehern (‚early birds‘) genutzt werden, um die Manneskraft zu stärken.“Terrington, William: Cooling Cups and Dainty Drinks. George Routledge & Sons, London 1869, S. 190. Erstmals schriftlich Erwähnung findet der Drink vermutlich im Jahr 1783:
Aus den Südstaaten wurde der Drink vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts von Senator Henry Clay (1777–1852) nach Washington, D.C. und in die Nordstaaten der USA eingeführt, indem er den Drink – in den 1830er Jahren – in der Round Robin Bar des Willard Hotels vorgestellt haben soll. Heute ist der Mint Julep nicht nur der Signature Drink der Round Robin Bar, sondern in Bars in aller Welt zu finden.
Der Begriff setzt sich zusammen aus dem englischen Wort für Minze Mint und Julep (lateinisch Julapium), das vom persischen Wort Julab für Rosenwasser abstammt. Letzteres wurde durch die Kreuzzüge nach Europa gebracht, wo es als süßer Sirup (Lecksaft)Vgl. Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 145 (Julep, Julapium, Lecksaft: „wohlschmeckende, angenehm riechende und schön gefärbte Mixtur, meist aus einem Syrup und einem aromatischen Wasser hergestellt“). bei der Darreichung von Arzneimitteln Verwendung fand.
Zubereitung und Variationen Die International Bartenders Association empfiehlt eine Zubereitung mit 6 cl Bourbon Whiskey, 4 frischen Minzzweigen, 1 Teelöffel Puderzucker und zwei Teelöffeln Wasser. In einem Highballglas werden zunächst Minze und Zucker im Wasser zerstoßen. Anschließend wird das Glas mit Crushed Ice gefüllt und der Bourbon hinzugefügt. Der Drink wird gerührt und mit einem Minzstängel garniert. Traditionell wird er in einem Silber- oder Zinnbecher serviert.
Rezeption und Trivia Der Mint Julep ist seit 1938 das offizielle Getränk des traditionsreichen Galopprennens Kentucky Derby. Während der zweitägigen Veranstaltung werden den 170.000 Gästen dort schätzungsweise mehr als 120.000 Juleps serviert. Die Tradition geht auf die Erzählung zurück, dass Gründer Meriwether Lewis Clark Jr. Minze für Mint Julep in seinem Garten wachsen ließ.
Auch in Film und Literatur findet der Cocktail mehrfach Erwähnung, beispielsweise in Margaret Mitchells Südstaatenepos Vom Winde verweht oder in Francis Scott Fitzgeralds gesellschaftskritischem Roman Der große Gatsby. Im Film Goldfinger wird das Getränk von der Titelfigur angepriesen: „Mint Julep? Mein Hausgetränk, sehr wohlschmeckend.“. In Billy Wilders Filmkomödie Eins, zwei, drei sagt James Cagney als MacNamara über die Stadt Atlanta: „Das ist Sibirien mit Mint Juleps“. Und im Film Thank You for Smoking wird er dem Captain (Robert Duvall) sogar noch zur letzten Ruhe gereicht. One Mint Julep ist der Titel eines Songs von Rudolph Toombs aus dem Jahr 1952, dessen Interpretation von Ray Charles 1961 Platz eins der Charts erreichte.
Literatur Joe Nickell: The Kentucky Mint Julep. University Press of Kentucky, Lexington 2003, ISBN 0-8131-2275-9.
Weblinks
Bastian Heuser: Mint Juleps. Erfrischend und kräftig in: Online-Blog der Zeitschrift Mixology vom 20. März 2012. Mint Julep on Smallscreennetwork (englisch) Zubereitung eines Mint Julep als detaillierte Video-Anleitung von Robert Hess.
Einzelnachweise
Kategorie:Alkoholhaltiger Cocktail Kategorie:US-amerikanische Küche