rechts|mini|418px|UN-Karte des Süd-Libanon vom August 2006
Als Südlicher Libanon wird gemeinhin das geographische Gebiet der Republik Libanon bezeichnet, das südlich des Litani-Flusses liegt und die beiden Gouvernements Süd-Libanon und Nabatäa zusammenfasst. Diese beiden Verwaltungseinheiten wurden aus der gleichnamigen Provinz in den frühen 1990er Jahren gebildet. Manchmal werden auch die südlichsten Distrikte des Gouvernements Bekaa, die Distrikte Rashaya und Westliches Bekaa als zum Südlichen Libanon gehörend betrachtet.
Die Abgrenzung nach Süden, die Galiläa in dessen israelischen und dessen libanesischen Teil (Dschabal ʿĀmil) trennt, entstand durch Grenzziehung zwischen den Gebieten des Völkerbundmandats für Syrien und Libanon (unter französischer Mandatsmacht) und des Völkerbundmandats für Palästina (unter britischer Mandatsmacht), die im Vertrag von Sèvres 1920 bestimmt und in Folge der Konferenz von Lausanne (1922/1923) geändert wurde. Nach Gründung der Republik Libanon (1943) und des Staates Israel (1948) wurde die Grenze in ihrem exakten Verlauf nur abschnittsweise übereinstimmend kartiert.
Die wichtigsten Städte der Region sind die Küstenstädte Tyros und Sidon sowie das im Landesinneren liegende Nabatäa.
Geschichte des Südlibanons im Nahostkonflikt
Nach einer Reihe von Terroranschlägen der palästinensischen Organisation Fatah in Israel, zuletzt der vom südlichen Libanon her ausgeführte Küstenstraßen-Anschlag, marschierten israelische Streitkräfte im Rahmen der Operation Litani ab dem 14. März 1978 in den südlichen Libanon ein, um Angriffe der Fatah von hier aus zu unterbinden.
Der südliche Libanon hat einen hohen Bevölkerungsanteil von schiitischen Muslimen, deren Mehrheit die Basis für die militante Hisbollah bildet. Die Hisbollah entstand Ende 1982 durch die iranische Revolutionsgarde aus Anlass des Einmarschs Israels in den Südlibanon im Libanonkrieg 1982. Zwischen 1985 und 2000 standen gemäß Plan Mosche Lewis israelische Truppen im südlichen Libanon und versuchten durch die Südlibanesische Armee (SLA) unterstützt, die Angriffe der Hisbollah gegen Israel zu unterbinden.
Um die Resolutionen 425 und 426 des UN-Sicherheitsrates zur Regelung des israelischen Abzugs aus dem südlichen Libanon umzusetzen, bedurfte es einer Einigung beider Seiten auf den Grenzverlauf, hinter den israelische Truppen sich zurückziehen sollen. Nachdem der Libanon sich beharrlich weigerte, diesen für unklare Grenzabschnitte festzulegen, haben die Vereinten Nationen (UN) im Juni 2000 die „Blaue Linie“ als einstweilige Demarkationslinie fixiert, die zu überschreiten die UN als Grenzverletzung ansehen. Sowohl Israel als auch der Libanon akzeptierten die Blaue Linie als die Grenze, bis zu der sich die israelischen Streitkräfte aus dem Südlibanon zurückziehen sollten, doch der Libanon äußerte Vorbehalte, die zu Streitpunkten zwischen den beiden Seiten wurden.
Seit der Festlegung der „Blauen Linie“ im Jahr 2000 griff Israel den Südlibanon im Libanonkrieg 2006, der Israelische Bodenoffensive im Südlibanon 2024 und im Libanonkrieg 2026 in militärischen Konflikten mit der Hisbollah an. 2026 führte die Hisbollah als Reaktion auf die israelischen Angriffe im Libanon und im Iran Raketenangriffe gegen Israel durch. Aufgrund der darauf folgenden israelischen Bombardierung und der israelischen Bodenoffensive wurden nach Angaben der libanesischen Regierung mehr als 1,2 Millionen Menschen vertrieben, die meisten Vertriebenen sind Schiiten, aber auch katholische Christen. Medienberichten zufolge zerstört Israel systematisch ganze Dörfer, so wurde das Dorf Mhaibib vollständig zerstört. Auch Friedhöfe und andere Orte der Erinnerung werden zerstört. Friedhöfe sind ein wichtiger Bezugspunkt schiitischer Familien und werden deshalb den Berichten zufolge von Israel restlos beseitigt. Zudem werden Olivenheine niedergebrannt sowie alte Bäume und Denkmäler, die der Identifikation dienen, abtransportiert.
Große Teile des Gouvernement Nabatäa und Teile des Gouvernement Süd-Libanon sind zur Sperrzone geworden, der sogenannten „Gelbe-Linie“-Zone, in der es der Zivilbevölkerung verboten ist, in ihre Wohnorte zurückzukehren. Eine erste Auswertung von Satellitenbildern legt nahe, dass Israel eine entvölkerte „Pufferzone“ errichten will. Israelische Siedler üben politischen Druck aus, um das Gebiet besiedeln zu können, eine dieser Gruppen ist Uri Tzafon (עורי צפון).
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Libanon) Kategorie:Nahostkonflikt