Visp [] (, walliserdeutsch Fischp) ist eine Munizipalgemeinde im Schweizer Kanton Wallis. Sie liegt am Eingang des Vispertals an der Mündung der Vispa in den Rotten. Die Kleinstadt ist Hauptort und grösste Gemeinde des Bezirks Visp.
Geschichte
mini|Kupferstich von Matthäus Merian mini|Luftbild aus 100 m von Walter Mittelholzer (1925)
Die Herkunft des Ortsnamens ist ungewiss. Ausgangspunkt könnte die indoeuropäische Wurzel *uis- «fliessen» sein, die in Gewässernamen gut belegt ist. Ergänzt um ein Suffix könnte der heutigen Lautung ein *uisubia zugrunde liegen. Die früheste, 1034 belegte Namenform ist Vesbia, die in der Schreibung Vespia noch 1302 vorkommt; die bis heute geltende Namenform Visp ist erstmals 1272 bezeugt. Die vom 12. bis ins 19. Jahrhundert parallel vorkommende Variante Vispach, Fischbach ist dagegen volksetymologisch.Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 937.
Aus der Zeitenwende ist eine kleine, auf Visper Territorium gefundene gallorömische Statue «Le Dieu de Viège» erhalten. Eine Kopie ist am Brunnen am Bahnhofplatz angebracht.
Im Jahr 1276 wurde der Verkehr über die Pässe Monte Moro und Antrona von sämtlichen Zollabgaben entbunden. Visp war grosser Nutzniesser, erbaute Susten und wurde zum Marktflecken.
Am 23. Dezember 1388 besiegten die Visper ein Heer der Savoyer, indem sie die Altstadt künstlich vereisen liessen und dann die manövrierunfähigen Angreifer mit grossen Steinblöcken attackierten.
1518 zerstörte ein Grossfeuer zahlreiche Gebäude rund um den Burghügel.
Französische Revolutionstruppen plünderten 1799 grosse Teile von Visp. 1810 wurde Visp mit dem Wallis von Frankreich annektiert und kam 1815 infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses mit dem nun zum Kanton erhobenen Wallis zur Schweiz zurück.
Im Juli 1855 wurde die Region um Visp von einem der schwersten Erdbeben der Schweizer Geschichte mit zahlreichen Verletzten heimgesucht.Manuel Imhasly: Die Erde zitterte und brüllte schrecklich auf. www.srf.ch, 20. September 2016 Die schweren Erschütterungen führten u. a. zum Absturz der Kirchturmspitze.
1860 kam es im Mittel- und Oberwallis zu grossen Überschwemmungen. In deren Folge wurde das Grossprojekt der Rhonekorrektur in Angriff genommen.
1972 fusionierte die frühere Gemeinde Eyholz mit Visp.
2011 gab es einen grossen Waldbrand im Eyholzer Wald.
2013 erfolgte die Fusion der Feuerwehren der Gemeinden Visp, Ausserberg, Baltschieder und Eggerberg zu der Stützpunktfeuerwehr Region Visp. Im Jahr 2024 kam die Feuerwehr Lalden zur Stützpunktfeuerwehr Region Visp dazu.
Am 1. Januar 2027 werden die drei Einwohnergemeinden Baltschieder, Eggerberg und Visp fusionieren.
Bevölkerung
Klima Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 9,9 °C, wobei im Januar mit −0,7 °C die kältesten und im Juli mit 19,8 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 111 Frosttage und 17 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 72, während durchschnittlich 20 Hitzetage zu verzeichnen sind. Die Messstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von
Das Trinkwasser wird zu 90,6 % aus Quellwasser und zu 9,4 % aus Grundwasser gewonnen. Das Quellwasser stammt hauptsächlich aus dem Baltschiedertal (70,2 %) und dem Gredetschtal (19,9 %). Die Bevölkerung und das Gewerbe verbrauchen 48 % des verfügbaren Wassers, die Lonza 52 %. Der gesamte Wasserverbrauch beträgt durchschnittlich 6332 m3 pro Tag. Diese Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2024.
Politik + Sitzverteilung im Gemeinderat Partei 2013–2016 2017–2020. Website der Gemeinde Visp (PDF; 12 kB). 2021–2024Gemeinderat. Website der Gemeinde Visp.2025–2028 CVP / Die Mitte 4 4 44 ABP / CSP / NEO 3 2 22 FDP 1 1 11 SVP 1 1 11 SP – 1 11 Summe 9 9 99
Gemeindepräsident ist Niklaus Furger (Die Mitte).
Bei der Nationalratswahl 2019 erreichten die Parteien folgende Wähleranteile (in Klammern Veränderung gegenüber 2015): CVP (inkl. CSPO) 51,9 % (−1,36 %), SVP 29,0 % (−0,41 %), SP 8,7 % (−1,77 %), Grüne 5,1 % (+2,87 %), FDP 3,3 % (−1,23 %), glp 1,9 % (+1,93 %), andere 0,0 % (+/−0 %).
Wähleranteile bei der Nationalratswahl 2023 (in Klammern Veränderung gegenüber 2019): Die Mitte (inkl. CSPO) 53,9 % (+2,0 %), SVP 26,2 % (−2,8 %), SP 8,7 % (+/−0 %), FDP 6,0 % (+2,7 %), Grüne 3,6 % (−1,5 %), glp 1,5 % (−0,4 %), andere 0,1 % (+/−0 %).Eidgenössische Wahlen 2023. NR – Ergebnisse Parteien (Gemeinden). Bundesamt für Statistik, 23. Oktober 2023.
Wirtschaft 1909 wählte die zwölf Jahre zuvor in Gampel gegründete Lonza AG Visp als ihren neuen Standort, wo sie die Produktion von Düngemitteln aufnahm. In der Folge entwickelte sich Visp zu einem bedeutenden Zentrum für die chemische Industrie. Mit über 5000 Arbeitsplätzen ist Visp noch heute der grösste Standort der Lonza. Der Lonza-Boom führt seit 2020 zu einer akuten Wohnungsknappheit und entsprechend hohen Mietpreisen. Von 2020 bis 2022 hat die Lonza 2000 neue Stellen geschaffen.
Visp ist mit rund 14'500 Arbeitsplätzen das Wirtschaftszentrum des deutschsprachigen Oberwallis. Die Ortschaft ist mit der Chemieindustrie (Arxada) und Pharmaindustrie (Lonza, ten23) sowie 800 weiteren kleineren Unternehmen das Zentrum der Oberwalliser Industrie und hat rund 10'000 Zupendler aus benachbarten Gemeinden.Visp stellt sich vor auf der Website der Gemeinde Visp, abgerufen am 6. Mai 2022
Umwelt- und Sozialprobleme im Zusammenhang mit der Lonza
Die Chemiefabrik Lonza sorgte wiederholt für Schlagzeilen und Aufregung, da rund um Visp immer wieder verseuchter Boden entdeckt wird. Dies führte zuweilen dazu, dass Gärten nicht genutzt werden konnten und Art, Menge sowie Lokalisationen des verseuchten Bodens oft unklar sind. Von der Deponie Gamsenried ist seit 1987 bekannt, dass nachweislich das Grundwasser vergiftet wurde. Im Laufe der Untersuchungen und Beschwichtigungen seitens Lonza kam es mehrmals zu Vorwürfen gegen die Lonza und den Kanton, diese würden die Untersuchungsergebnisse vertuschen und nicht transparent kommunizieren. Dass Umweltanliegen der Schweizer Bevölkerung für die Lonza ein Problem darstellen können, zeigte sich im September 2016. Hierbei warnte die Lonza das Bundesamt für Umwelt in einem Schreiben vom 16. September 2019, dass, falls der Staat für die Kosten eines gemäss Gesetz notwendigen Luftfilters nicht aufkäme, würden sie einen Wegzug nach China in Betracht ziehen. Dabei erwähnten sie in drohendem Ton einen Arbeitsplatzverlust. Die Drohung wirkte. Am Ende knickte die Schweiz ein und bezahlte Millionen – weit mehr als die Kosten eines solchen Filters. Die negativen Berichterstattungen in bestimmten Medien betreffend "Lachgasemissionen aus der Visper Niacin-Produktionsanlage" werden allerdings als unseriös beurteilt.Detlef Gerritzen: Stellungnahme betreffend Berichterstattung über Lachgas-Emissionen aus Visper Niacin-Produktionsanlage
Zu Reden gab dabei auch ein Bericht des Schweizer Fernsehens, in dem schwere Vorwürfe an die Lonza laut werden. Dabei wurde nicht nur die massive Verschmutzung durch die Giftmülldeponie kritisiert, sondern auch das die Lonza versuche, die Kosten der Staatskasse in Rechnung zu stellen. Dies sei besonders darum unverständlich, weil die Lonza regelmässig Milliardengewinne erwirtschafte.
2021 kündigte die Lonza an, 1200 neue Arbeitsplätze in Visp zu schaffen. Innerhalb kürzester Zeit betrieb die Lonza in der Schweiz wie auch international enorm Werbung, um die Arbeitsplätze möglichst schnell zu besetzen. Die Gemeinde und die Region Visp waren auf einen solchen Ansturm aber nicht vorbereitet. Wasser, Strom, aber auch die Unterkunftssituation waren nicht darauf ausgerichtet, so viele Neuzuzüger zu versorgen. Obschon die Lonza in Visp Milliarden erwirtschaftete, zahlen diese aber keine Steuern in der Region Visp, sodass die Gemeinde die durch den Zuzug notwendigen Millionenkosten selbst stemmen musste – dies führte regelmässig zu roten Zahlen in der Gemeinderechnung. Neben der Trinkwasserproblematik gab insbesondere die extreme Wohnungsnot und die damit im Zusammenhang stehenden explodierenden Mietpreise zu Reden. Im Mai 2022 sorgte ein Sozialhilfefall für Aufsehen, bei dem eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Campingplatz in einem Zelt leben musste.
Verkehr Mit über 26'400 Passagieren pro Tag ist der Bahnhof Visp der verkehrsreichste Bahnhof im Kanton Wallis.
Der Bahnhof Visp ist ein Knotenpunkt der Matterhorn-Gotthard-Bahn, die 2003 aus der Fusion der Brig-Visp-Zermatt-Bahn und der Furka-Oberalp-Bahn entstand. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2007 wurde der Lötschberg-Basistunnel eröffnet. Visp ist seither der Umsteigebahnhof der Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen (NEAT) auf der Lötschberglinie Bern–Lötschberg–Brig zur Simplonlinie Lausanne–Brig–Domodossola. Die Reisezeit nach Bern ist damit auf 55 Minuten verringert worden.
Die Kreuzung der Hauptstrassen im Rhone- und in den Vispertälern war bisher eine kritische Stelle im Verkehrsnetz des Oberwallis. Zu Stosszeiten kam es auf der Hauptstrasse 9 oft zu längeren Staus. Eine Lösung des Problems wurde schon in den 1970er-Jahren entworfen, doch wegen politischer, administrativer und juristischer Schwierigkeiten dauerten sowohl die Planungsphase und dann auch die Bauzeit sehr lange. Von 2001 bis 2025 wurde die 8,8 km lange vierspurige Südumfahrung von Visp mit dem Eyholztunnel und dem Tunnel Visp errichtet. Ein Teilstück der Nationalstrasse A9 wurde bereits am 13. April 2018 eröffnet. Die vorgesehenen Kosten dürften sich auf etwa 1775 Mio. Franken belaufen.
Auf der Autobahn A9 ist Visp über drei Anschlussstellen erreichbar (Visp West, Visp Süd/Vispertal und Visp Ost). Parallel dazu verläuft die Hauptstrasse 9 durch das Stadtzentrum.
In Visp verkehren neun Postautolinien und zwei RegionAlpsbuslinien: mini|hochkant=1.0|Liniennetzplan Verkehrsbetriebe in Visp LinieStreckeHaltestellen511Brig, Bahnhof – Saas-Fee, Busterminal 53522Visp, Hubelstrasse – Ausserberg, Dorf 26523Visp, Hubelstrasse – Eggerberg, Finnen 31524Visp, West – Visperterminen, Busterminal 21527Visp, Bahnhof Süd – Zeneggen, Gstei 21528Visp, Bahnhof Süd – Moosalp 25552Visp, Lonzawerke – Grächen, Zentrum 33621Visp, Lonzawerke – Brig, Bahnhof 19622Visp, Bahnhof Süd – Brig, Bahnhof 19491Leuk–Turtmann–Gampel–Raron–Visp34493Gampel–Raron–Visp19
Medien In Visp befinden sich die Sitze des Radiosenders Radio Rottu Oberwallis und der Tageszeitung Walliser Bote.
Vom Walliser Regionalfernsehsender Kanal9 befindet sich die Deutschsprachige Redaktion in Visp, der Hauptsitz ist in Siders.
Sport Der 1939 gegründete Eishockey-Club EHC Visp wurde 1962 Schweizer Meister in der National-Liga A und 1960, 2011, 2014 sowie 2025 Schweizer Meister in der National-Liga B / Swiss League. Seit 1999 spielt der Club wieder in der zweitobersten Liga. Zum Club zählen 14 Mannschaften: 3 Aktive, 1 Damen, 1 Senioren, 9 Nachwuchs. Es spielen 300 aktive Spieler (Stand August 2011).
Der 1984 gegründete Unihockeyclub Visper Lions spielt seit 2019 in der Nationalliga B der Frauen.
Der Fussballclub Visp wurde 1914 gegründet und spielt nach dem Aufstieg aus der 3. Liga im Jahr 2024 ab dem Vereinsjahr 2024/25 wieder in der 2. Liga. Insgesamt zählt der Club 17 Mannschaften: 2 Aktive, 13 Nachwuchs, 1 Senioren, 1 Veteranen.
Der 1954 gegründete KTV Visp Handball spielt in der 1. Liga der Männer.
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Mehrere römisch-katholische Kirchengebäude und Kapellen prägen das Stadt- und Landschaftsbild. Hauptkirche ist St. Martin. Seit 1951 hat Visp auch eine reformierte Kirche.
Eines der kulturellen Zentren des Oberwallis ist das La Poste – Kultur und Kongresszentrum im Zentrum der Stadt. Dessen Fassade ist mit dem Kalpetranquarzit aus St. Niklaus und Embd verkleidet.
Weitere Kulturgüter:
Galerie zur Schützenlaube Kino Astoria Jazz Chälli Mediathek
Bilder
Vereine und religiöse Gemeinschaften