Ernst Hofbauer (* 22. August 1925 in Wien; † 24. Februar 1984 in München) war ein österreichischer, in Deutschland tätiger Filmregisseur und Drehbuchautor.
Leben Hofbauer besuchte nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft das Max-Reinhardt-Seminar in Wien, studierte aber auch zwei Semester Zahnmedizin. In den 1950er Jahren war er als Regieassistent an zahlreichen Spielfilmen beteiligt. Seit Beginn der 1960er Jahre lebte Hofbauer in München und wurde 1961 Regisseur des aus Großbritannien übernommenen Reality-Formats Vorsicht Kamera mit Chris Howland. 1969 führte er Regie bei den ersten 26 Episoden (Staffel 1 und 2) der ZDF-Serie Percy Stuart.
Von 1964 bis 1983 war Hofbauer in mehr als 30 Filmen als Regisseur tätig. Er begann mit Krimis und Abenteuerfilmen, doch ab 1970 ist der weitaus größte Teil seiner Filme dem Erotik- bzw. „Softporno“-Genre zuzuordnen: Insbesondere drehte er den ersten Teil vom Schulmädchen-Report sowie acht Fortsetzungen, darüber noch weitere Report-Filme wie den Jungfrauen-Report oder den Hausfrauen-Report, und andere anzügliche Streifen wie Wenn die prallen Möpse hüpfen. In dieser Zeit drehte er teilweise mehrere Filme pro Jahr; von vielen anderen Erotikstreifen jener Zeit hoben sich Hofbauers Filme allerdings durch sein handwerkliches Können ab.
Bemerkenswert ist die damalige öffentliche Resonanz und der Erfolg seiner Werke. So wurden die Schulmädchen-Reporte nach einem Buchreport von Günther Hunold gerne als aufklärerische Filmreihe deklariert. Das öffentliche Interesse an Sexualität war in der Zeit der 1960er und Anfang der 1970er Jahre äußerst groß, die Filme stellten eine Art Tabubruch dar. Mitte der 1970er Jahre nahm das Interesse deutlich ab, vor allem weil Hardcore-Pornographie 1975 in der Bundesrepublik legalisiert wurde. Hofbauer stand dieser Gattung aber lange ablehnend gegenüber. Erst 1983 drehte er mit Rasputin – Orgien am Zarenhof seinen ersten und einzigen Hardcore-Porno, der auch in einer Soft-Fassung erschien.
In einigen seiner Filme agierten neben Laien auch Schauspieler, die später größere Bekanntheit erlangten, darunter Sascha Hehn, Andrea L’Arronge, Heiner Lauterbach und Jutta Speidel. Hofbauer bedauerte später, dass der Schulmädchen-Report-Nimbus sehr an ihm hing.Leo Phelix, Rolf Thissen: Pioniere und Prominente des modernen Sexfilms, Goldmann, München, 1983, S. 221. Nach dem Abebben der Sexwelle inszenierte er noch einige Eastern.
Er wurde auf dem Münchner Nordfriedhof beerdigt.
Filmografie 1948: Zyankali (Requisiteur) 1951: Kleiner Peter, große Sorgen (Stadtpark) (Regieassistent) 1957: Der schönste Tag meines Lebens (Regieassistenz) 1958: Auch Männer sind keine Engel (Wiener Luft) 1961–62: Vorsicht Kamera (Fernsehserie) 1964: Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mister X 1964: Holiday in St. Tropez 1965: Die Liebesquelle 1965: Die schwarzen Adler von Santa Fe 1965: Tausend Takte Übermut 1965: Das Geheimnis der drei Dschunken 1966: Schwarzer Markt der Liebe 1967: Heißes Pflaster Köln 1969: Die jungen Tiger von Hongkong 1969: Percy Stuart (Fernsehserie) 1970: Prostitution heute 1970: Schulmädchen-Report: Was Eltern nicht für möglich halten 1971: Mädchen beim Frauenarzt 1971: Erotik im Beruf – Was jeder Personalchef gern verschweigt 1971: Der neue heiße Report: Was Männer nicht für möglich halten 1971: Der neue Schulmädchen-Report. 2. Teil: Was Eltern den Schlaf raubt 1971: Urlaubsreport – Worüber Reiseleiter nicht sprechen dürfen 1971: Semesterferien (Fernsehserie) 1972: Lehrmädchen-Report 1972: Schulmädchen-Report. 3. Teil: Was Eltern nicht mal ahnen 1972: Die dressierte Frau 1972: Schulmädchen-Report. 4. Teil: Was Eltern oft verzweifeln läßt 1973: Hausfrauen Report international 1973: Schulmädchen-Report. 5. Teil: Was Eltern wirklich wissen sollten 1973: Was Schulmädchen verschweigen 1973: Frühreifen-Report 1973: Schulmädchen-Report. 6. Teil: Was Eltern gern vertuschen möchten 1974: Wenn die prallen Möpse hüpfen 1974: Dschungelmädchen für zwei Halunken 1974: Schulmädchen-Report. 7. Teil: Doch das Herz muß dabei sein 1974: Karate, Küsse, blonde Katzen (Yang chi) 1974: Schulmädchen-Report. 8. Teil: Was Eltern nie erfahren dürfen 1975: Zwei Teufelskerle auf dem Weg ins Kloster 1976: Karamurat – sein Kungfu ist tödlich (Kara Murat seyh gaffar’a karsi) 1976: Zwei Teufelskerle auf dem Weg nach Istanbul (Che carambole… ragazzi) 1977: Schulmädchen-Report. 11. Teil: Probieren geht über Studieren 1980: Maria – Nur die Nacht war Zeuge 1984: Rasputin – Orgien am Zarenhof
Festival Das Nürnberger Kino im Komm veranstaltet den jährlichen Hofbauer-Kongress, bei dem schräge Überraschungsfilme aus der Ära in analoger Projektion gezeigt werden; 2026 fand der Hofbauer-Kongress zum 23. Mal statt.Hofbauer-Kongress
Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 3: F – H. John Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 699 f.
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Einzelnachweise
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