Die Dr. Schwabe Deutschland Holding GmbH ist die Konzernmutter der Dr.-Schwabe-Gruppe mit Sitz in Karlsruhe, die über ihre Konzerntöchter Homöopathika, Phytopharmaka und Nahrungsergänzungsmittel herstellt und vertreibt.

Geschichte Gegründet wurde das Unternehmen 1866 von Carl Emil Willmar Schwabe (1839–1917) als Homöopathische Central-Officin in Leipzig.

mini|Die Central-Halle um 1850, in der sich das „Homöopathische Central-Officin Dr. Willmar Schwabe“ befand. Ab 1899 entstand eine niederländische Niederlassung, die vor allem während des Ersten Weltkriegs jene Staaten belieferte, die sich im Krieg mit dem Deutschen Reich befanden.

mini|hochkant|Die Zaubernuss, Grundlage der „Hamamelis-Salbe-Schwabe“ (ab 1878). 1926 wurde in Leipzig-Paunsdorf ein neues Fabrikationsgebäude errichtet. In den Folgejahren wurde auf dem Unternehmensgelände ein erster Pflanzengarten mit kontrolliertem Anbau angelegt. Hier sollten unter anderem auch jene Pflanzen angebaut werden, die bisher lediglich als Wildsammlung erhalten werden konnten. Obwohl das Unternehmen offiziell betonte, zur Arzneizubereitung „grundsätzlich nur wildwachsende einheimische Pflanzen“ und, wo nicht möglich, „importierte Urtinkturen“ verwenden zu wollen, steigerte sie den Anbau dieser Pflanzen aus wirtschaftlichen Gründen systematisch. So waren 1930 größere Bestände von Hafer, Johanniskraut, Ringelblume, Hanf, Giftsumach und weitere Heilpflanzen angebaut worden.Ulrich Meyer, Christoph Friedrich: 150 Jahre Dr. Willmar Schwabe. Hrsg.: Dr. Wilmar Schwabe GmbH & Co KG. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2016, S. 93–96.

Zeit des Nationalsozialismus In der Zeit des Nationalsozialismus wurde ab 1935 die Firma in dritter Generation von den Brüdern Carl Reinhold Willmar Schwabe (Willmar III, 1907–1983) und Willmar Carl Wolfgang Schwabe (Wolfgang, 1912–2000) geführt. Beide waren Mitglied der NSDAP – Willmar III ab 1. August 1932 mit der Mitgliedsnummer 1245518 als „überzeugtes Mitglied“, sein Bruder Wolfgang ab 1. Mai 1937 mit der Mitgliedsnummer 5800329 „vermutlich aus Opportunismus“. Die von der Firma Schwabe herausgegebenen Periodika Leipziger Populäre Zeitschrift für Homöopathie und Biochemische Monatsblätter vertraten dezidiert „rassenhygienische“ Positionen.Christoph Friedrich u. a.: Die Firma Willmar Schwabe in der NS-Zeit. S. 217–220. In einem Gestapo-Bericht vom 15. März 1937 wurde die Firma Schwabe als „im nationalsozialistischen Sinne geführt“ und „vorbildlich“ bezeichnet.Christoph Friedrich u. a.: Die Firma Willmar Schwabe in der NS-Zeit. S. 215; dieser Gestapo-Bericht wird erstmals erwähnt in der medizingeschichtlichen Dissertation: Cornelia Hofmann Die Firma Dr. Willmar Schwabe in Leipzig. Homöopathische Arzneien im politischen Kontext. Dissertation Universität Leipzig 2014 Der Historiker Robert Jütte sieht die Umsatzsteigerungen der Firma Mitte der 1930er Jahre und die neuen Umsatzrekorde in den Kriegsjahren auch als Folge der „staatliche[n] Anerkennung, die der Homöopathie von den Nationalsozialisten zuteil wurde“.Robert Jütte: Geschichte der Alternativen Medizin. Von der Volksmedizin zu den unkonventionellen Therapien von heute. C.H. Beck. München 1996, 978-3-406-40495-5 S. 213. So stieg der Unternehmensumsatz von knapp drei Millionen Reichsmark (RM) 1935 auf 6,8 Millionen RM 1944 bei zu diesem Zeitpunkt 666 Mitarbeitern, der Reingewinn im gleichen Zeitraum von 515.000 RM auf 1,53 Millionen RM.Christoph Friedrich u. a.: Die Firma Willmar Schwabe in der NS-Zeit. S. 225 f. (Umsatz) u. S. 232 (Reingewinn)

Zwar hatte das Wirtschaftsministerium schon im September 1937 der Firma Schwabe die „wehrwirtschaftliche Bedeutung“ zuerkannt, doch hätten die Lieferungen direkt an die Wehrmacht nur wenige Prozent des Umsatzes ausgemacht, so Margarete Schwabe, die in den ersten Jahren nach dem Krieg, Gesellschafterin der Firma war. Demgegenüber gab Walter Heinrich, ab 1942 Prokurist der Versandabteilung der Firma, in einer Vernehmung nach dem Krieg durch die Kriminalpolizei Leipzig an, Medikamente der Firma seien „während des Krieges auch an Wehrmachtsinspektionen, Wehrmachtsapotheken sowie Wehrkreissanitätsparks geliefert“ worden.Christoph Friedrich u. a.: Die Firma Willmar Schwabe in der NS-Zeit. S. 232ff. Insgesamt betrachtet sei diese Umsatz- und Gewinnsteigerung, so der Historiker Christoph Friedrich u. a., aber nicht durch überwiegende Aufträge der Wehrmacht oder dem bei der Firma Schwabe im Vergleich zu anderen pharmazeutischen Unternehmen eher unterdurchschnittlichen Einsatz von Zwangsarbeitern verursacht, sondern durch den „kriegsbedingten Mehrverbrauch von Medikamenten durch die Zivilbevölkerung“.Christoph Friedrich u. a.: Die Firma Willmar Schwabe in der NS-Zeit, S. 236 Friedrich und Kollegen widersprechen damit Cornelia Hofmann, die in ihrer medizingeschichtlichen Dissertation 2014 Die Firma Dr. Willmar Schwabe in Leipzig die These vertritt, in erster Linie hätten „vielfältige Wehrmachtsaufträge“ zu den „erheblichen Kriegsgewinnen“ der Firma geführt.Cornelia Hofmann: Die Firma Dr. Willmar Schwabe in Leipzig. Homöopathische Arzneien im politischen Kontext. Leipzig, Univ., Diss., 2014, S, 95f,; dazu Christoph Friedrich, Ulrich Meyer, Caroline Seyfang: Die Firma Willmar Schwabe in der NS-Zeit, S. 232–235.

Nach 1945 bis heute Die Familie Schwabe siedelte am Ende des Zweiten Weltkriegs nach Karlsruhe in die Amerikanische Besatzungszone um, wo sie auf dem Gelände des Unternehmens Gritzner passende Räume für den Wiederbeginn fand.lz-schwabe.de: Hingegen verlor sie nach Kriegsende ihr Leipziger Werk Hauptwerk. Die förmliche Enteignung fand 1952 statt.Ulrich Meyer, Christoph Friedrich: 150 Jahre Dr. Willmar Schwabe, S. 262; Cornelia Hofmann: Die Firma Dr. Willmar Schwabe in Leipzig. Homöopathische Arzneien im politischen Kontext. Leipzig, Univ., Diss., 2014, S. 100f. Die Leipziger Firma wurde nun der Verwaltung der Volkseigenen Betriebe (VEB) unterstellt und in Volkseigener Betrieb (VEB) Homöopharm Dr. Willmar Schwabe umbenannt.Cornelia Hofmann: Die Firma Dr. Willmar Schwabe in Leipzig. Homöopathische Arzneien im politischen Kontext. Leipzig, Univ., Diss., 2014, S. 101. 1957 wurde die Fertigung als VEB Homöopharm – Dr. Willmar Schwabe in den VEB Leipziger Arzneimittelwerk (LAW) überführt. 1970 erfolgte die Eingliederung in den VEB Kombinat Arzneimittelwerke Dresden, wo das Leipziger Arzneimittelwerk 1978 ein juristisch selbständiger Kombinationsbetrieb wurde. Nach der politischen Wende 1990 wurde die Paunsdorfer Firma in die Leipziger Arzneimittelwerk GmbH umgewandelt, die 1992 zunächst von der Wyeth-Gruppe und schließlich 2000 von der Riemser Arzneimittel übernommen wurde.Cornelia Hofmann und Ortrun Riha: Werbung und Zeitgeist. In: Robert Jütte (Hrsg.): Medizin, Gesellschaft und Geschichte. Band 33, 2015, ISBN 978-3-515-11357-1, , S. 247–282, hier S. 253.

In Karlsruhe-Durlach gründete 1946 die Familie Schwabe die neue Firma Dr. Willmar Schwabe GmbH und begann mit dem Neuaufbau von Arzneipflanzenkulturen.Ulrich Meyer, Christoph Friedrich: 150 Jahre Dr. Willmar Schwabe, S. 125f. Zu den Präparaten des Unternehmens gehörten unter anderem Crataegutt (ein Crataegus-Präparat) und Thyreogutt (ein „Thyreosedativum auf pflanzlicher Grundlage“).Seit dem Jahre 1866 […]. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. LXXXVIII.

mini|Pforte der Tochter Deutsche Homöopathie-Union (DHU) Im Jahr 1961 folgte die Gründung der Deutschen Homöopathie-Union (DHU) in Karlsruhe. Die DHU, welche die ersten 8 Jahre Schwabe und Madaus gemeinsam gehörte, ist seit 1969 zu 100 % eine Tochter der Schwabe-Gruppe. Sie übernahm ab diesem Zeitpunkt die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Homöopathika, das Unternehmen Schwabe die Forschung und Entwicklung von Phytopharmaka.Ulrich Meyer, Christoph Friedrich: 150 Jahre Dr. Willmar Schwabe, S. 262ff.Ulrich Meyer, Christoph Friedrich: 150 Jahre Dr. Willmar Schwabe, S. 262.

1985 wurde die 1949 gegründete Arzneimittelfabrik Spitzner mit Pinimenthol als bekanntestem Produkt übernommen.Ulrich Meyer, Christoph Friedrich: 150 Jahre Dr. Willmar Schwabe, S. 264. Seit 1987 gehört die US-amerikanische Firma Boericke & Tafel, die schon 1853 gegründet wurde, zur Schwabe-Gruppe und damit zu Schwabe North America. Sie stellt nach ihrem Umzug 1992 aus Philadelphia nach Santa Rosa in Kalifornien für Schwabe homöopathische Arzneien unter ihrem traditionsreichen Namen her.Heike Gypser: Die parallele Entwicklung zweier Großhersteller von Homöopathika in Deutschland und den USA. In: Robert Jütte (Hrsg.): Medizin, Gesellschaft und Geschichte. Jahrbuch des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung. Band 41, 2023, ISBN 978-3-515-13518-4, S. 25–43, hier S. 34. 1992 wurde die Schwabe Pharma AG im schweizerischen Küssnacht gegründet, 1996 erfolgte die Beteiligung an Schwabe-Wenex zur Erschließung des chinesischen Marktes. 2000 wurde die Schwabe-Gruppe alleiniger Inhaber von Murdock Healthcare, das später in Nature's Way umbenannt wurde. Im gleichen Jahr eröffnete Schwabe eine Produktionsstätte im indischen Nordia, nahe Neu-Delhi. 2001 erfolgte die Übernahme von Umckaloabo.Ulrich Meyer, Christoph Friedrich: 150 Jahre Dr. Willmar Schwabe, S. 262ff. 2003 wurde unter dem Label Nature’s Way das Produktsortiment zunächst auf dem nordamerikanischen Markt um Nahrungsergänzungsmittel erweitert. 2005 erfolgte die Gründung von Schwabe Pharma Asia Pacific (SPAP) in Singapur. 2008 wurde Schwabe Pharma UK für Großbritannien gegründet. 2015 erfolgte die Übernahme von Loacker Remedia (Italien) und DHU Iberica.Ulrich Meyer, Christoph Friedrich: 150 Jahre Dr. Willmar Schwabe, S. 264f.

Im Jahr 2025 wurde die Planung der Zusammenführung der beiden Karlsruher Produktionsstandorte in der Ottostraße und im Gewerbegebiet Durlach Killesfeld von der Firma bestätigt. Die Produktion im Stammwerk soll geschlossen und eine schon in Irland vorhandene Extraktionsanlage genutzt werden. Geplant ist der Abbau von 295 Vollzeitstellen bis Ende des Jahrzehnts, teilweise auch durch betriebsbedingte Kündigungen.Erika Becker: Ermittlungen nach Razzia bei Schwabe dauern an. Vor mehr als sechs Jahren hatten über 200 Beamte mehrere Objekte des Familienunternehmens durchsucht. In: Badische Neueste Nachrichten. 14. November 2025, Wirtschaft, S. 11.

Konzernstruktur Konzernmutter der Unternehmensgruppe ist die Dr. Schwabe Deutschland Holding GmbH mit Sitz in Karlsruhe. Ihr untergeordnet sind als wesentliche Unternehmen die Dr. Wilmar Schwabe GmbH & Co. KG (Pythopharmaka) und die Deutsche Homöopathie-Union DHU Arzneimittel GmbH & Co. KG (Homöopathika), beide mit Sitz in Karlsruhe. Zudem existieren diverse weitere Tochterunternehmen. Die Unternehmensgruppe ist in über 60 Ländern vertreten.

Die Schwabe Austria GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Unternehmensgruppe Dr. Willmar Schwabe mit Sitz in Wien-Liesing. Am Standort erfolgt der Vertrieb pflanzlicher Arzneimittel. Dazu zählen unter anderem Lasea, ein pflanzliches Arzneimittel mit Lavendelöl (Silexan) als Wirkstoff, das zur Behandlung temporärer ängstlicher Verstimmungen eingesetzt wird, sowie Passedan (Wirkstoff: Passionsblume). Nach Angaben von IQVIA (PharmaTrend, MAT 11/2024) weist Passedan in Österreich hohe Absatzwerte im Segment der rezeptfreien Beruhigungs- und Schlafmittel in öffentlichen Apotheken auf. Zudem fungiert die Gesellschaft als regionale Zentrale für Österreich, Tschechien, Ungarn und die Slowakei.

Die heutige Schwabe Austria GmbH geht auf die Austroplant-Arzneimittel GmbH (gegründet 1959 als Joint Venture von Dr. Peithner KG und Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG) sowie auf die Dr. Peithner KG selbst, nunmehr GmbH & Co. (Ansiedelung am Standort Richard-Strauss-Straße 13 seit 1983), zurück. Im Jahr 2009 wurden die österreichischen Aktivitäten (u. a. Dr. Peithner Holding GmbH) in die Schwabe-Gruppe integriert. 2019 erfolgte die Umfirmierung in Schwabe Austria GmbH.