Matzelsdorf ist ein Kirchdorf und eine Katastralgemeinde am Millstätter Berg in der Gemeinde Millstatt im Bezirk Spittal an der Drau im österreichischen Bundesland Kärnten. Dieser östlichste Ort auf dem Hochplateau über dem Millstätter See in den Nockbergen in 848 m Seehöhe ist über die B 98 bzw. L 17 erreichbar. Südlich des Ortes liegt ein teilweise erhaltenes Hochmoor. Benachbarte Orte sind Sappl und Dellach am Millstättersee.

Lage und Wirtschaft

Matzelsdorf ist wie die umliegenden Orte ein bäuerlich strukturiertes Erholungsdorf. Mangels ortsansässiger Betriebe pendelt die Bevölkerung aus. Laut Einwohnerstatistik von 2014 hat der Ort 191 Einwohner, der Nachbarort Sappl 256. Im sozialen Leben sind Matzelsdorf und Sappl vielfach eng verbunden. Als eine der vier Katastralgemeinden Millstatts ist Matzelsdorf eine Verwaltungseinheit im Grundbuch. Zwischen 1889 und 1973 gehörte der Ort zur Gemeinde Obermillstatt. Es gibt einen Gastronomiebetrieb und einige Beherbergungsbetriebe sowie Vollerwerbsbauern.

Die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr erfolgt über den Postbus, der den Ort auf seiner Route von Spittal aus mehrmals täglich anfährt. Im Ort gibt es keine Straßenbezeichnungen, sondern nur Hausnummern, nach denen sich Einwohner, Postboten, Lieferanten und Besucher orientieren müssen.

Geschichte

Frühgeschichte Der Ort Matzelsdorf mit röm.-kath. Kapelle wird schriftlich erstmals im Jahre 1177 als Dulmatisdorf im Zusammenhang mit einer Schenkung zur Gründung des Benediktinerklosters Millstatt durch die Aribonen erwähnt. In der örtlichen Mundart wird der Ort als Matschderf bezeichnet. Der Ortsname, 1202 Domatsdorf und 1286 und 1364 Mätzleinsdorf, ist eine Ableitung des slowenischen Personennamens Dolmač, vermutlich eine Form des lateinischen Dalmatius. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist der Ort keine Gründung der Karantanen und existierte schon lange vor der slawischen Besiedlung ab dem 6. Jahrhundert. In den Nachbarorten Sappl und Lammersdorf fanden sich jungsteinzeitliche Siedlungsspuren, die etwa bis 3000 vor Christus zurückreichen. Zur Zeit um Christi Geburt gehörte der Millstätter Berg zum Stammesgebiet der Ambidravi, der „Beiderseits der Drau Wohnenden“, eine römische Bezeichnung für die hier siedelnde norische Bevölkerung, die keltischen oder stark keltisierten Ursprungs war. In der Römerzeit lag der Ort am Weg von Teurnia ins Gegend- und Kirchheimertal. Südlich von Matzelsdorf führte die alte Römerstraße von Döbriach auf den Millstätter Berg. Die Straße direkt am Millstätter See wurde erst in der Neuzeit gebaut, denn die Felsen bei der Hohen Wand waren lange unüberwindlich.

Eine erste Bestandsaufnahme der Bauernhöfe von Matzelsdorf, zumindest jener, die dem Stift Millstatt gehörten, findet sich im Urbar der Sankt-Georgs-Ritter von 1470, der bei der Klosterübernahme von den Benediktinern erstellt wurde. „Anndre Schuster zu Metzlisdorff, dint von zwayn huben, idem von ainem lehen; Mert Lederer, dint von ainem akher und vörstlin: Gotfrid, Fischer, dint von aim lehen zu Stegka; Christian zu Stegka, dint von ainer huben … idem aber von ainem lehen; Ruepl daselbst dint von einer huben.“Zitiert nach Hier werden deutlich weniger Höfe als im benachbarten kirchenlosen Sappl aufgezählt, wo insgesamt sieben Huben, sieben Lehnen, eine Schwaige und ein Acker angeführt wurden. Unklar ist, wo die Ortsgrenzen verliefen, da der Name Stegka am ehesten dem heutigen Steggaberhof entspricht, der aber in Sappl (Nr. 2) liegt. Die Auflistung eines zweiten Bauern zu Stegka verstärkt diese Vermutung, denn es gab früher auch einen Unter-Steggaber-Hof. 1477 wird der Ort als Metzelsdorff erwähnt. In den Millstätter Quellen finden sich ab 1500 keine Hinweise mehr auf Matzelsdorf. 1575 werden bei Bauarbeiten am Döbriacher Pfarrstadel Matzelsdorfer erwähnt, zum Beispiel zwei „Mailänder“, zwei „Türgg“, ein „Stegaber“, ein „Winkler“ und ein „Caspar Gaugelhofer“, bei dem der noch übliche Vulgoname „Gauggler“ anklingt. Wie eine Beschwerde beim Unterberggericht von 1513 zeigt, scheint es um diese Zeit in Matzelsdorf einen Bergbau gegeben zu haben.Lamprecht Zech an Augustin R. Oswalt. Urkunde des Kärntner Landesarchivs, A. Millstatt Fasz. XXVII/Nr. VVI, Konvolut 1, f.14-15, ausgestellt im Stiftsmuseum Millstatt. Von 1598 bis 1773 war der Ort Teil der Millstätter Jesuitenherrschaft.

Höfe / Häuser / Haushalte und Einwohner 1470 bis 2014 1470 1575 1817 1857 1869 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2011 2014 Höfe / Häuser / Haushalte 6 7 18 14 18 22 28 41 47 47 62 72 Einwohner 120 122 126 142 138 172 93 189 185 183 191 Einwohner pro Haus 7 9 7 6 5 4 2 433

Wallfahrtskirche Maria Schnee mini|Wallfahrtskirche Maria Schnee von Matzelsdorf gegen Nordwesten mini|Wallfahrtskirche Maria Schnee: Innenraum mini|Kanzel von 1720 oder 1730 der Kirche mini|Krönung Mariens, Deckenfresko von Balthasar Klenkh von 1716 Über die Umstände der Gründung der Kirche weiß man nichts. Bei der Sanierung 2004 und 2005 stieß man auf die Fundamente der ursprünglichen Kapelle, die aber keine genauere Datierung ermöglichten. Wappen im Netzrippengewölbe zeigen,Zur Beschreibung des Netzrippengewölbes von 1520 siehe dass Johann Geumann, der Hochmeister der Georgsritter von 1508 bis 1533, für einen Umbau des Langhauses und Chors verantwortlich war. Aus dieser Zeit stammt der Chor, die hohen Fenster, der spitze Turm, der Altarraum sowie ein gotischer Kelch und ein Ziborium.Kelch und Ziborium sind im Stiftsmuseum Millstatt zu besichtigen. 1615 spricht ein Visitationsbericht von einer auffallenden und reichlichen Bauart, allerdings sei die Kirche noch nicht neu eingeweiht. 1438 wurde die Kirche bereits als Marienkirche unsere liebn frawn kirchen gen Metzleinsdorf bezeichnet und war der Himmelfahrt Mariens geweiht. Spätestens 1629 war Maria Schnee dann eine Filialkirche von Döbriach, das wiederum bis 1786 Teil der Urpfarre Molzbichl war. Möglicherweise wurde Matzelsdorf von den Georgsrittern, die immer in Finanznöten waren, an Molzbichl verkauft. Seit 1999 gehört die nunmehr denkmalgeschützte KircheSiehe Liste der denkmalgeschützten Objekte in Millstatt am See. zur Pfarre Obermillstatt, da Matzelsdorf kommunalpolitisch nach Millstatt orientiert ist bzw. Kindergarten und Volksschule sich in Obermillstatt befinden. Der Ort ist nur zu Fuß mit Döbriach direkt verbunden.

Die Freskenbilder von Balthasar Klenkh an den Wänden und an der Decke zeigen Szenen aus dem Leben Mariens und wurden um 1716 gemalt. Bei den Restaurierungsarbeiten wurden sechs lebensgroße Apostelfresken freigelegt, die in einem Bericht von 1837 noch erwähnt, später aber übermalt wurden. Der Hochaltar stammt aus dem 2. Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts, wobei die Bildhauergruppe „Krönung Mariens“ im Aufsatz des heutigen Altars bereits um 1500 angefertigt worden sein könnte. Der rechte Seitenaltar trägt die Jahreszahl 1659, der linke ist Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden. Die Orgel in barocker Bauart wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut.

Die älteste Turmglocke dient als Wetterglocke und wurde im Jahre 1687 gegossen. Die kleinste Glocke läutete einst in der Starfacher Kapelle. Bis auf eine Glocke waren 1917 wie bei vielen Kirchen die Glocken und Orgelpfeifen zur Metallgewinnung abzuliefern, um sie für Kriegszwecke im Ersten Weltkrieg einzuschmelzen. Erst 1924 war das Geläut wieder vollständig, nachdem zwei neue Stahlglocken gekauft werden konnten, die via Ochsengespann von Dellach über die damals noch sehr steile Straße auf den Berg transportiert wurden. Unglücklicherweise passten die beiden Glocken in ihrer Stimmung nicht zusammen und sie mussten im Herstellungsort Kapfenberg nachgestimmt werden.

Der Ruf von Matzelsdorf als Wallfahrtsort geht wie so oft auf Notzeiten zurück. Als nach dem Dreißigjährigen Krieg große Not herrschte, die Pest soll noch um 1681 gewütet haben, gelobte man in mehreren Orten im Umland Prozessionen nach Matzelsdorf zu machen. In den hundert Jahren bis zu den staatskirchlichen Reformen von Kaiser Joseph II. ab 1782, die die Volksfrömmigkeit stark einschränkten, erlebte Matzelsdorf seine Blüte. Die letzten großen Bittprozessionen, bei denen der Gottesdienst aus Platzgründen im Freien abgehalten werden musste, fanden 1914 bei Beginn des Ersten Weltkrieges statt. Bittprozessionen nach und von Matzelsdorf gibt es bis heute. Die weiteste führt nach Maria Bichl bei Lendorf.

Kirchtag in Matzelsdorf und Sappl Der Kirchtag am dritten Sonntag im Juli ist das wichtigste Kirchenfest von Matzelsdorf und Sappl. Die jährliche Feier der Kirchweihe ist ein uralter Brauch und fast immer mit einem Volksfest verbunden. Früher „gehörte“ der Kirchtag den ledigen jungen Männer der Dörfer, die aus ihrer Mitte einen Zech- und Tanzmeister sowie deren Stellvertreter wählten. Diese Vier, die besonders prächtig geschmückte Hüte trugen, bildeten das Organisationskomitee des Kirchtags und trugen bei der Prozession über die Felder den Himmel über der Monstranz. Jeder Zechbursch suchte eine Tänzerin, welche ihm einen Buschen band, der am Kirchsåmstig in einem Glas mit Schnaps übergeben wurde, wozu es noch zwei Kirchtagskråpfen gab. Am Kirchtagsmorgen wurde die Bevölkerung mit Böllerschüsse geweckt. Nach dem Festgottesdienst zog man mit der Musik zum Gasthof Dietrich in Sappl. Traditionellerweise findet der geistliche Teil des Kirchtags in Matzelsdorf, der weltliche im größeren Sappl statt, denn hier war lange das einzige Gasthaus. Die Spenden beim Tuschspielen deckten den Konsum der Zechburschen über den Nachmittag. Am Abend gab es eine Tanzunterhaltung bei freiem Eintritt, wobei jeder Tanz sofort bezahlt werden musste. Mit dem Geldüberschuss, der nach der Bezahlung der Musikanten und der Zeche übrig blieb, machte die Zechgesellschaft dann einen Ausflug. Seit den 1950er Jahren kam der Brauch nach und nach ab und der Kirchtag wird nunmehr von der 1890 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Sappl-Matzelsdorf für gemeinnützige Zwecke als abendliche Tanzveranstaltung auf einer Festwiese in Sappl ausgerichtet.

Der Wettermacher von Matzelsdorf mini|Gewitter auf der Millstätter Alpe mini|Ein früher für die Gegend typischer Hof – Forstbauer um 1910 mini|Forstbauer Hof – Grundriss um 1910