Die k.u.k. Kaiserjäger (offizielle Bezeichnung der k.u.k. Militäradministratur: k.u.k. (1.-4.) Tiroler Jäger-Regiment „Kaiserjäger“Die Bezeichnung „Kaiserjäger“ war ein ehrenhalber verliehener Beiname und kein Bestandteil der Militärkanzleisprache. Die offizielle Bezeichnung lautete „k.u.k. (1.-4.) Tiroler Jäger Regiment“. Allerdings hatte sich die Bezeichnung „Kaiserjägerregiment“ umgangssprachlich immer mehr durchgesetzt, sodass sie im allgemeinen Sprachgebrauch als alleingültig angesehen verwendet wurde und wird.) waren ab 1895 vier Infanterieregimenter der Gemeinsamen Armee Österreich-Ungarns. Die selbständigen k.u.k. Jäger wurden als k.u.k. Feldjäger bezeichnet. Trotz des landsmannschaftlichen Hinweises „Tirol“ rekrutierten sich die Angehörigen nicht nur aus dem Kronland TirolAuch Trient gehörte damals zu Tirol. (mit Vorarlberg), sondern auch aus anderen Teilen der Monarchie.In verschiedenen Quellen wird der Prozentsatz der Tiroler (inklusive Trentiner) und Vorarlberger auf an oder über 90 % beziffert. Mit zunehmender Kriegsdauer konnte der Nachersatz allerdings nur noch durch verstärkten Zugriff auf die anderen Teile der Monarchie sichergestellt werden. Die Regimenter wurden 1918 mit dem Ende der k.u.k. Monarchie aufgelöst.
Vorgeschichte mini|Kaiser Franz Joseph I. in der Paradeadjustierung der Jägertruppe im Jahr 1879 mini|Kaiserjäger-Kaserne in Hall in Tirol Als erste stehende Truppe Tirols muss man das 1703 aus Tirolern errichtete Tiroler Landbataillon ansehen. Dieses wurde 1745 durch das Tiroler Feld- und Landregiment ersetzt, welches den Rang und die Prärogativen eines kaiserlichen Regiments erhielt und unter der Stammnummer 46 geführt wurde. Bedingt durch die politischen Verhältnisse während der Napoleonischen Ära, stellte man das Regiment 1801 auf Dauer in das (damals noch) österreichische Venetien ab, wodurch es seinen ursprünglichen Namen verlor.
Als Nachfolger in Tirol errichtete man aus einem Tiroler Jägerkorps und dem Bataillon der Kurzschen Jäger das Tiroler Jäger-Regiment Nr. 64. Nachdem Tirol 1805 an das Königreich Bayern gefallen war, wurde der Namen Tiroler Jäger zurückgezogen und in die Vakanz gestellt. Nach Rückkehr Tirols zu Österreich 1814 begann man unverzüglich mit der Neuaufstellung eines Tiroler Jägerkorps, das zunächst aus einem Bataillon bestand, später aber auf drei Bataillone erweitert wurde. Inhaber des Korps wurde Feldmarschalleutnant Franz Philipp Fenner von Fenneberg (1762–1824), wovon sich auch die zeitweilige Bezeichnung Fennerjäger ableitete. Von 1843 bis 1861 war Feldzeugmeister Peter Pirquet von Mardaga und Cesenatico Inhaber des Kaiserjäger-Regiments.
Regimentsaufstellung Im Frühjahr 1815 ordnete Kaiser Franz I. die Errichtung eines Kaiser-Jäger-Regiments zu vier Bataillonen mit zusammen 16 Kompanien an. Mit dem 16. Jänner 1816 begann die Aufstellung dieses Regiments. Zum Unterschied zur sonst in den selbstständigen Feldjägerbataillonen (k.u.k. Feldjäger) organisierten Jägertruppe Alt-Österreichs war dies bis 1895 (Aufteilung des „Großen Regiments der Tiroler Kaiserjäger“) das einzige (k.k.) Jägerregiment des Kaisertums (Österreich).
Die Soldaten dieses Regimentes in der Stärke von 5.000 Mann rekrutierten sich durch die Konskription – bis zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1868 wurde die Stellung durch Los bestimmt –, weiterhin durch die Übernahme von 1.400 Mann aus dem ehemaligen Fennerjägerkorps und von 600 Tiroler Soldaten, welche nach Ende der Napoleonischen Kriege wieder in die Heimat zurückkehrten. Betrug die Dienstzeit anfangs 12 Jahre, verringerte sich diese später über 8 auf 6 Jahre, wobei die Bezahlung der Soldaten angemessen war.
Organisationsänderungen 33 Jahre lang blieb die Organisation des Regiments unverändert, bis im Jahre 1849 eine Umformierung in sechs Bataillone zu vier Kompanien und ein Bataillon zu sechs Kompanien vorgenommen wurde. 1859 wurde ein zusätzliches 8. Bataillon aufgestellt. Im Jahre 1863 erfolgte abermals eine Umstrukturierung, das Regiment hatte nunmehr sechs Bataillone zu je sechs Kompanien und ein Depotbataillon, aus dem im Mobilmachungsfall ein siebtes Bataillon entstehen sollte.
Nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1868 bestand das Regiment aus sieben Bataillonen, sieben Reserve-Kompanien und einem Ergänzungs-Bataillonskader. Im Jahre 1880 wurde das Regiment durch Zuweisung von aufgelösten Feldjäger-Bataillonen auf einen Stand von zehn Bataillonen gebracht.
Bis zum 1. Mai 1895 wurde das Personal durch Zuweisungen aus der Feldjägertruppe auf 16 Bataillone verstärkt und das Regiment in vier Jäger-Regimenter zu je vier Bataillonen aufgegliedert. Die neu aufgestellten Regimenter erhielten die Bezeichnung Kaiserliches und königliches 1., 2., 3., und 4. Tiroler-Jäger-Regiment „Kaiserjäger“.
Regimentsinhaber war stets der Kaiser persönlich, die Zweitinhaber sowie die Kommandanten wurden durch ihn persönlich ernannt.
Gliederung mini|Kaiserjäger in Paradeadjustierung
Am 1. Mai 1895 wurde aus den 16 Bataillonen des „Tiroler Jägerregiments Kaiser Franz Joseph“ die Errichtung von 4 Regimentern angeordnet, die wie folgt aufgestellt wurden:
Das 1. Regiment mit Stab / II. / III. und IV. Bataillon in Innsbruck, I. Bataillon in Bregenz
Das 2. Regiment mit Stab / I. / II. und IV. Bataillon in Wien, III. Bataillon in Brixen
Das 3. Regiment mit Stab / III. und IV. Bataillon in Trient, I. Bataillon in Riva, II. Bataillon in Rovereto
Das 4. Regiment mit Stab / II. / III. und IV. Bataillon in Lienz, I. Bataillon in Hall in Tirol
Durch das in Österreich-Ungarn übliche häufige Wechseln der Garnisonen lagen die Einheiten (offizielles Kürzel: TJR = Tiroler Jäger Regiment) 1914 in folgenden Städten der drei Tiroler Landesteile (Nord-, Süd- und Welschtirol) in Garnison:Diese Angaben beziehen sich auf August 1914.
1. k.u.k. Tiroler Jägerregiment (Kaiserjäger) Errichtet: 1895 – XIV. Armeekorps – 8.Infanterie Truppendivision – 121. Infanteriebrigade Ethnische Zusammensetzung:Ehnl spricht in seinem Werk auch mehrfach von „Nationalitäten“, so auf S. 14 & 15. 58 % Deutsche – 38 % Italiener – 4 % sonstige Regimentssprache: deutsch, italienisch Ergänzungsbezirkskommando, Ersatzbataillonskader: Innsbruck Ergänzungsbezirk: Innsbruck, Brixen, Trient Garnison: Stab, I., II., IV. Baon: Trient – III. Baon: Innsbruck Kommandant: Oberst Karl Hollan Stabsoffiziere: Otl. Paul Gschliesser, Major August Preindlsberger, Major Guido Blaas, Major Emanuel Leuprecht, Major Maximilian Ritter Barth von Barthenau, Major Friedrich Fössl
2. k.u.k. Tiroler Jägerregiment (Kaiserjäger) Errichtet: 1895 – XIV. Armeekorps – 8. Infanterie Truppendivision – 15. Infanteriebrigade Ethnische Zusammensetzung: 55 % Deutsche – 41 % Italiener – 4 % sonstige Regimentssprache: deutsch, italienisch Ergänzungsbezirkskommando, Ersatzbataillonskader: Brixen Ergänzungsbezirk: Innsbruck, Brixen, Trient Garnison: Stab, I., II. Baon: Bozen – III. Baon: Meran – IV. Baon: Brixen Kommandant: Oberst Alexander Brosch Edler von Aarenau Stabsoffiziere: Otl. Friedrich Kreschl Edler von Wittigheim, Otl. Viktor Freiherr von Schleinitz, Otl. Gebhard Scherrer, Otl. Theodor Ritter von Zeyneck, Major Ernst Devarda, Major Johann Ritter von Bézard, Major Friedrich Graf Meraviglia-Crivelli
3. k.u.k. Tiroler Jägerregiment (Kaiserjäger) Errichtet: 1895 – XIV. Armeekorps – 8. Infanterie Truppendivision – 96. Infanteriebrigade Ethnische Zusammensetzung: 59 % Deutsche – 38 % Italiener – 3 % sonstige Regimentssprache: deutsch, italienisch Ergänzungsbezirkskommando, Ersatzbataillonskader: Trient Ergänzungsbezirk: Bozen, Brixen, Trient Garnison: Stab, II., III., IV. Baon: Rovereto – I. Baon: Trient – eine Kompanie in Ala Kommandant: Oberst Heinrich Vonbank Stabsoffiziere: Otl. Johann Lercher, Otl. Josef Poletilović, Major Ignaz Fürmkranz, Major August Planiseig, Major Franz Bauer, Major Karl Köbe
4. k.u.k. Tiroler Jägerregiment (Kaiserjäger) Errichtet: 1895 – XIV. Armeekorps – 8. Infanterie Truppendivision – 94. Infanteriebrigade Ethnische Zusammensetzung: 59 % Deutsche – 38 % Italiener – 3 % sonstige Regimentssprache: deutsch, italienisch Ergänzungsbezirkskommando: Trient Ersatzbataillonskader: Hall in Tirol Ergänzungsbezirk: Cavalese, Bozen, Trient Garnison: Stab, II., III., IV. Riva – I. Baon Hall in Tirol: Kommandant: Oberst Gustav Rubritius Stabsoffiziere: Otl. Rudolf Ritter von Kriegshaber, Otl. August Fischer vom See, Major Karl Kreiner, Major Varius Graf Lavaulx Freiherr von Vrécourt
Geschichte Frühe Kampfeinsätze Zu den Einsätzen der Kaiserjäger im Revolutionskrieg von 1848 in Italien sind die Teilnahme am Straßenkampf von Mailand (18. bis 23. März 1848, Erstürmung der Porta Comasina), an den Gefechten von Pastrengo und Curtatone, an der Schlacht von Santa Lucia (6. Mai) und der Sturm auf das Dorf Pregasina am 16. Juni zu nennen. Darauf kämpfte des II. Bataillon mit besonderer Auszeichnung bei Sommacampagna und Custozza (24. und 25. Juli) sowie beim Nachtgefecht in Volta (26. Juli). Im folgenden Frühjahrsfeldzug 1849 kam es am 24. März 1849 zur Teilnahme am entscheidenden Sieg des Feldmarschall Radetzky in der Schlacht von Novara (Verteidigung von Olengo).
Im Feldzug von 1859 in der Lombardei gelang am 4. Juni die Eroberung einer französischen Kanone in der Schlacht von Magenta, darauf folgte die Teilnahme von 5 Bataillonen in der Schlacht bei Solferino. Während der Schlacht bei Custozza am 24. Juni 1866 gelang die Erstürmung von Oliosi. Beim Okkupationsfeldzug in Bosnien von 1878 waren die Kaiserjäger am Entsatz von Stolac und beim Sturm auf eine Insurgentenstellung bei Kremenac (21. August) beteiligt.
Außer an unmittelbar militärischen Kampfeinsätzen sollen die Kaiserjäger auch am Ausbau von militärisch wie auch zivil nutzbarer Infrastruktur beteiligt gewesen sein. Angeblich legten sie von Levico Terme (Löweneck) im Suganertal aus in den 70er- und 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts die „Kaiserjägerstraße“Den Kaiserjägern, die ja nur ein normaler Infanterieverband waren, wird in der Sekundärliteratur der Bau mehrerer Gebirgsstraßen zugeschrieben, wozu sie jedoch technisch überhaupt nicht in der Lage waren. an, die auf die Hochebene von Lusern und der Sieben Gemeinden führt und an der Malga Monterovere (1.255 m) endet.
Im Weltkrieg 1914–1918 Im Ersten Weltkrieg kämpften die vier Regimenter unter schweren Verlusten zunächst im Rahmen des XIV. Korps (3. und 8. ITD.) in Galizien und den Karpaten gegen Russland, bis sie dann nach dem Beginn der Kämpfe an der italienischen Front auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden östlich von Trient und am Isonzo eingesetzt wurden.Nähere Einzelheiten finden sich in den spezifischen Artikeln. Die Kaiserjäger waren keine Gebirgstruppe, sondern reguläre Infanterie. Das gut ausgebildete Friedenspersonal wurde während der Schlacht in Galizien regelrecht aufgeopfert und konnte nicht mehr im gleichen Umfang ersetzt werden.
mini|Kaiserjägerfriedhof in Hiiche/Ukraine nahe Rawa-Ruska Die k.u.k. 4. Armee unter General der Kavallerie von Auffenberg konnte die russischen Kräfte Ende August 1914 bei Komarow zurückwerfen, musste sich aber nach der Niederlage der k.u.k 3. Armee bei Zloczow umgruppieren. Die mit Front nach Norden ausgerichtete Armee musste eine Kehrtwendung nach Süden ausführen. Die sogenannte zweite Schlacht bei Lemberg endete in einem Desaster. Das 2. Tiroler Kaiserjäger-Regiment hatte 80 % Ausfälle zu beklagen. Das Regiment verlor am 7. September bei Hujcze-Zaborze seine Fahne, nachdem alle Männer vom Fahnenkommando und der Regimentskommandant Brosch von Aarenau gefallen waren. Am 22. Jänner 1915 wurde dem Regiment in Dobno vom Kaiser eine neue Fahne verliehen.Anton Graf Bossi-Fedrigotti: Kaiserjäger. Stocker Verlag, Graz 1977, S. 40.